27. Juni.
Werft. Um 11 Uhr fand an Bord der „Hohenzollern" Frühstückstafel statt, zu der u. a. geladen waren: der Großherzog von Sachsen, der Fürst von Monaco, Generalleutnant v. Bock und Polach, Oberpräsideitt Frhr. v. Wilmowsli, Polizeipräsident v. Schröter imb viele Adiniralc. — Heute nachmittag 2^2 Uhr sah sich der Kaiser vom Deck der „Hohenzollern" aus das Wettrudern der Fähnriche zur See, Sce- kadetten und Schiffsjungen an und verteilte nachher selbst^die Preise an die siegreichen Mannschaften. — Heute abend
Uhr begab sich der Kaiser in den kaiserlichen Jachtklub, wo er die Preisverteilung für die Wettfahrt der Kriegsschiffboote vornahm und am Festessen teilnahm. Hierbei brachte Prinz Heinrich von Preußen einen Trinkspruch auf den Kaiser aus. Der Kaiser erwiderte- mit einem dreifachen Hock auf die einheimischen Mitsegler und die fremden Gäste aller Nationen.
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Dienstag
Wegen Beleidigung der denischen (shina- ” kämpfer.
.Hatte a. S», 27. Juni. Der Abgeordnete Kunert ist wegen Beleidigung der deutschen Chmakämpst^ begangen durch eine Wahlrede, zu drei Monateil Gefängnis verurteilt worden.
baten sind verwundet.
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11 erschossen worden, ebensoviele wurden schwer
Handel, Gewerbe and Verkehr.
The Dunlop Thee Pneumatic Company. Die Gesellschaft beabsichtigt eine durchgreffende Rekonstruktion und beantragt die Reduzierung des nom. 4 Millionen Pfd. St. betragenden Kapitals, von denen Pfd. St. 3 994 833 emittiert'sind, auf Pfd. St. 1911633, cmguteifet in Pfd. St. 994 990 Vorzugsaktien und Pfd. St. 916 643 neue Stammaktien.
Neue russische innere Anleihe. Der russische Finanzminister verhandelt mit Petersburger Banken betreffs einer neuen inneren Anleihe von 150 Mill. Rbl. Bisher ist kein positiver Abschluß erzielt worden, doch soll ein solcher in einigen Tagen 311 erwarten sein.
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Drahtnachrichten.
Die Marokkoangelegenheit.
Madrid, 26. Juni. Der deutsche Botschafter imb der Ministerpräsident hatten gestern eine längere Unterredung. Es verlautet, daß Montero Rios sich darin sehr freundschaftlich für Deutschland und voller Bewunderung für unsern Kaiser aussprach und sich im übrigen auf frühere Erklärungen bezog, also: Achtung der Unterzeichnung des Geheimvertrags, aber keinen Schritt darüber hinaus; unter feinen Umstünden Eingehen auf Ränke und Abenteurerpolitik, vielmehr kräftigste Betonung der eignen spanischen Interessen unter Wahrung voller Selbständigkeit. In der Frage der Konferenz dürfte Spanien die gleiche Haltung wie die übrigen Mächte beobachten.
Die Lage in Marokko.
Tanger, 56. Juni. (Agence Havas.) Der marokkanische Dampfer „Turki" ist gestern mit 500 Soldaten, 100 Pferden, Munition und Lebensmitteln nach Saida in See gegangen, mn von dort nach Udjda zu dampfen, wo die Lage der Truppen des Sultans andauernd kritisch ist.
Buchmacher.
Paris, 26. Juni. Die Minister des Innern und der Landwirtschaft bestimmten, daß auf allen Rennplätzen vom August 1905 ab Buchmacher nicht mehr geduldet werden dürfen.
Keine Versaffungsresorirr in Serbien.
Belgrad, 26. Juni. Bezüglich der Meldungen ausländischer Blättter über eine bevorstehende Verfassungsrevision in Serbien wird von maßgebender Seite versichert, die jetzige Regierung gedenke nicht, eine Verfassungsrevision vorzunehmen. Eine solche Revision fei vielleicht nach einer Reihe von Jahren möglich^ Maßgebenden Ortes wird die gegenwärtige Verfassung als gut angesehen, sodaß jetzt kein Grund zu einer Revision vorhanden wäre.
