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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Ltadt- iü Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 95
Fernsprechanschlust Nr. 605
Eamstaff den 22. April
Fernsprechsnschlutz Nr. 605
1905
Bestgruss •
aber die stille Qalde
Jubeln aie ferchen empor;
Blumeiiglockcben im Ölaldt
Dicken im holden flor»
D
Ob ein König den Einzug hält?
Me ein webendes Skrenzslt,
Mit den grünenden Zweigen, Mölbt sich der Birken Cor!
Me ein bebres „Willkommen!" i)allt der ©locken Geläut,
Hat dein Herz es vernommen? ^rübling, er wandelt beut! Über die Berge stieg er zu Cal
Wit dem siegenden Himmelsstrichs
Der uns verjüngt die 6rde,
Der die Uebel zerstreut! .
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Brüderlein und Schwesterlem.
—- Ein Ostermärchen. —
Tief im deutschen Walde versteckt lag der stattliche Hof eines freien germanischen Kriegers. Zwei liebliche Kinder waren sein und seiner treuen Gattin Herzensfreude. Edel- rich und Velleda, so hießen die beiden Kleinen, erwiderten herzlich die Liebe der Eltern, aber fast noch inniger waren te einander in zärtlichster Geschwisterliebe zugetan. Sie vielten und kosten den ganzen Tag zusammen; was Edelrich wollte, das wollte auch Velleda, — was Velleda varschlug, damit war auch Edelrich einverstanden. Edelrich suchte im Walde die schönsten Blumen, die süßesten Beeren, welche er Velleda schenkte, und Velleda suchte in der Quelle die nied- lichsten Steine, weiße und rosarote, welche rund wie Vogeleier waren, um sie Edelrich zu schenken. Velleda aß die süßen Beeren und schmückte sich mit den schönen Waldblumen, und Edelrich übte sich mit den runden bunten Steinen im Werfen. So flossen den beiden die ersten Kinderjahre dalü
Als Edelrich zehn und Velleda neun Jahre alt geworden bar, mußten sie hinaus in den Wald und die Schafe des Vaters hüten. Edelrich trug dabei einen Kittel von Läm- tnerpelz, ein rundes Fläschchen mit wildem Birnmost an der Seite und einen Hirtenstab in der Rechten; Velleda hatte ein Nöcklein, ebenfalls von Lämmerpelz, und eine wilde Spheuranke kränzte ihr Goldhaar. Als sie eines Tages tiefer denn je in den Wald gedrungen waren, sahen sie am Wege eine alte Frau sitzen. Sie hatte sich ganz in ihre faltigen Gewänder eingehüllt, nur die dürren Arme und das faltige Gesicht blickten unheunlich hervor. Die Kinder wollten sich ängstlich zurückziehen, aber die Alte rief sie zu sich. Da wagten Edelrich und Velleda nicht zu widerstehen und traten zagend an die Zauberin — das war die Alte ~ heran.
Diese faßte zunächst die Hände der kleinen Velleda und sagte: „Kind, du kannst einer alten Frau einen Liebesdienst erweisen ! In meiner Hütte unter dem Eibenbaum am Opferstein hab' ich eine kleine Büchse mit heilkräftigen Tropfen stehen lassen, deren ich zu meiner Stärkung bedarf. Geh, hole sie mir!"
Dies war aber eine Unwahrheit. Die Zauberin wollte nur die Kinder, eines nach dem andern, entfernen, um sich ungestört der Schafe bemächtigen zu können.
„Gern wollte ich Euch den Dienst erweisen," antwortete Velleda, „aber ich verlasse meinen lieben Bruder nimmermehr, — nein, ich lasse ihn nicht allein im Walde zurück, wo wilde Tiere sein Leben bedrohen könnten."
„Dann wird dein Bruder barmherziger sein, als du," erwiderte die Zauberin mit zornblitzenden Augen. „Nicht wahr, Knabe, du wirst mir das Gefäß mit den stärkenden Tropfen aus meiner Hütte holen?"
„Verzeiht, wenn ich Euch die Bitte nicht erfüllen kann," antwortete Edelrich freimütig; „ich darf mein liebes Schwesterchen nicht allein im Walde lassen, wir trennen uns nimmermehr."
