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Anzeiger

Organ für Statt- und Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 4?

Fernsprechanschluß Nr. 605,

Samslaa den 18. Februar

Fernsprechanschluß Nr. 605

1905

Amtliches

Bekanntmachung.

Der Plan über die Errichtung einer xtberitbffchen Telegraphenlinie an der Bahnhofstraße in Großkrotzen­burg und an dem Landwege Großkrotzenburg--Kahl liegt bei dem Postamte in Hanau aus.

Gaffel, 11. Februar 1905.

Kaiserliche Ober-Postdirektion.

Hoffmann.

3430

Landkreis Danau.

Bekanntmaldnn-eii des SnninL ?<mdrntSamtes.

Die Beschäler des Königs. Heffen-Naffauischen Landgestüls in Dillenburg werden am 28. Februar er. auf Station Wil- helmsbad eintreffen, wovon ich die Pferdezüchter des Kreises in Kenntnis setze.

Die Herren Bürgermeister mache ich darauf aufmerksam, daß die Abfohlungsergebnisse in die ihnen zngebenden Deck- regifler recht genau einzutragen und letztere bis spätestens 20. Juni er. an den betr. Stationswärter zurückzusenden sind.

Die Züchter sind daran zu erinnern, die fälligen Deck- und Füllengelder ungesäumt an den Stationswärter zu zahlen.

Hanau den 14. Februar 1905.

Der Königliche Landrat.

V 1001 J. A.: Conrad, Kreissekretär.

Gefundene und verlorene KegenstHnde re.

Gefunden: 1 roteS Portemonnaie mit 59 Pfq., 1 silbernes Armband, 1 Schlüsselbund, 1 Geldstück, 1 Dienst­buch für Rina Groß auS Polen.

verloren: Ein schwarzseidener Damenschirm mit goldenem Griff, 1 maligoldene Vorsircknadel mit einer weißen Perle, 1 silberner Schirmgriff.

Zugelaufen: 1 grauer Pinscher w. Geschlecht, 1 ruff. Windhund.

Hanau den 18. Februar 1905.

Hue Danau Stadt und Cand.

Hana« den 18. Februar.

OrffrnMchr Sitzung der Stadtoerordneten- Versammlung vom 17. Februar 1905.

Anwesend die Herren: Küstner, stellv. Vorsteher; Aukamm, Baader, Bonn, Brüning, Craß, Eberhard, Förster, Dr. Heraeus. Hoch, Hock, Holm, Jost, Kehl, Koburger,

Feuilleton

Stadttheater in Hanau.

= Hanau, 18. Februar.

Mit der Aufführung bei gestern neu einfiubi?rten Lust­spielsD ie berühmte Frau" von Scbönihan und Kadelburg beging unsere hier bereits seit 2 Jahren sich in dem Fache der Anstandsdamen bewährte Künstlerin Frl. Iirsak ihren Ebrenabend. Kade burg, der beliebte Kompagnon von Lustspielfirmen, konnte erst vor wenigen Wochen über den Er­folg seines neu erschienenen StückesDer Familientaa" an einer Anzahl größerer Bühnen, wie beispielsweise in Frank­furt a. M., zufrieden sein, wie auch das gestrige Werk, trotz bei etwas vorgeschrittenen Alters, immer noch zu den Auser- wählten dieses Genres zählt. Interessante Dialoge und eine Fülle guten Humors liegen dem Siücke zugrunde, das inhalt­lich die Frauenemanz'pation in einem gewissen Sinne rügend persifliert, der sich auf Schriftstellerei und, Bühnenberuf zum Gegensatz der ursprünglichen Haussrauenpflicht all ergebene liebende Gattin ibrei Mannes bezieht.

