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BezugSpreiSr

vierleliShrlich 1,80 Mk., monatlich 60 ^q., Mr au«, wattige Slbonnentert mit dem betreuenden Gostaus jc^lag» Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.

EinrückungSgebühr t

Rotationsdruck und Cerlag der Buchdruckerei des vereis.

General-Anzeiger

Allitlichts Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.

Die fünf gespaltene PeritzeUe oder deren Raum 10^y im RektaarenleU die Zelle 35 Psg.

e». Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Lerantmortl. Redakteur: G. Schrecker tu Hamm

Nr. 298

Ferirsprechanschlusi Nr. 605

Mittwoch den 20. Dezember

Fernsprechanschlus; Nr. 605

1905

^NitUches.

Stadtkreis F)anau.

Stlidtischcs Lesezimmer Urtnerslr. 6?

(Alte Zeichenakademie Erdgeschoß rechts) geöffnet

an Wochentagen von 7 10 Uhr abends,

an Sonntagen von 9 Uhr morgens bis 9 Uhr abends.

Benutzung unentgeltlich.

Es liegen folgende Zeitschriften aus:

Gewerblich technischer Ratgeber, Globus, Kunstwa^, Zeit­schrift für Arbeiterversicherung, Aus der Natur, Kritische Blätter, Zeitschrift für Gewerbe-Hygiene, Umschau, Leipziger Illustrierte Zeitung, Die Woche, Reklams Universum, Das Buch für Alle, Fliegende Blätter, Ueber Land und Meer, Die Flotte, Der Türmer, Dinglers polytechn. Journal, Die Gegenwart, Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Westermann's Monatshefte, Velhagen u. Klasings Monats­hefte, Vom Fels zum Meer.

Hanau den 18. Dezember 1905.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 24723

Aufruf.

Wie uns bekannt geworden ist, wird in letzter Zeit die Privatwohltätigkeit mit besonderem Erfolge von solchen Per­sonen in Anspruch genommen, die ihrer weder bedürftig noch würdig erscheinen.

Durch derartige Unterstützungen wird die Arbeit der Wohltätigkeitsanstalten und der städtischen Armenverwaltung, die nur wirklich bedürftige Arm^ unterstützt wissen wollen, durchkreuzt und der Hausbettelei Vorschub geleistet.

Die große ^afil derjenigen Personen, welche hier in Hanau den Unterstützungswohnsitz dadurch erworben oder alljährlich erwerben, weil sie sich während 2 Jahre hierselbst aufge­halten und in dieser Zeit die Mittel der öffentlichen Armen­pflege nicht in Anspruch genommen haben, vergrößert die städtischen Armenlasten von Jahr zu Jahr. Es ist in vielen Fällen gerade die Privatunterstützung, die cs Personen, welche andernfalls aus städtischen Mitteln unterstützt werden würden, ermöglicht, den Unlerstützungswohnsitz hier zu erwerben. Hier­durch aber werden der Stadt Lasten aufgcbürdct, die anderen unterstützungspflichtigen Gemeinden abgenommen werden.

Wir bitten daher die Einwohner Hanau's höflichst, Unter­stützungen an Arme nicht eher zu gewätren, bis man sich über die Pe, sörllicksteit der Bittsteller an zuständiger Stelle erkundigt hat. Jede Auskunft in dieser Richtung wird von der Armenverwaltung im Rathause, Langstraße Nr. 43, Zimmer Nr. 2, zwischen 9 und 12'/2 Uhr vormittags, auch auf telephonische Anfrage gerne erteilt.

Hanau den 15. Dezember 1905. 24554

Der Magistrat. Armenamt.

Zn dem Konkursverfahren über das Vermögen des Architekten Heinrich Usener in Hanau in Firma I. C. Jäger & J. M. Rumps wird der Termin am 7. Fe­bruar 1006, vormittags 11 Uhr, zur Prüfung der ange- meldeten Forderungen nicht Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5, sondern im Schwurgerichtsfaal des Königlichen Land­gerichts hier (Bangert) abgehalten werden.

Hanau den 13. Dezember 1905.

