Montag
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nicht heraus, wir sind sogar entschlossen, gegen jede Herausforderung taub zu bleiben. Darum hoffen wir, daß die 'Vernunft zu ihrem Recht kommen und der Friede durch, ^unsere feste Haltung und unseren glühenden Wunsch, bis zur Grenze der Möglichkeit einer Verständigung zu gehen erhalten bleiben wird.
Jaurès sagt ähnlich: Wir wollen leidenschaftlich den Frieden; wir wissen, wie furchtbar Deutschlands Heeresmackst ist, und würden nicht leichten Herzens den Kampf annehmen, aber unsere Mäßigung ist keine Furcht. Wenn Frankreich der Gegenstand des nichtswürdigen Ueberfalls wäre, von 'dem Schiemann spricht, wenn Frankreich von Deutschland dazu ausersehen wäre, die Kosten eines Krieges mit England zu bezahlen, an dem es nicht teilnehmen würde, dann würde es sich mit seiner ganzen Lebenskraft gegen diesen ,Anschlag erheben. Wohl kann es dennoch zermalmt werden, strotz der Gerechtigkeit seiner Sache; aber es könnte auch geschehen, daß die Macht seiner Empörung das Geschick von 4870 ändern würde.
Dem Bureau Reuter wird aus Fes vom 21. Juni berichtet :
Der Sultan berief gestern eine Versammlung von Notabeln und unterbreitete ihnen einen Vorschlag bezüglich des Baues eines Hafens und einer Telegraphenstation in dem nahe der algerischen Grenze gelegenen Hafen Borjsaida. 'Verhandlungen über diesen Plan finden seit einigen Tagen in größter Verschwiegenheit mit dem Grafen Tattenbach statt. Die Ausführung soll durch eine deutsche Firma im Auftrag und im Namen der marokkanischen Regierung erfolgen. Der Vorschlag wurde von der Versammlung natürlich einstimmig gut geheißen; der Vertrag wird daher unverzüglich von dem Grafen Tattenbach unterzeichnet werden. Die Kosten sollen gedeckt werden aus den unverpfändeten 40 v. H. der Zölle. Da der Hafen Eigentum der Regierung ist, ist die Entscheidung offenbar eine Antwort auf das unfreundliche Vorgehen Frankreichs an der algerischen Grenze; denn Borjsaida ist der Ausgangspunkt der marokkanischen Straße nach Udschda und die Schaffung eines wichtigen Militärpostens und Hafens daselbst darauf berechnet, die ^Franzosen zu beunruhigen, die es auch übel vermerken müssen, daß diese Arbeiten Deutschland übertragen werden, da die in der Konzession einbegriffene Legung eines Kabels nach Tanger die Notwendigkeit beseitigen wiirde, die französisch- algerischen Kabel zu benutzen. Es muß daran erinnert werden, daß Deutschland vor einigen Jahren vergebens versucht hat, in Ajerun, einige Meilen westlich von Borjsaida, eine Kohlenstation zu erlangen.
Die an zuständiger Stelle eingezogenen Erkundigungen bestätigen diese englische Meldung in keinem Punkt.
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Paris, 25. Juni. Die „AgenceHavas" meldet: Nach einer aus Berlin hierher gelangten Mitteilung hat die Unterredung des deutschen Reichskanzlers Fürsten Bülow mit dem französischen Botschafter Bihourd sehr lange gedauert und trug in keiner Weise einen kühlen Charakter. Nichts berechtigt zu der Annahme, daß die diplomatische Besprechung nicht einen normalen Fortgang nehmen werde. Es ist möglich, daß Deutschland eine leichte Enttäuschung darüber verspürte, daß Frankreich sich nicht sofort und ohne Vorbehalt .mit der internationalen Konferenz einverstanden erklärte, aber Frankreich hat keine derartige Unversöhnlichkeit zur Schau getragen, daß die Besprechungen nicht zum Ziele führen könnten. Namentlich betonte Frankreich oft genug die Absicht, die Souveränität des Sultans unangetastet zu lassen, als daß darüber ein Zweifel obwalten könne. Die Verhandlungen werden also fortgeführt werden, von feiten Frankreichs mit dem lebhaften Wunsche, daß es zu einer Verständigung komme, welche in Kreisen der Diplomatie nach wie vor für wahrscheinlich gehalten wird.
