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Anzeiger

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^Lmckt u^d verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Warjeuhaujes in Hanau.

General-Anzeèger

AMtliches Organ für Lindt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die füsfgejMene Petitzeile oder deren Manet 19 WH im Netla ment eil die Zeile 35 Pfg.

A«anttvrrtl. Redâm: T. Schrecker in Hasan.

Nr. 71

Fernsprechanschlntz Nr. 605

Freitag den 24. März

KermpteHMrschltttz Nr. 605

1905

Hus Fjanau Stadt und £and.

Hanau, 24. März.

LHMche Billig der AaStttttrkktw-IkMWlmg

Som 23. März 1905.

Anwesend die Herren: Canthal, Vorsteher; Aukamm, Baader, Bonn, Brüning, Craß, Eberhard, Förster, Hoch, Hock, Holm, Jost, Koburger, Kreuter, Küstner, Loßberger, Müller, Peteler, Reis, Schroeter, Schwabe, Spatz, Stein­heuer, Stübing, Voltz, Dr. Wagner und Wolff; vom Magistrat: Oberbürgermeister Dr. Gebeschus und Stadt­baurat Schmidt.

Nachruf.

Vorsteher Canthal widmet dem kürzlich verstorbenen Mitglied Treusch einen warmen Nachruf, der sich mit Auf­opferung seinem Amte gewidmet und besondere Verdienste in der Verwaltung der Sparkasse erworben habe. Die Ver­sammlung verliere in dem Verstorbenen einen fleißigen, treuen Kollegen, die Stadt einen tüchtigen, braven Bürger. Die Versammlung ehrt das Andenken an den Verstorbenen durch Erbeben von ihren Sitzen.

Der außerordentliche Etat.

Das Extraordinarium schließt nach den Ausführungen des Referenten Küstner ab in Einnahme und Ausgabe mit 2,009,854 Mk. Die für den Augenblick wichtigsten und die Allgemeinheit am nächsten berührenden Titel behandeln wir an anderer Stelle näher. Bei Titel I, Ziffer 8, ist der Ueberschuß früherer Rechnungsjahre mit 89,270 Mk. einge­stellt. Stadtv. Hoch beantragt hierzu unter näherer Be­gründung 60,000 Mk. abzusondern und als Ausgleichsfonds für bestimmte Zwecke zurückzustellen. Redner begründet dies mit dem Hinweis auf die Schwankungen, beiten der Etat dadurch unterworfen ist, daß er sich vorzugsweise auf den Ertrag des Gaswerkes stützt. Die Stadtverordneten Küstner und Schwabe erklären sich gegen den Antrag, der im Effekt eigentlich dasselbe bedeute, was bei der jetzigen Behandlung des Ueberschusses herauskomme. Der Antrag Hoch wird abgelehnt, der außerordentliche Etat für 1905 mit den obengenannten Endziffern angenommen.

Gewährung von Umzugskosten an Volks­schullehrer.

Während bisher für die Lehrer an der Oberrealschule, Höheren Mädchenschule, Mittelschule und den Fortbildungs- schu en Umzugskosten allgemein und für die Beamten meistens bezahlt wurden, geschah ein gleiches für die Volksschullehrer Nicht. Der Magistrat ist der Meinung, daß eine unter­schiedliche Behandlung der Lehrer nicht angezeigt erscheint und beschloß daher, grundsätzlich den Volksschullehrern Um- zuqskosten zu gewähren mit der bereits für did übrigen Lehrer ausgesprochenen Bedingung, daß sie, im Falle sie früher als 5 Jahre nach ihrem Eintritt in den städt. Dienst aus demselben scheiden, die erhaltenen Umzugskosten wieder zu erstatten haben. Die Vorlage wird angenommen. Versammlung der Gas- und Wasser fach' männer.

Der bayrische Verein der Gas- und Wasserfachmänner, dessen Mitglied das hiesige Gaswerk ist, hält in den Tagen vom 27. bis 29. April d. Js. Hierselbst seine 20. Jahres­versammlung ab. Um den auswärtigen Festteilnehmern ca. 100 Mitgliedern einen würdigen Empfang bereiten, sowie um eine entsprechende Festschrift drucken lassen zu können, hat die Gaswerks-Kommission beschlossen, bei den Körper­schaften die Bereifftellung der Mittel im Betrag bis zu 1000 Mark zu beantragen. Die Stadtv. Eberhard und Koburger halten den ausgeworfenen Betrag für zu hoch und bean­tragen, nur 500 Mark zu bewilligen. Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erklärt, man solle die Herren, die auf Ein­ladung hier tagen, entweder anständig empfangen oder gar nicht. Die Magistratsvorlage wird genehmigt.

