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Amtliches Grga» für Stadt- und Landkreis Hanau.

Waisenhauses in Hanau.

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Die sünfgespaüeue Petttzeile »der der« Raetttt 16 M im Reklamenteil die Zeile 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Rl. 151 Fernsprechanschkitz Nr. 605.

Freitag den 30. Juni

Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1905

Hus F)anau Stadt und £and.

Hanau, 30. Juni.

Weltliche Atzung -er Au-tumr-ueteu-Vcrsuiuuiluug

vom 29. Juni 1905.

Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Baader, Bonn, Craß, Eberhard, Förster, Jost jr., Kehl jr., Küstner, Koburger, Müller, Peteler, Reis, Schroeter, Schwabe, Spatz, Gteinheuer, Stübing, Dr. Wagner, Dr. Wenke, und Wolff; vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebeschus, Baurat Schmidt, außerdem Assessor Dr. Koppen.

Der Vorsteher Kommerzienrat Canthal teilt mit, daß öer Gardeverein eine Einladung für seine am 2. Juli statt- findende Fahnenweihe hat ergehen lassen. An dem Städte­tage in Karlshafen habe Stadtv. Baurat Wohlfarth teil­genommen. Diese Delegierung sei durch Zirkel erledigt worden. Zur Kenntnis genommen wird die Mitteilung von der Uebertragung der Verwaltung der Stelle des besolde­ten Beigeordneten der Bürgermeisterei Neunkirchen an Ge­richtsassessor Wagner, an dessen Stelle für hier Gerichts- affessor Dr. Koppen getreten ist. Für die Angelegenheiten der Sammelwasenmeisterei soll eine gemischte Kommission gewählt werden. Der Magistrat hat die Magistratsmit­glieder Bode, Boehm und Bracker in die Kommission ge­wählt, die Stadtverordnetenversammlung wählt ihrerseits die Stadtverordneten Schwabe, Spatz und Dr. Wenke. Die Beiträge zur Kranken- und Invalidenversicherung sind dadurch höher geworden, daß die Löhne der Arbeiter erhöht wurden, ferner noch durch den Umstand, daß die sämtlichen Gemeinde­arbeiter der Ortskrankenkaffe beitreten mußten, während sie *v!bev freien HUfskaffeu grugehörty^ Die .erforderlichen MittA werden bewilligt. Der Haushaltsplan der Kinder­krippe ist für R.-J. 1904 um 690.90 Mk. überschritten worden. Die Mehrausgaben sind hauptsächlich durch Be­köstigung einer größeren Anzahl von Kindern und durch Mehrpersonal entstanden. Die Ueberschreitung wird bewilligt. Der Etat für Beschaffung von Lehrmitteln rc. ist durch Mehrkosten bei Anschaffung eines Apparates für Funken­telegraphie und Installation eines Projektionsapparates um 145.44 Mk. überschritten worden, deren Bewilligung erfolgt. Die Portokosten sind um 159.72 Mk. überschritten wor­den, ebenso verschiedene andere kleinere Titel um zusammen 364.85 Mk. Die Bewilligung wird ausgesprochen. In den 3 Bezirksschnlen, Haushaltungsschule und Hilfsschule sind verschiedene Mehrausgaben notwendig geworden, ebenso bei der städtischen Fortbildungsschule, die aber bei letzterer durch den erhöhten Staatszuschuß gedeckt sind. Die Titel werden bewilligt. Durch die Neuregelung der Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter sind bei Erhöhung des Lohnes für einen Arbeiter des Hochbau­amts 135.50 Mk. Mehrkosten entstanden, die bewilligt werden. Unter dem üblichen Vorbehalt werden 51.50 Mark Umzugskosten an einen Lehrer bewilligt. Der Etat der Schlachthofkasse ist durch erhöhte Beiträge an die Fleischerei-Berufsgenossenschaft und an die Ortskrankenkasse sowie um sonstige kleinere Posten überschritten worden, für welche Nachbewilligung ausgesprochen wird. Der Ver­pachtung von zwei in der Großauheimer Gemarkung be­legenen Grundstücken an Gärtner Schäfer hier wird zuge- ftimmt, ebenso der Festsetzung des Mietwertes einer Wohnung in den Arbeiterhäusern des Gaswerks auf 3.50 Mark pro Woche. n