„Ihr garstigen Kinder!" kreischte die Me. „Wenn ihr mch denn so sehr liebt, so sollt ihr ewig als Geschwister bei einander bleiben. Seht, ich verwandle euch in eine Waldblume, die zwei Blüten an einem Stamme trägt!"
Nunmehr berührte sie die erschrockenen Kinder mit ihrem Zauberstaba. Sofort schrumpften die Kinder zusammen, sie wurden kleiner und kleiner, bis sie nur noch eine Spanne groß waren. Ihre Füße waren in ein grünes Stämmchen, ihre Arme und Hände in zerschlitzte grüne Blätter verwan- oelt; auf dem Stämmchen aber saßen zwei gelbe Blümchen.
Die Zauberin stieß ein höhnisches Gelächter aus. „Ein- mal in jedem Jahre," sagte sie grimmig, „wenn die Göttin Ostara die Kräuter zu neuem Leben weckt, sollt ihr auf die Erde zurückkehren und den Menschen das Bild der treuen Geschwister Vorführern Dann aber sollt ihr wieder in die schwarze Erde zurücksinken!" Nachdem die Zauberin so gesprochen hatte, bemächtigte sie sich der Schafe und trieb sie tief hinein in den dunklen Wald, wo die Zweige hinter der Herde und der bösen Zauberin Zusammenschlugen.
Wer aber in der Osterzeit hinauswandelt in Feld und Flur, der kann Edelrich und Velleda in ihrer verwandelten Gestalt erblicken. Die gelbe Osterblume zeigt im Gegensatz zu ihren Schwestern aus der großen Familie der Anemonen an der Spitze ihres Stengels je zwei Blüten, die geschwister- »ich nebeneinander stehen, über den feinen dreifach gespaltenen Blättern. Tie Blüten aber sind goldgelb wie die Teutonenköpfchen Edelrichs und Delledas, ja im Kelche jeder Ülume ist das schimmernde Flacksbaar noch als goldenes Süschel zu schauen.
Deutsche Osterfreuden.
Hinaus ins Freie, — Osterspiele. — Die Winterpuppe. — Lampe als Eierspender» — Das Passahlamm. — Osterwasser. — Schmackostern. — Osterball nud Osterreige«»
Ostern, dieses christliche Fest, das seinen Namen der alt« heidnisch-germanischen Frühlingsgöttin Ostara verdankt, ist so recht, ein Fest der Mysterien, der großen Geheimnisse all- I beratf. Nicht nur die Auferstehung Christi feiert man, ie Menschen'stehien alljährlich zu Ostern jener seltsam- geheimnisvollen Auferstehung der Natur gegenüber, wo ge- 'altige und unbekannte Mächte ringen und streiten, um den rengen Herrscher Winter zu vertreiben und neues Leben, leues Licht und neue Lust herrlich und strahlend unter der arten Decke von Eis und Schnee jauchzend und triumphie- end hervorzuhvlen. Nicht zum mindesten sind es die Men- lchen selbst/ die da Auferstehung feiern. : ;' , , ,
»Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern ' ■
Aus Handwerks- und Siewerbeband'-n, Aus dem Drucke, von Giebeln und Dächern, Aus der Straßen quetfehenber Enge, Aus der K.rchen ehrwürdiger Nachts
Ta kann es denn wohl nicht Wunder nehmen» daß das Osterfest und die Osterzeit mit ihren Mysterien und Geheimnissen die Menschen seit Alters her baau verlockt hat, eigenartige Ostèrsitten und -Gebräuche aüszubilden, die die Stimmung des Menschen wiederspiegeln, welcher sich in dieser Jahreszeit einer Welt von Wundern gegenüber sièht und sie zu erklären versucht auf seine Art und Weise, aus seinen schwachen Kräften heraus.
