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Gencral-Anzeiger
Amtliches Orga« für ätadt- und FandKreis Ha«a«.
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Deraunvortl. Redakteure 6. Schrecker in Hanan.
NN 146 Ftrnsprechanschlutz Nr. 605.
Samstag den 24. Juni
Frrniprcchanschlutz Nr. 605. 1905
Hus l^anau Stadt und fand.
Hanau, 24. Juni.
* Landwirtschaftskammer. Es werden in diesem Jahre in nachstehend bezeichneten Orten und Tagen Stuten- s ch a u mit P r ä m i en v e r t e i l u n g , sowie Eintragung in das Stutbuch abgehalten: Montag den 10. Juli, vormittags 8 Uhr in Hersfeld, nachmittags 3 Uhr in Hünfeld. Dienstag den 11. Juli, vormittags 8 Uhr in Fulda, nachmittags 3 Uhr in Tann. Mittwoch den 12. Juli, vormittags 9 Uhr in Schlüchtern, nachmittags 3 Uhr in Gelnhausen. Donnerstag den 13. Juli, vormittags 8 Uhr in Hanau. Es werden nur bedeckte Stuten prämiiert. Die Prämien bestehen darin, daß den Besitzern der ausgewählten Stuten das in diesem Jahre von ihnen für die Bedeckung dieser Stuten gezahlte Deckgeld zurückerstattet wird, und daß für die von diesen Stuten 1906 event, geborenen Füllen ein Füllengeld nicht zu entrichten ist. Der Nachweis für die Bedeckung der aus- gewählten Stuten ist durch Vorzeigen des Deckscheines zu führen. Wer btn Letzteren nicht vorlegen kann, ist von der Prämiierung ausgeschlossen. Die Deckscheine der prämiierten Stuten werden abgenommen und den Besitzern nach einigen Tagen wieder zugestellt. Nur Stuten, welche in das Stutbuch eingetragen sind, werden prämiiert; diejenigen werden bevorzugt, deren unter Vorweis des Füllenscheines vorzu- führende Nachzucht ihren Zuchtwert bestätigt. Die Zahl der an den einzelnen Schauorten zu prämiierenden Stuten be stimmt die Schaukommission. Der Besitzer von in das ©tut-' buch eingetragen werdenden Stuten erhält für jedes Stück 5 Mark. '
* Das Bahnprojekt Hanan—Büdingen. Auf eine Anfrage des Königl. Landrats des Landkreises Hanau hat die Handelskammer ihn: eine gutachtliche Aeußerung über das projektierte Klein bah nunternehmen Hanau-Büdingen erteilt, welcher folgende Darlegungen zu entnehmen sind:
1 Nach unserem Dafürhalten ist nichts dagegen einzuwenden, oieses Unternehmen einer privaten Gesellschaft zu überlassen und es dem Kleinbahngesetz zu unterwerfen. Auch erachten, wir seine Verkehrsbedeutung für die Stadt und den Landkreis Hanau als unbedingt vorliegend. Es wurde bereits früher erwogen, für die Hanauer Kleinbahn die Strecke Marköbel—Langenbergheim zu wählen, anstatt sie über Langendiebach, Ravolzhausen, Hüttengesäß zu führen. Ueber die einander entgegenstehenden Interessen wurde damals nach eingehender Erörterung jedoch zu Gunsten der jetzt bestehenden Linie entschieden, insbesondere mit Rücksicht darauf, daß diese wirtschaftlich erfolgreicher und daher richtiger erscheine. Von Seiner damals beabsichtigten Durchführung der Bahn bis Büdingen ist später abgesehen worden, weil die Rentabilität der Strecke Hüttengesaß—Büdingen zweifelhaft und eine finanzielle Belastung der an sich schon wenig rentabeln Bahn zu erwarten schien. Ganz ist jedoch die Absicht unseres Wissens in den beteiligten Kreisen noch nicht ansgegeben ; aber man will wohl erst eine günstigere Verkehrsentwicklung auf der bestehenden Sttecke abwarten, ehe man an ihre Weiteiftlhrung nach Büdingen herangeht. Auch die nunmehr projektierte neue Bahnverbindung über Marköbel nach Büdingen wird unseres Ermessens ihre Rentabilität hauptsächlich in dem Verkehr der Hanau nahegelegenen Orte mit Hanau selbst zu suchen haben; die Ueberleitung eines direkten Verkehrs aus der Büdingen schneidenden Staatsbahnsttecke Gießen— Gelnhausen oder aus den in sie einmündenden Kleinbahnen steht dagegen in nennenswertem Umfange nach unserer Auffassung kaum zu ermatten, insbesondere bei der Stellung, welche die Staatsbahnverwaltung noch gegen die Gewährung direkter Tattfe an Kleinbahnen einnimmt. Eine günstigere Verkehrsenttvicklung wäre möglich, wenn die bei Rinderbügen gelegene Brannkohlenzeche angeschlossen und durch sie eine Unterstützung des Unternehmens erwartet werden könnte. Auf alle Fälle aber glauben wir, muß die be- absichttgte Durchführung der Bahnverbindung mit Marköbel und darüber hinaus mit Büdingen im Interesse sowohl der Bewohner der beteiligten ländlichen Bezirke als auch der ge- werbetteibenden Bevölkerung unserer Stadt als ein sehr wertvoller Fottschtttt begrüßt werden, indem sie neue Ver- tehrsmöglichkeiten schaffen und in einer bis dahin verkehrs- armen Gegend weitere Gebiete erschließen will. Ueber den Umfang des zu erwartenden Verkehrs stehen uns keine genügenden Unterlagen zu Gebote, um ein die tatsächlichen Verhältnisse tteffendes Urteil abgeben zu können.