Das an und für sich schon rege Interesse an dem gestrigen Bentfi, abend wurde noch bedeutend erhöht durch daS Ga^spiel von Frl. Poldi Sangora vom Schauspielhaus in Frank- iurt a. M. in der Rolle derHerma". Gewand und sicher im Spiel, wußie die Künstlerin den gerffenen geriebenen Verzeihung gescheiten Brckfi'ch in excellentester ^ Weise aus die Bübne zu stellen. DaS bewunderungswürdigste ihrer Kunst besteht in der frappanten Natürlichkeit, die >br anhaftei unb die besonders während des Dialogs im zweiten Akt zur überraschenden Gärung kam, indem man am Schüsse ihrer Ausführungen bei den Wortenich hab dich zum Freffen lieb" kaum noch den Gedanken bewahren konnte, daS dies gelernte Worte seien. Die

Kreuter, Müller, Peleler, ReiS, Schroeter, Schwabe, Spatz, Sleinheuer, Elübing, Treusch, Voltz, Dr. Wagner, Dr. Wenke, Wohlfarth und Wolff; vom Magistrat die Herren Oberbürger­meister Dr. Gebeschus und Siadtbaurat Schmidt.

Stadetverordnetenwahlen.

Stellv. Vorsteher Küstner schlägt vor, für die erledigten Mandate der Herren H e p d t, Lucht und 011 keine Ersatz­wahlen vorzunebmm, sondern deren Stellen bei den nächsten allgemeinen Wahlen erst wieder zu besetzen. Die Versammlung stimmt zu.

Gtatsberatung.

Die Etatsberatung wird bei Titel X und XI deS Haupt- etats,Gewerbliche Betriebe" undInsge­mein" fortgesetzt. Die Titel werden ohne Debatte ange­nommen. Der Ueberschuß be-m Gaswerk beträgt hiernach 150 335 Mk., Elektrizitätswerk kein Uberschuß, die Bade­anstalt bedarf einen Zuschuß von 3140 Mk.

Zu Titel IVSteuerverwaltung" macht Ober­bürgermeister Dr. Gebeschus längere Mitteilungen über Aenderungen in der Erhebung der Branntweinsteuer, deren Erhebung in Zukunft nach dem Muster der Erhebung der Brausteuer geregelt werden soll. Stadtv. Dr. Wagner fragt bei TitelIndirekte Steuern" an, wie sich die Einfuhr von Fleisch nach Inkrafttreten des neuen FleischbeschaugesitzeS gestaltet habe, ob insbesondere eine Schädigung der Schlacht- boffaffe hierdurch bewirkt werde. Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erwidert, er halte die Gefahr der Schädigung der Gesundheit der Bewohner für viel wichtiger. Er werde sehen, ob sich Feststellungen über die Einfuhr treffen laffen. Der Etat derIndirekten Steuern" wird hiernach ge­nehmigt. Er schließt ab in Einnahme mit 226 200 Mark, in Ausgabe mit 86 930 Mark. Im Vorjahre desgleichen.

Zum DtelDirekte Steuern" liegt ein Antrag Aukamm und Genoffen vor, den Magistrat zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob er angebracht sei, die Erhebung der Grundsteuer nach bestimmten Tarifen zu regeln. Der Antrag wird vom Stadtv. Hoch begründet. Oberbürgermeister Dr. GebeschuS führt aus, die Sache werde auf eine Riesenarbeit hinauslausen, die nichts bringen wird. Insbe­sondere werde es unmöglich sein, die Grundsteuer zu tarifieren. Der Antrag wird abgelehnt, der TitelDirekte Steuern" hierauf angenommen Er schließt ab in Einnahme mit 817 060 Mark, in Ausgabe mit 44 300 Mark, gegen 790 500 Mark und 39000 Mark im Vorjahre. Die Erhebung der Steuern erfoht nach folgenden Sätzen: Zuschlag zur Staatseinkommensteuer 135 pCt., Grundsteuer 150 pCt., Ge­werbesteuer 150 pCt., Betriebssteuer 150 pCt.

