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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Die füufgespaltene Peützeile oder deren Raus 15 ij^ im Reklamaueil die Zeile 30 Pfg.

Warenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: E. Schrecker in Hauau.

Mr. 66 Fe»msp»echanschl«tz Nr. 605.

Samstag den 18. März

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Fevt»sprechanschl«tz Nr. 605, 1905

Hus l)anau Stadt und £and.

Hanau, 18. März.

* Hanauer Geschichtsverein. Seit der Veröffent- lichung am 4. Februar d. J. sind dem Museum folgende Gegenstände zugegangen: .

Von Herrn Bernhard Franz, Diakonissenstraße: 1 Sponton, tauchiert, Renaissance - Ornamente aus der Zeit Ende des 17. Jahrhunderts.

Von Fraul. Hein, Grimmstraße 13: Handbuch der Landeskunde Kurhessen, Taschenbuch Cassel 1839, Festschrift 25jâhr. Jubelfest der Freiwilligen Jäger 1839, Festlieder zu diesem Feste und 1 Kalender 1760, 3 kolorierte Bilder, be­lagerte Stadt mit Soldaten (im Vordergrund freiw. Jäger).

Von Herm Joseph Söhnlein, Rosenstraße 5: Be­malte Tabaksdose und bemalte Tabakspfeife aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Von der Stadt Hanau, vorbehaltlich des Eigentums­rechtes : In Holz geschnitztes und bemaltes Landgräst. Hess. Hanauisches Wappen und ein Pokalmodell.

Don Schreinermeister Heinrich Daube, Kleine Dechanei­straße: Ein Pfeifengestell mit Tabaksbüchse, gedreht und po­liert. Anfang des vorigen Jahrhunderts, eine Treppen­geländerstütze, geschnitzt in feinen Barockformen.

Von Gebrüder Grosch, Steinstraße 2: Zwei verzierte eiserne Türbanden, zwei ditto Stützkloben, Schließkloben aus dem Freiherr!, von Edelsheim'schen Hause hier.

Von Frau Heinicke, geb. Herbst, durch Herrn Pfarrer Neßler, ein Negativ (photogr. Aufnahme) eines Gemäldes bezl. Denksteln-Errichtmig an der LaMoystrgße, Kopie eines Gedenkblattes, gezeichnet in Bezug auf die Denkplatte am Ge­burtshause der Brüder Grimm. '

Von Herrn Forstmeister Fenner: 1 Petschaft des Kirchenvorstandes zu Altenhaßlau, ein Stammbuch und eine gedruckte Beschreibung einer Reise im Hanaulschen und am Rhein 1813.

Von Herrn Akademiedirektor Prof. M. Wiese hier: Wappen von Gips und bronziert, der Grafen von Hanau- Müntzenberg.

Don Fräulein Louise Bersch, Steinheimerstraße 23: Geschichtliche Aufzeichnungen ihrer Dèutter aus den Jahren 1847, 1848 und 1866.

* Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanan. Die am vergangenen Samstag abgehaltene Versammlung des landwirtschaftlichen Ki'eisvereins Hanau erfreute sich wiederum eines lebhaften Besuches. Nach Entgegennahme geschäftlicher Mitteilungen wurde über den gemeinschaftlichen Bezug von Saatkartoffeln gesprochen, jedoch, da die in Aussicht stehende

Feuilleton.

Stadtthrater in Hanau.

Hanau, 18. März.