Aus dm großen Bauernhöfen und Dörfern in Westfalen und Hannover erzählte man sich und. erzählt sich heute noch Osterlnärcheu, über denen eS wie ein Schauer des Geheimnisvollen und ein Schimmer einer nahe Levörstehenden frohen und sonnigen Zukunft liegt. Aus den Ostermärchen, aus Ler mündlichen Ueberlieferung wurde schriftlich Fixier- eS, entstanden die Osterspiele, Volksfeste mit Gesang und Tanz, wie sie heute noch in vielen Kantonen der Schweiz im Gange finb. Der Hauptinhalt dieser Osterspiele konzentriert sich um die biblische Geschichte von i^ent Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi. Die Oberammergauer Paj- sionLsesispiele, die schon seit langen Jahren bekanntlich mehr einen mondmnen, denn einen religiösen Charakter tragen, find die letzten Ausläufer der alten Osterspiele.
Andre Länder, andre Sitten! In ganz Nordwestdeutsch- land bis hinauf nach Dänemark wird noch, heute eine andere, originelle Osterfitte geübt. Man fühlt sich gleichsam veranlaßt, die Auferstehung der Natur bildlich in derber, volkstümlicher Weise zum Ausdruck zu bringen. Eine überlebens, große. Puppe, gekleidet wie eine Vogelscheuche, stellt den Winter dar/ und unter den freudigen Rufen, einer großen Menschenmenge wird diese Puppe in ein nahes Wasser geworfen, in Thüringen und Hessen geftcihigt mib in Dänemark verbrannt. Daneben besteht ausschließlich in Thürin- gen und Hessen noch ein anderer Osterbrauch. Man ergreift ein ausgestopftes Eichhörnchen, oder einen Pferdekopf und verbrennt ihn unter. Absingung lustiger Lieder. Warum uian gerade auf das Eichhörnchen und den Pferdekopf verfallen ist, das bleibt Geheimnis, wie ja so manches in Volks- fitten unb im Volksleben.
Ebenso, wie Ostern seinen Name,: den heidnischen Germanen verdankt, so auch den Osterhasen, der der Göttin Froyja heilig war. Und wenn wir dèn Osterhasen Oster-
erer legen tasten, so soll damit bte Fruchtvarrerl der zu neuem Leben erwachenden Natur zum Ausdruck gebracht werden. Erwähnt man die Ostereier, so ist man damit eigentlich schon in das Gebiet der nicht zu verachtenden kulinarischen Ostersitten geraten, und daher sei gleich an dieser Stelle auf den in Nord- und Mitteldeutschland sehr w:it verbreiteten Gebrauch hingewieser^ am ersten Osterfeiertage ein Osterlamm zu verspeisen, desten Verwandtschaft, wem: man so sagen darf, mit dem jüdischen Passahlamm so nahe- liegt, daß es sich gewiß erübrigt, näher darauf emZugeheu. Für die Bewohner katholischer Länder und Gegenden hat das Osrersest als Ende der langen Fastenzeit seine besondere kulinarische Bedeutung. Am Tage vor Ostern ge^t der Geistliche von Haus zu Haus und segnet die Speisen ein, die die rührige Hausfrau für das Fest zubereitet hat.
Ferner wird bei der volkstümlichen Osterfeier auch dM Wasser eine große Bedeutung verliehen. Das Osterwassen macht im Volksaberglauben schön, verleiht Gesundheit und langes Le^en. Freilich ist noch ein Aber bei der Geschichte. Dieses Osterwasser muß beim Aufgange der Ostersonne mM einer gegen Morgen slietzenden Quelle stillschweigend geschöpft herben. So leicht versäumt es keine Dorfschöne in Ostpreußen namentlich und in Posen, auf diese Art imd Weise sich Osterwasser zu besorgen. Hier sei einer mit dem Osterwasser zusammenhängenden Sitte Erwähnung getan.' Wer in den Osterfeiertagen arglos durch die Sttaßen dey polnischen Städte wandert, wird aus den Fenstern der Wohnungen zu seinem oft nicht geringen Schrecken ganz gehörig begossen. Doch ist man in den meisten Fällen so galant, niwr mit Wasser, sondern mit Parfüm zu begießen. — Ebenso, wie das Wasser, so soll auch die Rute das Symbol iss Lebens repräsentieren, und aus dieser Anschauung heraus erstatt sich das Schlagen mit der Lebensrute am Osterfeste, ein Gebrauch, an dem in vielen, vielen Familien sinkt und eifrig festgehalten wird. Ten Namen Schmack- ober auch Schmeckostern hat dieser Brauch daher erhalten, weil es früher üoüL war, der Dienerschaft, die sich mit der Rute der Herrschaft oder den Kindern der Herrschaft näherte, Geschenke, Estchènö in Geld oder in Leckereien zu geben.
