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Hanmer G Anzeiger
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KstatieaSdruck und Verlag der Buchdrucker« des verein, eo» Waisenhauses dl Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Grzaa für Stadt- uni Landkreis Kavan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit bületristischer Beilage.
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Verantwortl. Reoakieur: G. Schreck er a $Mta
Nr. 180
Ferusprechanschlutz Nr. 605.
Samstag Seit 4. August
Fernsprechanschlntz Nr. 605
1906
Hus Hanau Stadt und fand*
Hanau, 4. August.
* Personal«olize«. Geheimer Baurat Gerstner von der Intendantur des 18. Armeekorps ist in den Ruhestand getreten. Intendantur- und Baurat Knitterschied wurde der Intendantur des 18. Armeekorps zugeteilt.
• Sprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Wien, Aalsmeer, Cvevorden, Elst (Geld), Haarlemmermeer, Houthen - St. Gerlach, Laren (Nord-Holland) , Oosterbeck, Steeg und Zevenhuizen ausgedehnt worden.
• Um den Kaiserpreis. Die Kavallerie - Offiziere des 18. Armeekorps ritten gestern um den vom Kaiser gestifteten Ehrenpreis. Der Ritt nahm in Darmstadt seinen Anfang.
* Der Bier-Aufschlag — fast kann man schon vom Bierkrieg reden, denn der Widerstand im Publikum gegen die Erhöhung ist ein ganz nachhaltiger und es dürfte doch recht fraglich erscheinen, ob die Beschlüsse der vereinigten Brauereien sich auch aufrechterhalten lassen. So sind denn die Verhältnisse auch schon recht konfuse geworden und das, was der Brauerring einheitlich durchführen zu können glaubte, ist schon vielfach durchbrochen oder von vornherein gar nicht beachtet worden. Einige Wirte verkaufen noch zum alten Preis, andere, die aufgeschlagen waren, sind wieder abgeschlagen und diejenigen endlich, die den neuen Preis ein- geführt haben, verkaufen im Tage kaum einige Glas Bier. Von der Minderheit der Gastwirte, welche am Dienstag im „Hotel Riesen" gegen die Annahme des Vorschlages der Brauereien, also gegen die Erhöhung, gestimmt hatte, war für gestern nachmittag im Gasthaus „zum deutschen Hof" eine abermalige Versammlung einberufen worden, welche den Beschluß vom Dienstag heftig kritisierte und darauf hinarbeitete, eine Aenderung dieses Beschlusses herbeizuführen. Herr Breidenbach teilte mit, daß er am Mittwoch der Versammlung der Gastwirte in Frankfurt beigewohnt habe, in der man einstimmig den Vorschlag des Brauerrings verworfen habe. Die Parole habe gelautet: „Wir nehmen von den Gästen nicht mehr und bezahlen den Brauern nicht mehr, nimmt der Kassierer der Brauerei das Geld nicht mit, dann behaltets, ihr könnt es alle sehr gut gebrauchen!" Nach diesem Rezept habe man eine Resolution gefaßt, die von den 1500 Wirten einstimmig angenommen wurde. Dieses Verhalten empfahl Herr Breidenbach auch den hiesigen Wirten. Nach langen Erörterungen wurde dann der Beschluß gefaßt, den Vorstand des hiesigen Gastwirtevereins durch zu sammelnde Unterschriften zu veranlassen, für nächsten Montag nachmittag eine nochmalige allgemeine Versammlung der Gastwirte von Stadt- und Landkreis Hanau einzuberusen und in dieser Versammlung den Beschluß vom Dienstag rückgängig zu machen. Man rechnet dabei auf die Unterstützung des Publikums, insbesondere der am Montag abend einberufenen Protestversammlung. Die neue Versammlung soll am Montag nachmittag 2 Uhr in der „S t a d t B r e m e n" stattfinden.