Obwohl durch einen alten Volksaberglauben bei leicht­gläubigeren Naturen der Freitag als ein weniger vom Glück begünstigter Wochentag für irgendwelche Unternehmen bedeutet, und dieser Termin, ähnlich wie die Zahl13" oft Gefühle zeitigt, die sich zum Omen alles mißratenen Be­ginnens steigern, so steht diese Selbstsuggesttonin Bezug auf den gestrigen Benefizianten, unsern altbewährten Herrn Gehr­mann, in einem glücklichen Widerspruch. Trotz des an Altersschwäche stark "leidenoen VolksstückesDer Viehhändler aus Oberösterreich", das für den heutigen Geschmack durch seine meist zu naiven Szenen-Motive nicht mehr so recht im großen und ganzen anspricht, können wir von einem äußerst guten Besuch des Theaters erfreulicher Weise be­richten. Nicht zum wenigsten birgt das Werk einen harm­losen aber gelungenen Humor in sich, der sich sichtlich in animierender Weise auf das Publikum übertrug, indem zum öfteren laute Lachsalven erschallten, sogar recht herzliche. Resultieren wir: Merkbare Zufriedenheit beim Publikum und Benefizianten. Zunächst können wir Herrn Gehrmann unsere vollste Anerkennung für die überaus sorgsame Regie- suhrung zollen. Als Vertreter der Titelrolle wußte er mit guter Laune und warmem Empfinden den etwas grobker- aber dabei höchst gutherzigen MenschenSebastian yüdjfelb^ derart auszustatten, daß er sich über Applaus auf offener Szene bedanken konnte. Eine treue biedere Lebens- g^ahrlin erstand ihm in Frl. Wehn, die durch ihr äußerst gefälliges Spiel vorteilhaft in den Vordergrund trat, während je mit einer allerliebst zum Vortrag gebrachten Walzereinlage wieder em lobenswertes Zeugnis ihrer eigenartigen Grazie ab-

H^rr Fink entledigte sich der Partie desHerrn vonHoch- seld^ in gewohnt routinierter Art, dem sich Herr Schneider alsvon Hupfer" und Herr Osearsen alsvon Glatt" in

Beteiligung eine minimale zu nennen war, von dem gemein- schaftlichen Bezug abgesehen. Darauf hielt Herr Domänen­pächter G. Schwarz vom Kinzigheimerhof einen sehr instruktiven Vortrag über die künstlichen Düngemittel und deren zweckmäßige Anwendung. Aus der Mitte der Ver­sammlung wurde angeregt, den Vortrag möglichst im Wort­laut imHanauer Anzeiger" erscheinen zu lassen, damit eine entsprechende Nutzanwendung erzielt werden könne. Wir werden der Anregung Folge leisten und den Vortrag dem­nächst veröffentlichen. Namens der Delegierten erstattete Herr Bürgermeister Clauß-Ravolzhausen in eingehender Weise Bericht über die 16. Generalversammlung des Vereins­ausschusses der Landwirtschaftskammer. Einleitend berichtete er über die am Vorabend stattgefundene Begrüßungsver- sammlung und gab dann ein besonders anschauliches Bild über die Verhandlungen des Haupttages, indem er der Ver­sammlung den Hauptinhalt der bort gehaltenen Vor­träge mitteilte. Der erste Redner war hiernach Herr Pfarrer Meyenschei n - Alienhaßlau, welcher über das Thema sprach: Welche Aufgaben stellt uns das landwirtschaftliche Genossen­schaftswesen." Herr Pfarrer Meyenschein beleuchtet die Vor­teile desselben inbezug auf den Geldverkehr, den gemeinschaft­lichen Bezug und die Spargelegenheit, endlich auch die sitt­liche Wirkung. Er sagte, wenn daS Genossenschaftswesen sich nicht entwickelt hätte, wäre vieles Geld in unrechte Hände gewandert und noch mehr Bauern dem Untergang zugeführt worden. Der Germane sei ja schlecht veranlagt zum Zu­sammenschluß, umso energischer aber müßten alle Kräfte dahin wüten, daß die noch Fernstehenden für die Genossenschafts­sache begeistert werden. Selbstverleugnung und Vertrauen sei die erste Pflicht im Genossenschaftswesen. Die Genossen­schaften sollen nicht nur Kreditgenossenschaften sein, sondern auch Bezugsgenossenschaften, denn Kreditgenossenschaften allein wären im In eresse der Händler, daß sie ihr Geld bekämen. Ferner wies der Redner nach, welche Schädigung der Land­wirtschaft durch den Verkauf minderwertiger Dünge- und Futtermittel zugefügt wurde und ermahnte die Landwirte, mehr untersuchen zu lassen. Die Vereinigung der beiden Verbände ist anzustreben. Der uveite Vortrag war der des Herrn Professor Selhorst- Göttingen über:Was lehrt uns die Geschichte der englischen Landwirtschaft." Er wies im Gegensatz zu Professor Brentano durch zahlreiche Belege nach, daß der Uebergang der Landwirtschaft vom Getreidebau zur Viehzucht den Niedergang der Landwirtschaft bedeute. Im Jahre 1849 seien die bestehenden Kornzölle in England aufgehoben worden, die Getreidepreise blieben aber auf der Höhe bis zum Jahre 1870, weil damals die Frachten noch sehr teuer waren und aus dem Auslande fast nichts einge­führt wurde. Von 1871 ab seien jedoch die Preise gefallen,

