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General-Allzeiger
Amtliches OrgM für Stabt« und Landkreis Hanau
Einrücknngsgebühr t
Die sÄnfgejpaUllie Petüzeile oder deren Raum 1,5 Hg^ i im Reklammteil die Zeile 35 Pfg.
Waffeich «useS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Nr. 73
Fernsprechanschlich Nr. 605.
Montag den 27. März
MsaKSCTszsjasB^
Fer»sprech<mschlust Nr. 605
1905
Amtliches.
Eandkreis I)anau.
BekmtmchmW des Köchlicheii LmdretsM.
Nach Mitteilung des Königs. Landratsamtes in Gelnhausen ist in Leisenwald die Schweineseuche und in Streitberg die Rotlaussenche erloschen.
Hanan den 24. März 1905.
Der Königliche Landrat.
"V 1949 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Konkursverfahren.
Ueber das Vermögen des Schäftemachers Bernhard Noft in Hanau, Leimenstraße 21, ist heute am 25. März 1905, vormittags lO1^ Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Rudolf Hopff in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und Anzeige- pflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 15. April 1905. Erste Gläubigerversammlung 26. April 1905, vormittags 11 Uhr. Prüfungstermin am 28. April 1905, vormittags 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht, Abt. 5 hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5,
Hanau den 25. März 1905.
Königliches Amtsgericht 5. 6147
Konkursverfahren.
Art dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Peisler «. Reis in Hanau ist zur Prüfung der nach- naglich angemeldeten Forderungen Termin auf
den 19. April 1905, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hier,, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5, anberaumt.
Hanau den 22. März 1905.
Der Gerichtsschreiber
des Königlichen Amtsgerichts, Abt. 5. 6128
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 Herrenuhr mit Kette und Kompaß, 1 rotes Portemonnaie mit 80 Pfg. und 1 kleinen Schlüsselchen, 1 sogen. Goldkönig, 1 viereckiges Portemonnaie mit 41 Pfg., 2 kleine alte Portemonnaies ohne Inhalt, 1 Portemonnaie mit Inhalt (abzuholen auf der Armenverwaltung).
Verloren: 1 Portemonnaie mit 5 Mk. und einem goldenen Ring, 1 goldener Ohrring mit Türkis und Brillanten, 1 goldoxidieAe Brosche, 1 weißseidener Theaterbeutel mit Spitzen.
Feuilleton
Stadttheater in Hanau.
= Hanau, 27. März.
Gestern abend gelangte nach längerer Pause wieder ein- wal das Lustspiel Oscar Blumenthal's „D e r P r o b e p f e i l", neu einstudiert, zur Aufführung, das durch die frappanten Wendungen des pointierten Dialogs in Bezug aus raffinierte Geschicklichkeit und ausgeklügelten Esprit sehr an französische Werke dieser Art erinnert, wie wir dies beispielsweise in dem vom Verfasser übersetzten Sardou'schen Lustspiel „Cyprienne" wiederfinden. Obschon die Expositionen einzelner Szenen ab und zu sehr weitläufig entfaltet und einige Striche gum Vorteil der Aktualität wohltuend gewirkt hätten, bekundete stürmische Beifallsfreudigkeit ein äußerst reges Interesse an diesem fern eingefädelten Liebesroman, der den Darstellern einige höchst interessante Aufgaben zu bieten vermag. — In dieser Hinsicht sei zunächst Frl. Eichelsheim als „Hortense" genannt, die durch das gestrige Gastspiel einen weiteren Beweis ihrer hochschätzbaren Gestaltungskunst ablegte. Die Künstlerin verstand diese stolze, blendende, berauschende Weltdame, welche durch ihren entsagenden Großmut die glückverheißende Basis zweier sich liebenden Menschenseelen begründete, derart graziös und ohne jegliches aufdringliches ^Mel wiederzugeben, daß diese Partie als einwandsfrei ge- uP gelten kann, deren Höhepunkt besonders der Dialog des zweiten Aktes bedeutete. Pianist „Krasinsky", jener Tartüffe per Kunst, dessen Melodien aus dem Quell „schwarzer Träume" Adelten, lag bei Herrn Schneider in ganz vorzüglichen vanden. Das larmoyant heuchlerische Wesen dieses liebe- werbenden polnischen Gauklers stattete er mit der entsprechenden Charakteristik aus, die die Rolle zur vollendeten âdergabe erheischt. Mit dem welterfahrenen „Baron Leo-
^' Egge", dem Manne, dem die Kompensation ?^r Winnisse dieses Lustspiels obliegt, fand sich Herr Zeitz bettens ab, während diese Figur oft durch schwülstige Er-
Zugelaufen: 1 kleiner Rehpinscher.