* Vom Vierkriegsschauplatz in Cassel schreibt die „Cass. Allg. Ztg.": Der Kampf entbrannte bereits gestern vormittag auf der ganzen Linie. Die Bauarbeiter, die sonst, wenn sie ihr Frühstück in Wirtschaftslokalen nahe der Baustelle verzehrten, sich ein Glas Bier dazu leisteten, begnügten sich gestern ebenso wie viele andere Arbeiter mit einem Schnaps oder mit einem Glase Lemon Squash. Die Bierlokale der Mittel- und Oberstadt aber, die sonst von zahlreichen Frühschoppen-Gästen belebt sind, lagen öde und leer da. Gähnend lehnten die Kellnerjünglinge gegen die ungeheizten Oefen oder starrten durch die weitgeöffneten Fenster hinaus auf die svnnbeglänzte Straße, während die Wirte und Schenker trübselig auf die Regale starrten, deren lange Reihen leerer Gläser auch nicht eine einzige Lücke zeigten. Wo aber vereinzelt sich doch ein Frühschoppengast, langjähriger Gewohnheit gehorchend, einstellt, da begnügt er sich mit einem „Schorle Morle", „Selters" oder einem Glas leichten Mosel. Vergnügt schmunzelnd sehen nun die Besitzer der Biergroßhandlungen darein, denn von Minute zu Minute klingelt es am Telephon und Bestellungen auf Bestellungen gehen ein für Lichtenhainer, Bayrisch oder Pfimgstädter Bier. Denn, bezeichnend für Ziel und Zweck des Bierstreikcs ist, daß die Verzichtleistung des Trinkens sich ausschließlich auf das einheimische Gebräu erstreckt. Auffallender war der Krieg am Abend. Hatten die Wirte in der übermäßigen Hitze einen Bundesgenossen, der ihnen manchen Streikbrecher zuführte, so genügten die letzteren doch nicht, um etwa darin einen Sieg der Wirte zu sehen. Noch tobt der Kampf und eine Entscheidung ist nicht abzusehen. Viele dämmer- und abendliche Stammtische standen gestern Abend verödet, andere waren alkoholfrei geworden. Im
schönsten gings in einer Wirtschaft der Fischergasse her, deren Inhaber das Bier noch zum alten Preise verkaufte. Hier war der Andrang so stark, daß die Polizei einschreiten mußte. Zu Hunderten hatten sich durstige Gäste eingefunden, so daß das Lokal sie nicht alle fassen konnte. Die ganze Straße war von durstigen Seelen besetzt.
* Taus enbjahrfeier. Man schreibt aus W e i I b u r g: Daß in der nassauischen Jubelstadt der regste Eifer bei den mannigfachen Vorbereitungen zu dem großen und seltenen Feste herrscht, wird jeder Teilnehmende gerne vernehmen, gilt es doch nicht blos das Auge der Schaulustigen zu sättigen, sondern durch ausgesuchte musikalische Darbietungen auch das Ohr zu ergötzen. Von diesen erwähnen wir heute nur das große „Halleluja" aus Händels „Messias", welches der rühmlichst bekannte Gesangverein Paulus exekutieren wird, und die Komposition von Fromm, „Heinrich der Vogler" vorgetragen mit Orchesterbegleitung von dem auf hundert Sänger verstärkten Männerchor. In dem historischen Fest- zuge werden vier Kapellen marschieren, darunter zwei Regimentsmusiken.
* Parolemttfik. Die Ulanenkapelle spielt morgen mittag im Schloßgarten folgende Stücke: 1. „Honved-Parade- marsch" von C. Morena; 2. Ouvertüre z. Op. „Der Feensee" von Auber; 8. „Frohsinns-Walzer" von Waldteufel; 4. „Rheinlied" von Hill; 5. „Unter Kameraden", Marsch von Faust.
* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 3—9 Uhr die Einhorn - Apotheke geöffnet.
* Stadtgraben. Interessenten zur Nachricht, daß Montag den 6. August der Stadtgraben behufs Reinigung und Durchströmung abgelassen wird.
, * Freiwillige Feuerwehr. Die, Mannschaft der 6. Compagnie hält bei ihrem Kameraden Herrn Wilh. Ries „zum deutschen Schützen" Sonntag den 12. August ihr diesjähriges Gartenfest ab. Das Komitee ist fleißig an der Arbeit, um den Besuchern ein paar vergnügte Stunden zu bereiten. Außer turnerischen Uebungen finden Gesangsvorträge statt, auch sind verschiedene Ueberraschungen für Groß und Klein vorgesehen.
