Erstes Blatt.
vezagSprelSt
MatestLhrlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für m* wärttge Abonnenten mit dem betrefsmden Postaufschlag, Di« einzelne Nu mm« tostet 10 Pfg.
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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Fandkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer BeUage.
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Becantnwtil. Rrdaktrm: 6. Schreck«, ta H«um.
9tL 175 Fernsprechanschlitst Nr. 605.
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Amtliches.
Stadtkreis F)anau> Steuererhebung.
Wegen Bücherabschlusses und Kassenreviston bleibt die ftâdt. Steuerkaffe von Samstag den LV. bis Montag den 31. d. Mts., vorw. 10 Uhr, geschlossen.
Schlachtscheine werden ausgegeben. Hanau den 26. Juli 1905.
Stadtkasse. 14395
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Hus l)anau Stadt und Tand.
Hanau, 28. Juli.
* Eisenbahnverkehr. Die Königl. Eisenbahndirektton Frankfurt a. M. hat folgende Bekanntmachung erlassen und taucht die beteiligten Kreise, hiernach zu verfahren und die erforderlichen Einrichtungen im allseitigen Interesse frühzeittg treffen zu wollen: Die im Herbst jeden Jahres regelmäßig wiederkehrende Steigerung des Eisenbahnversandes wird auch jn diesem Jahre größere Anforderungen an den Eisenbahnbetrieb und die Zuführung offener und gedeckter Wagen stellen. Um den stärkeren Verkehr ohne Störungen zu bewälttgen, ist es notwendig, daß die hierauf gerichteten Bestrebungen der Eisenbahnverwaltung allerseits Unterstützung finden. Hierzu ist in erster Linie erforderlich, daß der Bedarf an Kohlen usw. für den Winter schon jetzt bezogen und Nicht auf die Zeit der Rübenernte von Oktober bis Ende November verschoben wird, welche in der Regel Mangel an offenen Wagen zu verursachen pflegt. Für den Versand von Gütern in gedeckten Wagen ist es nach den gemachten Erfahrungen dringend notwendig, daß die großen Versmdnngen an Düngemitteln gleichmäßiger auf das ganze Jahr verteilt werden. Für alle Wagenladungen gilt aber, daß auf die volle Ausnutzung des Ladegewichts, sowie auf die schleunige Be- und Entladung der Wagen Bedacht genommen wird, damit von einer allgemeinen Verkürzung der nachstehend aufgeführten Ladefristen abgesehen werden kann. 1. Sofern nicht eine andere Frist festgesetzt und durch Aushang in den Güterabferttgungsräumen, sowie durch Veröffentlichung in in einem Lokalblatte bekannt gemacht ist, hat die Ent- oder Beladung, sofern die Wagen bis vormittags 9 Uhr ladebereit gestellt sind und die Empfänger oder Absender des Gutes innerhalb eines Umkreises von 2 Kilometern von der Station wohnen, noch innerhalb der Geschâftssttmden des laufenden Tages, sonst aber innerhalb der nächsten 12 Tagesstunden
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Feuilleton.
Simon Dach, der Sänger des „Aennchen von Tharan."
Zur Erinnerung an feinen 300. Geburtstag am «29. Juli 1906.
Am 29. Juli 1605. wurde zu Memel Simon Dach geboren. Während er sich bei seinen Zeitgenossen einer ungemein großen Beliebtheit und Anerkennung erfreute, die sogar soweit ging, daß man ihn den „preußischen Homer" nannte, ist er heute fast vergessen, und selbst diejenigen, welche sein „Aennchen von Tharau" singen und sich an seinem innigen Freundschaftslied: „Der Mensch hat nichts so eigen" erfreuen, wissen vielfach nicht, daß diese Lieder von ihm stammen.
Schon früh zeigte er eine besondere Begabung für Musik und Poesie, und man erzählt von ihm, daß er das Geigenspiel ohne Anleitung erlernt habe. Nach dem Besuch mehrerer Schulen begann er 1626 in Königsberg Theologie zu studieren, ging jedoch bald zum Studium der Poesie und Beredsamkeit über, da ihm die damaligen Lehrstreitigkeiten der Theologen mißfielen. 1633 sehen. wir ihn als Lehrer an der Domschule zu Königsberg. Das Amt befriedigte ihn jedoch wenig. Abgesehen davon, daß sein Gehalt so gering war, daß er im Winter nicht einmal eine geheizte Stube hatte, brachte die Lehrtätigkeit ihm so viel Arbeit, daß er kaum Zeit fatt^ seiner Lieblingsbeschäftigung, der Poesie, zu leben. Bis lief in die Nacht saß er über den Heften seiner Schüler, und mit viel Humor schildert er uns in einem seiner lateinischen Gedichte, daß er oft über "dem Korrigieren eingeschlafen sei. Dazu kamen noch die mancherlei Kränkungen seitens der Eltern seiner Schüler, die stets wollten, daß man „mit ihren verzärtelten Absaloms fein säuberlich verführe."
