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Erstes

Hanauer D Anzeiger

Lez«zSpreks'

MrrlèliähEch 1,80 Mk., monallich 60 Dfg-, für mrS- ®5ttic$c ALmmenten mit dem betreffenden Postausschlag.

Die anzelne NuM»« kostet 10 Pfg.

RotatioaSbruck und Verlag der Buchbrockerei deS vereiu. eo. Waisenhauses in Hanau.

General-Anztiger

Amtliches Grzm für SM- und MKreis Kim».

Erscheint täglich mit Ausnahme der Saun- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückurrgsgebühr:

Die silusgespalteue Petttzei!« oder deren Raum 1d Pfg, im Reklinnenteil die Zeile 35 Pfg.

Bercmtwortl. Redâur: G. Schrecker ta Hamm.

Nr. 177

Fenrsprschanschkttz Nr. 605»

Mittwoch den 1. August

Fernsprechanfchlutz Nr. 605.

1906

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Ran au.

Im Auftrage der Handwerkskammer wird der Schneider­meister Herr Carl Stubecke aus Cassel in den nächsten Wochen die Handwerksbetriebe des Stadt- und Landkreises Hanau revidieren. Ich gebe hiervon Kenntnis und mache gleichzeitig zur Vermeidung von Weiterungen darauf auf­merksam, daß die Herren Lehrmeister ihre Lehrlinge unter Eiureichung der abgeschlossenen Lehrverträge stets itm= gehend bei der Handwerkskammer anmelden müssen. Die Anmeldung kann, falls der Lehrmeister einer der hiesigen Innungen als Mitglied angehört, auch bei dieser erfolgen.

Hanau den 31. Juli 1906.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

I 2110 J. V.: Siemon, Reg.-Afsessor.

Städtische Sparkasse.

Gelder gegen erftstellige Hypotheken zu 4°/o sind stets auszuleihen.

2 Der Vorstand.

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Fahrradschließkette, 1 gelbe Haar­nadel, 1 rotes Portemonnaie mit 28 Pfg., 2 weißes Taschen­tuch (gez. 8. M.), 1 Stuhl, 1 Paar Kinderstiefeln.

Verloren: 1 schwarzer Damen-Sammetgürtel, 1 gol­dene Damenuhr ohne Bügel.

Entflogen: 3 Kanarienvögel.

Hanau den 1. August 1906.

Russisch-Englisches.

Ein für die Beurteilung des englisch-russischen An­näherungsspiels nicht unwichtiger Zwischenfall hat sich kürz­lich in Persien zugetragen. Schon seit längerer Zeit hatte der Britishe Gesandte in Teheran den gegen die persische Regierung in hellem Aufruhr befindlichen Teil der Geistlich­keit und der Kaufmannschaft unterstützt. Man kann nicht einmal sagen, daß dies eine Intrige war. Denn die Unter­stützung wurde ganz offen Betrieben. In den letzten Tagen kam es zu einem ernstlichen Bruch zwischen den Behörden des Schah und dem diplomatischen Vertreter Großbritanniens. Mehr als tausend Perser flüchteten sich in die englische Ge­sandtschaft, und gedeckt durch die Unverletzlichkeit dieses Aufenthalts verlangten sie von der Regierung die Absetzung deS ihnen, aber auch der englischen Polittk mißliebigen Groß- oeziers. Die Uebermittelung dieser Forderung an den Schah erfolgte durch den Britischen Gesandten. Die persische Re­gierung ließ diesem zwar unverzüglich eine Note zustellen, worin seine Einmischung in Persiens innere Angelegenheiten zurückgewiesen wurde. Sachlich aber setzten die revolutio­nären Perser und die englische Diplomatie ihren Willen dennoch durch. Der Großvezier bot seine Entlassuug an und der Schah genehmigte das Gesuch. Der nächste Schritt wird nun sein, daß die Engländer als'Nachfolger des Großveziers eine ihnen bequeme Persönlichkeit an die Spitze der Re­gierung Bringen. Sie sollen schon ihren Mann in Vorschlag gebracht haben.