Untersuchungsst ation für an st eckende Krank­heiten im Regierungsbezirk Cassel.

Auf Veranlassung des Herrn Ministers der Medizinal­angelegenheiten ist durch den Herrn Regierungspräsidenten zu Kassel die Errichtung eines Untersuchungsamtes für ansteckende Krankheiten im Anschluß an das hygienische Institut der Uni- versität Marburg angeregt worden. Die entstehenden Kosten fragen jährlich 2300 Mk der Anteil der Stadt Hanau \ Mk. Durch die Zahlung dieses Betrages erwirbt die - labt das Recht, jederzeit das Untersuchungsamt in Anspruch ^ nehmen, um die Natur einer ansteckenden oder ansteclüngs- aerdachtigen Krankheit (Diphtherie, Typhus, Ruhr, Cholera :c.) U 1 « bakteriologische Untersuchung unzweifelhaft feststellen ->" lallen. Zu diesem Zweck erhält die Stadt besonders vor­

bereitete Gefäße zur Verfügung gestellt, sodaß die Aerzte jederzeit Gelegenheit haben, Untersuchungsproben oder Aus­scheidungen schleunigst dem Untersuchungsamt zu übersenden, welches das Ergebnis baldigst dem Einsender über­mittelt. Durch die Zahlung der 80 Mark nach Marburg wird der frühere Beschluß, wonach das Institut für experimen­telle Therapie in Frankfurt a. M. in Anspruch genommen werden sollte, hinfällig. Die Vorlage wird angenommen.

Die Rath ausuhr.

Die vor etwa 30 Jahren am Zifferblatt der Rathaus­uhr angebrachten Zahlen, Punkte und Minutenstriche sind teils gesprungen, teils infolge der Witterungseinflüsse abge- sprungem Für die Instandsetzung werden die geforderten 100 Mk. bewilligt.

Wahl von Armenpflegern.

An Stelle der ihre Aemter niederlegenden Armenpfleger Bechtel und Waßmuth werden die Herren Privatier Wilhelm Bückmann und Schlossermeister Heinrich Baumann gewählt.

Direktorwohnung für das Land­krankenhaus.

Das Landkrankenhaus hat zur Errichtung eines Wohn­gebäudes für den leitenden Arzt den der Stadt gehörigen Eckplatz zwischen Garten- und Schwindefurfftraße mit 25x30 Meter Frontlänge = 750 qm Fläche in Aussicht genommen. Unter Zugrundelegung des bei der Versteigerung der benach­barten Bauplätze erzielten Durchschnittspreises von 12 Mark per qm hat das Grundstück einen Wert von rund 9000 Mk., dazu die laut Abrechnung der Gartenstraße 88.79 Mark für 1 laufenden Meter betragenden Straßenbaukosten mit 55 x 88.79 = 4883.45 Mk? ergibt zusammen 13 883.45 Mk. Als Gegenleistung des Kommunalverbandes ist geoachl die Abtretung des in den Salzstraßendurchbruch fallenden Teiles des Anwesens Leimenstraßc 26 einschließlich der Gebäude, dessen Wert sich nach einer Schätzung des kommunalständiscben Baubeamten zusammensetzt aus: 3000 Mark Geländewert (25 Mk. pro qm und 9300 Mark Gebäudewert, zusammen also 12300 Mk. Die noch weiter von dem Kommunalver­band zu übernehmende Einfriedigung des Restgrundstückes gegen die Salzstraße würde rund 1300 Mark ausmachen, sodaß der Gegenwert rund 13 600 Mk. 'bettägt und zwischen den beiden Tauschobjekten nur eine Wertdiffcrenz von 283 Mark zu Gunsten der Stadt bestände, die wieder dadurch ausgeglichen würde, daß der Stadt die Mieteinnahmen aus den Gebäuden bis zur Durchlegung der Straße zufallen. Auf den vorgeschlczenen Tausch einzugehen, empfiehlt sich nach der Begründung des Magistrats nur unter der Be­dingung, daß der Kommunglverband den Platz zu dem ge­planten Zwecke verwendet, da die Stadt wohl Interesse daran hat, dem Landkrankenhause einen zweckmäßigen Bau­platz für die Errichtung des fraglichen Gebäudes, nicht aber dem Kommunnlveroand wertvolles Gelände zu beliebiger Ver­wendung unter günstigen Bedingungen zu überlassen. Stadtv. Hoch bezweifelt die Richttgkeit der vorgetragenen Ziffern und glaubt nicht, daß der vom Bezirksverband angebotene Gegenwert dem werte ollen Grundstück Ecke der Garten- und Schwind:furtstraße entspreche. Stadtv. Eberhard be­antragt, eine Abschätzung der Ortstaxatoren einzuholen und die Sache zur völligen Klärung an die Kommission zurück­zuverweisen. Dieser Anttag wird angenommen.