Da trat ein Ereignis ein. das ihn mit einem Schlage
Freitag den 28. Juli
nach der Bereitstellung zu erfolgen. 2. Unter Tagesstunden sind die für den Güterabfertigungsdienst vorgeschriebenen, in den Güterabferttgungsräumen durch Aushang bekannt gemachten Zeiten zu verstehen. Wagenladungsgüter können auch in den Mittagsstunden, welche demzufolge in die Beladefrist eingerechnet werden, entladen oder verladen werden. 8. Als Festtage (vergl. § 56 [8] der Verkehrsordnung) gelten im allgemeinen die Tage, an denen die Ortspolizeibehörde darauf hält, daß an öffentlichen Orten nicht gearbeitet wird. 4. Für Anschlüsse und Lagerplätze gelten die auf Grund der Anschlußverträge festgesetzten Ladefristen.
* Kaisermanöver. Das Homburger Programm für die K a i s e r t a g e lautet folgendermaßen: Donnerstag, 7. September, Ankunft des Kaisers; Freitag, 8., vormittags Kaiserparade, nachmittags militärische Paradetafel im Kurhause, abends großer Zapfen st reich im Kurgarten und große Beleuchtung desselben; Samstag, 9., vormittags Enthüllung desKaiserWilhelmsl. - Denkmals, nachmittags Provinzial-Diner im Kurhause, abends großes Feuerwerk im Kurgarten; Samstag, 10., vormittags großer Feldgottesdien st im Kurpark auf der großen Wiese unterhalb des Schmuckplatzes.
e Militärisches. Das während der Kaisermannöver zu formierende 3. Bataillon des Infanterieregiments Hessen- Homburg wird Herrn Major v. Gilsa zum Kommandeur erhalten.
* Nachtübung. In verflossener Nacht wurde das Infanterie-Regiment alarmiert, das darauf nach Hüttengesäß marschierte, woselbst auch abgekocht wird.
* Ein Tunnel bei Elm. Wie die „Off. Ztg." vernimmt, geht die Eisenbahnverwaltung damit um, den „Landrücken" zwischen Schlüchtern und Fulda vermittelst eines Tunnels zu durchbohren. Es würden dadurch nicht nur die jetzigen sehr starken Steigungen vermieden, sondern auch die unbequeme Kopf- und Umspannstation Elm entbehrlich gemacht, und die Fahrzeit der Züge zwischen Frankfurt und Bebra würde um ein bedeutendes abgekürzt werden.
* Geschichtsverein. Die Aufstellung der im vor- hinnigen Regierungsgebäude noch befindlich gewesenen römischen und mittelalterlichen Funde und dem Geschichtsverein gemachten Zuweisungen historischer Gegenstände, ist nunmehr in den unteren Räumen unseres Museums, Altstädter Markt 6, nachdem der Um- und Ausbau auf gemeinschaftlich von der Stadt und dem Geschichtsverein getragene Kosten erfolgt war, vollendet. Die Besichtigung wird dem Publikum empfohlen mit dem Hinzufügen, daß alle von dem Vorstande angesammelten historischen Gegenstände mit Ausnahme der des Archivs nunmehr in einem Gebäude vereinigt sind und der noch vorhandene freie Raum
aus allen Sorgen riß und den Lebensmüden mit neuem Lebensmut erfüllte. Durch den Kurfürsten von Brandenburg Georg Wilhelm, der ihn bei einer Anwesenheit in Königsberg kennen und schätzen gelernt hatte, erhielt er im Jahre 1639 die erledigte Professur der Dichtkunst an der Universität Königsberg, die ihm nun gestattete, ganz seiner poetischen Neigung zu leben. Aus dieser Zeit seines Lebens haben wir ein Wort von ihm, das seinen Wahrheitsmut bezeugt und zugleich sehr bezeichnend ist für die hohe Auffassung, die er von der Dichtkunst als einer Führerin zu allem Guten und Edlen hatte. Mutig trat er nämlich gleich bei Uebernahme seines neuen Amtes gegen den Schmutz in der damaligen Literatur auf und verteidigte die These, „daß Urheber unzüchtiger Verse nicht dm Ruhm von Poeten verdienen." So kann er uns zum Vorbild dienen in dem Kampf gegen den Schmutz in Wort und Bild, gegen den auch heute unser Geschlecht wieder zu kämpfen hat und in dem ebenfalls ein Dichter (Otto von Leixner) mutig voranschreitet.
Die Ehe, die er bald darauf einging, wurde ihm zur Stätte reinsten Glückes. Besonders im Kreise seiner Kinder fühlte er sich überaus glücklich, und das unschuldige lustige Spiel derselben erfüllte ihn mit solcher Freude, daß er öfters äußerte: „Steinem ist, dem dies nicht Ruh oder Freude kann erwecken."