Diese Vorgänge sind merkwürdig genug, noch merkwür­diger aber ist, daß der Gesandte Rußlands in Teheran dem Triumpf des britischen Einflusses so gleichgültig zusieht, als würden russische Interessen dadurch nicht im mindesten be­rührt. Eine ähnlich passive Haltung gegenüber englischen Fortschritten nehmen seit einger Zeit "auch andere diploma­tische Vertreter Rußlands ein. Es braucht nur auf die Be­handlung der türkischen Zollfrage hingewiesen zu werden, in der die Botschafter Englands und Rußlands in Konstanti­nopel fast gleichmäßig auftreten. Fast scheint es, als folgten die auswärtigen Agenten des Zarenreiches einem allgemeinen Wink, die Arbeit der Annäherungspolitiker an der Themse Md an der Newa nicht zu stören.

In die Kreise dieser eifrigen Leute ist allerdings der Hoch­ruf des Britischen Premierministers Sir Henry Campbell- Bannerman auf die russische Duma unliebsam hineingeplatzt. Alle nachträglichen Entschuldigungen helfen nichts, der Hoch­ruf war ein Fehler. Das weiß der greife Leiter der briti­schen Politik selbst, und überdies werden es ihm König Eduard, der auswärttge Minister Sir Edward Grey und der russische Botschafter in London Graf Benckendorff deutlich gesagt haben. Denn die englisch-russische Annäherung soll kommen und Sir Henry muß sich nach diesem Lieblings- vunsch des Königs und vieler Engländer ttchten.

Hus Ran au Stadt und Eand.

Hanau, 1. August.

* August. Der August hat heute sein Regiment unter den zwölf Monaten des Jahres angetreten. Im alten Rom führte er ursprünglich den Namen Sextilis, was von sextus, der sechste, abgeleitet ist, da er der sechste Monat war; später wurde er dem Kaiser Augustus geweiht, weil dieser gerade in diesem Monate die meisten Siege errungen hatte. Die deutsche Bezeichnung für August lautet Erntig (Ernte­monat), und von Karl dem Großen wurde er Aranmanoih genannt. In manchen Gegenden hört man noch häufig für Ernte den plattdeutschen AusdruckAust". Diese Bezeich­nung ist nicht etwa eine Verstümmelung des Wortes August, sondern entstammt dem gothischen Worte aukan, das wiederum dem lateinischen augere, d. h. vermehren, ent­spricht, und womit auf die Vermehrung der Habe durch die Ernte hingewiesen wird. Der Landmann wünscht sich den August trocken und sonnig; denn alte Bauernregeln sagen:

Was im Herbst soll geraten, Mutz der August braten.

Oder:

Im August viel Regen Zst dem Wein kein Segen.

Der Bartholomäustag (24. August) soll für das kommende Wetter vorbedeutend sein, dennwie Bartholomäustag sich hält, so ist der ganze Herbst", undGewitter an Bartholomä bringen bald Hagel und Schnee". Leise zieht im August die Wehmut des Abschiedes von der schöneren Jahreszeit in die Menschenbrust ein, denn die Stoppeln und das zur Herbstbestellung hergerichtete Feld, die kürzer werdenden Tage uyh kühleren Abende sind die Kennzeichen des scheidenden Sommers. Der August ist die Hochsaison des Sportes. Auf Flüssen und Seen gleiten die schlanken Segeljachten dahin, und mit militärischem Takt schlagen eine Menge von Rudern oder, technisch ausgedrückt, Riemen das Wasser. Auf dem grünen Rasen wird dem Rennspott gehuldigt, und das Lawn-Tennis vereinigt täglich seine zahlreichen Jünger zu fröhlichem Spiel. Im Gebirge werden von Touttsten die höchsten Bergspitzen erklommen, und drunten in der Ebene saust der Radler auf blinkendem Stahlroß dahin. Was uns den August besonders lieb macht, ist, daß in ihm die Reise- und Ferienzeit ihren Fortgang findet. Die ersten Tage des Eingewöhnens in neue, fremde Verhältnisse sind nun glück­lich vorüber, und man fühlt sich wohl in. seiner Sommer­frische. Wenn dann die fröhlich verbrachten Urlaubswochen zu Ende sind, beginnt man mit neugestärktcm Mute und er­holt und gekräftigt sein altgewohntes Tagewerk wieder.