Neudruck des Bürgerbuches.

Das Bürgerbuch soll neu gedruckt werden und zwar in einer Auflage von 700 Exemplaren. Die Herstellungskosten betragen rund 1200 Mk., es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die Berechnung sich etwas anders stellt und es wird daher beantragt, einen Betrag bis zu 1400 Mk. zur Ver­fügung zu stellen. Oberbürgermeister Dr. Gebeschus teilt hierbei mit, das von Herrn Hoch angeregte, von der Stadt ergangene Angebot, die Drucksachen, darunter das Bürgerbuch, zum, Selbstkostenpreis zur Verfügung zu stellen, habe ein ganz klägliches Resultat gehabt. Es hätten sich ganze zwei Besteller gemeldet. Verschiedene Redner bringen hierauf zum Ausdruck, es habe wohl an der Art der Bekanntmachung und an der zu kurzen Frist gelegen, daß nicht mehr Bestellungen eingegangen sind und es wird angeregt, eine nochmalige Bekanntmachung zu erlassen. Der Oberbürgermeister sagt dies zu. Die Vorlage findet Ge- yehmigung.

Die Gesundheitsverhältnisse in Hanau.

Stadtv. Dr. Wagner referiert über den eingegangenen Bericht des Stadtarztes Dr. Zeh über die Todesfälle an Lungenschwindsucht und Krebsleiden im Jahre 1904, aus welchem hervorgehe, daß bie. Sterblichkeitsziffer der Lungen­schwindsucht in Hanau, wie überhaupt in Preußen, eine Ab­

nahme erfahren habe. Diese Tatsachen ließen erkennen, daß die Lungenschwindsucht heilbar und eine zu vermeidende Krank- heit sei und auf schlechten sanitären Verhältnissen, vorzugs­weise auf dem Wohnungselend, basiere. In dem Bericht falle die Tatsache besonders auf, daß in den sog. besseren Kreisen und in den Sttaßen mit neuzeitlichen gesunden Wohnungen im Berichtsjahr überhaupt kein Todesfall an an Lungenschwindsucht zu verzeichnen ist und daß die Todes­fälle nur in den ärmeren Vierteln mit schlechten Wohnungs- verhâlttnssen vorkamen. Diese Tatsachen bedeuteten für den Hausbesitzerverein, der in den letzten Sagen einen großen Rummel gegen die Errichtung von Wohnhäusern seitens der Stadt in Szene gesetzt habe, geradezu eine Ohrfeige ins Ge­sicht. Die Krebskrankheiten seien leider, wie überall, im Zu­nehmen begriffen, doch ließe sich hiergegen im Wege ber öffentlichen Fürsorge leider gar nichts tun, das Wesen dieser furchtbaren Krankheit sei noch zu wenig erforscht.

Kleinere Vortagen.

