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General-Anzeiger
Amtliches Organ für SUM= und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort. Redakteur: G. Schrecker in Heman
Nr. 296
Fernsprechanschlutz Nr. 605
Montag den 18. Dezember
Aernsprechanschlufi Nr. 605
1905
Amtliches. .
Stadtkreis F)anau Aufruf.
Wie uns besannt geworden ist, wird in letzter Zeit die Privatwohltätigkeit mit besonderem Erfolge von solchen Personen in Anspruch genommen, die ihrer weder bedürftig noch würdig erscheinen.
Durch derartige Unterstützungen wird die Arbeit der f Wohltätigkeitsanstalten und der städtischen Armenverwaltung, die nur wirklich bedürftige Arme unterstützt wissen wollen, durchkreuzt und der Hr usbettelei Vorschub geleistet.
Die große stahl derjenigen Personen, welche hier in Hanau den Unterstützungswohnsitz dadurch erworben oder alljährlich erwerben, weil sie sich während 2 Jahre hierselbst aufge- ; halten und in dieser Zeit die Mittel der öffentlichen Armenpflege nicht in Anspruch genommen haben, vergrößert die I städtischen Armenkasten von Jahr zu Jahr. Es ist in vielen Fällen gerade die Privatunterstützung, die es Personen, welche andernfalls aus städtischen Mitteln unterstützt werden würden, ermöglicht, den Unterstützungswohnsitz hier zu erwerben. Hierdurch aber werden der Stadt Lasten aufgebürdet, die anderen unterstützungspflichtigen Gemeinden abgenommen werden.
Wir bitten daher die Einwohner Hanau's höflichst, Unterstützungen an Arme nicht eher zu gewähren, bis man sich über die Persönlich ''eit der Bittsteller an zuständiger Stelle erkundigt hat. Jede Auskunft in dieser Richtung wird von der Armenverwaltung im Rathause, Langstraße Nr. 43, Zimmer Nr. 2, zwischen 9 und 12'/2 Uhr vormittags, auch auf telephonische Anfrage gerne erteilt.
Hanau den 15. Dezember 1905. 24554 Der Magistrat. — Armenamt.
Oandelsreqister.
Firma L. Nenmann in Hanau: Die Firma ist erloschen.
Hanau den 11. Dezember 1905.
Königliches Amtsgericht 5. 24566
politische RundTebau.
Der offizielle Bericht des „Panther". Der Kommandant S. M. S. „Panther" hat gemeldet: „Der Matrose Hasmann hatte fernen Urlaub überschritten und war, da er in ZivilNeidern gesehen war, ber Desertion verdächtig. Es wurde angenommen, daß Hasmann hierzu von einem neu eingewanderten Deutschen Namens Stemboff verleitet worden war. Das Konsulat und die brasilianischen Behörden in Jtahajy und Colonia Brusque wurden ersticht, die Wiedererlangung des Hasmann zu unterstützen. Dies wurde zugesichert. Ebenso wurde die Gesandtschaft in ^efrnnolië von dem Sachverhalt unterrichtet. Am 26. Novemoer waren abends Offiziere in Zivtlkleidung und 12 Unteroffiziere im Urlaubsanzuge beurlaubt mit der Weisung, die Spur des Deserieurs Hasmann unauffällig zu verfolgen. Sie haben sich an Land nicyt militärisch bewegt und sind meistens getrennt gegangen. Sie haben in zwei Häusern, und zwar einem Hotel und einem Pr'vatbaus, Einlaß begehrt. Die Art, in der dies geschehen ist, hat, soweit bisher festzustellen war, gegen die übliche Form n^t verstoßen, da aus beiden Häutern einzelne Bewohner (Steinhoff und der Sohn des Eigentümers) freiwillig den Beurlaubten ihre Unternützung geliehen haben. Die Beurlaubten sind nicht morgens um 2 Uhr an Land gesetzt, sondern zu dieser Zeit an Bord zurückgekehrt. Hasmann selbst ist ohne Mitwirkung von Leuten des „Panther" später an Bord znrückgekommen. Es ist unrichtig, daß ein militärisches Kommando an Land geschickt ist. Steinhoff ist weder arretiert, noch irgendwie schlecht behandelt worden; auch ist er nie an Bord des „Panther" gewesen oder vom „Panther" verschlevpt worden; er hat vielmehr die Bemühungen der beurlaunten Personen, den Deserteur auszufinden, freiwillig unterstützt."
