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Rotationsdruck und ® erlag der Buchdruckerei M verein, ev. WastenhaufeS in Hanau.
General-Anzeiger
Avtlichts Organ für Stabt and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die ßlofgespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pstz im ReklamenteU die Zelle 35 Pfg.
Lerantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hana«
9?L 304 Fernsprechanschlutz Nr. 605.
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Frcit»g den 29. Dezember
Kernsprechanschlusz Nr. 605. 1905
Amtliches.
Eandkreis Ranau.
BekamtmMmgtii des .KüiüIiA» Lmdrlltsmts.
Die Pferdestartpe (Influenza) in Dörnigheim ist erloschen.
Hanau den 27. Dezember 1905.
Der Königliche Landrat.
J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Handelsregister.
Firma Weinrank & Bernay in Hanau: Die Firma ist nach beendigter Liquidation erloschen.
Hanau den 20. Dezember 1905. 25104
Königliches Amtsgericht 5.
Hus Ranau Stadt und Eand.
Hanau, 29. Dezember.
* Sstrechverkehr. Am 1. Januar 1906 wird der Sprechverkehr mit El bürg, Heemstede, Heusden, Hoogeveen, Pernis und Verchel eröffnet werden.
* Alt-Hessisches. Wie der „National-ZeiMng" aus London berichtet wird, wurden unter alten Dokumenten aus dem Kriegsministerium, die zur Auktion bestimmt waren, vier Bände gefunden, die die Namen der 22 000 Soldaten enthalten, die England von Hessen-Cassel für den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zur Verfügung gestellt wurden. Man hatte lange vergeblich nach diesen Listen gesucht und sie bereits als verloren betrachtet.
* Sparkafsen-Berband. Der Vorstand des Sparkassenverbandes für Hessen-Nassau und Waldeck setzt sich nunmehr nne folgt zusammen: 1. Stabtrat Boedicker-Cassel, I. Vorsitzender. 2. Stadtrat Dr. Levin-Frankfurt a. M., II. Vorsitzender. 3. Sparkassen-Direktor Wichmann-Eschwege, Rechnungsn'lhrer. 4. Stadtrat Andrö-Cassel. 5. Landrat von Gröning-Gelnhausen. 6. Stadtrat A. Jung-Hanau.
7. Landesbank-Direktor Keßler-Wiesbaden. 8. Bürgermeister Kraiger-Fritzlar. 9. Kreisamtmann Noesener-Arolsen.
* Wetterrrmschsag. Der echte Winter mit knirschendem Schnee und spiegelblankem Eis, der Freund aller Schlittschuhläufer und Schlittenfahrer, aller Pelzwarenhändler und Eisfabrikanten, will sich dieses Jahr durchaus nicht einstellen. Kaum hat eine dünne Eisschicht die stehenden Ge-
Feuilleton.
Sie ßmldertjchskin te Kutschen Münnergesuuzes.
Durch die Musik- und Sängerzeitungen geht gegenwärtig die Nachricht, daß die deutschen Männergesangvereine in diesem Jahre auf ene 100 jährte Tätigkeit zurückblicken können. Es dürfte deshalb auch für die Hanauer Sänger und Freunde des Gesanges von Interesse sein, etwas über die Anfänge, die Entstehung des deutschen Männergesanges zu erfahren.
