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Erstes Blatt

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BezugSprers:

Wertelj^rlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- »ârtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

tz»mSt und verlegt in der Buchdruckerei du verein, ev. WaismhauseS in Han am

Amtliches Orggn für Stadt- und Landkreis Hanau.

Erschentt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrSckungSgebühr t $ Die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Ramu 15 W., im ReNammteU b« Zeile 35 Pfg.

VerarckvorÜ. Rebasteur : S. Schrecker ia Hava«.

Nr. 118 F-r»sPrech<m,chlufi Nr. 605.

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8 Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Beutel mit Brötchen, 1 Rechenschule (8. Heft), 1 Rädchen mit Schraube von einem Kinder- Sportwagen. Im Laden Langstraße 60 1 Portemonnaie mit 4.99 Mark liegen geblieben; Empfangnahme daselbst.

Verloren: I Stammbuch mit roter Decke auf Heinrich Poetz und Familie lautend, 1 Manschettenknopf von Holz mit emaillierten Goldband.

Zugelaufen: 1 schwarzer Rehpinscher m. Geschl., 1 weißer Spitz m. Geschl.

Hanau den 20. Mai 1905.

Samstag Seit 20. Mai

Ferusprechanschlutz Nr. 605

1905

Ueber die Staats-, Bezirks- und Kreissteuer- berhältnisse im Landkreis Hanau enthält der Vcrwaltnngs- bericht des Kreisausschusses nachstehende Zahlen:

Das für 1904 festgestellte Steuersoll ergab:

1) Staatssteuern:

a. Einkommensteuer mjt 6606 Censiten = 215 089,00

b. Ergänzungssteuer 2494

c. Grundsteuer

d. Gebäudesteuer

6. Gewerbesteuer mit 622 in Klasse I.

Gewerbetreibende:

41 484,40

105 467,37

58 721,30

Mk.

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Hus F)anau Stadt und fand.

Hanau, 20. Mai.

* Jubiläumskonzert. Heute abend/aß Uhr findet das Festkonzert des Kirchenchors der Johannes- kirche statt. Eintrittskarten sind noch in Königs Hof­buchhandlung (R. Altmannsperger) zu haben. Auch werden Karten am Eingang der Kirche (Hauptportal) zu den bekannten Preisen (Mk. 1.50, Mk. 1 und 50 Pfg.) abgegeben. Nach der Hauptprobe zu urteilen, verspricht das Konzert einen Kunstgenuß in des Wortes schönster Bedeutung. Mächtige Chöre und herrliche solistische Darbietungen wech­seln mit einander ab. Letztere liegen in bewährten Händen. Herr Georg Walter-Düsseldorf (Tenor), der bekanntlich zur Mitwirkung gewonnen worden ist, verfügt über eine Stimme mit seltenem Wohlklang und einer Weichheit, wie sie nicht oft gefunben wird. Dazu kommt der ausgezeichnete waUne und seelenvolle Vortrag und das reiche musikalische Verständnis. Wir können den Besuch des Konzertes aufs wärmste empfehlen!

* Wallonische Kirche. Die gemeinschaftlichen Gottes­dienste der Wallonischen und Niederländischen Gemeinde finben von morgen an wieder in der großen Kirche statt. Morgen ist auch die Wahl von zwei Aeltesten und zwei Diakonen der Wallonischen Gemeinde.

* Preisausschreiben. Die Königlich Niederländische Regierung hat ein Preisausschreiben in Höhe von 6000 Gulden erlassen für ein Mittel zum Auflitten oder Fest­klemmen der zu schleifenden Diamantm, Rosen und Chatons (anstatt der seither üblichen Methode mit einer Bleilegierung), welches keinen schädlichen Einfluß auf die Gesundheit der Arbeiter ausüben kann. Nähere Angaben über Gegenstand und Bedingungen des Preisausschreibens sind im Sekretariat der hiesigen Handelskammer (Stadtschloß) während der Dienststunden zu erfragen.

I! ff ff

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II.

III.

IV.

1004

1176

3728

9148

Mk.

ff ff ff

15 056,00

Mk.