Der AuWand in Dentsch - Siidwestafrika. Einer der mit General v. Trotha heimgekehrien Offiziere hat einem Korrespondenten der „Köln. Ztg." folgende Schilderung. der Lage auf dem südlichen Kriegsschauplatz gegeben: Das Wort des Generals über so viel Mäßigung gegenüber einem so grausamen Krieg ist voll berechtigt. D:e Eingeborenen geben keine Gefangenen und Verwundeten heraus. Die Operationen des Generals v. Trotha haben Wi'bois Macht gebrochen. Dagegen sitzt der ^emb vielfach auf be- ; nackbartem englischen Gebiet und bildet mit seinen zer- * sprengten Scharen ständige Gefahr im kleinen. Der Klein
krieg erfordert sicher auf noch unabsehbare Zeit einen erhöhten Schutz'ruppenetat. Auffallend ist die fortwährende Versorgung des Feindes mit Munition. Dagegen ist jedoch nichts zu unternehmen. Die Frage der Lebensmittelzufuhr ist überhaupt künftig der Angelpunkt des Krieges. In dieser Hinsicht ist die Bahn nach Kubub geradezu die Voraussetzung späterer erfolgversprechender Unternehmungen. Der Krieg hätte ganz anders geführt werden können, wäre die Bahn schon dagewesen. Die Tran^-portkamele haben die besten Dienste geleistet. Jetzt ist die Lage verschlechtert durch die Rinderpest. Eine zweite aroße Schwierigkeit bildete der Mangel an Karten und Führern in dem unbekannten Schluchtengebiet der Karras- und Oranjeberge. Für die Zukunft bleibt noch Morenga zu verwichten, der eine noch unge'chwächte Macht hinter sich und starken Zuzug von Freunden aus der Kapkolonie erhält. Man glaubt, daß er sich über kurz oder lang in einem Gefecht stellen wird.
Weitere Unterwerfung von Kottentotten. Aus Südwestafrika kommt die erfreuliche Kunde, daß, dem Beispiel des Isaak Witboi folgend, eine größere Anzahl seiner Stammesgenossen den deutschen Behörden sich gestellt hat. Gouverneur v. Lindequist meldet, daß sich der Wi'boi-Groß- mann Sebulon mit Anhang, bestehend aus 105 Männern, 102 Weibern und 70 Kindern, in Gibeon gestellt habe. ' 3 seien dabei von den Hottentotten 49 Gewehre, meist Modell 98, 21 Reittiere und-105 Stück Kleinvieh abgegeben worden. Das Leben wurde dabei nur denjenigen zugesichert, die nicht des Mordes überwiesen werden. Weitergehende Versprechungen seien den Leuten nicht gemacht worden. — Der erbittertste und gefährlichste Gegner der Deutschen in Südwestairika bleibt nach wie vor Morenga. Ueber einen neuen, erfolgreichen Angriff dieses Bandenführers wird amtlich berichtet: Morenga hat am 8. Dezember einen erneuten Angriff auf Eandfontain gemacht, wobei von uns fünf Leiter geraden, vier verwundet worden sind. Die dem Befehl des Majors von Estorfs zum Kampfe gegen Morenga unterstellten Kräfte befinden sich in der Versammlung, die einige Wochen beanspruchen wird. — Die amtliche Meldung besagt ferner: Die Abteilung des Rittmeisters Haegele warf am 8. Dezember östlich Aub Leute des Cornelius nach Süden zurück und verfolgte sie. Hierbei wurde ein Reiter schwer, ein Reiter leicht verwundet. Bei Gubuoms östlich Aminuis hatte am 5. Dezember die 4. Batterie ein zweites Gefecht gegen Hottentotten, in dem der Feind 3 Tote, 2 Gewehre, 8 Reitochsen und 25 Stück Großvieh einbüßte. Auf deutscher Seite wurden ein Reiter schwer, ein Offizier und ein Reiter leicht verwundet. In dem bereits gemeldeten Gerecht dieser Batterie am 1. Dezember sollen außer dem Kapitän der Hoachanas- Hottentosten Manasse auch sein ältester Sohn Hodep und sein Schwiegersohn Gasap sowie der Unterkapitän Hendrik Hektor gefallen sein.