Wien, 25. Juni. Das „Fremdenblatt" sagt in Besprechung des Vorschlags des Sultans betreffend die Marokkokonserenz, es sei klar, daß bei dem gesteigerten Verkehr mit Marokko alle Mächte, die dort Beziehungen haben, Reformen willkommen beigen müssen. Speziell Oesterreich-Ungarn auf der vollen Gleichheit in der Behandlung aller Staaten sowie an der Zivilisierung und Pazifierung des Landes. Das österreichischungarische Kabinett sei denn das erste gewesen, das die Einladung zu der Konferenz angenommen, habe. Ein ZusammeniretenvonRepräsentanten der Mächte wäre erfreulich, weil die Konferenz das geeignetste Mittel biete, die Marokkofrage durch eine offene Aussprache aus der Welt zu schaffen. Unterbliebe die Konferenz, so würden die heute in Marokko auf der Tagesordnung stehenden Angelegenheiten sozusagen versumpfen, insbesondere Frankreich und Spanien würden aus dem Zustande der Unsicherheit bezüglich ihrer marokkanischen Interessen nicht herauskommen. Den guten Bez iehungen der europäischen Mächte und der allgemeinen Friedenszuversicht werde unzweifelhaft damit gedient, wenn die Konferenz siatlsiuden könne. Das „Fremdenblatt" spricht die Hoffnung aus, daß die Konstrenz trotz aller vorläufig noch bestehenden Diffirenzen ins Leben tritt und daß dadurch das normale Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich wiederhergestellt wird.
Berlin, 25. Juni. Reichskanzler Fürst Vülow empfing heute den französischen Botschafter.
Lyon, 25. Juni. In einer sozialistischen Versammlung erklärte Jaurès, die marokkanische Frage sei ernst geworden, weil man sich auf ein Gebiet begeben habe, das mit Fallstricken besät sei. Die Sozialisten wünschten niemals ein Mißverständnis zwischen Deutschland und Frankreich. Das englisch - französische Abkommen sei keineswegs gegen Deutschland gerichtet, und wenn England dies glauben lasse, muffe Frankreich darüber wachen, daß der Sinn des Abkommens. nicht entstellt werde. Jauräs spricht schließlich die Ueberzeugung aus, die gegenwärtigen Schwierigkeiten würden gelöst werden, ohne daß der Stolz der Nation verletzt werde.
Der Aufruhr in Russisch-Polen.
^arf<^dtt, 24. Juni. Wie dem „Kuryer Warszawski" aus Lodz über die dortigen Straßenkämpfe gemeldet wird, begann der Kampf, nachdem in allen Fabriken der Ausstand ausgebrochen war, an zwanzig Stellen der Stadt, an denen Barrikaden errichtet wurden, die eine Höhe von zweistöckigen
Häusern erreichten. Es kämpften gegen 60000 bewaffnete Arbeiter gegen 4 Regimenter Infanterie, ein Kosaken - und ein Dragonerrcgiment, die General Exten befehligte. Die Barrikaden würben von den Truppen mit Hilfe von Sappeuren gestürmt. Eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision sind zur Verstärkung der Garnison in Lodz eingerückt.
Berlin, 24. Juni. Eine zusammenfassende Schilderung der traurigen Vorgänge wird dem „B. L.-A." in einem Privattelegramm wie folgt übermittelt:
In Lodz herrscht seit Donnerstag abend der Aufruhr. Der jüdische „Bund" unb die polnische Sozialistenpartei hatten sich bis dahin, solange das Militär sich verhültnis- mäßig ruhig verhalten hatte, noch nicht unmittelbar zur Verteidigung organisiert. Als aber die Soldaten offensiv vorgingen, bewaffnete sich ein großer Teil der jüdischen Arbeiter mit Revolvern. Sie feuerten auf.Kosaken- Patrouillen und töteten sieben Mann und einige Offiziere; ein Offizier würbe von einem Backfisch erschossen. In den späten Abendstunden des Donnerstag wurden dann in dem jübifdjen Stadtteil Poludniowa in mehreren Straßen hohe Barrikaden erbaut, gegen die die Truppen alsbald vorgingen. Die ganze Nacht hindurch dauerten die Salven der Infanterie und der Kosaken an, die Arbeiter erwiderten das Feuer, wobei u. a. der Chef der Gendarmerie Oberst Andrejew schwer verletzt wurde. Auf beiden Seiten gab es viele Tote unb Verwundete. Am Freitag morgen würbe in vielen Fabriken zunächst noch die Arbeit ausgenommen, um 10 Uhr begannen jedoch Arbeiterdelegierte, als solche burd) gleichartige rote Krawatten kenntlich, die staatlichen Branntweinläden kalten Bluten zu zertrümmern und anzuzünden. Das Publikum sah dieser Tätigkeit ruhig zu und die Feuerwehr erschien immer