Sa. 435 818.07 Mk. gegen 424 038.18 Mk. im Vorjahr. Von dem Gesamtstaats­steuersoll entfallen auf den Kopf der Kreisbevölkerung 824 Tif. Von 245 eingelegten Berufungen wurden 171 für begründet anerkannt, 65 abgewiesen und 9 zurückgezogen.

2) Bezirks- und Kreissteueru:

Das Steuersoll, einichl. der Forensen aus Einkommen und Gewerbebetrieb, sowie der fingierten Einkommen bis 420 Mk. abwärts und der Betriebssteuer betrug 644 452.21 Mk. (gegen 611400.67 Mk. i. V.) oder 1218.47 Mk. pro Kopf.

Die Bezirkssteuer, 6,7°/o mit 42986.31 Mk., ist mit der Kreissteuer, welche mit 21°/o = 135 335.03 Mk.

135 335.03 Mk.

(125 758.43 Mk.) belastet wurde, erhoben worden.

An Betriebssteuern gingen ein . 5015 Mk. (4620) die Hundesteuern brachten ... 12522 (12375)

* Unsere Oper im Stadttheater wirb uns in der kommenden Woche die noch ausstehende Freischütz-Aufführung bringen, nachdem dieselbe durch allerlei unvorhergesehene Hindernisse verschiedene Male aufgeschoben werden mußte. Leider konnte die seitherige vorzügliche Vertreterin der Aennchen- Partte eines eingetretenen Trauerfalles halber ihre Rolle nicht mehr übernehmen. Das Komitee hat nun in Frl. I. Siebert- Frankfurt a. M. einen Ersatz gefunben. Nach von uns ein­gezogenen Erkundigungen und auf Grund vorhandener Opern­kritiken aus anderen Städten, in denen Frl. Siebert als ge­feierter Gast u. a. dasAennchen" gesungett hat, sind wir in der angenehmen Lage, unseren verehrl. Lesern die freudige Mitteilung zu machen, daß unser rühriges Opernkomitee mit dem Engagement von Frl. Siebert einen sehr glücklichen Griff getan hat. Denn die genannte Dame wirb überein­stimmend als eine e r st e Kraft geschildert, gesanglich wie schauspielerisch. Wir wollen deshalb hiermit unseren Lesern- kreis zeitig darauf aufmerksam machen, nächsten Montag wie

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Feuilleton

Ein Märchen.

Es war einmal ein hübscher blonder Knabe mit lachen­den, blauen Augen und einem fröhlichen Herzen. Er wohnte in einem prächtigen Schloß aus leuchtend weißem Marmor, das mitten in einem großen Garten stand. Im Schloß, wie im Garten war alles auf das schönste. In den großen, hellen Zimmern hingen wunderbare Bilder und die Wände waren mit Samt und Seide bekleidet. Die sonnigsten Räume gehörten dem kleinen Knaben, und seine Spiel­sachen füllten einen ganzen Saal. Sie waren den wirk­lichen Dingen so genau nachgebildet, daß es ihn manchmal langweilte damit zu spielen. Dann sprang er in den Garten, in dem seltene Blumen blühten, bunte Vöglein sangen und immer reife Früchte zu finben waren. Um den Garten aber war ein dichter dunkler Tannenwald und umgab alles gleich einer Mauer. Da hinein zu gehen war dem Knaben streng verboten. Obgleich er es nun so gut hatte, wie man sich's nur wünschen kann, so kam doch manchmal große Sehnsucht über ihn durch Len Wald und immer weiter zu wandern. Dann mußte doch die große, weite Welt vor ihm liegen, von der ihm die Eltern oft erzählten. Diese aber hüteten ihn mit großer Sorgfalt und bewachten ihr Kind auf Schritt und Trttt. Doch die Sehnsucht wuchs mit dem Knaben und ließ ihn das Schöne, was er besaß, nicht recht genießen. Am liebsten hatte er, wenn ihm erzählt wurde, wie es draußen in der Welt sei. Da hörte er denn von großen, guten Menschen, die da wohnten, von prächtigen Städten und wie dort alles weise und trefflich eingerichtet sei.

