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Hanauer K Anzeiger

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Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 M.. für aus­wärtige Wonnatten mit dem betreffenden Postausichlag.

Die einzeln« Nummer kostet 10 Pfg.

BrtatieuSdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein.

ee, Waisenhauses in Hanau.

General-Auzetzer

Amtliches ®tgai für Stof- nai KmLirrcis Sanaa.

Erscheint täglich Ausnahme der Vonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

SinrücknugSgebichr:

Die fünfgespaltene Petitzate »da beten Raum 16 Pfg^ im Ntiiamattal die Zeile 35 Pz^

Verantwort!. Nedakreur: «.Schrecker in H««.

$L 156 ^ernfprechanschlits; Nr. 605.

Samstag den 7. Juli

Fsrnfprecharrschlitß Nr. 605. 1906

Amtliches

Landkreis f)anau» Bekmtmchmgen hes Königlichen LilnKatsamts.

In Großkrotzenburg ist die Rotlaufseuche er­loschen. Die Gehöftsperre ist aufgehoben.

Hanau den 4. Juli 1906.

Der Königliche Landrat.

V4898 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Festgestellt: die Backsteinblattern in Kassel und Wüst- willlenroth, Kreis Gelnhausen.

Desgleichen: die Schweineseuche in He II st ein, Kreis Gelnhausen.

Erloschen: die Rotlaufseuche in Bernbach, Kreis Geln­hausen.

Hanau den 6. Juli 1906. V 4971

Handelsregister.

Firma Max Strohmeyer in Hanau: Das Handels­geschäft ist auf den Kaufmann Wilhelm Köhler in Hanau übergegangen, welcher es unter unveränderter Firma als Einzelkaufmann fortführt.

Der Ehefrau des Kaufmanns Wilhelm Köhler, Marie geb. Goll in Hanau ist Prokura erteilt.

Hanau den 3. Juli 1906.

Königliches Amtsgericht 5. 14354

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der, Ge­meinde Langenselbold belegene, im Grundbuche von Langen­selbold Artikel 241 zur Zeit der Eintragung des Dersteige- rungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau des Ackermanns Wilhelm Pfeiffer, Wilhelmine geb. Schlencher, zu Langenselbold eingetragene Grundstück:

Krtbl. 76 Nr. 95/36, Acker zwischen den Wegen, 50,80 ar am 19. September 1906, vormittags 9^3 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.

Langenselbold den 29. Juni 1906.

Königliches Amtsgericht. 14332

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Kinderschirm, 1 kathol. Biblische Geschichte, 1 A. B. C.-Buch, 1 Sack Kleie.

Feuilleton.

Präludien.

(3um Kreisturnfest.)

= Hanau, 7. Juli.

Wenn es ivahr ist, was Goethe imSchatzgräber" sagte und es liegt eigentlich kein zwingender Grund vor, daran zu zweifeln daß frohe Feste sich durch das Vorausgchen saurer Wochen zu kennzeichnen pflegen, dann müssen die An­fangswochen dieses gesegneten Jahres zum' wenigsten Doppel- essig gewesen sein oder Ameisensäure. Kaum ist die Flut stadtbesichtigender Männer, die außer dem farbigen Bändchen im Knopfloch noch manches Gemeinsame hatten und ausnahmlos mit drohendem Stirnrunzeln die lustigen Schwenkungen der Wetterhähne auf den Turmspitzen beobach­teten,,. wieder abgeebbt; kaum hat sich das vergnügliche Schmunzeln vieler Gewerbetreibender hinter den letzten fremden Gästen verloren; kaum haben sich die Denkmäler und Sehenswürdigkeiten von all den Blicken verstehender Bewunderung wieder einigermaßen erholt und mit ihrer vor­herigen unbehelligten Beschaulichkeit umhüllt da setzt schon das Präludium des neuen Festes in fröhlichem Allegro ein, rauschen schon wieder die Heuer so oft gelüfteten Fahnen und Fähnlein in der Sommerluft, tauchen schon überall die bunten Willkommenplakate mit unendlich viel Schweinfurter Grün, die geringelten Flaggenstangen und die steifen Papierfähnchen auf und eine freudige Unruhe klopft in den ruhigen Bürger­herzen. Ein wenig kleinlaut denkt der eine oder andere noch an die flammende Rede, die er wohl jüngst mit der Eloquenz der Ueberzcugthcit über die immer schlechter werdenden Zeiten hielt, während die Rechte schon in der stillen Verborgenheit der Tasche die Geldstücklein abzählte, die bei dem Feste drauf­gehen dürfen, falls nicht unvorhergesehene Zwangsmnstände

Verloren: 1 landwirtschaftlicher Kalender vom Jahre 1906, 1 silberne Herrenuhr mit Kette, 1 breites silbernes Kettenarmband, 1 Damen-Gummigürtel, 1 rotes Porte­monnaie mit 98 Pfg.

Zugelaufen: 1 hellgrauer Pinscher.