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gut gelungener Charakterisierung erfolgreich anpaßten. Der mit der Einbildung gestrafte CerberusFaustin" lag bei Herm Nauendorf in besten Händen, wie auch das ge­sungene Couplet am Schlüsse des 1. Aktes eine zündende Wirkung ansübte. Allerliebst fand sich Frl. Urban mit der Verkörperung derClotilde", einer kleinen Unschuld vom Lande ab, die am Schlüsse ihren herzallerliebstenRobert", von Herm Becker mit gesunder Natürlichkeit wiedergegeben, als eigen betrachten konnte. Zur Vervollständigung des Stückes waren noch tätig Frl. Jirsac (Eulalia), Herr Merker (Graf Flambourg), Frl. Helliot (Regine), Herr Römer (o. Wellenschlag), Herr Uster (Haller), Herr Neru­da (Kapellmeister). Herr Kapellmeister Schmidt sowie Herr Tanzlehrer Söhnlein erfüllten die übernommenen Pflichten in gewissenhaftester Weise. Blumenkränze und anderweitige Aufmerksamkeiten wurden dein Benefizianten zur freudigen Ueberraschung verehrend überreicht.

Etwas über Schönheit und Wahrheit.

Von H. «

Von alters her liegt cs in des Menschen Natur, feinern Schönheitssinn Ausdruck zu geben, sei es, indem er selbst sich schmückt oder sein Haus und Heim zu verschönen be­strebt ist. Viele Irrwege ist der Geschmack der Menschheit schon gegangen, aber auch Herrliches und unvergänglich Schönes ist im Lauf der Zeit geschaffen worden. Die große und weite Gottesnatur, in der auch das kleinste Blättchen rknd Käferchen einen Zweck hat und sich so wunderbar dem Ganzen beifügt, ist wohl zu allen Zeiten das wahre Vor­bild des Schönen für den Menschen gewesen. Von ihr hat man gelernt, daß Wahrheit und Schönheit zwei Begriffe sind, die sich sehr nahe stehen. Denn echte Schönheit, sei es im großen oder im kleinen, muß Wahrheit zur Grundlage haben. Auf vielen künstlerischen Gebieten bemühen sich große Männer, auf dieser Grundlage zu schaffen; und ich meine, auch wir Frauen, die wir gewissermaßen verpflichtet sind Schönheit um uns zu verbreiten, könnten noch mehr be-

Die heutige Mumme? umfaMt außer dem UnU^tUfuuai&l^* 1? Seiten.