Als nun seine Eltern tot waren und niemand mehr da war, der ihn hüten konnte, da madjic er sich auf und wan­derte. Viele Tage bauerte cs bis der Wald 31t Ende war, dann kam er auf eine, große Wiese t und hinter derselben sah er in der Ferne eine

große, große Stadt. Da jauchzte der Jüngling vor Freude und dachte:O wie herrlich muß es darin sein." Er be­flügelte seine Schritte und stand bald vor dem ersten Häusern der Stadt und er ging durch alle Straßen und schaute mit großen, offenen Augen auf all das Leben und Treiben um ihn. Er sah bleiche Kinder, die schon unter der Last der Arbeit seufzten, und arme elende Menschen; er hörte von Krankheit und bitterer Not, von Sünde und Schande. Da wurde sein helles Auge trübe und große Traurigkeit zog in sein Herz ein.O warum bin ich nicht auf meinem ein­samen Schloß geblieben," sprach er zu sich,ich will schnell wieder heimwärts gehen, dann kann ich wieder fröhlich werden." Aber je näher er seinem Schloß kam, um so trauriger wurde sein Herz und er konnte der vielen armen Menschen draußen nicht vergessen. Er saß Tag für Tag in seinen prächtigen Gemächern und nichts erfreute ihn.

Als er nun wieder einmal in große Traurigkeit versunken war, da stand plötzlich eine schöne Frau vor ihm, aus deren Antlitz strahlte so unendlich viel Güte und Milde, daß sie der Engling ganz betroffen anschaute.Ich bin die Barm­herzigkeit," hub sie mit sanfter Stimme an zu reden,und möchte Dir wieder zu einem fröhlichen Herzen verhelfen, wenn Du mir als mein Diener folgen willst."Ach," rief der Jüngling,wenn Du das könntest, will ich Dir gerne folgen."So komm," antwortete die gütige Frau. Und er ging abermals mit ihr durch den dunklen Wald, der sein schönes Schloß von der Außenwelt trennte, und siehe, ber Wald war hell und klar geworden. Sie kamen wieder zu der großen Stadt und die Barmherzigkeit ging mit ihm durch alle Straßen und zu den Aermsten und Elendesten. Sie lenkte all seine Gedanken darauf, wie er helfen könne. Und siehe, sein Herz ward fröhlich, und wie er die Allerärmsten auf sein Schloß geführt und alles mit ihnen geteilt hatte, fühlte er sich am frohesten und reichsten. Die Barmherzigkeit aber blieb bei ihm und erhielt ihm das fröhliche Herz bis an sein Lebendsende.

Dienstag den Annoncenteil unseres Blattes zu beachten, damit jeder Interessent aus dem bez. Inserat sich rasch genug über den Billetverkauf orientieren kann.

* Parolemufik. Die Kapelle des Jnf.-Regts. Hessen- Homburg Nr. 166 spielt morgen mittag zur Parolemusik folgende Stücke: 1) Hymne und Triumphmarsch a. d. Op. Aida" von G. Verdi; 2) Ouvertüre z. Op.Der Geiger aus Tirol" von R. Genèe; 3)Valse bleue" von E. Margis; 4)Der Reiter und sein Lieb", Preischor von Schultz; 5) Steuermannslied und Matrosenchor a. d. Op. Der fliegende Holländer" von R. Wagner.