Eine Abschrift dieses Gutachtens hat die Handelskammer dem hiesigen Magistrat überreicht, welcher sich ebenfalls mit einer bezüglichen Anfrage an sie gewandt hatte. — Inzwischen scheint die Hanauer Kleinbahn in eine erneute Prüfung her Rentabilität einer Verbindung Ravolzhausen— Marköbe l—B üd ingen im Anschluß an die bestehende Linie Hanau—Hüttengesäß eingetreten zu sein in der Absicht, gegebenen Falls den Ausbau dieser Trace vorzunehmen.
* Die Limestour des Geschichtsvereins Aschaffenburg nach Hanau am letzen Sonntag nahm von der Station Groß-Krotzenburg ihren Ausgang. Der Vorsitzende des Aschaffenburger Vereins, Herr Dr. Kihn, gab nach dem Verlassen der Station zunächst einige Erläuterungen über die Lage des hier gelegenen römischen Kastells. An diesem Kastell führte der Grenzwall vorbei, den die Römer in dem Winkel zwischen dem Mittellauf der Donau und des Rheines als Grenze ihres Imperiums gegen die Germanen errichteten und welcher von Hienheim an der Donau bis Rheinbrohl unterhalb Koblenz eine Länge von nicht weniger als 542,5 Kilometer besaß und dadurch die sonst erhaltenen römischen Grenzwälle weit in den Schatten stellt. Vom Rhein bis zum Fuß des Hohenstaufen bildete er die Grenze der römischen Provinz Obergermaniens, von da bis zur Donau jene der Provinz Rhätien. Im Volksmunde hieß die erstere Hälfte der „Pfahl", letztere die „Teufelsmauer". Beide Teile unterschieden sich in ihrer Bauart, denn der rhätische Limesrest besteht aus einer ursprünglich 2 Meter hohen Mauer, der germanische dagegen aus einem mächtigen Erdwall mit vorliegendem Graben. Beide waren mit Mauersteinen besetzt, doch sollen weder Wall noch Mauer zur unmittelbaren Verteidigung im Kriege gedient haben. Das geschah vielmehr von den Kastellen — welche kleine Festungen bildeten — aus, wie ein solches bei Groß-Krotzenburg gewesen ist. Als schattiger Waldweg geht bei Groß-Krotzenburg der Grenzwall, fast überall noch als solcher erkennbar, auf den Torfbruch zu, wird dann von einem - alten Mainarme für eine furje Sttecke unterbrochen, führt dann über den „Pfaffendamm", die preuß. Staatsstraße und die alte Birkenhainerstraße, an dem römischen Sommerlager, Neuwirtshaus, vorüber bis zum Doppelbiergraben, wo die Fundamente eines Wachturmes deutlich wahrnehmbar sind. Der obere Teil des Fundamentes ist neuerdings mit einer Zementschicht versehen worden, zum Schutz gegen Witterungs- einslüsse. Herr Dr. Kihn machte unterwegs auf alles Bemerkenswerte aufmerksam und erwies sich als ein genauer Kenner der Gegend und der römischen Historie. Vom Doppelbiergraben aus, wo der Limes wieder eine Unterbrechung zeigt, ging es links weiter an der königl. Pulverfabrik vorbei nach dem Waldrestaurant „Forsthaus". Hier wurde Rast gemacht und eine Erfrischung eingenommen, worauf man fröhlich wieder weiterzog zur Lamboybrück, auf Hanan zu. Unterwegs erläuterte Herr Dr. Kihn an der Hand von Katten V. s. w. die Situation des Schlachtfeldes bei Hanau im 30jährigen und im napoleonischen Kriege (1636 und 1813), sodaß die Teilnehmer mit erhöhtem Interesse den weiteren Erklärungen auf dem Schlachtfelde selbst folgen konnten. In Hanau angekommen, begab man sich durch die herrlichen Schloßgarten-Anlagen zum Altstädter Rathause, wo der Vorstand des Hanauer Geschichtsvereins die Gesellschaft beyttißte und sodann auf einem Rundgange die hier aufbewahrten zahlreichen prähistottschen, römischen und germanischen