Die Gas- rc. -Werks-Kommission hat einer ganzen Reihe von Straßenanliegern die Verzinsung der Kosten für Zu­führung der Gas-, Wasser- und Kabelleitungen zu erlassen, da durch genügende Abnahme von Gas rc. die Verzinsung der Kosten gedeckt sind. Wird zugestimmt. Der Weiterführung der Kabelleitung bis zu bem Kreuterschen Hause in der Bogenstraße, bezw. bis zum Anschluß an die bestehende Leitung in der Wilhelmsstraße wird zugestimmt, nachdem sich der Antragsteller verpflichtet hat, die Verzinsung der Kosten zu übernehmen. Die Gas- rc. -Werks-Kommission bean­tragt die Niederschlagung verschiedener unbeitreiblicher Rück­stände für Gas-, Wasser- und Elektrizitätszuführungen, da die Einleitung des Zwangsverfahrens aussichtslos ist. Die Versammlung stimmt zu. Die Erstattung von 385.20 Mark Umzugskosten an einen Lehrer wird unter dem üblicheil Vorbehalt zugestimmt. Stadtv. Dr. Wagner berichtet über die Abrechnung des Ausschusses für Volksvorlesungen. Dient zur Kenntnis.

Begießung.

Die zu begießenden chauffierten Straßenflächen haben seit dem Jahre 1903 eine Zunahme von rund 33 Prozent er­fahren, was die Neuanschaffung eines Gießfasses bedingt.

Mit dem notwendigen Zubehör belaufen sich die Anschaffungs- kosten auf rund 1100 Mk. Wird zngestimmt. Stadtv. Bonn regt an, in frequenten Straßen der Außenstadt auch die Trottoirs begießen zu lassen. Da der Antrag von finanzieller Tragweite ist, wird sich der Finanzausschuß mit ihm befassen.

Erhebungen über die Versetzungsverhält­nisse in der Ober realschule.

Die Stadtv -Versammlung beschloß in der Sitzung vom 22. Jamrar 1905, den Magistrat zu ersuchen, in der Ober­realschule folgende Erhebungen anzustellen:1. Wieviel Schüler sind in jeder Klasse im letzten Schuljahre sitzen ge­blieben ? 2. Wieviel Schüler haben im laufenden Schul­jahre zeitweise oder dauernde Nachhilfestunden erhalten? 3. Bei wieviel Schülern wird seitens der Eltern regelmäßig bei den Schularbeiten nachgeholfen oder die Beaufsichtigung ausgeübt?" Der Magistrat ersuchte hierauf den Direktor der Oberrealschule, maßgeblich' ausgearbeitete Fragebogen ver­anlassen zu wollen. Der ausgesprochene Zweck des Beschlusses war, festzustellen, in wieweit eine Belastung der Schüler bestände. Der Oberrealschuldirektor legte unser Ersuchen dem Provinzialschulkollegium mit der Anfrage vor, ob er dem­selben startgeben dürfe. Das Provinzialschulkollegium ließ durch den gelegentlich der Reifeprüfung anwesenden Provinzial­schulrat Dr. Baehler feststellen, ob wir einen bestimmten Anlaß für die fraglichen Ermittelungen hätten, ob speziell die Ansicht bei den Körperschaften Bestände, daß die Schüler der Hanauer Lehranstalt mit Unter­richtsstunden überlastet seien. Auf die verneinende Antwort des Magistrats-Vorsitzenden bemerkte der Herr Provinzialschulrat, daß in diesem Falle die Genehmigung der Frage des Pro- vinzialsch^kollegiums erfolgen müsse, weil es sich um eine innere Angelegenheit der Schule handele unb daß eine der­artige Feststellung kaum Aussicht auf Genehmigung habe, da der Zweck derselben, etwa eine Entlastung der Schulen herbei- znführen, durch Umfrage in einer einzelnen Anstalt nicht erreicht werden könne. Bei dieser Stellung erklärte sich der Magi­stratsvorsitzende damit einoerftanbeu, daß die Umfrage unter­bleibe. Der Magistrat bemerkt in seinem Berichs weiter zu der Angelegenheit:Wir haben uns damit eiuverstanden er­klärt, daß von der Anstellung der fraglichen Ermittelungen Abstand genommen wird, da wir bestimmt annehmen, daß die erforderliche Genehmigung ju der amtlichen Ermittelung nicht erteilt werden wird, es würde allein noch zn erwägen sein, ob etwa durch direkte Anfragen bei den Eltern der in Rede stehenden Kinder eine Umfrage gehalten iyerden sollte. Wir sind aber der Meinung, daß Nr. 1 des Beschlusses der Stadt­verordneten ohne weiteres durch Anfrage bei der Schule er­mittelt werden kann, während Nr. 2 und 3 uns unwesentlich erscheinen, weshalb wir von der Anstellung der Erhebung Abstand nehmen wollen." Der Bericht wird zur Kenntnis genommen, auf die Angelegenheit soll später zurückgekommen werden.