* Preisausschreiben derDeutschen Gold­schmiede-Zeitung". Bei dem Preisausschreiben derD. G.-Z.", zur Erlangung von Schmuck-Entwürfen, welche sich zur Ausführung im Kleinbetrieb eignen, erhielten folgende Einsender von Bewerbungsarbeiten eine öffentliche Belobigung: 1. (Schwalbe) Roman Luz, Graveur, Gmünd. 2. (Klein) Alb. Ulrich, Stahlgraveur, Pforzheim. 3. (Hoffnung) Arth. Wiedmann, Pforzheim. 4. (Praktisch) Ad. Müller, Kabinett­meister, Gmünd. 5. (Leichte Arbeit) Albert Reiß, Leipzig. 6. (Monogramm) Gg. Werner, Graveur, Gmünd. 7. (Gälerieb) Wilh. Jung, Hanau. 8. (Gold I) H. Fey, Pforzheim. 9. (Kunst und Handwerk) O. Meese jr., Mün­chen. 10. (Emblem) Karl Erbacher, München. 11. (Else) Paul Müller, Chemnitz. 12. (Main) Gg. Oppenländer, Kitzingen a. M. 13. (Dreieck) Karl Büttenklepper, Pforz­heim. 14. (Schwaben) K. Schwämmle, Gmünd. 15. (Sonnengold, Maiengrün) H. Schaller, Gmünd. 16. (Bau) Emil Hiller, Zittau. 17. (Van Dyck) Conr. Gutenbach, Hanau. 18. (Peridot) Willy Schuler, Hanau. 19. (Ostern) Jos. Preißler, Pforzheim. 20. (Rast ich, so rost ich) Karl Gollhofer, Berlin. 21. (Luise) Alw. Dietz, Pforz­heim. 22. (Adler Johanna) K. Gerfin, Hanau. 23, (Eilt sehr) Gg. Seiler, Oldenburg,

* Jubiläum. Gestern beging bei der Firma Stern- Heuer & Co. Herr Adolf Gräben er sein 25jähriges Ge­schäftsjubiläum. Anläßlich dieses Tages wurden dem Jubilar von feiten des gesamten Geschäftspersonals und der Prin- zipaliiät sinnige Geschenke und Andenken überreicht. Am Nachmittag versammelte man sich zu einer schönen geselligen Feier in der Brauerei Heinr. Botzum zu Großauheim.

* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 47 Uhr findet zu Wilhelmsbad großes Militär-Konzert der Kapelle des Jnf.-Regts. Hessen-Homburg Nr. 166 statt.

* Sehenswürdigkeiten.Museum der Wetteraui* schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Ge­öffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis ^si Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn und Festtagen vormittags von 1112^2 Wjr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.

* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.

* Erhängt hat sich gestern in der Nähe des Jaffer werks I in Gemarkung Kesselstadt ein älterer Einwohner Kesselstadts.

* Konfisziert wurde gestern ein Quantum hier ein- geführtes Fleisch, das total verdorben war und einen widerlichen Geruch verbreitete. Das Fleisch stammte von einem Nieder­rodenbacher Metzger.

Helene Suabedissen.

Die heutige Kummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten

* Wettspiel. Der Erste Hanauer Fußballklub 1893 e. V. spielt am Sonntag den 21. Mai auf dem Sportplatz an der Schönen Aussicht" mit 2 Mannschaften und zwar spielt die erste Mannschaft gegen den Frankfurter FußballklubKickers" und die zweite Mannschaft gegen die erste Mannschaft des Frankfurter FußballklubsSachsenhausen". Die Spiele, die mit dem der 1. Männschaft um 3 Uhr beginnen, versprechen sehr interessant zu werden, da die Mannschaften über gute Spielerkräfte verfügen.

* Deutscher Fustballbund. Ein sportliches Ereignis allerersten Ranges steht uns unmittelbar bevor. Nachdem Hanau 93 seinen Protest gegen Karlsruhe zum großen Be­dauern der gesamten Sportwelt verloren hat, und Karlsruhe, entgegen dem Wunsche des Verbandsvorstandes, nicht zu be­wegen ist, nochmals gegen Hanau anzutreten, gelang es dem H. F.-K. 93, wenigstens das Bundesspiel Karlsruhe Duis­burg auf seinen Platz zu bekommen. Ein deutsches BundeS- fpiel wurde seither noch niemals in unserer Gegend zum Austrage gebracht. Wir glauben, daß dieses Spiel, bei bem es um die höchste Ehre geht, mindestens ebenso interessant sein wird, wie das letzte hiesige Karlsruher Wettspiel. Jeder der beiden Vereine wirb zweifellos seine allerbesten Kräfte daran setzen, hier Sieger zu bleiben. Der 28. Mai wird wohl die ganze Fußballwelt, auch unserer ferneren Umgebung, in Hanau vereinigt sehen. Wir können jedem Fußballfreund und jeden: Laien den Besuch des Sportplatzes cm bet Schönen Aussicht" an diesem Tage nicht dringend genug empfehlen.