Königliches Amtsgericht 5. 24699

politische RundTtbati.

Der Kaiser empfing gestern vormittag General von Trotha zur Meldung.

Der Bundesrat hat bekanntlich in einer seiner letzten Sitzungen Aenderungen an den Vorschriften über die Prü­fung der Tierärzte vorgenommen. Danach soll die Prüfung auch auf die Fleischbeschau ausgedehnt werden. Der Kan­didat soll auch an einem geschlachteten Tiere die Fleischbeschau ausführen und sich über das Ergebnis äußern. Der Befund und die Beurteilung sind schri tlich mitzuteilen. Außerdem ist gleichzeitig durch eine mündliche Prüfung zu ermitteln, ob der Kandidat die für die OfuSü^nuß der Schlachtvieh- und Fleischbeschau erforderlichen theoretischen Kenntnisse, insbe­sondere auch hinsichtlich der wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen besitzt. Die neuen .Bestimmungen finden auf alle Fach­prüfungen in der Tierheilkunde Anwendung, die nach dem Januar 1906 begonnen werden.

Geuers v. Trotha erklärte gestern einem Mitarbeiter derTägl. Rundschau", daß er seit dem Tage. wo er dem

Befehl des Kaisers folgend, in die Oeffentlichkeit getreten sei, keine ruhige Stunde mehr gehabt habe. Uebler als der Gegner im Felde habe ihm ungerechtes Urteil im Heimat­land mitgespielt. Er werde übrigens, nachdem er dem Kaiser Bericht erstattet habe, sich vor der Oeffentlichkeit zu recht­fertigen wissen.

Die Dresdener Polizeidirektion macht durch Straßenanschlag bekannt, daß auf Grund von § 12 des Ge­setzes vom 22. November 1850 betreffend das Vereins- und Versammlungsrecht und von § 366 Abs. 10 des Reichs­strafgesetzbuches alle öffentlichen Auf- und Umulge und alle Ansammlungen und Versammlungen von Menschen auf öffcnilichen' Straßen und Plätzen oder sonst im Freien für das Gebiet der S adt Dresden verboten werden.

Der At fft wD in Deutsch-Oftafrika. Wie der Lok.-Anz." au5 Dar-es-Salaam meldet, wurden am 14. und 15. Dezember zwei Stunden von Samanga bereits unterworfene Eingeborene von Kitopaleuten unter den Auf­rührern Munda und Kijomojoma über'allen. Oberleutnant Wagner, der mit 20 Askaris und 10 Irregulären gegen die Aufständischen ausgesandt war, erreichte diese nach sechs­stündigem Nachtmarsche am Kitopaberg. Er stürmte nach drei Salven die feindliche Boma und vertrieb den mit Vorderladern feuernden Feind. Die Verfolgung und Fest­stellung der Lerl.tztrn war wegen des dichten Busches nicht möglich. Diesseits waren keine Verluste. Das Marine- Infanterie-Detachement unter Leutnant Engelbrecht mit einem Offizier, drei Unteroffizieren und 20 Mann ist am 10. De­zember wohlbehalten in Mpauyua eingetroffen.

Der Aufstand in Dentsch-Tudwesta^riLa. Aus Kapstadt wird gemeldet, nach Berichten aus Swakopmund habe der Gouverneur v. Lindequist die Hereroführer Ombuuro und Otgiheincna aufgefordert, die Waffen zu strecken. Falls sie die Feindseligkeit bis zum 20. Dezember eingestellt haben würden, sollte ihnen, ihren Frauen und Kindern Lebensmittel geliefert werden.

Der Bischof von Hildesheim *h Wie die Hildesh. Ztg." meldet, ist am Montag abend in Hildes­heim Bischof Dr. Wilhelm Sommerwerck, gen. Jacobi, ge­storben.

Diäten für d e Geschworenen und Schöffen. Die bayerische Kammer der Reichsräte nahm unter Ablehnung weitergehender Forderungen den Antrag an, die Regierung möge im Bundesrat auf Gewährung von Diäten für die Ge­schworenen und die Schöffen hinmirken.