Erhebung von B a u g e b ü h r e n.

Veranlaßt durch einen Erlaß. des Ministers der öffent­lichen Arbeiten vom 15. Februar b. Js. hat der Regierungs-, Präsident unter dem 28. desselben Monats eine Mitteilung hierher ergehen lassen, daß die Kosten für die im § 9 Ziffer 6 der für Hanau erlassenen Bauordnung vorgeschriebene Untersuchung der Schornsteine bei Neubauten nicht den Bau­herren, sondern dein Träger der Baupolizeigewalt, d. h. der Stadt zur Last fallen. Die Stadt kann diese Kosten da­durch wieder von den Bauherren einziehen, daß auf Grund des Kommunalabgabengesetzes Baugebühren eingeführt werden. Es erscheint jedoch nicht zweckmäßig, diese Gebühren zu be­schränken auf den Betrag- der erwähnten Schornsteinfeger- Gebühren, sondern es würden in diesem Falle: Baugebühren ganz allgemein für die Prüfung des Baugesuches und die dazu gehörige Erteilung des Baubescheid.es, bie Rohbau abnahme sowie die Schlußabnahme fcstznsctzen sein. Es empfiehlt sich daher, die Kosten für die Untersuchung der Schornsteine auf die Stadtkaffe zu übernehmen, umsomehr, als dieselben für den Neubau nur, etwa 4 Mark betragen, also außerordentlich gering sind. Wird zugestimmt.

Die Bier abgabe.

Eine längere Debatte entsteht über die Eingabe der hiesigen Brauereiarbeiter und des Zentralverbandes der Brauereiarbeiter Deutschlands betreffs Aufhebung der hiesigen Bierstener. Veranlassung zn dieser Eingabe haben die Ver­handlungen zwischen den Brauereiarbeitern und den Bier­brauereibesitzern über den Abschluß eines neuen Lohntarifs geboten. Bei diesen Verhandlungen würbe von feiten der Arbeiter auf den höheren Lohnsatz in Frankfurt n. M. Hin­gewiesen, worauf die Arbeitgeber erwiderten, daß sie ohne

weiteres den Frankfurter Lohnsatz genehmigen würden, wenn in Hanau die Biersteuer falle. Die Differenz zwischen den hier und in Frankfurt gezahlten Löhnen betrage zusammen­gerechnet etwa 32 000 Mk., während die Biersteuer gleich­falls 32 000 Mk. ausmache. Um die Bierbrauereibesitzer auf ihr Versprechen festnageln zu können, beantragten nun die Arbeiter in Eingaben an die städtischen Körperschaften die Aufhebung der Bierabgabe. Der Referent Stadtv. Reg.-Rat Dr. Wenke trat in längeren Ausführungen gegen den An­trag ein und empfahl die Ablehnung desselben. Stadtv. K ü st n e r bekennt sich als Gegner der indirekten Abgaben, sofern notwendige Lebensmittel in Betracht kommen. Beider Bierabgabe liege die Sache anders, gegen deren Aufhebung er sich gleichfalls wenden müsse. Stadtv. Dr. Wagner trat für die Aufhebung ein. Der Antrag der Brauerei­arbeiter wurde abgelehnt.

Armenpfleger.