erst nach etwa einer halben Stunde, um das Eigentum der Bewohner jener Häuser zu retten. Auf diese Weise wurden ungefähr dreißig Monopolläden vernichtet. Zu gleicher Zeit waren Tausende von Arbeitern damit beschäftigt, gewaltige Barrikaden, fast 30 an der Zahl, zu errichten, davon zehn in den Hauptstraßen der Stadt. Militär ließ sich so lange nicht blicken. Um die Mittagszeit wurde in allen Fabriken die Arbeit eingestellt, und in Massen strömten nun die Arbeiter auf die Straßen. Jetzt rückten Infanterie, Dragoner und Kosaken heran und räumten die Straßen. Die Arbeiter verbargen sich in den Häusern und schossen aus Fenstern und Türen auf das Militär. Dieses antwortete mit Hunderten von Salven auf Häuter unb Passanteu. Binnen kurzem bedeckten zahllose Tote und Verwundete dieses Schlachtfeld. Ihre genaue Zahl ist gar nicht festzustellen, doch schätzt man die Gesamt- v e r l u st e nach Tausenden. Von den Verletzten blieben die meisten stundenlang ohne ärztliche Hilfe auf den Straßen liegen, sodaß viele ihren Wunden erlagen. Die Schreckens- szeuen, die sich in den Haustoren unb auf den Höfen abspielten, sind unbeschreiblich. Die Leichen wurden in großen Massen auf Wagen unter militärischer Bedeckung nach den Friedhöfen geschafft. Alsbald wurde das Kriegsrecht proklamiert. Die Verteidigung der Arbeiter war geradezu verzweifelt: mit Steinen, Trottoirplatten,Ziegeln undRevolvern, mit Waffen, die den getöteten Soldaten abgenommen wurden, setzten sie sich zur Wehr. An mehreren Stellen wurden Bomben gegen die Kasernen geschleudert, eine ganze Anzahl Infanterie- und Kosakenoffiziere wurde getötet oder verwundet. Jeder Verkehr in der Stadt hat . aufgehört, kein Fiaker, sein Straßenbahnwagen ist im Betrieb. Alle Cafës, Restaurants und Hotels würben geschlossen, und in großen Scharen flüchteten Kaufleute und Industrielle sowie Angehörige der Intelligenz und ihre Familien mit dein Mittagzuge aus der Stadt. Die Telegraphen- und Telephonleilungen sind zerstört. Heute durfte auch die Lodzer Bahn zur Einstellung des Betriebes gezwungen sein. Da die Versorgung der Stadt mit frischen Lebensmitteln unmöglich ist, rechnet man schon mit bem Ausbruch einer Hungersnot. Am Abend würde aus den Häusern wiederholt auf vorüberziehende Patrouillen geschossen und diese gaben in keinem Falle Pardon. Unter den getöteten reichen Bürgern befindet sich auch der Großindustrielle Ramisch. Die ganze Nacht hindurch dauerte das Salvenschießen fort. Heute früh ist ein Bataillon Infanterie von hier nach Lodz abgegangen.
Warschau, 24. Juni. Aus Lodz wirb hierher ge- mcldct, daß dort um 6 Uhr abends in der zur Balutyvor- stadt gehörigen Lagiewnickstraße ein junger Mann in einen Kosaken-Pferdeställ eine Bombe schleuderte. Die Explosion war furchtbar, die Panik unter den Soldaten unglaublich. Vier Kasaken blieben tot, sechszehn wurden schwer verletzt, 23 Pferde zerrissen. Der Täter entkam. In der Kon- stantinowskastraße erschoß aus dem ^aufc Nr. 69 ein Unbekannter einen Soldaten; infolgedessen feuerten 50 Infanteristen sechs Salven in das Haus und töteten vier Männer und zivei Frauen; zwölf Personen wurden tödlich verletzt. Nach einer amtlichen Meldung würben gestern nacht 224 Personen erschossen. Mit der Bestattung der Opfer ist heute begonnen worden ; es wurden 99 Tote im Dorfe Doby, 115 in Jarzew beerdigt. Das Feuergefecht in den Straßen dauert fort; bei der Gasanstalt wurden heute nachmittag eine Frau mit ihrer Tochter getötet. Die Kosaken durchsuchen die Taschen der Erschossenen und eignen sich alle Wertgegenställde an. Die Zeitungen sind in Lodz am Abend wieder erschienen. — Wegen der Vorgänge in Lodz stehen alle Fabriken still. Mit Revolvern bewaffnete Arbeiter patrouillieren durch die Fabrikstadtviertel unb zwingen die Arbeiter zum Streik. Die Straßenbahnivageil werden mit Gewalt gezwungen, zu deu Depots zurückzukehren. Unter den Opfern der gestrigen Gemetzel befindet sich der Lodzer Fabrikant E. Neumann and der Sredniasstraße, der erschossen wurde, ebenso ein Fräulein Zilbarth, eine Fabrikantentochter; von der Familie des Großindustriellen Ramisch wurden der Vater, Frau und Tochter tödlich verletzt.