* Eine Stimme der Wissenschaft über den Glauben. Man glaubt oft, ein freudiger, kindlicher Glaube vertrage sich nicht mit echter Wissenschaftlichkeit. Ein Mann strengster Wissenschaft, ein bedeutender Naturforscher, soll dies Vorurteil widerlegen. Auf dem Fttedhof an der Hildesheimer Straße in Hannover steht auf einem Grabe ein einfacher Gedenkstein, der in einem Kranz von sieben goldenen Sternen den Namen.Mädler" trügt. Es ist die Ruhestätte des im Jahre 1878 verstorbenen berühmten Astronomen Mädler. Der Tert seiner Leichenrede war:Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" (Ps. 19, 1). Dieser große Ge­lehrte hatte die Sprache des Himmels verstanden und die Ehre Gottes aus den Gestirnen herausgelesen, deren Studium er sein ganzes Leben geweiht hatte. Er sagte einmal:Ein echter Naturforscher kann kein Gottesleugner sein; denn wer so tief wie wir in Gottes Werkstatt schaut und wie wir Ge­legenheit hat, Gottes Allweisheit und ewige Ordnung zu be­wundern, muß in Demut seine Knie vor dem Walten eines höheren Geistes beugen." AIs er in Hannover einmal eine andere Wohnung bezog, ergriff er die Bibel und trug sie selbst mit den Worten hinein :Vor allem andern soll dies Buch zuerst in unser Haus kommen! Ich will es selbst hineintragen!"

* Das Wetter im August. Der August soll sich nach Otto Falbs Voraussage als ziemlich wetterwendisch er­weisen. Zahlreiche Niederschläge und Gewitter sind für diesen Monat zu gewärtigen; auch soll es stellenweise kühl und windig werden. Um die Mitte des August stehen heiße Tage mit Gewittern in Aussicht. Den 4. August bezeichnet Falb als einen kritischen Termin höherer Ordnung, den 20. als einen solchen von mittlerer Stärke. Der lOOfübrige Ka­lender prophezeit für das erste Drittel deS Monats Regen; am 10. und 11. soll es schön, von da ab bis zum 15. aber wieder regnerisch werben. In der Zeit vom 16. bis 25. August dürfte man auf schöne Tage rechnen können, dann aber sollen Niederschläge eintreten, die bis zum 30. anhalten.

* Reichsbankncbenftclle. Am 15. August d. J. wird in Ahlen lWestfZ eine von der Reichsbankstelle in

Hamm (Wests.) abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kassen- einttchiung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

* Strafporto ! Bei der am 1. Juli d. J. erfolgten Portoerhöhung im Orts- und Nachbarortsve:!ehr war ange- ordnet worden, daß für alle im Juli eingelieferten Postsen­dungen des Otts- und Nachbarottsverkehrs, die irrtümlich nach den alten Sätzen franfiert wurden, lediglich der fehlende einfache Pottobelrag zu erheben fei. Mit Ende des Monats Juli treten diese Uebergangsbestimmungen außer Kraft; die Leser seien daher darauf aufmerksam gemacht, daß für irr tümlich zu niedrig frankierte Postsen­dungen im Orts- und Nachbarortsverkehr vom 1. August ab Strafporto zu entrichten ist.

* Verlobung im Gräflichen Hanse zu Meer­holz. Prinz Albett zu Schleswig - Holstein - Sonderburg- Glücksburg hat sich mit der Gräfin Ortrud zu Isenburg und Büdingen in Meerholz verlobt. Prinz Albert zu Schles­wig-Holstein steht feit dem November 1903 als Komman­deur an der Spitze des Garde - Kürassier - Regiments, seine Beförderung zum Oberst erfolgte im Mai dieses Jahres. Prinz Albert wurde als Sohn des Herzogs Friedrich zu Schleswig-Holstein und dessen Gemahlin Adelheid, einer ge­borenen Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, am 15. November 1863 in Kiel geboren. Die Braut ist geboren im Jahre 1879.