Der Begründer des deutschen Männergesauges ist Karl s Friedrich Zelter. Er wurde am 11. Dezember 1758 in Berlin geboren. Sein Vater war ein Maurermeister, der den Knaben schon frühe für dieses Handwerk bestimmte. Mit großem Eifer aber trieb der junge Zelter schon in frühester Jugend eifrig Musik. Von seinem 17. Jahre an nahm er Unterricht in der Komposition bei Fasch, dem Stifter der Berliner Singakademie. Nebenher trieb er noch das Maurer- handwerk, und als er am 1. Dezember 1783 zum Meister gesprochen wurde, hatte er auch durch den musikalischen Unterricht bedeutende Fertigkeiten und Kenntnisse in der Ausübung der Musik gewonnen, so daß er von seinem Lehrer Fasch bei den Uebungen der Singakademie verwendet werden konnte. Nach dessen Tode übernahm Zelter die Leitung die'es Kunst- instituts. , In . dieser Stellung wirkte er so erfolgreich, daß er zum Miigliede der Akademie der Künste ernannt wurde. Im Auftrage des Kultusministers gründete er 1819 das Institut für Kirchenmusik. Er war ziemlich fruchtbar als Komponist. Jedoch ist außer den Liedern und Männerguar- tetten wenig von Zelters Komposition gedruckt worden. Als Schri'lstâr betätigte er sich durch die Biographie seines Lehrers Fasch (1801). Er starb am 15. Mai 1832, einige | Wochen später als Goethe, mit dem er eng befreundet war. 1
wässer überzogen, kaum sind die Stahlschuhe hervorgeholt, geputzt und zum Gebrauch bereitgelegt, so zieht sich der rauhe und doch so freudig begrüßte Gffelle wieder in seine nördlichen Gefilde zurück und läßt die Sehnsucht so vieler ungestillt. Gestern abend hat er sogar fast ohne jeden oc mittelnden Uebergang seinem feuchten Kollegen Jupiter Pluvius das Feld überlassen nnb hierdurch eine Glatteisgefahr in bedenkliche Nähe gerückt. Auch der Gesundheit sind solch plötzliche Witlerungsumschläge gewiß nicht förderlich. Hoffen wir, daß recht bald ein echter und rechter Winter, wenigstens für ^einige Zeit, das ihm gebührende Regiment aniritt, zur Frevde aller Sportsbeflissenen und vieler Geschäftsleute, zur Freude und Lust auch der lieben Kinderwelt, der fröhliches Tummeln in freier Natur ein Lebensbedürfnis ist.
* Kathol. Gesellenverein. Zum heutigen Vereinsabend werden alle Mitglieder und Ehrenmitglieder höflichst eingeladen. Es findet ein interessanter Vortrag eines Paters einer Missionsgesellschaft statt.
* Kathol. Kasino. Samstag abend 9 Uhr wird im Kathol. Kasino ein auswärtiger Herr einen Vortrag über das Thema: „Unsere Kolonien" halten. Da derselbe Land und Leute aus eigener Erfahrung kennt, so wird der Vortrag ein sehr interessanter werden.
* In Südwest-Afrika verwundet. Auf der Verfolgung von Viehräubern wurde am 21. Dezember der Gefreite Karl Wagner, geb. 7. September 1880 in Steinau, früher beim Ulanen-Regt. Nr. 6, bei Kalksontain durch einen Schuß in den Unterarm verwundet.
* Das Schulunterhaltunsisgeset;. In derDelegierten- Versammlung des heffischen Volksschullehrervereins, die von über hundert Lehrern besucht war, referierte Herr Lehrer Kimpel-Cassel über den Schulunterhaltungsgesetzentwurf. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution' an, in der sie sich gegen den G-äetzemwurf aus'prach.
* Golddiebstahl. In Frankfurt wurde am 3. Feiertage der bei der Firma D. u. K. dahier arbeitende Gold- arbeiter Jos. Klüh verhaftet, als er bei einem dortigen Pfandhaus eine Goldblauche im Werte von 300 Mark versetzen wollte. Henie vormittag wurde er ins hiesige Gerichtsgefäng- nis eingeliefert.
* Eiugefunden. Die als vermißt gemeldete Tochter des hiesigen Fabrikdirektors C. befindet sich wieder im elterlichen Hause.
* Futzball-Wettspiel Leipzig—Hanau. Der vor= jährige Meisterschaftsklub von Deutschland in Hanau I wer hätte das zu hoffen gewagt. Und doch steht dieses große sportliche Ereignis, das die gesamte deutsche Fußballwelt in Spannung hält, unmittelbar bevor. Dem rührigen 1. Hanauer Fußball-Klub 93 e. V. ist es gelungen, die hervorragende Mannschaft- des Leipziger Vereins für Bewegungsspiele e. V.
Für unsere Männerchöre ist Zelter von besonderer Bedeutung, weil sie in ihm den Begründer des deutschen Männergesauges verehren.