Entlaufen: 1 weiß- und schwarzgefleckter Bern- hardmerhund.
Hanau den 27, März 1905.
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanau, 27. März.
* Vortrag. Heute abend 87* Uhr findet im Stadtschloßsaale der Vortrag des Herrn Handelskannncr-Syndikus Dr. phil. L. Grambow über „Die Entwickelung der Handels- und Wirtschaftspolitik in ihren Grundzügen" statt.
* Wochenfpiotplan des Stadttheateks. Mittwoch: „Keine Vorstellung"; Freitag: „Re if- Reislingen " (Benefiz Schneider); Sonntag: „Narziß", vorletztes Gastspiel mm Frl. Frieda Eichelsheim als „Madame de Pompadour"; Mittwoch den 5. April: „Therese Krones" (Benefiz Frl. Wehn.)
* Stadttheatcr. Die laufende Spielzeit endigt am Sonntag den 9. April. Es finden bis dahin hier und in Offenbach mehrere Aufführungen Schiller'scher Werke für Schüler u. a. statt. Am 9. Mai veranstaltet die Stadt Hanau eine Festvoifiellung im Stadttheater, während die Schillerfeier von feiten der Direktton die Spielzeit 1905/06 eröffnen wird.
* Schiller-Feier. Die seitens des hiesigen Ausschusses für Volksvorlesungen zum Gedächtnisse Fr. v. Schiller's geplanten Veranstaltungen wurden durch die Volksvorstellung von Schiller's großartigem Drama „Wilhelm Tell" eröffnet. — Nächsten Donnerstag, abends 8 Uhr, findet nunmehr im Stadttheater ein Vortrag über „Schiller's Leben und Wirken" statt und wird der hierorts allseitig hochgeschätzte Redner, Herr Prediger C. Voigt- Offenbach, ein lebendiges Bild des großen Dichters damit geben. — Am 4. April wird dann die Volksvorstellung von Schiller's erstem Werk „Die Räuber" den Beschluß der Gedenkfeier bilden.
5! Die Loisachèhaler. Einen herrlichen Kunstgenuß bot das hier erstmalig zu verzeichnende Auftreten der Loisachthaler-Sängergesellschaft, einer Truppe, die sonst nur auf längere Zeit in größeren Städten konzertiert und auch mir durch das Zusammenwirken zweier Vereine für hier zu gewinnen war. Die Turngemeinde hatte die gastlichen Pforten der Turnhalle gestern abend für das Konzert dieser Truppe geöffnet und erwartungsvoll sah man wohl dem Auftreten derselben entgegen. Schon mit beu ersten Programmnummern hatte sich das Ensemble in die Herzen der Hörer hineingesungen und diese für sich gewonnen. Der Beifall steigerte sich von Nummer zu Nummer mib erfreulicherweise geizte die Truppe unter ihrem trefflichen Direktor Madl mich nicht
örterungen anfängt uninteressant zu wirken, was dem Darsteller unverschuldet zum Nachteil gereicht. Erne hübsche Leistung bot Frl. Urban mit derVerkörperung der „Beate", wie auch Herr Becker den liebeslüsternen „Hellmuth" lobenswert zur Schau brachte. Der Rittmeister a. D. „von Wedenroth" des Herrn Gehrmann konnte befriedigen. In kleineren Partten betätigten sich noch pflichterfüllend: Herr O s c a r s e n (Dolmegg), Frl. I i r s a c (Aleran dra), Herr Römer (Spitzmüller), Frl. Helliot (Walboth), Frl. Jaida (von Brauneck), Frl. Keppler (Charlotte), Herr Nauendorf (Ferdinand), Herr Derzbach (Longueville), Herr Uster (Lankwitz). Herr Oberregisseur Zeitz führte mit bewährter Technik den Regiestab. Wegen Benötigung des Orchesterraumes für Sitzplätze mußte die Zwischenaktmusik ausfallen.
