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General-Anzeiger
Aultlichrs Organ für Stabb und Landkreis Kanan.
e». Walfenhaufer in Hanau.
Ericheim täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fünf gest alten« Peâtzeile oder deren Raum & %£ im RektameuteU die Zeile 35 Pfg.
Veranttvorki. Redakteur: ®. Schrecker in Hanau
Nr. 246
^ernspreckanschsnst Nr. 605
Donnerstag den 19. Oktober
^ernsprechanschluff Nr. 605
1905
Amtliches.
Eandkreis Ranau. Sftaitatafltn des ÄönijliAtii Laohrat^intS.
Festgestellt: Die Notlaufseuche in Wolferborn und Weiherhof, Kreis Gelnhausen.
Erloschen: Die Schweineseuche in Langenborn, Gemeinde Schöllkrippen (Bezirksamt Alzenau).
Bekanntmachung.
In Sachen' betreffend das Zwangsversteigerunasverfahren gegen die Heinrich Giesel'scben Eheleute in Mittelbuchen ist der auf den 20. Oktober 1905 anberaumte Dersteigerungs- termin aufgehoben.
Hanau den 17. Oktober 1905.
Königliches Amtsgericht 2. 20582
Wegen Bau der Lachebrücke, bezw. Grundlosigkeit des bestehenden Hilfsweges mußten einstweilen an Stelle der täglich zwischen Ort und Staatsbahnhof hier verkehrenden 6 Privat-Personenfuhrwerke mit Postsachenbeförderung 4 Boien- posten mit unbeschränkter Postsachenbeförderung eingerichtet werden.
Langenselbold (Kr. Hanau), 18. Oktober 1905. Kaiserliches Postamt.
Blum.
Gefundene und verlorene Gcaenstlinde rc.
Stehen geblieben: Auf dem Kgl. Standesamt Hierselbst 1 Regenschirm. Abzuholen auf dem Bureau der Armenverwaltung, Langstraße 43.
Hanau den 19. Oktober 1905.
Hus Ranau Stadt und Cand.
Hanau, 19. Oktober.
* Sprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Cronenberg, der von Marköbel auf Fronhausen (Dez. Cassel) ausgedehnt.
* Cisenbahnbeschwerden. Die den zweiten Frühzug auf der Strecke Friedberg-Hanau (in Friedberg ab 5.45, in Hanau-Ost an 6.41) benutzenden Passagiere beklagen sich über die nahezu sprichwörtlich gewordene tägliche Verspätung. Trotzdem der Zug im neuen Fahrplan 3 Minuten früher gelegt ist, sind Verspätungen von 10, 20 Minuten und mehr regelmäßig zu verzeichnen, wodurch die Arbeiter und Geschäftsleute, die in Hanau und Umgegend Beschäftigung haben,
Feuilleton.
Stadtthcatcr in Hanan.
8 Hanau, 19. Oktober.
Um auch den kleineren Werken unserer Gesamtliteratur eine Pflegestätte zu bieten, wurde der gestrige Theaterabend von unserer tätigen Direktion zu einem Einakter-Zyklus arrangiert, der uns zu Beginn, als Uraufführung,' mit einer kleinen Komödie, betitelt „Das erste Weib" von Alice Surton (deutsch von Anna Wilke) vertraut machte. Als ergänzende Anmerkung 'chickt die Verfasserin die auf eine alte griechische Sage sich stützende Grundidee ihrer Dichtung voraus, die sich damit breit, daß den Männern durch Vernachlässigung der Götteropfer in dem von Juno erschaffenen Weibe eine rächende Strafe erstand. Das äußerst anmutige, satirisch gehaltene Werkchen zeugt von einem gesunden, geistvollen Humor der Verfasserin, den sie in gelungener bühnenkundiger Weise neben einer orignellen Handlung auf ihre geschaffenen Figuren zu übertragen verstand. Kurzum, wir sind in der ^age, über eine höchst beifällige Aufnahme des von Herrn Oberregisseur Steger bestens einstudierten Einakters berichten zu können. Wir wollen die Inhaltsangabe in gedrängter Form hier folgen lassen: Cosmo, ein griechischer Priester, zieht sich durch seine Pflichtvergessenheit den Zorn der Götter zu, die ihm zur Strafe durch Juno das erste Mew, Chaosa, auf die Erde senden. Cosmo findet Gefallen an ihr, liebt sie, küßt sie, aber Chaosa — das Ungeheuer — kann keine Gegenliebe geben. Sie möchte auch die anderen Männer der Erde küssen und kennen lernen, wodurch die Eifersucht Cosmo's, das erste Laster bei ihm, zu keimen beginnt. Trotz aller fürsorglichen Bewachung versteht Chaosa durch einen kecken Kniff sich der Gegenwart ihres Anbeters zu entziehen, um sich mitten in die Schar der griechischen Jünglinge zu stürzen. Während nuv Cosmo • wutentbrannt
stark benachteiligt sind. Wir hoffen, daß im Interesse der Passagiere Abhilfe geschaffen wird.