~ Das Osterfest und die Natur in ihrem neuen, frisiert. Schmuck lockt die Menschrn hinaus ins Freie und Grune, unb in Westfalen werden draußen große Osterballspiels veranstaltet. Aber auch in diesem Spiel liegt ein symbolischen Kern. Der. Ball, der, von den Spielenden geworfen, hm und her fliegt, ist ein Symbol der aufsteigenden Sonne dke^ einer alten, tiefsinnigen Mythe zufolge, beim Aufgange am Osiermorgen vor Freuden dreimal hoch hüpft. In den sta- viswen Ländern ist das Ostersptel im Freien noch bei tbeü^n mehr ausgebildet. Man führt Reigentänze ‘ auf, und bis fugend beiderlei Geschlechts ergötzt sich am sogenanntere Hasenschlagspisl. In Rußland endlich spielt sich die gan-s Osterferer draußen in der Natur ab im Zeichen einsN lärmenden Volks- und Jahrmarkttteibens.
Unser Osterstrautz.
Wem: die Osterglocken die Botschaft von der AufersLehwrg des Heilandes hinaustragen über Stadt und Land, barm hätt auch die Natur ihre Auferstehungsseier. Gesprengt ist der Riegel von Eis. und Frost, der die Grâst der Erde dp geschlossen hielt. Der warme Hauch der Sonne flößt dâ' eristarrten Leibe neues Leben ein, daß er sich regt und dehnt. In den Lüften erschallt das Rubellteb der Vöglein, welche aus südliü)LN Breiten in die alte Heirnat zurückgekeyrt snw^ und aus den tauenden Aâr/schollen sprießen grüne Halnw und bunte Blumen und schließen sich zu einem Kranze,^rvel- cher das Haupt der lieben Mutter Erde umschlingt. Oster-, blumen nennt das Volk die zwar an Zahl schon ziemlich reichen, an Art indes noch sehr beschränkten BlumengÄiste, die es am frohen Auferstohungsfest im Wald und auf && Heide sammelt. Da sind die tüedlichen HamansmoN^ (Anemone nemorosa), alle weiß mit goldenen, Krönchen, als trügen sie ein Auferstehungskleid. Ihre weißen sèW- bis achtzackigen Vlütensterne sind zu teufenden tm knosvsn^ den Birkenhain, im schwellenden Buchen-vald Wer oa^ braune, dürre Laub des Bodens Zerstreut. Sind sie ihm Himmelszelt auf die Erde gefallen, uns frohe Osterdstschast. zu bringen? Und seht, was leuchtet neben ihnen, wie fuchtelndes Gold, aus dem sonnigen Wald? Es ist ihre Schwester, die hahnenfußartige Anemone. (Anqmone: ranunculoides). Ihre goldgelben Blüten brechen meist zu zweien bis dreien aus einem Blattwinkel.
Als „Osterschelle" wird von österlichere BlumensuchÄn eine dritte Anemonenart begrüßt, die Anemone Puhatilla Der Name „Schelle" kommt von der Glockenform der Blume'" Blütenglocken von den Länge eines halben Fingers schauen in prächtig violetter Färbung hervor; aus ihrem Lmcksl- purpurnen Grunde heben sich goldleuchtende Büschel, male« risch ab. Die dreifach gefiederten Laubblätter sind noch in der Knospenlage und schauen erst, dicht von weißglänzSnösn, Seidenhaaren bedeckt wie zusammengezogene kleine Hände zwilchen den abgestorbenen Blattstielen des vorigen Soin» mers hervor. Wenn von allen Türmen die OstQ-gsockerk erklmgen, fern und nahe, weit und weiter, bis mrm £?«r<