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R»tati«LdrxL uxb Verlag bec Buchdr^ckerri Mi votis, et, kSaiteshmchs t» Hauao.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stabt» and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit LuSruchme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 278
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ffernsprechanschlutz Nr. 605.
Montag den 27. November
Aernsprechanschlutz Nr. 605.
1905
I LandwirtschaftMer Atisverein Sanaa.
Nächste Versammlung Samstag den 2. Dezember, nachmittags 2% Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen hier.
Tagesordnung r
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Saatgutbezug für 1906.
8. Vortrag des Herrn E. Dröge über feldmäßigen Gemüsebau.
4. Mitgliederaufnahme.
5. Sonstige Mitteilungen.
Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in den Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau dm 25. November 1905.
Der Königliche Landrat.
v. D e ck e r a t h.
Hus Fyanau Stadt und fand.
Hana«, 27. November.
* Stâdt. Steuern. Aus dem ftâbt Verwaltungs- bericht für das Jahr 1904 sind in her Uebersicht über die indirekten und direkten Steuern folgende Zahlen von Interesse, a) Indirekte Gemeindesteuern: Die Jmmobiliar-Umsatzsteuer betrug 1904 23 466,07 Mk., die Hundesteuer 12 339,75 Mk. Der Reinertrag der Branntweinsteuer betrug im Etatssahr 1904 10 526 Mk., im Jahr 1901 betrug er noch 17 157. Der Reinertrag ans der Bier» und Obstweinsteuer beträgt für 1904 33 581 Mk. gegen 37 129 Mk. im Jahre 1900. In dem Rückgang des Ertrages aus alkoholhaltigen Getränken dürfte wohl ein gut Teil der Antialkoholbewequnq zum Ausdruck kommen. Für aus dem Zollvereinsauslande eingeführte Biere wurden im Berichtsjahr 211,62 Mk. an Steuern gezahli, die in obiger Summe nicht einbegriffen sind. Die Fleischsteuer brachte einen Reinertrag von 63 515,70 Mk. 1890 war der Ertrag 50 897,—, 1895 55 283,—, 1900 63 005,22 und ist von da an annähernd der gleiche geblieben. Der Steuerbetrag von lebendem Vieh entspricht annähernd dem Einheitssatz von 3 Pfg. für 1 Kilogr. Fleisch. Der Jahresverbrauch von 2119 819 Kilogr. für 1904 berechnet sich bei einer Einwohnerzahl von rund 30 000 Personen auf durchschnittlich 70,7 Kilogr. mit einer Steuer von 2,12 Mk. per Kopf. Der Reinertrag für eingeführtes Wild und geschlachtetes Geflügel betrug 4104.80 Mk. — b) Direk 1 e Steuern: Die Betriebssteuer aus den Getränke-AuSschankstellen betrug 4060 Mk. Auf eine Schankstätte kommen 138 Personen. Das gesamte Aufkommen an direkten Gemeindesteuern betrug 827 835,46 Mk. Dieselben setzen sich zusammen aus: 135 °/o Einkommensteuer-Zuschlag = 526 324,93 Mk., 150 °/o Grundsteuer = 17'0 054.53 Mk., 150% Gewerbesteuer = 125 081 Mk. (einschließlich 5618 Mk. Warenhaussteuer), 150 °/o Betriebssteuer — 6375 Mk. Von den Gesamteinnahmen entfallen 26,58 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung. Das Sollaufkommen an direkten Staats- und Gemeindesteuern überhaupt betrug: 1 251 690,43 Mk. = 40,19 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung.
* Z«r Förderung des Ausflabefleschäfts während des Weihnachtsverkehrs erfolgt die Ausgabe der Eilgüter in den letzten 14 Tagen vor Weihnachten ununterbrochen von 7 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends.
• Auszeichnung. Den Schützinnen Greb, Kirch - n e r und Z a ch a u bei der hiesigen Kgl. Polizeidirektion wurde das Tragen des Säbels der Schutzmanns-Wachtmeister mit dem goldenen Portepee gestattet.
