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General-ARzeiger
Amtliches Organ für ÄM- M Landkreis Kana«.
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Die füujgespâm Petitzeile »der betet Konnt 15 Pfg, im Sieklamemeil die Zeile 35
n, Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Vetttnimetfl. Redakteur: ®. enteiset in Htmau.
Nr. 260 Fernsprechanschlits; Nr. 605.
Dienstag den 6. November
Aernsprechanschluh Rr. 605. 1906
Amtliches.
Eandkreis F)anau,
VekaMtmchMgen hes Königlichen
An die Herren Bürgermeister des Landkreises.
Nach einem Urteile des Schöffengerichts zu Neuß vom 21./28. Februar d. Js. ist ein Kaufmann wegen Verfälschung von Zwieback durch Zusatz von Seife zu einer Geldstrafe von 60 Mark verurteilt worden.
Wie aus der Urteilsbegründung hervorgeht, hatte der Angeklagte unter der Bezeichnung „Sanitâts-Kindernâhr- Zwieback-Extrakt" eine Zubereitung in den Handel gebracht, die als Zusatz zu dem von den Bäckermeistern hergestellten sogenannten holländischen Zwieback dienen soll. Er war beschuldigt, das Erzeugnis durch Zusatz von Seife vorsätzlich verfälscht und die verfälschte Ware in den Verkehr gebracht zu haben. Der Seifenzusatz war durch den beeidigten Gerichtschemiker festgestellt worden und wurde auch von dem Angeklagten vor Gericht zugegeben.
Die Verfälschung muß als umso bedenklicher bezeichnet werden, als ein für die Ernährung der Kinder und insbesondere schwächlicher und kranker Kinder bestimmtes Nahrungsmittel, der Zwieback, mit einem Extrakt bereitet wird, dessen reklamhafte Bezeichnung „Sanitäts-Kindernähr-Zwie- back-Extrakt" in keiner Weise den Seifengehalt vermuten läßt.
Da eine solche Fälschungsart nach dem Angeklagten vielfach üblich sein soll, so ersuche ich bei der polizeilichen Prüfung von Lebensmitteln hierauf zu achten. Die Verfertiger von Kinderzwieback sind vor der Verwendung des Extrakts zu warnen.
Hanau den 3. November 1906.
Der Königliche Landrat.
V 8128 v. Beckerath.
Mit der Berichterstattung auf meine Verfügungen vom 2. Juni 1893, P 5735, und 27. Juni 1900, P 5966, betreffend polizeiliche Maß- und Gewichtsrevision ist noch eine Anzahl Bürgermeister im Rückstände.
Es wird daher an die Erledigung der vorgenannten Verfügungen mit «tägiger Frist erinnert.
Hanau den 3. November 1906.
Der Königliche Landrat.
59396 J. D.: Siemon, Reg.-Assessor.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Von den in der Gemarkung Großauheim gelegenen, der Stadt Hanau gehörigen Grundstücken sind noch 90 Parzellen »nverpachtet.
Termin zur Verpachtung derselben findet am Freitag den 9. d. Mts., vormittags um 10 Uhr, in der Stadthauptkaffe (Neustädter Rathaus, 1. Obergeschoß, Zimmer Nr. 4) statt.
Pachtliebhaber werden hierzu mit dem Bemerken einge- ladeu, daß über die Lage der betr. Grundstücke in der genannten Kasse bereits vorher während der Dienststunden von 81/»—12*/s Uhr vormittags an der Hand der Karte Auskunft erteilt wird.
Hanau den 5. November 1906.
Stadthauptkaste. 23948
Hus Hanau Stadt und Eand*
Hanau, 6. November.
Sport und Rennen.