Als Zelter die Leitung der Berliner Singakademie inne hatte (1800—1832) wurden zu Ehren der neueingetretenen und ausscheidenden Mitgliedern seit dem Jahre 1805 gemütliche „Herrenabende" veranstaltet. Zur Unterhaltung trugen die von Zelter komponierten Lieder, meist heiteren Inhaltes, die die Anwesenden yortrugen, wesentlich bei. Zelter war aber für den Gesang ohne Begleitung des Klaviers nicht zu erwärmen, weshalb die Gesänee stets begleitet wurden. Als jedoch einst aus räumlichen Gründen das Klavier- entfernt werden mußte, sang man die Lieder mit Begleitung der Guitarr'e. Letztere wurde jedoch übertont bei dem kräftigen Klang der Stimmen und man nahm wahr, daß sich die Männerstimmen kräftig und fest hielten. Zelter war von da ab für den Männergesang gewonnen, der sich durch Komponieren zahlreicher und ansprechender Gesänge große Verdienste um diese Herrenabende erwarb. Aber auch jedes Mitglied, Dichter und Komponisten, mußte das möglM st Beste zur Verherrlichung der A ende beitragen. Sie sind die Anfänge des deutschen Männergesauges und wohl mit Recht kann man das Jahr 1805 als das G ündungsjahr ans hen. Zelter nannte den Verein „Liedertafe l", welcher als der erste deutsche Mäuuerge angverein zu betrachten ist. Man sammelte sich von jetzt ab alle vier Wochen abends zu regelmäßigen Uebungen. Vorläufig konnte man an die Oeffentlichkeit noch nicht treten, da es au geeignetem Uebungsmaterial fehlte. Deshalb wurden Preise ausgesetzt für die beste Komposition. Von dem Dirigenten verlangte man, daß er selbst ein guter Musiker, insbesondere ein tüchtiger Leiter und begabter Komponist sei. Erst im Jahre 1808 konnte ein größeres Stiftungsfest gefeiert werden.
Nach Gründung des Vereins „Liedertafel" wurden sehr bald zahlreiche Vereine in allen größeren Städten Deutsch- |
für Sonntag den 31. Dezember er. zu verpflichten. Es gibt ein Zusammentreffen zweier aussichtsvoller Bewerber um die diesjährige deutsche Meisterschaft, ein Wettstreit zwischen würdigen Repräsentanten Nord- und Süddeutschlands. Leipzig sendet eine Mannschaft, die ohne Ausnahme Spieler enthält, welche auf das Wort „erstklassig" Anspruch machen können. Es spielen: Schneider (Tor), Hüttig und Schmitt (Verteidiger), Pößler, Oppermann und Richter (Läufer), Friedrich, Blüher, Niso, Stanischesskp und Steinbeck (Stiirmer), demnach die durch Oppermann und Richter verstärkte Mannschaft des Vorjahres, welche es fertig brachte, den in den letzten zwei Jahren ungeschlagenen 93ern eine Niederlage von 4:2 beizubringen. Blüher, Ri so und Stanischefsky sind zur Genüge bekannt, sie bilden das berühmte Leipziger Fuß- ball-Trio. Vor allen Dingen wird Blüher durch seine unheimliche Größe und seine verblüffende Balltechnik Aufsehen erregen. Die beiden Außenstürmer, Friedrich und Steinbeck, sind vorzügliche Läufer und durch ihre guten Flanken dem feindlichen Torwächter gefährlich. Oppermann gehört der Ruf des besten Läufers Deutschlands. Die anderen Verteidiger und der Torwächter reihen sich den übrigen Spielern würdig an. Hanau hat zu diesem Spiel große Vorbereitungen getroffen und hat auch an den Weihnachtsfeiertagen in den Spiklen gegen Bockenheim „Germania" und Bockenheim „Amicitia" (16:1 und 17:1) bewiesen, daß es in großer Form ist. Die Stürmerreihe ist wohl was Kombination und Schußvermögen anbelangt, zurzeit die beste in Deutschland. Auch die Verteidigung ist als tüchtig genug