Stistunstsskst des Gtsavnvcrciils Sumser.
Die musikalischen Veranstallungen des Gesangvereins Sumser (Konzerte, Stiftungsfeste rc.) haben sich Don langer Zeit her einer besonderen Beliebtheit erfreut und bildeten stets einen Anziehungspunkt für Sänger unb Freunde des Gesangs unb, des Vereins. Auch das am Samstag gefeierte 59. Stiftungsfest übte seine alte Zugkraft aus, indem es einen großen Kreis von Zuhörem angelockt hatte, die allmählich den Centralhallensaal füllten. Wenden wir uns zunächst dem Gesänge bezw. den gesanglichen Leistungen zu. Der vorurteilsfreien Kritik dürfte wohl nicht entgangen sein, daß der Verein Sumser, dem ein besonders frisches, klanglich gut veranlagtes Material zu Gebote steht, wohl gu den besten Männerchorvereinen unserer Vaterstadt gehört. Davon hegte die Wiedergabe der einzelnen Chöre beredtes Zeugnis ab. Sie waren das Resultat einer eingehenden und gründlichen Arbeit des verdienstvollen Leiters, Herrn Gustav A l t- vater, auf dessen Intentionen eine stattliche und tüchtige' Sängerschar willig eingegangen war. Schöne Schattierungen, markige unb bestimmte Einsätze, gute Aussprache waren in den^ geschmackvollen Chören zu erkennen, und rauschende Beifallbezeugungen folgten nach jedem Chore. Als Haupt- chor trug der Verein gum zweitenmale die Hegarsche Komposition: ^Kaiser Karl in der Johannisnacht" vor. Ueber
mit Zugaben. Ganz vorzügliche Gesangskräfte konnte man kennen lernen, vor allem verfügt Frau Direktor Madl über einen trefflichen hohen Sopran. Auch der Baritonsolo des" Herrn Höll- (das Haidegrab) wirkte durchschlagend. Selbst-- redend dürfen Schuhplatteltänze bei einer solchen Veranstaltung nicht fehlen, die denn auch gestern ihre Wirkung nicht ver^ fehlten und mit nicht endenwollendem Beifall begleitet wurden? Am Schluffe des genußreichen Abends dankte Direktor Madl für den ihm bereiteten sympathischen Empfang in Hanau. Wir haben aber auch die Gewißheit, daß bei dem versprochenem' Wiederkpmmen im nächsten Jahre die Truppe erdrückend volle Säle vor sich haben wird, benn hier in Hanau weifo man wohl den Wert einer Truppe zu schätzen und gestern hat sich gezeigt, daß die Vornotizen nur allzu Wahres über die vorzügliche Verfassung der Sängergesellschaft berichtet
hatten.
* Ausflug. Trotz der Ungunst der Witterung erfreute sich der gestern von der 2. Riege der Turngesellschaft veranstaltete Ausflug nach Großauheim (Gasthaus zur „Rose")' eines guten Besuches. Die Veranstaltung nahm den besten' Verlauf und allgemein wurde der Wunsch lauf, daß recht: bald wieder ähnliches geboten werden möchte.
* Branertarifvertrag. Zwischen dem Vorstand der< Brauereien von Frankfurt a. M. und Umgebung und allem in Brauereien beschäftigten Arbeitern, Brauern, Mälzern, Küfern, Fahrburschen usw. ist auf der Grundlage gemeinsamer Vereinbarungen ein Tarifvertrag zu Stande gekommen, der auf fünf Jahre hinaus die Lohn- und Arbeitsverhältnisse regelt.
* Gesellenprüfung. Unter beut Vorsitze des Herrn Buchdruckereibesitzers Reitz unterzog sich gestern der Schrift^ setzerlehrling Friedrich F u ch s aus -Orb der Gesellenprüfimg/ welche er gut bestand.