Wenn auch die fröhlichen Klänge des Hubertustages schon wieder in unserer Garnison für dieses Jahr verklungen sind, so bietet hoffentlich der morgige Renntag, bevor die ernste Winterdressur für die Offizierpferdc beginnt, noch so manchen frischen Galopp. Nur zu schnell vergeht die schöne Zeit der Reüjagden und es wird sich im Umkre s von 10 km wohl kaum ein Wiesengraben beklagen können, in diesem trockenen Herbst bei einer oder der anderen Reitjagden nicht gesprungen zu sein. Das Entgegenkommen der sämtlichen Herren Bürgermeister und der verschiedenen Wiescnbesitzer mit Ausnahme der in Mittelbnchen, war wirklich groß, zumal sich diese Herren mit Recht seinen durften, bei den trockenen Wiesen können die paar leichten Pferdebufc, meistens hinten unbeschlagen kaum einen Schaden anrichten, obgleich dagegen die sonst so'wohl in Ordnung gehaltenen Gräben so manches Pferd nebst Weiter zu Fall brachten, und wenn ein oder der
andere Reiter mit seinem Pferd morgen beim Rennen nicht erscheinen kann, so ist sicher der Falibach bezw. der Krebsbach oder einer der Abzugsgräben der Kinzig oder des Mainflusses Schuld daran. So zahlreich wie auf dem Sammelplatz für die Reitjagden die Reiter stets erschienen, hoffen wir auch, daß die Herren Landwirte des Kreises Hanau mit ihre in vorzüglichen Pferdematerial zum landwirtschaftlichen Rennen dem Starter sich stellen werden; im Voraus sämtlichen Teilnehmern „gut Huf" wünschend.
* Bibelstttttde. Heute abend S1^ Uhr findet Bibel- stunde im evangel. Vereinshause statt, gehalten von Herrn Pfarrer Fuchs.
* Kontrolversammlung. Mittwoch den 7. November , vormittags 9 und 11 Uhr in Langenselbold (Am Schloßberg im Garten von Gasche). Siehe amtliche Bekanntmachung in Nr. 251 „Han. Anz.".
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Fernsprechverkehr ist auf den belgischen Ort Rodenge sur Geer ausgedehnt worden.
* Außerordentliche Prüfung der Quittungs- karten. Sicherem Vernehmen nach findet in den nächsten Tagen in hiesiger Stadt eine außerordentliche Prüfung der Quittungskarten statt, welche von Bureaubeamtcn der Landes- versichernngsanstalt Hessen-Nassau ausgeführt werden wird. Für Arbeitgeber, welche mit der Verwendung der fälligen Beitragsmarken noch im Rückstände sind, empfiehlt es sich daher, zur Vermeidung von Strafen und Weiterungen alsbald das Versäumte nachzuholen. Auch empfehlen wir, die Ouiuuugskarten in der nächsten Zeit betest zu halten, damit dieselben auch bei etwaiger Abivesenheit des Arbeitgebers oder Versicherten von den Angehörigen und Beauftragten dem Kontrollbeamten alsbald vorgelegt und dadurch öftere Störungen und Zeitverluste für beide Teile vermieden werden können.
* Verliehen. Dem Stationsassistenten Hermann Rieger dahier wurde anläßlich seines Scheidens aus dem Dienste der Kronenorden 4. Klasse verliehen.
* 77. Geburtstag. Unser Ehrenbürger, Herr Kaufmann Joh. Heinr. Nickel feierte gestern seinen 77. Geburtstag, beglückwünscht u. a. auch namens der Stadtverwaltung durch Herrn Oberbürgermeister Dl. Gebeschus.