Warschau, 24. Juni. Um 6 Uhr abends passierte die Grzobowskastraße eine manifestierende Menge, in der jüngere Personell rote Fahnen trugen. An der Ecke bet Wroniagasse kam eine Patrouille berittener Gen- barmen dem Zug entgegen. Plötzlich trat ein Unbekannter aus der Menge heraus und fdjleuberte eine große Bombe in die Patrouille. Mit furchtbarem Knall explodierte die Bombe, ein Pferd wurde getötet, zwei Geu- barmeu sind schwer verletzt worben. Der Täter entkam in
der Verwirrung. Nach der Bombenexplosion in der Grzy- bowskastraße schoß Infanterie auf die Arbeiter und verletzte mehrere Personen, darunter auch schwer zwei auf einem Baugerüst arbeitende Maurer. In der Wolavorstadt durchziehen Arbeitermasscn in grossen Mengen die Straßen. Die Karmelickagasse war Schauplatz eines zweiten Manifestantenzuges, dem rote Fahnen vorangetragen werden. Polizei und Militär traf verspätet ein. In der Wroniagasse wurde ein Geheimpolizeiagent durch die Arbeitermenge erschossen, worauf Infanterie ebenfalls Salven abgab, wodurch viel Unheil angerichtet wurde. Die Arbeiter der Bahndepots und der Werkstätten der Praga-Weichselbahuen wurden durch Fabrikarbeiter gezwungen, die Arbeit einzustellen. Für morgen ist militärischer Schutz der Arbeitswilligen zugesagt worden. Die Tricinal-Bahnzüge der Strecke Jablonna-Wawer wurden durch Fabrikarbeiter der Vorstadt Peltsowisna am Abend genötigt, den Betrieb zu sistieren. Die Arbeiter in allen Bahnwerk- stätteil der Wienerstation traten um 4 Uhr nachmittags in den Streik.
Hus alter Mèlt.
Aus der Spur von Reichsbanknotenfälscher«. Einie Belohnung bis zu 3000 Mark hat das Reichsbankdirek- torum für die Entdeckung und Überführung von Reichsbank- notenfälschern ausgesetzt. Die besonderen Merkmale der in den Verkehr gebrachten falschen Banknoten zu 100 Mk. sind folgende: Die Nachahmungen sind den Reichsbanknoten der Emission vom 1. Juli 1898 nachgebildet, haben ebenso wie diese linksseitige rote Fasern, dasselbe Ausstellungsdatum unb verschiedene Kontrollbuchstabell. Die sämtlichen bisher vorgekommenen Fälschungen tragen in den Nummem stets die Zahlen 0,788 904, nur ihre Zusammenstellung ist verschieden. Auf der Vorderseite ist die Farbe in den Worten: Reichsbank- note, Ein Hundert Mark und in der Zahl 100 dick aufgetragen und die Schrift dadurch erhaben und glänzend. Der große Adler im Untergrund der Vorderseite hat bei den echten Noten nur Quer-, bei der Nachahmung aber zum Teil Kreuzschraffierung. Die beiden übereinanderstehenden roten Stempel sind bei der Nachahmung etwas kleiner und stehen auch etwa 3 Millimeter dichter aneinander als bei den echten Noten. Die Rückseite bietet im allgemeinen einen rauheren Anblick und läßt in ihrem ganzen Eindruck die Fälschung leichter erkennen.