* Kaufmannsgericht. (Sitzung vom 25. Rovbr.) Die Verkäuferin K. " klagt gegen den Kaufmann S. auf Zahlung einer Entschädigung von 70 Mk. wegen kündiaunqs- loser Entlassung. Die Klägerin, welche bei dem Beklagten bis zum September in Stellung war, behauptet, es Härten mehrere Unterredungen stattgefunden, in welchen ihr der Chef versprochen habe, sie am 1. Oktober wieder einzustellen, wodurch sie von dem Eintritt in eine andere Stellung abgehalten worden sei. Der Beklagte dagegen behauptet, es habe kein Engagement stattgefunden, sondern er habe der Klägerin nur in Aussicht gestellt, daß er ihr Mitteilung machen würde, falls sich wieder Gelegenheit zum Engagement durch flotteren Geschäftsgang biete. Der Beklagte bekräftigt seine Behauptungen mit einem Eid, die Klägerin zieht daher ihre Klage . vor Erlaß eines Urteils zurück. — Der Handlungsgehilfe N. klagt gegen den Kaufmann R. auf Zahlung einer Ent- ichâdigung von 93.29 Mk. Der Kläger war vom 1. Oktober
ab vom Beklagten mit einem Monatsgehalt von 35 Mk. bei freier Station engagiert. Am 26. Oktober wurde der junge Mann krank und mußte das Landkrankenhaus aufsuchen, wo er etwa 14 Tage lang verblieb. Nach seiner Rückkehr wurde ihm nur das bis zum 26. Oktober vei diente Salair ausbezahlt, während er ein solches für sechs Wochen (die gesetzliche Kündigungsfrist) verlangt. Der Beklagte behauptet, der Kläger sei schon bei seinem Austritt aus seiner letzten Stellung krank gewesen, er habe aber davon bei seinem Eintritt nichts gesagt. Er (R.) halte sich nicht für verpflichtet, die sechs Wochen zu vergüten, weil der Kläger, da er sich nicht erst vollständig kurieren ließ, selbst an seiner schnellen Wiedererkrankung schuld war und weil er ihm diesen Umstand bei seinem Eintritt verschwieg. Der Kläger bestreitet, beim Austritt aus seiner letzten Stellung schon krank gewesen zu sein und legt ein Zeugnis vor, wonach er in Oesterreich (seiner Heimal) nur zum Zweck seiner weiteren Ausbildung ausgetreten ist. Der Beklagte erwidert hierauf, er könne nicht gerade behaupten, daß Kläger bei seinem letzten Austritt krank war, jedenfalls sei er aber nicht gesund gewesen, als er hier eintrat. Der Beklagte schließt dies aus verschieben-’n Umständen. Der Beklagte wird zur Zahlung der eingeklagten Entschädigung von 93.29 Mk. an den Kläger verurteilt.
* Hofbrauhaus Hanau vorm. G. Ph. Meolah, A.»G., Hanau. Am Samstag nachmittag wurde die 9. ordentliche Generalversammlung abgehalten, in der 1133 Aktien vertreten waren. Den Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr erstattete der Vorsitzende des Aufsichtsrats Kommerzienrat F. Canth al, das wesentlichste desselben ist schon durch den an dieser Stelle erschienenen Vorbericht bekannt geworden. Im neuen Geschäftsjahre hofft man voraussichtlich bessere Resultate zu erzielen, da Hopfen billiger ist, auch auf manchen anderen Konti Ersparnisse eintreten können. Bekanntlich hat die gute Obsternte des Vorjahres den Bierabsatz wesentlich beeinflußt, was jedoch diesmal nicht zu be- fürchten ist, da die Obsternte schlecht ausgefallen ist und Aepfelwein in manchen Gegenden überhaupt nicht verzapft werden kann. Ausführlich behandelte und erläuterte der Vorsitzende des Aufsichtsrats die einzelnen Posten der Bilanz, berührte bei dem Konto der Maschinen-Neuanlage die Anschaffung der neuen Eismaschine, die eine Qualitätsverbesserung des Bieres ermögliche und betonte auch noch, daß bei den erfolgten Abschreibungen die früheren Sätze beibehalten worden seien. Die Bilanz wurde genehmigt und der Verwendung des Reingewinns in der vorgeschlagenen Weise einhellig zugestimmt. Der Reingewinn beträgt bekanntlich 113 496.98 Mk., aus dem der gesetzliche Reservefonds mit 5674.85 Mk. dotiert, eine 4prozemige 1. Dividende mit 72 000 Mk. und Tantiemen für Vorstand und Aufsichtsrat mit 5731.53 Mk. gezahlt werden. Es verbleiben darnach 30 090.60 Mk. und zuzüglich des vorjährigen Gewinnvortrages von 31 205 Mk, in Summa 61 295.60 Mk., die Verwendung finden werden für Zahlung von 2 pCt. Superdividende — 36 000 Mk., für Gratifikationen — 8000 Mark, der Rest von 17 295.60 Mk. wird auf neue Rechnung vorgetragen. Die ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Kommerzienrat Canthal, Kaufmann Joh. Hch. Nickel, Fabrikant C. Boehm in Hanau und Rentner Otto Körner in Magdeburg wurden einstimmig wiedergewählt.