Altertümer vorführte und eingehend erklätte. Besonderes Interesse riefen dabei die in der Umgegend gemachten Funde hervor, so die von Herrn Dr. Kihn: altgermanische Ohrringe und Armspangen (1885 gefunden), altdeusche Trinkgefäße rc. Mit großer Sachkenntnis erläuterten die Herren des Vorstandes vom Hanauer Geschichtsverein eingehend die besonders wertvollen Stücke der reichhaltigen Sammlung, wofür ihnen der Dank des Aschaffenburger Geschichtsvereins nochmals ausgesprochen sei. Nach Besichtigung des Rathauses und des Geschichtsmuseums teilte sich die Gesellschaft in mehrere Gruppen, um der Stadt Hanau und ihren Sehenswürdigkeiten nach Lust und Neigung weitere Aufmerksamkeit zu schenken. In einem Gasthause tam man später wieder zusammen, wo man von den Anstrengungen sich erholte und bei kühlem Trunk die Zeit bis zum Abgang des Zuges recht angenehm verbrachte.
* Jean Jobst ^. Im hohen Alter von 79 Jahren starb gestern an einem Herzschlag Herr Uhrmacher Jean Jobst, eine allgemein beliebte und geachtete Persönlichkeit. 1826 in Fulda geboren, kam er im Jahre 1841 mit seinen Eltern nach Hanau, das seine zweite Heimat wurde. Der Verstorbene war eine uneigennützige, stets gefällige Persönlichkeit, ein schlichter bescheidener Charakter, ein Repräsentant der guten alten Zeit. Als im Jahre 1878 der Chronist Ziegler starb, wurde ihm die Führung der Hanauer Chronik übertragen, 1892 auch die meteorologische Wetterstation, welche beiden Ehrenämter er treu und gewissenhaft versah. Nun hat der Tod auch unter seine Chronik einen dicken Strich gemacht. Möge ihm die Erde leicht sein!
Wettbewerb. Die Stadt Karlsruhe wirb sich aus Anlaß der Verlegung des Personenbahnhofes auf den Platz südlich des Lauterberges bedeutend nach Süden hin ausdehnen,
Die beutèae Nummer mittag ausser dem Mtterdaltuttgsbiatt 14 Seite»
während bisher diese Ausdehnung infolge der einschränkenden Bahngeleise sehr erschwert war und sich nach Osten und Westen hin erstreckte. Um nun einen allen Anforderungen der Hygiene und des mobemen Städtebaues entsprechenden Bebauungsplan für das gesamte Stadtgebiet aufstelleu zu können, forderte die Stadtverwaltung die in Karlsruhe an= saftigen Architekten und Ingenieure zu einem Wettbewerb auf. Der Termin zur Einlieferung der Projekte war auf den 1. Juni festgesetzt. Es gingen 12 Arbeiten mit durchschnittlich 15 Blatt Zeichnungen ein. Dieser Tage trat nun das Preisgericht zusammen und beschloß die Verteilung eines 1. und 2. Preises sowie drei 3. Preise. Den 2. Preis erhielt Herr Architekt E. D e i n e s unter Mitarbett des Herrn Ingenieur Giehne. Herr Deines ist aus Hanau und leitet, augenblicklich hier den Bau der Reichsbank sowie eine weitere Anzahl von Neubauten, die alle nach seinen Plänen hergestellt werden. ,
* Preisgekrönt. In Darmstädter Blättern lesen wir: Das Preisgericht in der Konkurrenz für das städtische Schwimmbad ist zum Abschluß gelangt und hat den ersten Preis dem Architekten Franz Thyriot (ein Hanauer. D. Red.) der durch Erbauung des Friedberger Gymnasiums eine schöne Probe seines künstlettschen architektonischen Könnens abgelegt hat. Der zweite Preis wurde Professor Putzer in Darmstadt, der dritte Preis Menzer in Dresden zuerkannt. Das Thyriot'sche Projekt stellt sich als eine vorzügliche Lösung dar und knüpft an die ältere Bauweise Darm- stadt's an. Seine Ausführung wird eine künstlerisch hervorragende Verschönerung unserer Stadt bedeuten.