* Herbst - Pferde - Rennen auf dem Exerzierplätze. Morgen Mittwoch nachmittag finden auf dem Exerzierplatz die vom Offizierkorps unseres Ulanenregiments veranstalteten Pferderennen statt. Die lebhafte Teilnahme, welche die interessante sportliche Veranstaltung noch in jedem Jahre gefunden hat, dürfte diesmal noch bedeutend größer werden, da auch die Generalität des 18. Armeekorps, der kommandierende General, Divistons- und Brigadekommandeur und die Büdinger Fürstlichkeiten u. a. ihr Erscheinen zugcsagt haben. Das Rennen nimmt um 1/a3 Uhr seinen Anfang und werden folgende Strecken gelaufen: 1. Hubertus- Rennen: Ehrenpreise. Offen für alle Pferde ohne Ge- wichtsausgleich. Distanz ca. 4000 Meter. Gemeldet 11 Pferde. 2. Spring-Konkurrenz: Ehrenpreise. 4 Hindernisse, nicht höher wie 1.10 Meter. Gemeldet 9 Pferde. 3. Fürstenrennen: Ehrenpreise. FürChargenpferdc, bezw. ausgediente oder als Chargenpferde eingestellte Pferde. Distanz ca. 2500 Meter. Gemeldet 8 Pferde. 4. Philippsruh-Jagdrennen: Ehrenpreise. Für Pferde, die mindestens dreimal in diesem Herbst Jagd gegangen sind. Vollblut ausgeschlossen. Gewicht 90 Kilogramm. Distanz ca. 3000 Meter. Gemeldet 4 Pferde. 5. Jagd für U n t e r- o ffi ziere: Ehrenpreise. Entfernung ca. 3000 Meter. 6. Landwirts chaftlichesFlachren neu: Für Pferde aus Stadt- und Landkreis Hanau, Ehrcupreise. Distanz ca. 1000 Meter.
* Weins'scker Gesangverein. Wegen plötzlich ein- geiretener Erkrankung des Dirigenten Herrü Adolf Müller, mußte das für Donnerstag abend angesetzte 1. AbonnementS- konzert bis ans weiteres verschoben werden. Das Konzert findet nunmehr voraussichtlich am 29. November statt.
* Wettgehen. Der Turnsportverein Frankfurt veranstaltet am Sonntag den 2. Dezember d. I. für den 6. Bezirk ein großes Wettgehen über 30 Kilometer auf der Strecke Frankfurt-Hanau und zurück. Zahlreiche Ehrengabe» und Ehren-Urkunden kommen an die Sieger zur Verteilung. Die Geher müssen von irgend einem Sport- oder Turnverein gemeldet werden. — Laufen ist nicht gestattet. — Meldungen bis spätestens 21. November an Herrn C. F. Eberhard in Frankfurt a. M., Nordendstraße 83, erbeten.
* Bishmarkt. Morgen früh findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt
* Stadttheater. Auf die heute abend 8 Uhr bei bedeutend ermäßigten Preisen stattfindende Aufführung von L'Arronges Volksstück mit Gesang „H a f e- manns Töchter" sei nochmals besonders hingewiesen. — Morgen geht die hier sowohl wie allenthalten erfolgreichste Novität der Spielzeit, die Detektiv-Komödie „Sherlock Holmes" zum vierten und letzten Male in Szene. . Die hier zur Darstellung gelangende Bozenhardsche Bearbeitung übertrifft an Bühnenwirkung bei weitem sämtliche noch existierenden Ausgaben dieses nach dem englischen Roman von Conan Doyle u. Gillette verfaßten Stückes. In unserer Nachbarstadt Frankfurt erzielt „Sherlock Holmes" gegenwärtig Abend für Abend ausverkaufte Häuser und die glänzendsten Erfolge. Die hiesige letzte Aufführung dürfte wieder eint ganz bedeutende Zugkraft ausüben, deshalb wird schon heute nachmittag von 4—5 Uhr der Vorverkauf an der Theaterkasse stattsinden.