* Wegemarkierung. Der herrliche Waldweg durch die Bornbachschlucht nach dem Buchberg ist nunmehr durch Schilder und weiße Streifen derart markiert, daß er unmöglich verfehlt werden kann. Möchte dies für recht viele ein neuer Anworn sein, die uns anscheinend setzt noch beschiedenen sonnigen Tage zu einem Spaziergang in den bunlschimmernden herbstlichen Wald zu benutzen.
* Stadttheater. Morgen Freitag gelangt der mit so großem Beifall aufgenommene Schwank „Zwei glückliche Tage" von Schönthan und Kadelburg zur Wiederholung und wird sicherlich auch diesmal wieder seine bedeutende Zugkraft bewähren. — Am kommenden Sonntag kommt die erfolgreichste Novität dieser Spielzeit, das allenthalben mit geradezu eminenten Erfolgen gegebene Schauspiel „Die Brüde r von St. Bernhard" von A. Ohorn erstmalig zur Darstellung.
* Kirchenkonzert zum Besten der Inneren Mission in Hanan. Das Soloquartett für Kirchengesang in Leipzig, das sein Kommen für den 8. November zugesagt hat und seine Kunst gern in den Dienst der Inneren Musion stellt, hat als Programm „das g e i st l i ch e Volkslied" gewählt. In vier Abschnitten werden Lieder aus vier verschiedenen Perioden von den Zeiten des Mittelalters bis zur Neuzeit dargeboten. Die Preise zum Besuche des Konzertes sind auch so angesetzt, daß jedermann an demselben teilnehmen kann, so daß wir ein Volkskonzert im besten Sinne zu erwarten haben. Die Eintrittskarten zu 2 Mk., zu 1 Mk., zu 50 Pfg. und zu 25 Pfg. sind in den Hofbuchhandlungen von Alberti und König, sowie bei Fr. Gras- meher (Gärtnerstraße) und Stadtmissionar Hesemann (Ev. Dereinshaus) zu haben. Auch Programme werden daselbst abgegeben.
* Zwangs-Innung der Schneider u. Mühen- macher in Stadt- und Landkreis Hanau. Das Ergebnis der gestrigen Vorstandswahl ist folgendes: Erschienen waren 102 Mitglieder. Bei der Wahl eines Obermeisters erhielten Heck mann I. 74, Kaspar Müller 23 Stimmen. Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: J. Bergmann mit 79, M. Decker mit 78, I. Gruppe mit 77, A. Gukes mit 77, Karl Heß mit f7 und H. Heckmann IL mit 77 Stimmen. Ferner erhielten: Ph. Feuerstein 23, G. Reinhart 23, H. Wilhelm 22, G. Gilbert 22, H. Lotz !. 22 und G. Vö lker 22 Stimmen. Ungültig waren 2 Stimmen.
* Einbrüche. In verflossener Nacht wurden dahier ann zwei verschiedenen Stellen mit großer Raffiniertheit Einbrüche verübt. In der Sauerwein'schen Eisenhandlung zogen .sie wieder aus dem Ring ihrer sich um sie streitenden Gönner und Anbeter gerissen hat, erscheint abermals Juno, die ihm dann endgültig das Weib als Lebensgefährtin in ewiger Treue zuerteilt. „Ob das wohl wahr ist?" — Dies sind die letzten Worte der schalkhaften Dichtung. Mit Lust und Liebe widmeten sich unsere beschäftigten Mitglieder ihren Aufgaben, um auch den unumstrittenen künstlerischen Erfolg herbeizuführen. In angemessener, gut durchdachter Spielweise, gewürzt mit einer hübschen Dosis Humor, verkörperte Herr St. N a ch b a u r den liebehaschenden, schwärmenden „Cosmo", dem Frl. Helliot als „Chaosa" durch ihr leicht gefälliges, tändelndes Wesen vorzüglich zu sekundieren verstand, während Frl. Braune (Juno) ihre Partie mit der nötigen nachdrücklichen Wirkung zu Gehör brachte. — Hierauf folgte das allerliebste einaktige Lustspiel Franz v. Schönthan's, „Der Klavierlehrer", das durch den flüssigen, witzigen Plauderton des Dialogs, trotz seines etwas harmlosen Inhalts, den ungeteilten Beifall des Publikums errang.