* Mestsonrrtag. Am morgigen Sonntag ist ein Offenhalten der Läden bis 7 Uhr zugelassen.
* Parolsumffk. Die Kapelle des Inf. - Regiments Hessen-Homburg Nr. 166 spielt morgen folgende Stücke; 1) „Die Schloßwache", Marsch von A. Rust; 2) Ouvertüre z. Op. „Maritana" von W. V. Wallace; 3) „Monte Christo", Walzer von Kotlar; 4) „Abschied", altniederl. Volkslied von A. Valettus; 5) Fantasie dramatique a. b. O. „Die Hugenotten" von G. Meyerbeer.
* Badeanstalt für Elefanten. - Schon vor zwei Jahren hat die Direktion des Frankfurter Zoologischen Gartens für ihre Elefanten eine Badewanne von entsprechender Größe neben dem Schwimmbassin des Ml- pferds Herrichten lassen. Aber „Fanny", der indische Elefant, war wohl der Ansicht, daß so etwas in Europa sehr überflüssig sei und das wöchentliche Abspritzen und Abreibeu durch den Wärter für sie das vernünftigere ist, zumal es doch seit 14 Jahren — das Tier kam 1889 in den Gatte« — so gemacht wurde. Kurzum, sie weigerte sich, von der Einrichmng Gebrauch zu machen, und kehrt jetzt noch bei zeitweiligen Versuchen, sie von der Zweckmäßigkett zu überzeugen, auf der obersten Stufe kopfschüttelnd um. Anders denkt darüber augenscheinlich „Bachita", die kleine Afttkanettn, die täglich bald nach 3 Uhr in das mit lauwarmem Wasser bis zur Hälfte gefüllte Becken hinabsteigt. Es ist ein wahres Vergnügen, die dicke graue Mamsell sich „puddeln" zu sehen, sich bald auf die eine, bald auf die andere Sette niederlegend und mit dem Rüssel nachhelfend, damit ja kein Fleckchen der dicken Haut trocken bleibe. Die Sache bereitet ihr sichtlich das größte Behagen. Beneidenswert.
* Im Freien genächtigt. Ein 12 jähriger Junge-, gegen den Zwangserziehungsmaßregeln eingeleitet sind, wurde heute morgenzwischenden Meßbuden halberstarrtvor Kälte herausgeholt. Seit 8 Tagen hatte er schon auf dem Meßplatzo genächtigt.
* Unfall. Der Gemüsehändler H. stürzte gestern mittag in der Nähe des Schlachthofes vom Fahrrad herunter und trug recht schwere Verletzungen davon. Er winde ins St. Vincenz-Krankenhaus und später nach Hause gebracht.
* Auflauf. In der Nürnbergerstraße wurde gestern abend ein Gelegenheitsarbeiter aus einer Wirtschaft entfernt. Aus Zorn darüber schlug er in eine Fensterscheibe und Der» übte weiteren Unfug, der die Ansammlung einer größeren Menge zur Folge hatte.
S Einen neuen stilvollen Faffadenfchwuck zeige» zwei am Neustädter Markt belegene Häuser, die Einhorn- apotheke und das Lossowsche Haus. Nach Entfernen des Verputzes ergab es sich, daß die Konstruktton und Zusammen-- steUung des Holzwerkes auf eine gefällige Wirkung berechnet war. Die Inhaber der Firma Chr. I. Lossow haben sich deshalb entschlossen, das schon kurz nach der Gründung det Neustadt (1597) erbaute, seit Mitte des 18. Jahrhunderts im Besitze der Familie Lossow befindliche Haus in feinet ursprünglichen alten Weise neu erstehen zu lassen. Durch bi- reizvolle Wirkung ist die Umgebung unseres Neustadter! Marktplatzes um einen interessanten Schmuck bereichert worden und haben sich die Besitzer der Anwesen durch die Restaurierung des Hauses im alten Stil den Dank aller FvswdB