Unterschlagung. Der Bureauasststent Michael Franken war von August 1900 bis zum 24. Januar 1905 bei der Direktion der Aktieugesellschaft der Köln-Bonner Kreisbahnen als Bureaugehilfe angestellt. Er bezog zuletzt ein Monatsgehalt von 125 Mk. Seit April 1901 war er mit der Kassenverwaltung betraut. Am 24. Januar d. I. stellte er sich selbst der Polizei mit der Angabe, daß er seit dem Anfang des Jahres 1902 fortgesetzt 42 000 Mk. unterschlagen habe. Er behauptete, daß er durch vorgenommene Schiebungen in den Kassenbüchern die Unterschlagungen verdeckt habe. Genaue Feststellungen ergaben, daß der unterschlagene Betrag sich auf 42817 Mk. belief. Die von auswärtigen Stationen der Kreisbahn eingehenden Gelder trug er nicht in das Kassabuch ein, sondern verbrauchte sie für sich. Gingen neue Zahlungen ein, so trug er die vorher unterschlagenen Gelder ein und deckte sie mit den neuen. Zu diesem Zwecke fälschte er auch fünf Ablieferungsscheine. Franken, der sich vor der Strafkammer Köln zu verantworten hatte, behauptete, er besitze von dem ganzen Gelde nichts mehr, sondern habe es mit Wetten, Lotterie und Glücksspielen verloren. Er wettete gemeinschaftlich mit dem zu Bettingen gebürtigen Techniker Jakob Görges von hier, der einen großen Teil des Geldes von Franken erhalten haben soll und deshalb wegen Hehlerei zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Eine gleich hohe Strafe erhielt ein mitangeklagter Buchhalter Kart Romünder von hier, gebürtig zu Brenzingen, der ebenfalls bei der Gesellschaft angeftellt war und in seiner Eigenschaft als Angestellter die Gesellschaft um annähernd 1500 Mk. geschädigt hatte. Franken würbe zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, vier Monate Untersuchungshaft wurden abgerechnet.
Selbst geköpft hat sich in Wolterdingen bei Donau» eschingen ein Landwirt, indem er sich mittels Futterschneidmaschine den Kopf abschnitt. Die Frau des Selbstmörders ertränkte sich vor zwei Monaten und sein Schwiegervater erhängte sich vor zwei Wochen. Ein erschütterndes Bild!,
Ueber das Eisenbahnunglück bei Cleveland in Ohio, bei dem, wie wir schon kurz berichteten, zahlreiche Personen getötet und verletzt wurden, werden jetzt nachstehende Einzelheiten bekannt: Der Zug fuhr mit einer Geschwindigkeit von 70 englischen Meilen in der Stunde, als die (Entgleisung erfolgte. Kurz vorher war die Strecke, die offenbar böswillig versperrt worden war, noch von einem Schnellzuge benutzt worden. Die gewaltige Lokomotive des verunglückten Zuges überschlug sich und fiel in das Stationsgebäude. Die Luxuswagen des Zuges bestehen nur noch aus einem Haufen Holz und Eisen. Der Kessel der Lokomotive explodierte unb setzte die Trümmer des Zuges in Brand. Der Zug gehört der Nem-Pork-Central-Company. Er ist einer von den beiden Expreßzügen, die zwischen Chicago und New-Nork eine Wettfahrt abhielten. Jeder einzelne Wagen des Zuges kostete meljt als 200000 Mk. Der Zug hatte Baderäume mit frischem Wasser und Seewasser, einen Barbierladen, eure Bibliothek und Stenographen, denen die Passagiere während der Reise Briefe diktieren konnten.
Ein EinbruchsDiebstahl wurde in der Nacht zum 171 März d. I. in dem Postgebäude zu Beckingen a. d. Saar ausgeführt. Der Täter verschaffte sich mit einer Axt von dem Keller aus Eingang in das Postgebäude und mußte dann noch vier Türen aufbrechen, ehe er die erhoffte Beute fand. Es fielen ihm zwei Wertbriefe mit mehr als 4000 Mk. Inhalt und eine Anzahl Briefmarken in die Hände. Der Einbrecher, ein Metzgergeselle Oskar Ertmann aus Eupen, konnte schon am folgenden Tage auf der französischen Grenzstation bei Longwy verhaftet werden. Er trug das meiste Geld noch bei sich, da er nur mehrere Hundertmarkscheine zum Ankauf von Schuhen, Kleidern, Uhr usw. ausgegeben i hatte. Die Strafkammer Trier verurteilte den (Ertmann,