Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt

Drzw-SpreiZ:

Mertels ährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für «ul» Bärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaussch'.ag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

EinrückuttgSgebnhr t

bedruckt und verlegt in der Buchdruckers des verein, «v.

Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die fünfgefpalteru Petitzeile oder deren Ream 15 Pfg., im Reklamenteil die Zeile 35 Pfg.

Terantwortl. Redakteurr G. Schrecker in Harum.

Nr. 145 N«rnsprecha»kchl«tz Nr. 605.

Frcitag den 23. Juni

Fernsprechanschlutz Nr. 605

1905

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 brauner seidener Damenhandschuh (rechter).

Verloren: 1 Brosche mit Bildnis, 2 Schlüssel an einer Schnur, 1 rotes Damenportemonnaie mit 40 Pfg. und einem silbernen Anhänger, 1 goldene Traffb rosche mit Saphir, Rubin, Smaragd und Brillant.

Entlaufen: 1 schwarzer Pudelhund.

Eingefangen: 1 Stallhase.

Entflogen: 1 männlicher Kanarienvogel.

Hanau den 23. Juni 1905.

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanau, 23. Juni.

* Zur Kommunalbesteueruug der Beamten. DieB. P. N." schreiben: Seitens der königlichen Staats­regierung sind schon vor mehreren Jahren Versuche gemacht worden, eine Grundlage für die Neuregelung der Kommunal­besteuerung der Beamten zu finden. Insbesondere haben Verhandlungen zwischen den beteiligten Ressorts in Preußen und dem Reiche hierüber stattgefunden. Diese Behandlung der Frage kommunalen Besteuerungsrechtes gegenüber den Staatsdienern steht im Einklang mit dem Kommunalabgabefi- gesetz, das in § 41 bestimmt, daß die Heranziehung der un­mittelbaren und mittelbaren Staatsbeamten, der Beamten des königlichen Hauses, der Geistlichen, Kirchendiener und Ele- mentarlehrer, sowie der Witwen und Waisen dieser Personen zu Einkommen- und Aufwandssteuern durch besonderes Ge­setz geregelt werden soll. Das geltende Gesetz läßt dabei den Zeitpunkt dieser Neuregelung und die Richtung, in der sie sich zu bewegen hat, völlig unbestimmt. Da jedoch das Kommunalabgabengesetz an anderer Stelle hinsichtlich der Heranziebnng der Militärpersonen zu den auf das Einkom- men gelegten Gemeindeabgaben es ohne Vorbehalt bei den bestehenden früheren Bestimmungen bewenden läßt, da ferner die Heranziehung der aktiven und der nicht aktiven Militär­personen und ihrer Hinterbliebenen durch die Verordnung vom 22. Dezember 1868 zum Gegenstand der Reichsgesetz­gebung geworden ist, so könnten für eine landesgesetzliche Neuregelung nur die kommunalen steuerlichen Vorrechte der Beamten, Geistlichen unb Lehrer in Frage kommen. Für die schließliche Entschei­dung der Frage, ob die Steuervorrechte dieser Beamten­kategorien dauernd aufrecht zu erhalten sein werden oder ob nicht vielmehr das Verlangen, den Gemeinden die volle Be­steuerung der Beamten, Geistlichen und Lehrer zu gestatten, als berechtigt anzuerkennen sein wird, dürfte sich ein hin-

Kleines Feuilleton»

Hüicherrr Kunschtsinn.

(Odenwald er Dialekt.)

Jüngscht kumm ich mit der" Eiseboh

Am Bahnhouf Hanau-Oscht

Am Sunndag Morge zeidig oo, Will weider noch, ja, Proschtl

's sinn drei, vier Stunde Uffenthalt, O bidderbäises Wort! Was sollscht de drin im Wartsaal doun? Beguckscht der mol de Ort."

Sou sag ich zu mer selber doo Un iwwerschreit de Steg, Loß moi Gepäck im Bahnhouf stäihn Un mach mid) uff de Weg.

Die Schoffee gäich ich immer fort Un finn ball houch und schlicht Aus roudem Sandstaa rechts vum Weg

En Obelisk erricht.

E schämt Olag, rings mit Denk, Leedt mich zum Sitze oi; Nor schad, es wäiht der Wind sou kalt, Zum Ruhe wer's schunscht foi.

Moi Aage sinn sou gar zu schwach, Son seh ich leider nit, Was doo in Staa gehaache stäiht, Habb aa kaan Zwicker mit.