Eine Quelle reicher Freude war ihm auch der Verkehr mit gleichgesinnten Freunden in Königsberg, die ebenfalls dichterisch veranlagt waren. In dem Garten des Domorganisten Heinrich Albert, der unserer Kirche unter anderem das schöne Lied: „Gott des Himmels und der Erden geschenkt hat, kam man regelmäßig zusammen und verlebte dort Stunden heiterer Geselligkeit. Heiterer, unbefangener Lebensgenuß verband sich in diesem Kreise mit tiefem, religiösem Ernst, der den geistvollen Liedern, die in ihm entstanden, die Weihe gab. Sind auch schon viele von diesen vergessen, nachdem sie über 100 Jahre lang der Erbauung der Gemeinde gedient haben, — Simon Dach's „O wie selig seid ihr doch,
Fernsprechanschlntz Nr. 605. 1905
beweißt, daß die Befürchtung das von der Stadt überwiesene Gebäude sei zu klein, unzutreffend ist. Es werden deshalb gerne etwa auf unsere Vaterstadt und unser engeres Vaterland Kurhessen bezügl. historische Gegenstände, auch unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes entgegengenommen und ausgestellt, bezw. verwahrt.'?
* Neue Reichsbanknebenstelle. Am 14. August b. J. wird in Neheim eine von der Reichsbankstelle in Hamm (Westfalen) abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kassen» einrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
* Konzertgarten Bürgerbräu. Wir machen auf das heutige große Extra-Konzert unserer 166er im Konzertgarten „Bürgerbräu" an dieser Stelle noch ganz besonder- aufmerksam und erwähnen, daß bei der gut geschulten Kapelle vortreffliche Solisten vorhanden sind, sodaß Herr Kapellmeister Schmidt jedenfalls wieder etwas ganz außerordentliches bieten wird.
* Neues Sommertheater — Franz Merker. Auf Beck's Felsenkeller findet heute Abend 8 Uhr einer jener konkurrenzlosen „Bunten Abende" statt, die von Herrn Merker arrangiert, sich stets des größten Beifalls zu erfreuen hatten. Aber gerade heute wird der Abend besonders interessant, da Fräulein Vilma Storck, Opernsängerin vom Stadttheater in Dortmund, hier zum ersten Male auftritt und das Programm auch im übrigen so vorzüglich gewählt ist, daß es sämtlichen Theaterfreunden etwas Gediegenes bietet und jede andere Darbietung in den Schatten stellt. Sicher ist auch heute abend das neue Sommertheater voll besetzt, was wir Herrn Merker von Herzen wünschen. Der Vorverkauf der Billete ist bis 6 Uhr abends im Zigarrengeschäft Kollmann, Hammerstraße.
* Vorläufige Anzeige. Kommenden Montag best 31. Juli, abends 81/» Uhr, veranstaltet das 1. Offenbacher „Künstlerensemble" einen Solistenabend im Garten „Zum großen Kurfürsten". Neben einem geschulten Quartett werden die rühmlichst bekannten Humoristen Fritz Nagel, genannt „Swude", sowie Hermann Wendling, genannt „Bart", die Lachmuskeln der Besucher in Bewegung halten. Für den ernsteren Teil sorgen die beliebten Baritonisten Franz Führsen und Heinr. Schütz. Sämtliche Herren sind aus Offenbach und überall rühmlichst bekannt. Darum ist der Besuch sehr zu empfehlen.
* Erhitzte Gemüter. Einige Hanauer, die gestern abend von Frankfurt zurückkehrten, gerieten in der Stein- Heimerstraße aneinander und wurden handgreiflich. Einer der Beteiligten mußte sich im Landkrankenhause verbinden lassen.
* Mainwafferwärme gestern abend 19 Grad.
ihr frommen", und „Ich bin bei Gott in Gnaden durch Christi Blut und Tod" stehen noch heute in unseren Gesangbüchern, und Valintin Thilos gewaltiges „Mit Ernst, o Menschenkinder," führt alle Jahre wieder die Christen auf die Höhe der Adventsandacht.
Gern stellte der fleißige Mann seine poetische Begabung in den Dienst der Mitmenschen, aber aus diesen Gelegenheitsgedichten, die unter einem gewissen Zwange entstanden, erhält man kein wahres Bild von seinem dichterischen Können. Was er zu leisten vermochte, das mögen darum einige Proben zeigen, die ihn als wirklichen Dichter ausweisen. Wie innig hebt z. B. sein Lied der Freundschaft an:
Der Mensch hat nichts so eigen, So wohl stebt ihm nichts an,
AIS daß er Treu erzeigen
Und Freundschaft halten kann. . . und wie schön weiß er dann die Wohltat freier Aussprache unter treuen Freunden zu preisen, wenn er fortfährt:
Die Red ist un« gegeben, Damit wir nicht allein Vor uns nur sollen leben Und fern von Leuten sein.
Wir sollen un» befragen Und sehn auf guten Rat, DaS Leid einander klagen, So un« betreten hat.
Und in die volle Glückseligkeit, die gleichgestimmte Freunde einander mitteilen, läßt er uns schauen, wenn er am Schluß bekennt:
Ich hab, ich habe Herzen, So treue, wie gebührt, Die Heuchelei und Scherzen Nie wissentlich berührt;
Ich bin auch ihnen wieder Von Grund der Seelen hold, Ich lieb euch mehr, ihr Brüder, Als aller Erden Gold.
Tritt uns schon hier die hohe poetische Gabe der Dichters entgegen, die leider durch den Druck der Verhaltn