* Zirkus Sarrasani. Eine Vorstellung auf offener Straße gab am verflossenen Samstag 6 Uhr abends Herr Renard, der sich augenblicklich im Zirkus Sarrasani in Frankfurt allabendlich von einem über 30 Zentner schweren Automobil überfahren läßt. Herr Renard saß am genannten Tage mit verschiedenen Angestellten des Zirkus im Cafe Windsor auf der Kaiserstraße, als im Laufe der Unterhaltung die Rede auf sein Kunststück kam. Es wurde dabei auch von mehreren Seiten die Vermutung laut, daß wohl nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Sofort erklärte sich Renard bereit, noch in derselben Minute eine Probe seines Könnens zu geben. Man ging zu dem am Halteplatz befindlichen Standplatz der Automobildroschken, deren Führer zuerst die Zumutung einen lebenden Menschen auf offener Straße zu überfahren, entsetzt zurückwiesen, bis sich der Chauffeur der Automobildroschke Nr. 31 zu dem Experiment bereit erklärte. Ecke Kaiser- und Moselstraße setzte dann Herr Renard sein Versprechen in die Tat um. Die zahlreichen Passanten bildeten sofort einen dichten Kreis um die vermeintliche Unglücksstelle und schon wurden gegen den unschuldigen Führer des Kraftwagens Verwünschungen wegen feiner „Fahrlässigkeit" laut, als sich Herr Renard lachend erhob und den Umstehenden die Sachlage darlegte. Jetzt wurden dem Unerschrockenen die schmeichelhaftesten Ovationen dargebracht, bis das Erscheinen eines Schutzmannes dem Intermezzo ein schnelles Ende bereitete. Da Zirkus Sarrasani nur noch 10 Tage in Frankfurt weilt, ist nur noch kurze Zeit diese neueste Sensation dem Publikum zugängig.
* Kunstnotiz. Die Nov ember-Ausstellung im Kunstsalon Hermes Frankfurt a. M. bringt Kolleknonen von Ludwig von Hofmann, Oskar Graf» München, Alfred D e l a u n o i s - Brüssel, Rudolf G u d - den und Cäcilie Graf-Pfaff. Mit mehreren Werken sind vertreten: Toni Stadler, Max Schüler, W. L eisti k ow, W. von Czaorski, Hugo Kauffmann, O. Gebler, W. Trübner. Hervorragende Einzelwerke sind neu ausgestellt von F. von Lenbach, H. Urban, F. A. von Kaulbach, L. Schmutzler, E. von Gebhardt, E. Grützner, W. Firle, H. Thoma, Ad. von Menzel und W. L e i b l.
* Drillinge. Die Frau eines hiesigen Maurers wurdr mit Drillingen, 2 Knaben und einem Mädchen, gesegnet.
* Ein an den Köpenicker Hauptmannsstreich erinnerndes Stückchen trug sich anno 1664 in dem Mainorte Nied zu. Der Ort war zwar h a n a u i s ch, die Ober- herrlichkeit und das Recht, den Schultheißen zu ernennen, stand jedoch dem Mainzer Kurfürsten und seinem Oberamtmann in Höchst zu. Hierüber kam es zu manchen Ueber- griffen auf beiden Seiten; das lag eben im Zug der damaligen Zeit. Am 13. Juni 1664 drang nun der Keller der Berger Amtes mit einigen handfesten, bis an die Zähne bewaffileten Männern unverhofft in Nied ein und erklärte dem ganz verblüfften Schultheißen, Mainz habe sein Hoheitsrecht auf Nied an Hanau übertragen, er, der Schultheiß, sei abgesetzt und müsse sofort die erhobenen Gefälle an ihn abliefern. Zitternd und ohne Widerrede rückte der Schultheiß alles heraus. Darauf versammelte der Keller die erstaunt« Gemeinde, stellte ihr beit „Newen Wurth und Biersieder von Nidda", einen hanauisch gesinnten „unruhigen Kopf" als Schultheißen vor, ließ Treue gegen Hanau geloben und befahl dein alten Schultheißen bei Strafe, sich nunmehr jeglichen^ Dienstes zu enthalten. Der Oberamimann von Höchst, Wolff Hartmann, Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg, war über dieses Vorkommnis höchst erstaunt, da ihm feine Behörde gar nichts davon mitgeteilt hatte. Auf seine eilige Anfrage erfuhr er dann von feinem gnädigen Herrn, Johann Philippsen, wie sehr sich die Nieder hätten ins Bocksdorn innen lassen. Ganz erarimmt rückte sofort