Blitzschlag.
Schladen (Harz), 27. Juni. Hier schlug gestern nachmittag der Blitz in die katholische Kirche ein, die bis auf die Umfassungsmauern niederbrannte.
Gewitterschaden.
Perlin, 27. Juni. Das gestrige schwereGewitter richtete großen Schaden an. Zahlreiche alte Säume wurden entwurzelt. In der Stadt und den Vororten kamen vielfach Verkehrsstockungen vor. Der Grunewald hat unter bem Sturme sehr gelitten.
Meischnot.
Berlin, 27. Juni. Das „Berl. Tgbl." meldet aus K a t t 0- w i tz: In Sachen der von bett verschiedensten weiten Ober- schlesiens bei der Regierung erhobenen Vorstellungen wegen Zulassung eines höheren Kontingnentes russicher Schweine, um der Fleischnot zu steuern, findet demnächst in Oberschlesien eine Ministerialkonferenz statt.
Ausstand.
Emden, 27. Juni. Heute treten die Hafenarbeiter in den allgemeinen Ausstand.
Großtener.
Kiel, 27. Juni. Gestern nachmittag äscherte ein Feuer- zwei Scheunen gegenüber der Liegestelle der „Hohenzollern" ein. Der Kaiser ließ die Feuerwehr der „Hohenzollern", sowie Offiziere und Mannschaften der Kriegsschiffe „Schwaben" und „Stein" zur Hilfeleistung lauderr. Der Materialschaden ist bedeutend.
Parlamentarisches ans Schweden.
Stockholm, 26. Juni. Der morgen in der Ersten Kammer zu wählende Sonderausschuß, ist, wie verlautet, folgendermaßen zusammengesetzt: Bischof Billing, Professor- Blomberg, Präsident der Reichsschuldenverwaltung Cavalli, Führer der Mehrheit der Ersten Kammer Lundeberg, bem früheren Kriegsminister Pamstjerna, Historiker Säre, bent früheren Minister Ackjerjelm, Präsident des Gesetzesausschusses Afzelius,. Redakteur Wallden, Hugo Tamm und F. E. Petersson. — Die heilte abend von der Agrar-Partei an- genommene Liste für die morgige Wahl zum Spezialausschuß der Zweiten Kammer weist folgende Mitglieder der Agrarpartei auf: Persson, Linblad, Andersson und Petersson; von den Liberalen Staaff, Henriksou, Zetterstrand, Persson und Frhr. Eonde und von der gemäßigten Reformpartei Hjaerne und Krusenstjerna.
Englisches Unterhaus.
London, 26. Juni. Nach lebhafter Debatte wird der Antrag, der Regierung einen Tadel auszusprechen, mit 329 gegen 255 Stimmen abgelehnt. Mehrere Redner der Oppo- sition beschuldigen das Kriegsamt, sich in der Angelegenheit der Betrügereien bei den Armeelieferungen unfähig gezeigt zu haben. Der grobe Fehler sei gemacht worden, die Sache zu langsam betrieben zu haben. Ministerpräsident Balfour verteidigt in warmen Worten das Vorgehen Brodricks als Kriegsminister und beklagt sich über die parteiische Haltung der Opposition. Er erklärt, das Kriegsamt ließe in dieser Angelegenheit alle vernunftsmäßige Vorsicht walten.
Offene Häsen.
London, 27. Juni. „Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Vom 1. Juli ab werden Taschitschiao, Niutschwang, Andschanschan, Liaoyang, Kaiping, Föngwangtscheng und Saimatse für die Japaner offen sein.
Die Vorgänge in Lodz.