Aus Deulsch-Oftafrika. Gouverneur Graf Götzen telegraphiert aus Dar-es-Salam: Am 28. November wurde die gut befestigte Elappenstation Liwale abermals erfolglos angegriffen. Hauptmann v. Schönberg ist mit der 14. Kompanie in den Matumbibergen eingetroffen, ein Zug unter Oberleutnant Wagner hatte ein Gefecht am Kitopeberg. Der Feind floh. Die Marine-Infanterie unter Leutnant v. Engelbrecht ist gesund in Mpapua eingetroffen.
Die Witwen- und Waisen-Verficherung der Arbeiter. Aus wohlunterrichteten Kreisen wird der „D. W." berichtet, daß die Arbeit an den Vorschriften für einen Gesetzentwurf dieser Versicherung im Reichsamt des Innern rüstig gefördert wird. Es handelt sich hierbei um die Festsetzung allgemeiner Bestimmungen, da die finanziellen Unterlagen für diesen neuen Versicherungszw^'g sich erst nach Ablauf einer gewissen Zeitperiode nach Jnkrast- t^eteu des neuen Zolltarifs bestimmen lassen. Es handelt sich hierbei um die Feststellung durchschnittlicher Mehreinnahmen aus den erhöhten landwirtschaftlichen Zollsätzen, was man erst etwa im April 1908 zu überblicken gedenkt. Sobald hierüber Klarheit geschaffen sein wird, wird die Fertigstellung des Gesetzentwurfs nicht mehr lange Zeit er* ioroern, und seine Einbringung bei den -zuständigen Reichsbehörden ist dann bald zu erwarten. Die Versicherung selbst soll vom Jahre 1910 ab in Kraft treten. Die Gutachten, welche man behufs Gewinnung übereinstimmender grundsätzlicher Anschauungen von den Bundesregierungen eingefordert haue, sind vor einiger Zeit schon im Reichsamt des Innern eingegangen.
Sozialdemokratische Demonstrationen. Aus Dresden, 16. Dezbr., wird gemeldet: Heute abend fanden zahlreiche Protestversammlungen gegen das bestehende Landtagswahlrecht statt. Danach zog eine mehrere Tausend Mann starke Volksmenge nach dem Innern der Stadt undzurWohnung
des Ministerpräsidenten v. Metzsch. Als hier die Polizei der Menge entgegentrat, fielen aus der Menge zwei Schüsse. Ein Polizist wurde verletzt. Die Menge wurde mit blanker Waffe zurückgelrieben. Bis in die späte Nacht setzten sich die Zusammenrottungen an den belebtesten Punkten fort, wo Hochrufe auf das allgemeine Wahlrecht ausgebracht wurden. — Ein weiteres Telegramm meldet: Bei den Straßenunruhen in der Nacht zum Sonntag wurden von der Polizei 20 Verhaftungen vorgenommen. Außerdem wurde eine Anzahl Personen zur Feststellung ihrer Namen sistiert, dann aber wieder freigelasten. 18 Verwundete wurden nach dem Krankenhause gebracht, 14 davon wurden nach Anlegung eines Verbandes entlassen, 4 mußten im Krankenhause verbleiben. Es wurden aus der Menge nicht wie gemeldet 2, sondern 3 Schüsse abgegeben. Ein berittener Gendarm wurde an der Backe getroffen.