VolksMhl in Württemberg. Nach demStaats­anzeiger für Württemberg" beträgt die Einwohnerzahl des Königreichs Württemberg nach der letzten Zählung 2 300 330; das bedeutet im Vergleich zur vorigen Zählung eine Zu­nahme um 130850 Personen oder 6° o.

Das allgemeine Wahlrecht in Ungarn. Die Regierung gibt amtlich den von ihr fertiggestellten Gesetzent­wurf betreffend das allgemeine Wahlrecht bekannt. Danach erhält jeher männliche Staatsbürger, der das 24. Lebensjahr vollendet hat und des Lesens und Schreibens kundig ist, das aktive Wahlrecht. Jeder Wahlbezirk wählt einen Aboeord- neten. Die Wahlbezirke werden in kleinere Abstimmungs- krcise eingeteilt, wobei jede Gemeinde nach einer besonderen Wahlliste abftimmt. Die Wahl ist unmittelbar und geheim und erfolgt mittelst St minzettels. Bei gleicher Siimmenzabl entscheidet das Los. Die gegenwärtige Zahl der Abgeord­neten bleibt unverändert bestehen, ebenso die fünfjährige Mandaisdauer. Die bisherigen Wahlberechiigten behalten das Wahl'echt noch für die Dauer der beiden nächsten Wahl­perioden, auch wenn sie nicht lesen unb febre ben können. Wählbar ist jeder ungarische Staatsbürger, der von derAus- übung des Wahlrechts nicht ausgeschlossen ist und mindestens schon zehn Jahre lang das Staatsbürgerrecht besitzt. Nichi wählbar dagegen ist jeder wegen Gewinnsucht begangenen Vergehens oder wegen Aufreizung zum Nalionalitätcnhaß Verurteilte.

Der Schweizer Nationalrat ratifizierte außer der Uebereinkunft mit dem deutschen Reich betreffend die Er­richtung deutscher Zollabfertigungsstellen auf ben links­rheinischen Bahnhöfen von Basel, noch die internationale Uebereinkunft betreffend die Hospitalschiffe und schließlich den Schiedsgerichtsvertrag mit Portugal.

3« der deutsch englischen Sympathiekund­gebung, die am Sonntag'auf Veranlassung der Weitesten der Kaufmannschaft in den Berliner Bör'ensälen stattgesundeu hat, ist folgende Depesche des deutschen Botschaft rs in London, Grafen Wolff-Metternich, dem der Verlauf der Versammlung unb die Resolution telegraphisch mitgeteilt worden war, bei den geltesten eingeaanoen: Vielen Dank für freundliche Mitteilung über die gestern staltgebabte Versammlung; ich

wünsche den Bestrebungen zu Gunsten eines freundschaftlichen Einvernehmens zwischen Deutschland und England besten Erfolg.

Der brasilianisch - deutsche Zwischenfall. Die Nordd. Allg. Ztg." meldet: Die Kaiserliche Regierung ließ durch ihren Gesandten in Petropolis auf die Beschwerde der brasilianischen Regierung wegen der Vorgänge in Itajahy folgende Antwort geben: 1. Steinhoff ist nicht an Bord des Panther" nnb auch niemals dort gewesen; 2. der Komman­dant desPanther" hatte die an Land beurlaubten Offiziere und Mannschaften beauftragt, unauffällig den Verbleib eines der Desertion verdächtigen Matrosen festzustellen. Da nach den stattgehabten Ermittelungen die Beteiligten sich eine Überschreitung ihres Auftrages haben zu Schulden kommen lassen, hat die Kaiserliche Regierung der brasilianischen ihr Bedauern über das Vorkommnis ausgesprochen.