Lodz, 27. Juni. An den letzten Straßenkämpfen be- teiligehi sich angeblich 30 000 Arbeiter. In den von Arbeiten: besetzten Häusern, in die das Militär eindrang, wurden sämtliche Einwohner ohne Gnade masakriert. Von den Sol-
Berlin, 27. Juni. Der „Berl. Lokalanz." meldet aus Warschau: Aus Lodz wird telegraphiert: Die Offiziere des Muromschen Dragonerregimentes erklärten dem Truppen- fommanbaiiien, sie würben nicht mehr auf wehrlose Leute schießen. Der Generalgouverneur von Warschau befahl die Rückkehr dieses Regimentes in den Garnisonort. Ein Geheimerlaß befiehlt, alle Soldaten polnischer Nationalität oder jüdischen Glaubens von den in Lodz tätigen Militärteilen heranszuziehen, weil sie nur in die Luft, nicht in die Volksmenge schössen.
Pilzsaison.
Die Pilzsaison ist da und hat die Zahl der wirklich nahrhaften Gemüse um ein weiteres vermehrt. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß auch genießbare und sonst bekömmliche Sorten wohl geeignet sind, eine Pilzvergiftung herbeizuführen. Selbst der beste Speisepilz ist der Gesundheit schädlich, sobald er sich in Zersetzung befindet, was besonders bei warmer und feuchter Witterung vorkommt. Darum lasse man beim Ein- fammeln alle schon alten, ausgewachsenen, übelriechenden oder von Maden schon zerfressenen und durch Regen erweichten Pilze stehen; beim Einkäufe achte man darauf, nur junge und vollkommen gesunde Exemplare zu erwerben. Man reinige sie beim Nachhausekommen sofort uiib lasse sie nicht ungereinigt bis zum andern Morgen stehen. Es gibt nur ein unfehlbares Kenn- zeichen, giftige Pilze von guten, unschädlichen zu mUerscheideu, das ist die genaue Kenntnis der einzelnen Arten und Unterscheidungsmerkmale der einander ähnlichen Speise- und Giftpilze. Die gewöhnlich angegebenen Merkmale giftiger Pilze bei der Zubereitung: das Schwarzwerden einer mit den Pilzen zusammengekochten Zwiebel oder das Braunwerden eines in die kochenden Pilze hineingehaltenen silbernen Löffels sind keineswegs ein sicheres Beweismittel dafür, das keine Giftpilze vorhanden ist, und sie könnten weiß bleiben, obgleich die Pilze mit giftigen untermischt sind. Auch sei davor gewarnt, unbekannte Pilzarten zu genießen. Einer der bekanntesten Pilzforscher will alle Pilzvergiftungen auf fünf giftige Sorten zurückgeführt wissen, nämlich auf den Knollenblätterpilz, den Speitäubling, den Giftreizker, den Bovist und den Schwefelkopf; ebenfalls könnte man noch den Satans- oder Fliegenpilz und alte Exemplare des Pantherpilzes dazu zählen. Der Knollenblätterpilz kann leicht mit dem Champignon verwechselt werden; er unterscheidet sich aber von ihm durch den am Grunde kolbig verdickten Stiel, das Fehlen des würzigen Geruchs und der Farbe der Lamellen. Während diese beim Champignon in derJugend rosa, später bräunlich und dunkelbraun gefärbt find, zeigen sie beim Knollenblätterpilz stets eine weiße Farbe. Der giftige Speitäubling macht sich durch seinen scharf brennenden Geschmack bemerkbar, wenn man ein kleines Stückchen von dem rohen Pilze kostet. Der Giftreizker, der oft mit dem eßbaren Reizker zusammen vorkommt, hat einen zottig behaartm Hutrand und enthält scharf brennende weiße Milch, während die Milch des eßbaren Reizkers rotgelb ist, die sofort herausquillt, wenn man ihn durchbricht. Bovist und Schwefelkopf find nicht zu verkennen, ebenso der Satanspilz. Es gibt einige nicht giftige Röhrlinge, die dem Satanspilze ähnlich aussehen; doch verwende man diese zur Nahrung lieber nicht, als daß man sich der Gefahr einer Vergiftung aussetzt. Im allgemeinen ist zu empfehlen, alle Pilze nach dem Reinigen vor der Zubereitung zunächst einmal mit Waffer abzukochen, dieses Wasser wkgzugießen und dann erst die Pllze weiter zuzubereiten.
Briefkasten.
F. W. Eine Steuer wird in beregter Angelegenheit nicht verlangt.
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