Zufällig stäiht e Herre doo, An Umfang nit gering, E goldni Kedde iwwerm Bauch, Mit dickem Sicbelring.

reichender Anhalt daraus ergeben, daß die Staatsregierung die schon bei Beratung des Kommunalabgabengesetzes im Land­tage erhobene Forderung sofortiger Abschaffung der Beamten­privilegien nur im Hinblick auf die Schwierigkeit, die sich bezüglich der Entschädigungsfrage herausstellen, abgewehrt hat. Gelingt es, die Beamten, Geistlichen und Lehrer für den mit einer Beseitigung ihrer Steuervorrechte verbundenen Ausfall an Einkommen zu entschädigen, so dürfte damit der letzte Grund gegen die Aufhebung der Vorschriften über die Einschränkung des kommunalen Besteuerungsrechtes gegen­über den genannten Beamtenkategorien hinfällig werden.

* Von der Messe. Die Karussellbesitzer vom Juxplatz haben heute schon abgeschlagen, um nach anderen Ortschaften zu ziehen.

* Konkurs Will. In dem Konkurse des Ziegelei­besitzers Karl Will ju Ravolzhausen betragen die Passiven etwa 230 000 Mark, die Aktiven sind gering. Die Eröffnung des Konkurses erfolgte, wie wir der amtlichen Bekannt­machung entnehmen, auf Antrag des Hanauer Kreditvereins.

* Mückenstiche. Man lieft jetzt öfters wieder von Blutvergiftungen durch Mückenstiche. Darum schütze man sich bei Zeiten. Ein Fläschchen mit ^s Salmiakspiritus und 3/3 gewöhnlichem Spiritus genügt, um bei sofortiger Anwendung dieses Gift zu zersetzen und die Wirkung desselben auf­zuheben, ist also imstande, nicht bloß der Belästigung, son­dern audj ernster Gefahr vorzubeugen, und von besonderem Werte bei Spaziergängen, hauptsächlich bei Touren in den Wald und an Gewässern, überhaupt beim Aufenthalt im Freien. Außerdem leister dieses Mittel die besten Dienste bei den an heitzen Tagen mehr vorkommenden Schwindel- und Ohnmachrsansällen, durch das Einziehen des Geruches durch die Nase.

* Eine vnrchgegangene Brant. Ohr Pärchen in einem Städtchen des Kreises Offenbach stand kurz vor der Verheiratung. Als nun vor einiger Zeit ein Verwandler aus Australien in der Familie der Braut zu Besuch kam, verliebte sich letztere in den Vetter und ging dieser Tage mit ihm durch. Dem unglücklichen Bräutigam hinterließ die Treulose das von ihr bereits ängekaufte Mobilar und ihr drei Jahre altes, uneheliches Kind.

* Revision HnVde. Herr Rechtsanwalt Dr. Jung teilt demGieß. Anz." mit, daß die von dem zum Tode verurteilten Raubmörder Hudde eingelegte Revision als ge­rechtfertigt erkannt und weiter verfolgt werden wird, da Verstöße gegen das Verfahren in der Hauptverhandlung vor­lägen.

© Eine Fnsipfad - Affäre. Zwischen den beiden Gemeinden Groß-Steinheim und Klein-Auheim schwebt gegen­wärtig ein interessanter Prozeß wegen der Sperrung eines

Er Hot die Siggahr schief im Maul

Un fiehrt soin Hund spaziern,

Ma kennt en allem Oschoi nooch Font Metzger woll taxiern,

Wo vun recht fedde Zinse lebt

Un fiehlt sich wouhl debei,

Uri mecht sich's Lâwe gut un schäi,

Dun Sorg und Arwet frei.

Ich frog en b'scheide, wem zu Ehrn

Des Denkmol doo stäihn deed;

E bissel unbehaglich woll,

Doch häislich stäiht er Redd:

Um achzäihhunnertdreizäih hot's

Aus Dankbarkeit und Fraad

Der Barbarossa doo erricht,

Weil er nach langem Laad

Soi Dochder Emma g'funne Hot.

,,O selig is die Stadt,

Wo ich moi Dochder widder sand,""

Sou Hot er domols g'sat."

Ich guck mer moin E'kleerer oo, Trau ich dann nor moim Ohr?

Naa, liewer Herre", sag ich doo, Sell is gewiß nit wohr."

No, wann ma meer nit glaawe mag", Begehrt er batzig uff,

Sou läse Se's doch selber noch!

Uff Englisch stäiht's jo druff."