Die Thronrede Des Fürsten von Montenegro. Die Skupschtina ist heute von dem Fürsten mit einer Thron­rede eröffnet worden. Die Thronrede betont zunächst das zwischen'st und Volk seit Generationen bestehende gegen­seitige Vertrauen, dessen Ergebnis die Gründung eines fast seit 100 Jahren von der ganzen Welt als unabhängig an­erkannten Staates gewesen sei. Obwohl die Entwicklung und das Gedeihen des Landes durch die Autokratie nicht be­hindert worden sei, habe der Fürst doch beschlossen, an deren Stelle ein anderes Regime zu setzen, das Montenegro auf dem Wege des Fortschrittes weiterbringen werde. Die Ver­fassung, die der Fürst seinem Volke gegeben habe, sei ein Erbe seiner liberalen Vorfahren, die das Freiheitsgefühl in den Herzen ihrer Untertanen auf das eifrigste gefördert hätten. Die Thronrede kündigt sodann an, daß der Skup­schtina ein Verfassungsgesetz, sowie ein Gesetz über die Or­ganisation Montenegros in militärischer, finanzieller und religiöser Beziehung zugehen werde, verweist auf das zwischen Christen und Mohammedanern herrschende gute Einvernehmen und kommt dann auf die auswärtige Politik zu sprechen. In erster Linie nennt der Fürst Rußland, dem Montenegro nächst Gott den meisten Dank schulde, und gedenkt dann Kaiser Franz Josephs und der nie getrübten Beziehungen zu ihm. Auch die Beziehungen zur Türkei seien freundschaft­lich und er zweifle nicht an dem guten Willen des Sultans, den Frieden und die Ruhe herzustellen. Ein festes Freund­schaftsband bestehe auch mit Italien, besonders seitdem zwischen beiden Dynastien verwandtschaftliche Bande entstanden seien. Der Fürst weist sodann auf den ihm in Berlin bereiteten festlichen Empfang und die durch Kaiser Wilhelm veranlaßte Errichtung einer diplomatischen Vertretung Deutschlands in Ceuinje hin und spricht die Hoffnung aus, daß auch der König von England gleich der Königin Viktoria Montenegro Wohlwollen entgegenbringe. Endlich gedenkt die Thronrede des guten Verhältnisses zu Serbien und Bulgarien und forde't die Montenegriner auf, die Verfassung hochzuhallen und zu schützen. Nach dem Verlesen der Thronrede legte der Fürst den Eid auf die Verfassung ab.

Zur Marokkofra^s. Zu der geplanten Verlegung des Konferenzones von Algeciras bemerkt dieNationalztg." offiziös: Was Deutschland betrifft, so bat es sich in warmem Einvernehmen hinsichtlich der südspanischen Stadt Algeciras als Konferenzort geeinigt, weshalb es von diesem Gesichrs- punkte aus als durchaus verkehrt erscheinen müßte, daß es von dem getroffenen Einvernehmen abweichen könnte. Viel­mehr darf angenommen werden, daß die von der spanischen R"gierung anaeregte Raomfrage in Algeciras doch noch eine befriedigende Lösung finden wird.

Die Unruhen in Schanghai. Schanghai, 19. Dez. Gestern morgen wurden einige Europäer verletzt. Der deutsche und der englische Konsul wurden von Chinesen beschimpft. Daraufhin wurden Truppen gelandet. Die Engländer halten sich bereit. Eine Anzahl Chinesen wurde getötet. Die meisten Europäer sind bewaffnet. Die öffentlichen Gebäude und Telegraphenämter w?roen durch Soldaten bewacht. Die letzte Nacht war ganz ruhig. Heute morgen kamen wieder einige Ruhestörungen vor. Wir erwarten mehrere europäische Kriegsschiffe. Ich habe den Eindruck, daß die Unruhen in wenigen Tagen beendet sein werben.

Schausthai, 19. Dez. Die Straßen waren heute vor­mittag mit Müßiggängern gefüllt. Die Läden sind geöffnet, da man sich aber vor Plünderungen fürchtet, werden überall b^moffnete Wachmannschaften in Bereitschaft gehalten. Der enaiu-De Kreuzer Diadem landet heule 500 Mann, der amenkanische Kreuzer Baltimore landet ebenfalls Truppen, andere Kriegsschiffe werden erwartet.

Berlin, 19. Dezbr. Wie aus Schanghai gemeldet wird, hat der dortige Taotai dem stellvertretenden deutschen Generalkonsul Scholz sein Bedauern darüber