* Warnung vor schwindelhaften Angeboten. In der letzten Zeit wird dem Publikum vielfach die Herstellung von einem Dukend Visitbildern (Photographien) zu einem lächerl'ch geringen Preis und daneben noch allerlei Gratiszugaben entboten. Hinterher stellt sich dann meist heraus, daß die Bnoer so frappant — unähnlich ober mangelhaft ausgeführt find, daß sie gar keinen Wert haben, ober es kommen für die Gratiszugaben noch allerlei Nachforderungen. Der Rheinisch-Westfälische Verein zur Pflege der Photographie in Köln erläßt daher jetzt in den Tageszeitungen eine Warnung, die wie folgt lautet: „Wer sich photographieren lassen will, angelockt durch billige Preise von Geschäften, welche 1 Dutzend Visitbilder zu 1,50, 1,80, 1,90 Mark usw. annoncieren und sogar noch große Bilder oder kolorierte Porträts gratis zugeben, dem empfiehlt der obengenannte Verein, um den Besteller vor Mehrausgaben zu schützen, streng darauf zu achten, keine höheren Preise als die in den Annoncen enthaltenen zu zahlen. Es wird fast bei jedem Besteller versucht, mit der Behauptung einer besseren, wenn nicht sogar künstlerischen Ausführung einen derartigen Preis zu erlangen, wofür viele unserer fachmännisch ausgebildeten Photographen gern Bilder inkl. Lieferung von Probebildern herstellen. Diesen Manipulationen verdanken derartige Geschäfte ihre Existenz. In diesen Geschäften herrscht Massenfabrikation, welche sich mit gediegener Arbeit
nicht vereinbart. Wer in der Voraussetzung, etwa- Bessere- zu erhalten, ohne vorher eine Probe der bestellten Bilder gesehen zu haben, einen höheren Preis bezahlt, ist um den Mehrbetrag übervorteilt. Der obengenannte Verein erachtet es als seine Pflicht, dieses öffentlich bekannt zu machen, um sowohl die Interessen des bestellenden Publikum- al- auch die seiner Mitglieder zu wahren."