Anstelle des verstorbenen Armenpflegers Meyer wird Herr Bureauvorsteher Kißling gewählt. Für die Annen­pfleger I a s s o y und Emil Hirschmann werden die Herren Voß jr. und Val. Klug gewählt.

Vermächtnis.

Die Witwe des Rentners Friedrich Ziegler hat der Stadt 1000 Mk. für die Armen überwiesen. Der Magistrat hat unter Ausdruck des Dankes die Spende angenommen.

Gutachten betr. Branntweinfteuererhebung.

Herr Rechtsanwalt Eberhard hat ein ausführliches Gutachten über die Branntweinsteuererhebung erstattet, das der Versammlung im Druck vorliegt. Das Gutachten wird zur Kenntnis genommen und anerkannt, daß ein Rückforderungs­recht der Stadt für rückvergütete Branntweinsteuerabgaben nicht besteht. 1

Die unter sten Klassen der städtischen Schulen.

In einer früheren Sitzung der Stadtverordneten-Versamm- lung war folgender Antrag der Herren Wolff und H o ch jur Annahme gelangt:Die Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, in eine Prüfung darüber einzutreten, ob und in wie weit eine Vereinfachung in den untersten Klaffen der städtischen Schulen möglich sei." Der Magistrat hat jetzt einen ausführlichen Bericht vorgelegt, in welchem seine ablehnende Haltung näher begrünbet wird. Der Bericht wird zustimmend zur Kenntnis genommen. (Wir werden in morgiger Nummer einen ausführlichen Bericht hierüber bringen).

Die Angelegenheit der Erhöhung der Vergütung für die Kehrichtabfuhr an Domänenpächter Rocholl wird in die nicht­öffentliche Sitzung verwiesen, die Vorlage wegen anderweiter Beschaffung eines Warm-Wafferbereitungsapparates in der Kleinkinderschule und Kinderkrippe geht an die Kommission jurücL ' *

* Direktor Köpke. Wie wir hören, wird de/ Direktor der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule, Herr Köpke, am 1. Oktober er. unsere Stadt verlassen, um die Leitung sämtlicher städtischen gewerblichen Schulanstalten zu Hagen i. W. zu übernehmen. Ausgestattet mit umfassenden Kennt­nissen und reichen Erfahrungen, vereinigte er mit persön­licher Liebenswürdigkeit eine zähe Energie, sodaß er es ver­stand, in der kurzen Zeit seines Hierseins unter nicht immer leichten Verhältnissen unsere hiesige gewerbliche Fortbildungs­schule zu einer vorbildlichen Anstalt für die gewerblichen Fort­bildungsschulen Preußens unizugestalten. Sein Fortgang, der einen herben Verlust für die hiesige gewerbliche Fortbildungs­schule bedeutet, ist deshalb lebhaft zu bedauern.

* Nachahmenswert. Derdänische Verein enthalt­samer Aerzte" wendet sich in praktischer Weise an das dänische Volk mit einer Tafel, die von der Staatsregierung unter anderem in allen Bahnhöfen, Fähren, Gefängniffen, Polizeiwachen und Krankenhäusern ausgehängt ist. Auf den Bahnhöfen hängt sie in jedem Wartezimmer und außer ihr * ist im Zimmer oft nichts Gedrucktes zu finden, so daß sie wirken muß. Sie ist 32:48 cm groß und zeigt in rotem, teils schwarzem und verschieden großem Druck folgende Sätze: Alkohol ist ein betäubendes Gift. ' Alkohol ist Schuld an vielen Geistesstörungen uw an den meisten Verbrechen. Jeder 7. Mann in Dänemark stirbt infolge des Trinkens. Gieb niemals Kindern alkoholische Getränke! Der Alkoholismus begünstigt die Tuberkulose und die Geschlechtskrankheiten. Der Alkohol untergräbt die Lebenskraft der Geschlechter und verdirbt die Nachkommenschaft. Das dänische Volk zahlt jährlich für Alkohol mehr als 62 Millionen Kronen. Im Kampfe für Nüchternheit ist die sicherste Waffe Enthaltsam­keit. Werde daher Mitkämpfer für EntbältjaoMt.