Als Hauptperson der Handlung figuriert Klavierlehrer Schmidt, der als liebenswürdiger, zuvorkommender Causeur alle weiblichen Hausangehörigen derart zu beschivatzen und zu überrumpeln versteht, daß er sich bei allen den ungetrübten Genuß eines — Kusses zu erschleichen versteht. Obschon er sich auch bei dem Stubenmädchen als triumphierender Sieger schätzen kann, soll ihm durch Hinzutreten der ganzen „geküßten" Familie doch ein für alle Mal dieses Handwerk gelegt werden, da jetzt niemand mehr eine besondere Bevorzugung des liebenden Klavierlehrers erblickt. Flott und gewandt im Auftreten gab Herr Hauser, der auch mit Verständnis die Regie sühne/ den verlfibtetz Kavalier Schmidt, dem sich die Damen Müller (Großmama), Braune (Mama), Bachmann (Tochter), Stahl (Stubenmädchen) best gelungen und erfolgreich anschlossen. „BeckersGeschichte" Liederspiel in 1 Akt, Musik von A. Conradi, sollte den Schluß des Abends bilden. Die Neueinstudlerung dieses
die Einbrecher die Jalousie in die Hohe, erbrachen die Tür' füllung und gelangten auf diese Weise in den Laden. Mit Stemmeisen erbrachen sie die Ladenkasse und eigneten sich den Inhalt an größeren Geldmünzen an. In der Alt- schüler'schen Schuhwarenhaudlung wurde die Glasscheibe der Ladentür eingedrückt und dann der Laden aufgeschlossen. Auch hier wurde die Ladcnkasse erbrochen und ihres Inhalts beraubt. In beiden Fällen fielen den Einbrechern allerdings nur etwa 10 Mark in die Hände.
* Der Einzug der Braut des Kronprinzen in Berlin am 3. Juni d. Js. wird in dieser Woche nur bis zum 26. Oktober in einer höchst aktuellen und interessanten Serie des hiesigen „Kaiser Panoramas", Römerstraße 17, pari, zu 'ehen sein. Bekanntlich hat der Inhaber des Berliner Kunstinstiiuts im Auftrage des Kaisers alle Phasen aus der Zeit der Hochzeit des Kronprinzen photographisch in trefflichen Momentbildern ausgenommen, um sie plastisch dem großen Publikum zugänglich zu machen. Auf diese Weise erhält jedermann einen genauen Ueberblick über das bedeutende Ereignis an unserem Kaiserhau'e, gerade so, als ob er selber dabei gewesen wäre. Zunächst lernen wir das Großherzogliche Schloß in Schwerin, in dem die Kronprinzessin geboren wurde, kennen. Dann wird Schloß Bellevue, in Berlin, in dem dieselbe vor dem Einzug abstieg, vorge- fübrt, und nun erblicken wir den Einzug selber. Die Aufstellung der Vereine, das dekorierte Brandenburger Tor, die Straße Unter den Linden, die Tribünen am Pariser Platz, die Ehrenjungfrauen, der Kronprinz mit der Ehrenkompanie, die Hofpagen, die zahlreichen Galawagen, der Brautwagen mit der Braut, die dekorierten Gebäude in der Feststraße, die Schloßbrncke mit den Ruderklubs, die bemimpelicn Spreekähne, die Tribüne am Dom, die Garde du Corps, die Schlächter zu Pferde, die Prachträume des königlichen Schlosses rc. rc. alles, was bei dem Einzug nur irgendwie in Frage kam, zieht an unseren Blicken in bunter Reihe vorüber. Versäume niemand sich diesen Cyklus, der überall, wo er gezeigt wurde, das Publikum in Scharen anlockte, anzusehen.
* Wettspiele. Am vergangenen Sonntag begannen für die Hanauer Fußballvereine die Spiele in der Vorrunde um die Meisterschaft von Süddemschland und zwar spielte Hanauer F.-K. Victoria I. gegen Offenbach Teutonia L und verlor mit 3: 0, Hanau Vicloria II. Mannschaft unterlag in der zweiten Klasse der Hanauer Fußballgesellschaft 1899 mir 2:0. Kommenden Sonntag spielen weiter in der Vorrunde um die Meisterschaft von Süddeutichland in der ersten Klaffe Hanau 1893 I. gegen Offenbach Teutonia I. auf dem Sportplatz an der schönen Aussicht. Hanau Victoria I. gegen Gießen Fußballklub 1900 I. in Gießen. In der zweiten Klasse spielen: Hanau 93 II. gegen Hanau 99 I. auf dem
Stückes (Regie Herr Steger), das in amüsanter Weise den ersten Zwist eines Hochzeitspärchens jedoch mit versöhnlichem Ausgang behandelt, bot unserer neu engagierten Soubrette Frl. S i a h l Gelegenheit zur Entfaltung ihrer- schauspielerischen Fähigkeiten. D^ junge Dame verfügt neben einer ruhigen dezenten Spielwesie über eine äußerst angenehme, liebliche und vor allem tragende Stimme, so daß der ihr auf offener Szene mehrfach gespendete Applaus als „Rosalinde" ein reichlich verdienter war. Wir können also ruhig auch dieses Fach als vollwertig besetzt betrachten. Mit guter Laune gab Herr Nygrin den zanksüchtigen Ehekaudidaten Berger, dem sich Herr Uster in der Episoden rolle des „Schluder" humorvoll anpaßte. — Erwähnen wir noch den im ersten Zwischenakt gebotenen und beifällig aufgenommenen Clarinettensolo des Herrn W i s s e n b a ch mit Begleitung des Orchesters, so können wir unsere Besprechung mit der Genugtuung eines gelungenen Theaterabends beschließen.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 18 10. 19. 10.
Sehr trocken ?70„=
Beständig jm
Schön
Veränderlich
Regen (2ßinb)75O2^g
Biel Regen
Sturm 730
710-=