8 Oeffentliche Versammlung. Der Dotksverein für das katholische Deutschland hielt gestern im Saale der „Centralhalle" eine gutbesuchte öffentliche Versammlung ab. Herr Dechant Schlitt eröffnete die Versammlung, begrüßte die Erschienenen herzlich und schloß seine markigen Worte mit einem Hoch auf Papst und Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Hierauf ergriff das Wort Herr Rechtsanwalt Scheyda - Homburg, um in längerer Rede die Ziele und Bestrebungen des katholischen Volksvereins wie der Zentrumsparrei überhaupt eingehend darzulegen und das bisher von dieser Partei Erreichte Revue passieren zu lassen. Das Zentrum sei keine Partei irgend eines einzelnen Standes, sondern eine allgemeine Volkspartei, sie erstrebe die Hebung der wirtschaftlichen Lage des gesamten deutschen Volkes, das Zentrum sei eine nationale, vaterlandstreue Partei, es unterstütze die Bestrebungen zur Stärkung der Landesverteidigung zu Wasser und zu Land, die Zentrums- partei sei eine eifrige Beschützerin des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts, sie mache energisch Front gegen alle Steuerpläne, die den kleinen Mann, die minderbemittelten Volkskreise belasten. So werde sie vor allem gegen die neu geplante Tabaksteuer mit ganzer Kraft eintreten. Zum Schlüsse appelliert Redner an alle katholischen Männer, sich rege am politischen Leben zu beteiligen, denn die Politik verderbe nicht den Charakter, wie man das so vielfach höre, sondern stähle und festige diesen, schaffe denkende, selbsturteilende Männer, die dann als gebildete Wähler die Fühler darstellen könnten, die die Wünsche des breiten Volkes in sich aufnehmen, um sie den Volksvertretern, den Abgeordneten zu übermitteln, denn nur so könnten diese ihrer hohen Aufgabe voll und ganz genügen. Es wird hierauf eine aus der Versammlung heraus vorgeschlagene Resolutton angenommen, die sich gegen jede weiiere Besteuerung dringender^Lkbensbedüttnisse, vor allem auch gegen die geplante neue Tabaksteuer richtet und die Aufbringung weiterer Staatsmittel durch Erhöhung der allgemeinen progressiven Einkommensteuer fordert. — Herr Pfarrer Atzer 1 aus Eckweißbach in der Rhön spricht hierauf über die Pari- tätsfrage und den bereits in vielen Teilen Deutschlands festen Fuß gefaßten Albertus MagnuS-Verein. Redner gibt eine längere statistische Darlegung über die Verteilung der Konfessionen in den staatlichen Beamtenstellen der verschiedensten Verwaltungszweige, um zu beweisen, daß das katholische Element in diesen Kreisen unverhältnismäßig gering vertreten ist. Diese gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Zurücksetzung der Katholiken batiere jedoch nicht von heute auf morgen, sondern sei die Folge jahrhundertelanger Tradition und einer systematischen Verdrängung des Katholizismus in früheren Zeiten, wodurch immer weniger Katholiken in die Lage kamen, sich dem Studium der Wissenschaften hinzugeben. Diesem Mangel abzuhelfen, sei das Ziel des Albertus Magnus-Vereins. Durch materielle Beihilfen wolle dieser Verein bedürftigen Studierenden, die das Abiturientenexamen abgelegt und sich durch entsprechende Universitätszeugnisse über ihre Würdigkeit ausweisen können, unter die Arme greifen, um ihnen die Beendigung ihrer Studien zu ermöglichen. Doch sollen diese Beihilfen nicht bloß Theologen, sondern allen Studienfächern zu gute kommen, um eben dem Mangel an katholischen Studierten abzuhelfen und die Parität unter der Beamtenschaft im richtigen Verhältnis herzustellen.
An zahlreichen Beispielen zeigte Redner die segensreiche Wirksamkeit des Albertus Magnus-Vereins und forderte in warmen Worten zum Beitritt auf. In dem Schlußwort dankte Herr Dechant Schlitt den beiden Rednern und l"fft, daß die gehörten schönen Worte in den Herzen der Zuhörer lange widerballen und praktische Erfolge zeitigen werden. Einige entsprechende Chorlieder verschönten die durchaus würdig verlaufene Versammlung.
* Orkan. In verflossener Nacht wütete ein heftiger orkanartiger Sturm.
* Preisgekrönt. Die Firma Jac. Stück Nachf. erhielt auf der „Exposition Internationale d'Alimentatton et d'Hygiene" zu Paris den „Grand Prix" (höchste Auszeichnungauf ihre beiden Spezialitäten „Emigrant" und „Charte vieille".
* Schöffengericht. Die Zeitungsträgerinnen Hau und Hahn, beide in der Expeditton der „Volksstimme" tätig, teilen uns mit, daß sie mit der am 21. Novbr. vom Schöffengericht verurteilten Taglöhnersfrau und Zeitunasträgerta H. nicht identisch fink