* Mitielrheinisches Kreisturnfeft. Bei dem jüngst hier stattgehabten mittelrheinischen Turnfeste hatte die Sanitätskolonne des Kriegervereins ihre Unterstützung zu Hilfeleistung in Notfällen bereitwilligst zugesagt und eine Sanitätswache auf dem Festplatz errichtet. Die Hilfsstation, welche an 6 Tagen während 73 Stunden besetzt war, wurde von 67 Turnern und 28 andern Personen, zusammen in 95 Fällen in Anspruch genommen und beweisen diese Zahlen die Notwendigkeit einer solchen Hilfsstelle. Die Dienstvcrrich- tungen der Sanitätsmannschaft wurden unentgeltlich gefristet und verdient die uneigennützige aufopfernde Tätigkeit dieser Abteilung lobende Anerkennung.

* Ein Brand entstand am 19. Juni im Warenlager des hiesigen Eierhändlers S. dadurch, daß dieser eine sogen. Eierlampe, die er zur Prüfung der Eier benötigte, kurze Zeü unbeaufsichtigt auf einer Kiste stehen ließ und vermutlich von oben herabhängende Tapeten, die durch den Luftzug gegen die Lampe gettteben worden, Feuer fingen, das natürlich an der Holzwolle in den Eierkisten schnell Nahrung fand. Da S. schon nach wenigen Minuten zurückkehrte und energische Lösch­arbeiten veranlaßte, wurde das Feuer glücklicherweise an weiterer Ausdehnung verhindert, es entstand aber doch ein Schaden von mehreren hundert Mark. Der Geschäftsinhaber bekam einen Strafbefehl, weil er einen Raum, der zur Auf­bewahrung feuergefährlicher Sachen (in diesem Falle Holz­wolle) dient, mit einem unverwahrten Licht betreten haben soll. Er erhob Einspruch und wurde gestern von dem hiesigen Schöffengericht freigesprochen, da die Lampe, die mit einem eisernen Zylinder umschlossen ist und infolgedessen nur von oben Feuer fangen kann, bezüglich eines Raumes, wie den in Frage stehenden, zumal wenn' die Kisten geschlossen find, nicht als unverwahttes Licht betrachtet werden samt.

* Der hiesige Poft- und Telegraphen - Unter- Heamten-Verern feiert sein diesjähriges Sommerfest am Sonntag den 5. August in dem prächtigenElefantengatten". Auch diesmal sind Belustigungen maneberfei Art, wie Konzett, Tanz, Preiskegeln, Beleuchtung des Gartens und allerlei Vergnügungen der Kinder vorgesehen. Mithin stehen den geehrten Besuchern einige recht frohe Stunden in Aussicht. Da der Eintrittspreis auf nur 10 Pfg. ä Person festgesetzt ist, dürfte sich auch dieses Fest des genannten Vereins eines zahlreichen Besuches zu erfreuen haben.

* Der Bieranfschlag. Der Verein der Gastwirte und Restaurateure von Stadt- und Landkreis Hanau hatte für gestern nachmittag 4 Uhr eine allgemeine Witteoersamm- lung in den Saal des Hotelszum Riesen" einberufen, mit der Tagesordnung:Der von den Brauereien geplante Bier- aufschlag." Die Versammlung war überaus stark besucht, auch Nichtmitglieder waren anwesend. Der Vorsitzende, Herr C. A. Schüßler, warf einen Rückblick auf die Vorgänge in dieser Angelegenheit. Auf die f. Z. gefaßte und den Brauereien mitgctellte Resolution hat der Wirteverein erst Samstag Antwort erhalten mit einer Einladung zu einer Kommissionsverhandlung am Montag. Die Hoffnung; daß die Steuer von den Brauereien selbst getragen werde, habe sich als trügerisch erwiesen. Wenn die Witte die Erhöhung tragen sollten, bringe das Gewerbe nichts mehr ein, manch« müßten vielleicht noch aus dem eigenen Vermögen zulegen. Wie stehe es nun mit anderen Gewerben? Bäcker und Metzaer wälzten die Erhöhungen ohne weiteres auf die Kon-