Die Neigier plogt mich schunscht nit arg,

Doch bin ich jetzt nit bläid;

Ich petz mer halt die Aage zu

Un les sou gut wie's aäiht,

von Groß-Steinheim längs des linsen Mainufers durch die Gemarkung Klein-Auheim bis zur Groß-Auheimer Main­brücke sich hinziehenden Fußpfades. Dieser Pfad war schon seit urdenklichen Zeiten für die Fußgänger unbeanstandet freigegeben, wurde aber neuerdings seitens der Klein-Auheimer Gemeindeverwaltung jur Ueberraschung der den Pfad viel­fach benützenden Bevölkerung durch Warnungstafeln ge­sperrt. Seitens der Gemeinde Groß-Steinheim, die ein her­vorragendes Interesse an der Freigabe des Verbindungs­pfades hat, wurde alsbald gegen die plötzliche Maßnahme Protest erhoben und nach vergeblichen Bemühungen zur Er­zielung einer Einigung der Prozeßweg beschritten. Dieser Tage fand im Beisein des Gerichts und der Rechtsbeistände der beiden prozessierenden Gemeinden eine Augenscheinnahme des umstrittenen Fußpfades statt, wobei 32 Zeugen vernom­men wurden. Mit begreiflicher Spannung erwartet man die gerichtliche Entscheidung in dieser Fußpfad-Affäre.

* Gaunerei. Gestern nachmittag erschien in einer hiesigen Konditorei ein Mann und verlangte unter Vorlage eines 20-Markstückes für 10 Pfg. Bonbons. Das Gold­stück zog er zurück und bezahlte mit einem Zehnpfennigstück. Nach diesem Vorgang bestellte er noch zweimal je ein Stück Kuchen und legte dann das Goldstück zum Wechseln vor. Der Konditor gab entsprechend heraus, bemerkte aber zu seinem Leidwesen, als der Fremde fortgegangen war, daß dieser auch das 20-Markstück wieder mit eingesteckt hatte. Offenbar liegt eine Gaunerei vor, denn der Fremde, ein etwas beleibter Mann, wurde später auf Station Wilhelms­bad in Begleitung eines etwas untersetzten Mannes gesehen, woselbst am Schalter dies Wechselgeschäft gleichsfalls versucht wurde, jedoch ohne Erfolg. Beide Personen fuhren nach Frankfnrt-Ost. Sie haben sich, wie festgestellt worden ist, auch während des Lamboyfestes hier aufgehalten.

* Ein Rinflknus. Ein etwa 30jähriger Mann er­schien gestern in einem Goldwarenverkaufsgeschäft der Römer­straße und ließ sich zur Auswahl Trau- und Siegelringe vorlegen. Er paßte wohl Ringe an, kaufte jedoch nichts und entfernte sich mit der Angabe, daß er seine Braut noch herbeiholen werde. Als die Verkäuferin die Kartons mii den Ringen wieder weglegen wollte, bemerkte sie, daß von dem Karton ein Siegelring verschwunden war und an seiner Stelle ein ganz minderwertiger Doublering Platz gefunden, den derKäufer" in einem günstigen Augenblick raffiniert vertauscht hatte. Weiter machte die Verkäuferin die unange- nel)me Entdeckung, daß auch ein Trauring im Werte von 15 Mk. verschwunden war. Der Mann sprach hiesigen Dialekt und man nimmt an, daß er in der Umgegend wohn­haft ist.

* Mainwnfferwärwe gestern abend 19 Grad.

Die Inschrift in ladeinscher Sprooch Un läig's moim Metzger aus;

Doch was ich aa dem Mann verzâihl, Er mecht sich nit viel draus,

Wer woll die Seile do erbaut, Ob's Landgraf Wilhelm war, Der Graf vun Hanan, odder ob Vun Rußland gar der Czar.

E anner Standbild seh ich noch; Am Marktplatz ragt's empor. Moi Aag erblickt zwaa Menner druff, Wen stelle die woll vor?

Grad kimmt e Deemche uff mich zu Mit groußem Fedderhut, Im scheenschde, neischde Sunndagsftaal; Die waaß es sicher gut.

Das Lutherdenkmal ist das doch," Sou säigt se uff moi Frog. Verwunnert guckt se mer ins G'sicht, Daß ich mich dodrum plog.

Wer mag dann woll der Anner soin, Wann aner Luther is?

Nit wohr, es is soi guder Freund Melanchthon doch gewiß?""

Das weiß ich nicht", sâigt's Deemche druff Ganz eilig un verwerrt;

Es fercht, wie's scheint, es kimmt zu speet Zum Milidärkunzert.

Wie ich die Zwaa bann neher b'sâh, Sinn's die Gebrieder Grimm. Wann Eier Kunschtsinn all sou weer, Eer Hanauer, weer's schlimm. $ B«