* Kurort WilhelMsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad Militär- Konzert der Kapelle des Jnf.-Regts. Hefsen- Howburg Nr. 166 statt.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Alfftädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis ^sl Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet. — „Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Alfftädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 11—12ffs Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.
* Kram- und Schweinemarkt in Langen- selbold. Am nächsten Mittwoch den 8. August findet in Langenselbold der Kram- und Schweinemarkt statt. Es ist dieser der 4. im Jahr, der sog. Sommermarkt, der namentlich auch von den Nachbarorten besucht wird.
* Von der Akademie zu Frankfurt a. M. Die für das zu Ende gehende Sommersemester festgestellten Frequenzziffern der Akademie ergeben eine Zunahme der Gesamifrequenz im Vergleich mit den Ziffern des vorhergegangenen Sommersemesters — ein Vergleich mit dem Wintersemester ist wegen des im Winter regelmäßig stärkeren Betuch aus Frankfurt selbst nicht zulässig —, und zwar ist dir Gesamtzahl der Besucher, Hospitanten und Hörer von 392 auf 455 gestiegen. Von dieser Steigerung entfällt der größte Teil auf die Hospitanten, deren Zahl von 150 auf 198 gewachsen ist. In geringerem Maße hat auch die Zahl der Hörer zugenommen, die 89 betrug, während die Zahl der eigentlichen Besucher mit 168 fast unverändert geblieben ist. Die Zahl der neu immatrikulierten Besucher war dabei aber erheblich größer als im Sommer 1905, was als ein günstiges Zeichen aufzufassen ist. Von den Besuchern besaßen 23 Prozent und von den Hospitanten 47 Prozent bereits eine akademische Vorbildung. Dem Berufe nach waren unter den Besuchern 96 Kaufleute, Industrielle, Ingenieure, Techniker io., 15 Juristen und höhere Verwaltungsbeamte, 34 Lehrer, 8 Frauen. Unter den Hospitanten waren die Kaufleute, Industriellen, Ingenieure, Techniker rc. mit 48 vertreten, die Juristen und höheren Verwaltungsbeamte mit 47, die Lehrer mit 61, die Frauen mit 23. Unter den Hörern besaßen die Frauen mit 50 das Uebergewicht. Die Zahl der Ausländer unter den Besuchern ist nur gering (29 unter 168) obwohl die Frankfurter Akademie nicht wie andere Handelshochschulen von den Ausländern erhöhte Gebühren und Honorare fordert.
* Mainwafierwürme gestern abend 19 Grad.
Die heutige Kummer umfaßt außer dem ttuterhattuugshlatt 14 Seite«.
• Gewitter. Nach fast erdrückender Tropenhitze der letzten Tage überzogen gestern nachmittag mehrere schwere Gewitter aus allen Himmelsrichtungen das Maintal und verursachten durch heftige Regengüsse und Hagelschläge mancherorts bedeutenden Schaden. Namentlich in den Ausläufern des Spessarts und in der Umgegend von Aschasfen- burg scheinen dir Unwetter mit besonderer Heftigkeit gewütet zu haben. In der Nachbargemeinde Klein-Auheim schlug ein greller Blitzstrahl in der Nähe des Bahnhofes in die Hofraite des Landwirts Roth, die fast augenblicklich in hellen Flammen stand. Trotz energischer Hilfe seitens der Feuerwehr und der übrigen Bevölkerung wurde der größte Teil des Anwesens vernichtet. Zwei wertvolle Pferde und eine schwere Milchkuh wurden vom Blitze erschlagen. Ein prächtiges Rind wurde vom Blitzstrahl gelähmt und dürfte inzwischen abgeschlachtet worden sein. Das übrige Vieh vermochte nur mit knapper Not aus dem Flammenmeer gerettet zu werden. Der erwachsene Brandschaden ist beträchtlich, soll aber durch Versicherung meist gedeckt sein. Menschenleben sind zum Glücke nicht zu beklagen. Auch aus verschiedenen anderen Gemeinden werden Blitzschläge und andere Gewitterschäden gemeldet. In verflossener Nacht entlud sich wiederum ein heftiges Gewitter, verbunden mit starken Niederschlägen, das auch in der Wetterau großen Schaden anrichtete. — Aus Groß-Gerau wird telegraphiert: Das schwer« Gewitter, welches gestern nachmittag über diese Gegend niederging, richtete großen Schaden an. In Biebesheim wurde am Bahnübergang nach Crumstadt der 12- jährige Sohn und die 9jährige Tochter des Landwirts Dewalt vom Blitz erschlagen. Außerdem schlug der Blitz dort in vier verschiedene Häuser und Stallungen ein und tötete in einem Stalle ein Rind. In Beerfelden brannte eine Scheune und eine Stallung nieder; beide Brände wurden durch Blitzentzündung verursacht.