bekannt und wird auch nächsten Sonntag ihre Schuldigkeit tun. — Der 1. Hanauer Fußball-Klub 93 e. V. hat dieses kostspielige Unternehmen ins Werk gesetzt, um ausübenden Sportsleuten die Möglichkeit zu bieten, sich weiter zu vervollkommnen und dem Hanauer Publikum Gelegenheit zu geben, wieder einmal ein klassisches Fußballspiel zu sehen. Zahlreiche Vereine aus Nah und Fern haben ihren Besuch zu diesem Spiel angezeigt und sollten auch die sportliebenden Hanauer ben veranstaltenden einheimischen Verein durch zahlreiches Erscheinen unterstützen. Möge es am nächsten Sonntag für jeden nur eine Devise geben: Leipzig—Hanau. — Leipzig spielt in weißem und Hanau in schwarz-weißgestreiftem Dreß. Schiedsrichter ist Herr Behm-Wiesbaden. Das Spiel beginnt pünktlich halb 3 Uhr auf dem Sportplätze an der „Schonen Aussicht". Eintrittspreis 50 Pfg., im Vorverkauf 40 Pfg. in der Zigarrenhandlung Hch. Salzmann, im Vereinslokal Brauerei Kaiser und bei den Mitgliedern. Tribünenplatz 1 Mark.
* Buchdrucker-Festlichkeit. Morgen abend begeht bet Ortsverein der Hanauer Buchdrucker im Saale der „Stadt Bremen" sein diesjähriges Wintervergnügen. Die Veranstaltungen gen. Vereins sind stets gern besucht und da auch für den morgigen Abend ein gutes Programm vorgesehen ist, so wird es sich schon einige Stunden im Kreise der Schwarzkünstler aushalten lassen. Der Beginn der Feier ist pünktlich 8 Uhr und haben Gäste Zutritt.
lands ins Leben gerufen. Ungefähr gleichseitig mit Zelter gründete Hans Georg Nägeli (1773—1836) in Zürich ebenfalls Männergesangvereine; darum hat auch in der Schweiz der mehrstimmige Liedergesang schnelle und weite Velbreitung gefunden.
Seit Gründung der deutschen Männergesangvereine sind nun 100 Jahre ins Meer der Ewigkeit hinabgerauscht. An den politischen und inneren sozialen Bewegungen haben die Sänger lebhaften Anteil genommen. Sie haben durch den Gesang zum Ausdruck gebracht, „was das Herz bewegte und wonach die Zeit verlangte." Die Wogen haben sich gelegt, das Schifflein ist in ein ruhiges Fahrwasser eingelenkt, seitdem wir ein geeinigtes deutsches Vaterland haben.
Mit diesem Zeitpunkt bat nun keineswegs die Pflege des Männergesanges an Frische und Kraft eingebüßt und das Streben nach Vervollkommnung nachgelassen. Unsere Vereine sind mit Ernst und Eifer, mit großer Gründlichkeit und Genauigkeit an die hohe und edle Aufgabe herangetreten und haben durch prächtige und gediegene Leistungen einen beachtenswerten Fortschritt zu verzeichnen.
Auch in unserer Vaterstadt ist die Kunst deS Gesanges schon von frühester Zeit an eifrig gepflegt worden. Man erkannte, daß der Gesang, besonders auch der Männergesang, ein geistiges Bildnngsmittel sei, durch den das Gemüt harmw nisch gestimmt, die Leidenschaften gemildert werden, worin der bekannte Ausspruch seine Erklärung findet: „Wo man singt, da laß dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder". Schon im Jahre 1825 entstand hier der Gesangverein „Frohsinn", der Jahre lang den Männergesang pflegte, dann aber auch die Pflege des gemischten Gesanges sich zur Aufgabe machte und dies durch Aufführungen von „Opern" betätigte. Leider besteht dieser Verein nicht mehr!
Auch unsere gegenwärtig noch lebensfähigen Vereine sind schon viele Jahrzehnte in der Pflege des deutschen Männergesanges tätig; dafür spricht z. B. der Umstand, daß im nächsten Jahre (1906) zwei leistungsfähige Vereine hiesiger