Zum Zwecke einer Sympathiekundgebung für ein freundschaftliches Einvernehmen mit England hatten die Weitesten der Berliner Kammann schüft eine Versammlung in den Börsensälen veranstaltet, an der 2000 Personen teilnahmen, darunter außer Vertretern von Handel und Industrie, Vertreter der städtischen Behörden, der Universität und Hochschulen, und Parlamentarier. Stadtällester Kämpf eröffnete die Versammlung und betonte, daß entgegen der in den letzten Jah-en zwischen Deutschland und England platzgegriffenen Entfremdung sich neuerdings eine ruhigere Auffassung geltend mache, die in der Einsicht wurzele, daß die beiden großen Nationen keine entgegengesetzten, sondern gemeinsame Interessen haben. Redner schloß unter stürmischem Beifall mit dem Wunsche, daß der Zweck der Versammlung erreicht werden möge. Sodann wies der Direktor der Dis- kontogesellschast, Salomonsohn, auf die guten Beziehungen zwischen der englischen und deutschen Bankwelt hin. Der Rektor der Technischen Hochschule in Charlottenburg sprach über die „Technischen Beziehungen zwischen England und Deutschland", und betonte, daß ein Krieg nutzlos und beide Nationen nur Vorteil hätten, wenn sie sich die Errungenschaften von Technik, Kunst und Wissenschaft dienstbar zu machen suchten. Ebenso betonte Prinz Heinrich zu Schönaich- Carolath, daß nur der dauernde Fr ede beiden Nationen zum Segen gereichen und Kultur und Zivilisation fördern könnte. Nachdem noch mehrere Redner in ähnlichem Sinne gesprochen hatten, nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, in der es heißt: Die Versammlung begrüßt mit Freuden alle Bestrebunaen, die auf die Herstellung und Aufrechterhaltung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der englischen und deutschen Nation gerichtet sind, und spricht die Ueberzeugung aus, daß ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Deutschland und ©nglatib dazu berufen ist, nicht nur die Interessen beider Nanonen, sondern auch die geistliche und wirtschaftliche Entwicklung der Welt auf das wirksamste zu fördern.
Anschlag auf Loubet? Abends verbreitete sich iü Paris das Gerücht, daß auf den Präsidenten Loubet, als er nachmittags von der Jagd aus Marly zurückkehrte, ein An- scblag versucht worden sei. Das Gerücht ist darauf zurückzuführen, daß man gestern in einem Eisenbahnwagen 2. Klasse eine 500 Gramm schwere Blechbüchse von 12 Zentimeter Höhe entdeckte, die mit einer anscheinend angezündet gewesenen Luitte versehen war. Die Blechbüchse wurde gestern auf dem Bahnhöfe des Vorortes Saint Rom la Bretache in Verwahrung genommen und wird behördlich untersucht.
Die ^lottendemonstration eingestellt. Nachdem die Pforte die Forderungen der Mächte bezüglich der mazedonischen Finanzrewrm angenommen hatte und bezüglich einzelner Streitpunkte ein Aus'leich erzielt wurde, erhielt der Kommandant der internationalen Flotte den Befehl, die Demonstration einzustellen.
Rücktransport javanischer Kriegsgefangener. Als der erste der bi ei Transporte von kriegsgefangen gewesenen Japanern, die, im ganzen 1785 Mann stark, in drei Sonderzügen von Eydtkuhnen nach Hamburg befördert wurden, kam Freitag nachmittag ein Lazarettionderzug mit 237 Personen, unter denen sich etwa 70 Schwerkranke befinden, durch Königsberg i. Pr. Der Zug war von der Königsberger Sanitäts'olonne vom Roten Kreuz ausgerüstet; diese besorgte auch in Wirballen in Anwesenheit und unter Leitung des Provmzialinspekteurs Oberstabsarzt a. D. Lühe und des Regierungsbezirksinspekteurs Oberstabsarzt a. D. Herrlich, des Kreisinspekteurs und der Mitglieder des Vorstandes die Unterbringung der Kranken und Verwundeten in den preußischen Sanitälszug. In. Königsberg wurde der Zug vom Generaloberarzt Dr. Fränkel und dem Garnisonsarzt, Generaloberarzt Dr. Kunze, besichtigt. Die Ueber-