An zwei Lehrer werden Umzugskosten in Höhe von 48.75 und 380.60 Mk. bewilligt. In Ausführung früherer Gemeindebeschlüsse sind die Löhne der meisten Stadtgärmerei- arbeiter seit dem 20. Mai 1904 erhöht worden. Der da­durch entstandene Mehrbedarf beläuft sich auf rund 460 Mk., wozu noch rund 240 Mk. für Ueberstunden einschließlich deren Lohnzuschlägekommen, sodaß rusid 700Mk.nachzuöewilligen sind, was geschieht. Desgleichen ist für Lohnerhöhungen der ständigen städtischen Arbeiter, die bei der Straßen- unb Wochenmarktsreinigung beschäftigt sind, eine Nachbewilligung von 333 Mark nottvendig geworben, die ebenfalls ausge­sprochen wird. Die Feststellung der Rechnung der Gas- werkskassc für 1903 findet Zustimmung. Die Abrechnung über den Bau der Eberhardschulc dient zur Kenntnis, ebenso die Mitteilungen über außerordentliche Revisionen ber Schlachthofkasse und Sparkasse. In den Steuerausschuß werden die seitherigen Mitglieder B o n n, S ch r o e t e r und Schwabe wiedergvwählt.. Der Verpachtung von zwei Grundstücken an Frau Lenz und August Mangelmann, Groß-Auheim, wirb zugestimmt. Durch den am 30./8. 1904 förmlich festgestellten Baufluchtlinienplan für das Ge­lände nordwestlich vom Lehrhof wurde das Gelände der Wwe. Jung so ungünstig durchschnitten, daß kein bebauungssâhigesStück mehr übrig bleibt. Ein Einspruch gegen den offenliegenden Plan ist s. Zt. nicht erhoben worden, da es der Eigentümerin au einem sachverständigen Beirat fehlte. Der Nachteil für das genannte Grundstück läßt sich ohne Schädigung der allge­meinen Interessen durch Aenderung des Fluchtlinienplanes beseitigen, welcher zugestimmt wird. Der Oratorienverein hat den Antrag gestellt, ihm den Saal des Stadtschlosses auch für das Rechnungsjahr 1905 zur Abhaltung feiner Proben zur Verfügung zu stellen. Die Vorlage wird ge­nehmigt. Ebenso finden Genehmigung, bezw. werden zur Kenntnis genommen einige weitere Vorlagen formeller Natur, die für die Allgemeinheit kein Interesse besitzen. Die Punkte 28 bis 33 der Tagesordnung werden zur Beratung für die nächste Sitzung zurückgestellt.

* Der Lprechverkehr von Hanau ist auf Bückeburg ausgedehnt worden. Großkrotzenburg ist zum Sprechver­kehr uüt den Ortsfernsprechnetzen in Mannheim, Dieburg, Groß-Ulmstadt, Neu-Isenburg, Sprendlingen (Kr. Offenbach) und Vilbel, sowie mit den öffentlichen Sprechstellen in Dietes­heim (Kr. Offenbach), Dietzenbach (Hessen), Dudenhofen (Hessin), Heusenstamm, Jügesheim, Mühlheim (Main), Obertshausen, Schaafheim und Weiskirchen (Bez. Darmstadt) zugelaffen.

* Personalien. Die am hiesigen Amtsgericht neu er­richtete Settetürstelle wurde dem Vernehmen nach dem Ge­richtssekretär Rössing, seither in Biedenkopf, übertragen.

* Stadttheater. Den Schluß der Abonncments-Vor- stellungen dieser Spielzeit wirb das geistvolle Lustspiel Oskar BlumenthalsDer P r o b e p f e i l" bilden. Das vortreff­liche Werk zählt zu den besten Schöpfungen des bekannten Lustspieldichters. Warmherzig unb klardenkend, feinsinnig und formgewandt zeigt sich Blumenthal hierin wieder. Mit fonmgern Humor, mit Geist und Gemüt har er ein Lustspiel geschaffen, das immer wieder den stärksten Erfolg haben muß. Auch die jetzige Neueinstudierung des prächtigen Stückes dürfte wieder des allgemeinen Beifalles gewiß sein. Eine hervorragende Besetzung der Haupttollen ist vorhanden und dürfte besonders Frl. Eichelsheim vom Hoftheater in Darmstadt alsHortense" eine glänzende Leistung bieten, sodaß ein künstlerisch genußreicher Abend bevorstehen wird. Am Sonntag geht die beliebte Zauberposse mit Gesang L u m p a c r v a g a b rr n d u s" als letzte Nachmittagsvor- fteUinig in Szene und wird sicherlich nochmals seine große Zugkraft ausüben. Der Vorverkauf für beide Sonntags-- oorftcllungen findet am Samstag, nachmittags von 45 Uhr an der Theaterkasse statt.