Hanau den 7. Juli 1906.

Mus Hanau Stadt und Tand.

Honozt, 7. Juli.

* Verlieben. Dem venstonierten Steueraufseher Jo­hannes Mandel zu Rödelheim bei Frankfurt a. M., bisher zu Bergen im Kreise Hanau, wurde das Allgemeine Ehren­zeichen verliehen.

* Reichsbnnknebenftette. Am 16. Juli d. J. wird in Zielen zig eine von der Reichsbankstelle in Frankfurt (Oder) abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

* Vorfeier des Turnfestes. Die morgen Sonntag den 8. Juli stattfindende Vorfeier zum mittelreinischen Kreis­turnfest beginnt vormittags lV/a Uhr mit einem Früh- konzert auf dem Festplatze, ausgeführt durch die hiesige Jnfanteriekavelle unter Leitung des kgl. Musikdirigenien Earl Schmidt. Nachmittags halb 4 Uhr findet das T u r n e n der Mädchen statt, bestehend in allgemeinen Freiübungen, in Keulen- und Geräteübungen der höheren Mädchenschule, in Stabübungen der Eberhardschule und Spielen der Bezirks­schulen. Um halb 5 Uhr beginnt das Turnen der Knaben der Oberrealschule, der Mittelschule und Bezirks­schulen, bestehend in Freiübungen, Geräteturnen und Spielen. Die vier hiesigen Turnvereine turnen von 6 Uhr an nach folgender Ordnung. Aufmarsch, Freiübungen, Stab­übungen der Männerabteilungen, Geräteturnen und Fechten, Spiele. Turnen der Musterriegen: Turngesellschaft an zwei Pferden, Turnverein an einem Barren, Turngemeinde an drei Recken, Turn-und Fechiklub an zwei Recken und Säbelfechten. Während des Turnens konzertiert die hiesige Jnfanteriekapelle. Abends von 8 Uhr an findet auf dem Festplatz Tanzbelustigung statt, während in der Festhalle neben Konzert der Infanterie- kapelle folgende Aufführungen den Abend verschönen werden: Kugelstabübungen der Frauenabteilung des Turn- und Fecht­klubs, Keulen- und Fahnenschwingen der Frauen- und Jugend­abteilung der Turngesellschaft, Stabreigen der Frauen- und Jugendabteilung des Turnvereins, Keulenschwingen der Frauen­abteilung der Turngemeinde, Fahnenschwingen der Frauen­abteilung des Turn- und Fechtklubs.

* Schüler tirrrren. Die morgen bei der Vorfeier am Turnen teilnehmenden Schüler- und Schülerinnen versammeln sich um halb 3 Uhr in ihren Schulen und ziehen geschlossen

eine Erhöhung des Etats notig machen. Aber wer wird sich wohl angesichts eines fröhlichen Festes mit wirtschaftlichen Skrupeln plagen? Man muß die Feste feiern wie sie fallen! heißt ein altes Wort und da gottlob ausreichend dafür ge­sorgt ist, daß siefallen", wird es auch keine allzugroßen Schwierigkeiten haben mit dem Feiern. Da es aber die be­währte Bürgerseele mit dem Feiern meistens höllisch ernst zu nehmen pflegt, kann man allüberall schon seine Beobach­tungen machen, wie emsig die mannigfachen Vorbereitungen zu den großen Tagen bereits betrieben werden und es wird wohl nicht als gar zu insdiskret erscheinen, die aufgenommenen Bilder ein wenig auf die Projektionsfläche der Oeffentlichkeit zu werfen. . .

Ferchterliche Sorge sprieße

In so manchem Mädchenskopp,

Wo's jetzt gilt, sich zu entschließe

Noch in punkto Festgarderob.

Ach, deS sin der schwere Leide,

Wann mer nor des rechte wißt,

Ob Kaddun, ob Fularseide,

Moree odder Glansbaddist.

Stimdelange Konserenze

Fihr'n die Dechter hin und her;

Jugend", Haaßtts da,will doch glenze, Liewer noch e Schlippche mehr.

Liewer noch e extra Bändche,

Noch en Hut un neue Schuh,

Sonnescherm und Glaceehändsche

Dadder drick' die Aage zu!"

Lachend halb un halb verdießlich, S'eegt der Vadder:Nun es sei!" Denn in solche Fäll' giebt schließlich Allemal der Klügere bei.

Un er geht mit Männerschritte Der gewohnte Zappstell' zu, Um nach Neigung, Recht un Sitte Dort en klaane Drunk zu dhu!

Die heutige Wummer umfaßt außer dem UuterhaltgugSbiatt 16 Seite».

nach dem Marktplatz, von wo aus sie um 3 Uhr mit Mu^ nach dem Festplatz geführt werden.