der Pachtzins ging um 246 Millionen zurück, die Rohpro­duktion fiel um eine VUlliarde. Ganze Strecken Landes, welche ehemals einem Paradiese glichen, werben jetzt nur noch als Weideflächen benutzt. Nur in ganz guten Gegen­den mit guten Absatzgebieten sei noch eine lohnende Land­wirtschaft möglich. Infolgedessen ist die Grundrente sehr gefallen und ein großes Nationalvermögen ver­loren gegangen. Im Jahre 1894 haben in Norfolk von zehn Farmern neun bankerott gemacht. Die armen Leute sind in die Großstadt getrieben worden, weil keilte lohnende Beschäftigung mehr auf dem Sanbe möglich war. Die bestehenden Verhältnisse werben auch nicht anders, wenn nicht durch Chamberlain eine Aenderung eintritt, der bestrebt ist, Zolle einzuführen. So weit würden wir auch kommen, wenn dem Freihandel stattgegeben würde. Wir in Deutschland würden jedenfalls noch mehr verarmen, weil sich in England durch Klima und Bodenverhältnisse die An­lage von Dauerweiden möglich machen läßt, während wir in Deutschland das nur an Flußniederungen machen könnten. Eine weise Politik ist die, welche von dem Grundsatz aus­geht, daß Industrie und Landwirtschaft zusammengehören und welche jedem das gibt, was er benötigt, um bestehen zu können. Die Industrie erzeugt weniger Werte wie die Land­wirtschaft. Zum Schluß machte der Redner noch darauf aufmerksam, daß durch die Erhöhung der Zölle jedenfalls eine (Segenagitation der Freihändler eintreten werde, daß es daher Pflicht jedes Landwirts sei, in seinem Kreise auf­klärend zu wirken, denn die Aufhebung der Zölle würde für uns den Ruin der Landwirtschaft bedeuten. Für die aus jährliche Berichterstattung wurde Herrn Clauß der Dank des Vorsitzenden namens der Versammlung abgestattet. Weiter referierte Herr Bürgermeister C! a u ß -Ravolzhausen noch über die voraussichtliche Wirkung der neuen Handels­verträge auf die Landwirtschaft. Es würde hier zu weit führen, in erschöpfender Weise das Referat wiederzugeben, das mit anerkennenswerter Sachkenntnis und Gründlichkeit ausgearbeitet worden war und wofür dem Refereuten der lebhafte Dank der Versammlung zuteil wurde. Den Be­richt der Saatzuchtkommission erstattete Herr Domänenrent­meister Reinhardt. Zum Schluß wurde nach erfolgter Aufnahme neuer Mitglieder auch eine Gesellschaftsreise nach München zum Besuche der 19. Wanderausstellung der Deut­schen Landwirtschaftsgesellschaft (29. Juni bis 4. Juli d. I.) angeregt, zumal eine ganz erhebliche Fahrpreisermäßigung eintritt.'

^Wichtig |ih' DienstmËuer. Im fünften Blatte der heutigen Ausgabe befindet sich eine neue Polizei­verordnung, welche den Gewerbebetrieb der Dienstmänner (Packträger) regelt.

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ftrebt sein, die Eigenschaften schön und wahr an uns und um uns zu betätigen.

Wenn wir uns z. B. so kleiden, daß die natürlichen Linien des Körpers verwischt und dafür andere erzwungen werden, so kann das wohl eine moderne Figur abgeben, aber niemand wird es wirklich schön finden, denn es ist im wahr. Selbst ein weniger gut gebildeter Körper wird in einer feinen Formen angepaßten und deshalb natürlichen Bekleidung wohltuender für das Auge sein als eine nach der Schablone gekleidete Modedame. Da man aber auch an der Art sich zu kleiden stets etwas die Eigenart der Frau er­kennen kann, es sei denn, daß sie nicht schon zur Mode­sklavin herabgesunken ist, so wird der Geist einer durchaus aufrichtigen Frau auch immer in ihrem Aeußeren und in ihrem Henn sich widerspiegeln. Eine Frau dagegen, die sich mit unechtem Schmuck behängt, wirb sich auch nicht scheuen in ihrem Wesen Falsches und Geborgtes zur Schau zu bringen. Sie wird ihr Heim wohl putzen mit allen mög­lichen zwecklosen Dingen und wird stolz auf ihre Prunkstube achten, damit Mann und Kinder ja nicht sich einfallen lassen, es sich darin wohnlich machen zu wollen. Dieses Zimmer darf nicht bewohnt werden; es wird für die Familie zwecklos und unbehaglias. Für wahre Schönhett des Heims aber bedarf es keiner kostbaren Möbel und keines teueren Wandschmucks, Wahrheit und Zweckmäßigkeit bis zum klein­sten Stück wird immer die erste Bedingung zur Behaglich­keit eines Heims bilden. Und wenn einem so eingerichteten Heim noch durch ein wenig Schmuck die Eigenart der Be­wohner ausgeprägt ist, so wird man beim Betteten solcher Wohnräume das Empfinden haben: dies ist ein wahrhaft schönes Heim. Ein Mann aber, in dessen Haus Wahrheit unb Schönheit herrschen, wird sich stets am glücklichsten zu Hause fühlen. Und Kinder, die in solchem Heim âufwachsen, wer- den schon früh das Falsche vom Echten unterscheiden und die Wahrheit heben lernen. So würde das Bestteben einer Frau, in ihrem kleinen Reich Schönheit mit Wahrheit zu verbinden, reich belohnt werden.