* Friedrich Bott f. Gestern starb hier Zigarrenmacher Friedrich Bott, ein Invalide aus dem Feldzuge 1870/71. Er trug im Schlachtendonner seinen verwundeten Hauptmann aus dem Feuer und dabei wurden ihm beide Beine abgerissen. Er erhielt für seine Tapferkeit das Eiserne Kreuz und andere Auszeichnungen, verscherzte sich aber manches wieder durch sein späteres Verhalten. Nun der Tapfere zur großen Armee eingegangen ist, 'wird man ihm seine Fehler wohl verzeihen und ihm ein ehrendes Gedenke« an seine Heldentat bewahren.
* Katholischer Männer - Verein. Der bereits hier angekündigte Familien-Ausflug durch die Bulau, Wolfgang nach Niederrodenbach findet laut Inserat nun morgen, Sonntag, von dem Nürnberger Tor aus statt. Abmarsch präcis 2 Uhr. Wir bitten unsere verehrten Mitglieder, sich recht zahlreich mit ihren Familien an dem Ausflug zu beteiligen. Freunde und Gönner unseres Vereins sind zu den beliebten Ausflügen herzlich willkommen. Nachdem sich die Temperatur durch die gestrigen Gewitter merklich abgekühlt hat, auch die Straßen von dem lästigen Staub nunmehr befreit sind, dürfte eine Tour sich durch unsere herrlichen heimatlichen Wälder lohnen.
* Das HahnLnkammhaus ist täglich geöffnet.
Die städtische Bibliothek
Gärtnerstraße 67 (alte Zeichenakademie) ist Sonntags, DMittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur lastenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet. — Gesamtkata- l o g e finb in der Bibliothek zu haben.
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0 Ravolzhänse«, 3. August. (Gegen die Bier- preis-Erhöhung.) Bei der heute abend im Saale des Gasthauses „zum Adler" einberufenen öffentlichen Versammlung, welche von ca. 150 Personen besucht war, nmrbe einstimmig folgende Resolution beschlossen: „Die Versammlung bedauert, daß die Bierbrauer die erhöhte Brausteuer i n erhöhtem Maße auf das Publikum abwälzen wollen. Der Wille der Gesetzgeber ist, daß die Mehrkosten für das Reich auf leistungsfähige Schultern verteilt werden sollen, wozu auch die Herren Bierbrauer gerechnet werden. Das Vorgehen der Herren Bierbrauer, welche meist sehr hohe Dividenden verteilen, wird einstimmig verurteilt. Es ist Pflicht jedes Einzelnen, dieses Vorgehen der Brauer durch Enthaltsamkeit zu vereiteln und kein Bier zu erhöhten Preisen zu trinken. Dem Kaiser, was des Kaisers ist; dem Bierbrauer aber keinen Pfennig mehr."
Jg. Groß anheim, 4. August. (Kein Dierauf- s ch l a g.) Gestern hielten sämtliche Gastwirte von hier und Neuwirtshaus eine Versammlung ab, um wiederholt Protest gegen den Bieraufschlag zu erheben. Es wurde der Beschluß gefaßt, das Bier bis auf weiteres den Gästen für den alle* Preis zu verabfolgen. Bravo)