* Der' Aestzug. Der am nächsten Sonntag den 15. Juli anläßlich des mittelrheinischen Kreisturnfestes zu veran­staltende Festzug wird sich folgendermaßen aufstellen: 1. Ab­teilung : Grimmstraße und Bebraerbahnhofstraße (Spitze an der Kreuzung Grimmstraße und Neue Anlage). 2. Abteilung: Bebraerbahnhofstraße (Spitze an der Vereinigung der Grimm­straße und Bcbraerbahnhofstraße). 3. Abteilung: Akademie- straße (Spitze an der Vereinigung der Akademiestraße mit der Grimmstraße). 4. Abteilung: Friedrichstraße (Spitze an der Vereinigung der Friedrichstraße mit der Grimmstraße) 5. Abteilung: Neue Anlage (Spitze an der Kreuzung Grimm­straße und Neue Anlage. Aufmarsch punkt 12 Uhr, Abmarsch 12'/i Uhr. Der Festzug bewegt sich durch folgende Straßen: Grimmstraße, Schützenstraße, Sandstraße, Kirchstraße, Franzö­sische Allee Ost- und Südseite, Hahnen-, Glocken-, Römer­straße, Marktplatz Südseite, Nürnberger-, Hirsch-, Lang- und Rosenstraße, Paradeplatz Südseite, Fahrstraße, Marktplatz Nordseite, Krämer-, Herrn-, Lang-, Hammer-, Stern- und Bleichstraße, Nußallee, Vor dem Frankfurtertor, Hospital-, Bangert-, Marktstraße, Altstädter Marktplatz, Marien-, Hain-, Wilhelm- und Lamboystraße nach dem Festplatz.

* Süddeutsche Motorravsahrt. Als Ersatz für die im Anschluß an die Herkomerfahrt geplante Motorradfern- fahrt, die wegen Nichtfreigabe der Straßen in Oesterreich unterbleiben mußte, wurde von der Deutschen Motorradfahrer- vereinigung eine Zuverlässigkeitsfahrt veranstaltet. Als Route wurde der 845 Kilometer lange Weg München-Karlsruhe- Frankturt-Würzburg-München gewählt. Auf Schnelligkeit kommt es, wie bei der Herkomer-Konkurrenz nicht an, die Fahrt soll vielmehr eine Prüfung für die Zuverlässigkeit bet Fahrzeuge sein. Donnerstag früh begann die Tour. Es starteten in München S1 Fahrzeuge, darunter 15 kleine Mo­torwagen. Die Fahrt ging am ersten Tage bis Karlsruhe (307 Kilometer). Gestern morgen verließen die Fahrer um 5 Uhr Karlsruhe, um die 267 Kilometer lange Tour des zweiten Tages bis Würzburg (über Frankfurt) zu durcheilen. Von Karlsruhe ging die Fahrt zunächst nach Heidelberg, wo ein Rennen auf dem Königsstuhl stattfand, und von da nach Darmstadt. Der erste Fahrer verließ Heidelberg um 9 Uhr 30 Min., die übrigen folgten in Abständen von je 1 Minute. Heute wird die Schlußstrecke Würzburg-München, die 271 Kilometer beträgt, zurückgelegt.

* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad Militär? Konzert der Kapelle des 2. Unterelsâsfifchen Ar» tillerie-Regiurents Nr. 67 aus Hagenau statt.

* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.

Middernacht iS längst voriwwer.

Doch der Wackre sitzt un zecht;

Manchmal schnappt sei' Baßstimm iwwer,

Wann er grab was redde möcht'.

Un er singt von Woin un Lüwe,

(Leider stets denselwe Verseh)

Ja, mer muß sich doch aach iw«

For den große Festkommersch.

Alde, räudige Cylinder

Wern energisch uffgebutzt,

Schwarze Gehreck wern not minder

Fiewerhaft zurechtgestutzt.

Weiße Weste wern gebichelt,

Alde Schunke wern gestoppt,

Festwoinflasche zugesichelt,

Nägel in die Fahn' gekloppt.

Alde Schwüre wern erneuert,

Konaissance wern entriert,

Dubleekette blank gescheuert,

Aale Stiwwel neu lackiert.

Alles schmickt sich un verziert sich,

Daß an Glanz nix fehle soll

Korzum, Alles prabariert sich

Möglichst stil* un würdevoll.

Ach, was iS deS «schon e Treiwe,

E Gediwwer, e GedeeS;

Leut', die sonst sehr ruhig bleiwe,

Sin schon dorch und dorch neroeeS.

ßeuf, die nie gekonnt im Lewe,

Barre, Reck un Kletterseil,

Ruffe voller Eifer ewe

Hunnertmal im Traum: Gut Heil!

Der Dauerläufer, der nun mit respektabler Ausdauer schon wochenlang auf den schlicht-vornehmen Plakaten um das Weichbild der Stadt läuft, ohne dabei etwas nennens­wertes von seinem Luftvorrat einzubüßen, würde sich gewiß ein wenig verweilen, wenn er ahnte, was es noch alles zu sehen gibt. Aber Dauerläufer sind meistens nicht neugierig;