* Ab-chiedsgeschenke für Prof. Wiese. In Fr. König's Kunsthandlung sind, wie bereits in le^ter -stummer, erwähnt, die Abschiedsgeschenke ausgestellt, die Herrn unb. Frau Prof. Wiese überreicht wurden. Denn auch für Fraw' Prof. Wiese hat wenige Tage vor dem Kommers eine Ab- schiedsfeier stattgesunden. Die Damen des Lehrerkollegiums hatten sich im roten Sälcheri des Bürgervereins zu einemf 5 Uhr-Tee versammelt und ehrten die Scheidende durch An-^ sprachen, durch Ueberreichlurg eines Geschenkes (Kupferkarme)- mit Widmung und durch eine reizende, sinnig erdachte Reigen- Aufführung der Kinder, die dabei ihre Verehrung für Frau/ Prof. Wiese in niedlich komponierten Werfen zum Ausdruck brachten. Das Geschenk des Lehrerkollegiums an seinen Direktor ist eine kostbare Gabe aus Silber mit Niello- s Ornamenlierung und niellierter Widmimgsaufschrift. — Oeffnet man die beiden Flügel des Triptychons, so zeigt sie sich auf deren Innenseiten geschmackvoll verteilt, rvährend die' Namen der Stifter sich auf der Rückseite des Mittelstücks be---'
die Schwierigkeit der Hegarschen Chöre ist bereits schon viel'- geschrieben worden. Bekanntlich stellt die technische Seite • hohe Anforderungen an die Sänger. Wenn der Gesangverein „Sumser" trotz alledem den Chor unter Berücksichttst gung der gesanglichen Aufgabe äußerst effektvoll vortrug, so. ist dies ein erneuter Beweis seiner Leistungsfähigkeit und ■ Tüchtigkeit. — Auch der Dirigent des Vereins war auf dem? Programm mit zwei Kompositionen vertreten: „Der Vogt von Tenneberg" und „Wächterlied". Beide Chöre sind, soweit wir nach einmaligem Hören beurteilen können, fchr, wertvoll und zeugen von reicher Phantasie und schöner Erfindungsgabe des Komponisten. Der Vortrag seitens des» Vereins gestaltete sich sicher und geschmackvoll. Auch die) kleineren Lieder: „Frühlingsgruß" von R. Schumcnm und „Werbung" von Fr. Silcher (Volkslied) wurden schön, natürlich und wahr zum Ausdruck gebracht. Dec Burk- hardtsche Chor: „Im Feld des Nèorgens ftüh" war sein-' ausgearbeitet und kam entsprechend zürn Vortrag. Mit dern- kraftvollen Chor „Ausfahrt" von F. Hummel beschloß der, Gesangverein „Sumser" wirttmgsvoll die Reihe der gesang-i lichen Darbietungen. )
Mit besonderem Erfolg beteiligte sich das Mitglied des' Vereins, Herr Albert Bauer, als Solist. Er hatte sich in' der Wahl seiner Gesänge „Ansprache des Landgrafen aus/ Tannhäuser" von R. Wagner und „Schön Margret unb Lord) William" (Ballade) von M. Plüddemarm keine leichte Auf-^ gäbe gestellt. Trotzdem löste er sie zur vollen Zufriedenheit^- Der schöne kräftige Ton seiner Paritonstimnw gefiel allge- - mein. Auch war seinem Vortrag dramatische Belebung nicht - abzusprechen. Die Begleitung besorgte Herr Altvater int gewohnter mustergültiger Weise.
Ari dem Gelingen des Abends hatte auch die hiesige Ulanenkapelle unter Leitung des Königl. Musikdirigenten) Herrn Urb ach großen Anteil. Sie war mit verschiedenen gut gewählten, klassischen Nummern auf beut Programm ver-f treten. Die Ausführung, die in vortrefflichem Zusammen-/ wirken der Instrumente, in dynamischen Abstufungen, in , Sicherheit und Präzision gipfelte, verdient Lob und Anerkennung. Besonders ansprechend wirkten die Stücke für Streichs orchester. Wenn wir noch des humoristischen Teiles gedenkst.