Zum TitelGebühren" fragt Stadtv. Schwabe an, wie weit die Angelegenheit der Abführung der Fäkalien durch die

Benksiziantin Frl. Iirsak mußte sich durch die Wahl des Stückes auf eine Rolle beschränken, die ihr gewissermaßen nur einen Haupt Auftritt gewährte. Vornehm und interessant trat sie für die Interpretin der populären Schriftstellerin, der berühmten FrauAgnes" ein. während sie sich noch für einen sehr warmen Empfang und eine hübsche Anzahl Blumengebinde, sichtlich erfreut, bedanken sonnte. In dem Sprichwörtermenichen, Graf n Bela Pal map. derBuffer! und Almosen nicht abweisen kann", bot uns Herr Schneider wieder hervorragendes. Sicher im Dialekt, stellte er den heißblütigen Ungarn in in­teressanter. überzeugender und humorvoller Weise auf die Bretter, so daß er neben Frl. Sangora an dem Hanpwrfvlg des Abends partizipieren durfte unddes möcht nix." Die alte Paula Hartwig" mit ihrem jungen Herzen, die seiner Zeit auf dem Ozean deS GiobuS ihren Liebsten fand, verstand Frau Wehn mit bestem Gelingen wiederzuleben, der sich Herr Fink als der Mann,der bei seiner Frau nie Glück hatte" in ritterlicher, launiger Art alsBaron Römer-Saarstein" anschloß. Eine äußerst gute Leistung möchten wir die v?rlicbte Ottilie Friedland" des Frl. H e l l i o t bezeichnen, die be­sonders im letzten Akt günstigst aufsiel, während Herr Mer­ker in der Partie desUlrich von Trautstem" etwas mehr Lebendigkeit im Spiel zeigen bürste. Allerliebst präsentierte sich Frl. Keppler in dem WildfangWilly". In kleineren Rollen wirkten noch Herr Neruda (Ziegler), Frl. Iaida (Frl. Seemann). Herr Muller (Diener), Frl. Muche (Betty). Herr Oberregiffeur Zeitz sorgte für eine schöne ob' -gerundete Vorstellung. Der Besuch des Theaters war ein äußerst günstiger.

Albumblâtter.

Es ist merkwürdig, wie unter der in Geschäften ernüch­terten Menschheit sich immer wieder ein volles Herz erhebt und seine Empfindung über alle ausgießt und das verdorrende innere Leben derselben mit neuen Säften erfrischt.

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Kanalisation gediehen sei. Oberbürgermeister Dr. Gebe­schus erwidert, e§ sei ibm unter tausend Schwüren zugesichert worden, bis zum 15. März werde ein Projekt vorgelegt wer­den können. Der TitelGebühren" wird angenommen, ebenso der TtelVerschiedenes" und damit ist die Beratung deS Eiats in zweier Lesung beendet. Nach der vorläufigen Fest- siellung der Endziffern balanziert hiernach der Etat im Ordi- narium in Einnahme und Ausgabe mit 1 928 135 Mk. gegen 1 889 300 Mk. im Vorjahre.

Hierauf wird der q e s a m t e E t a t vorbehaltlich der ge­nauen Feststellung der Endziffern gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Zuvor gab Stadtv. Hoch die Erklärung ab, er und seine Freunde müßten auch in diesem Iabre wieder gegen den ganzen Etat stimmen, weil das gesamte Finanzgebahren und die Festsetzung der Steuern eine schreiende Ungerechtigkeit und eine schwere Belastung der Arbeiter und kleinen Leute in sich schließe, zu der die Leistungen der Stadt in gar keinem keinem Verhältnis ständen und weil ferner alle Anträge, die sie zur Verbesserung gestellt, einfach niedergestimmt worden seien. (?)

Veranstaltung einer Schillerfeier.

Der Magistrat bat beschlossen, zur Vorbereitung einer Schillerfeier an Schillers 100 {übrigem Todestage eine gemischte Kommission zu bilden und seinerseits die Herren Alberti und Dr. Lucanus in diese Kommission gewählt. Der Kommission wird weitgehendste Kooptation eingeräumt. Die Stadtverordnetenversammlung tritt diesem Beschluß bei und wählt die Herren Dr. Wenke und Dr. Wagner zu Mitgliedern. Zu dem Punkt liegt ein Antrag Hoch und Genossin vor, am Todestage Schillers sämtlichen Schülern der städtischen Schulen ein Exemplar von Schillers Drama Wilhelm Tell" zu behändigen und ferner den Magistrat zu befragen, ob es möglich sei, im Monat Mai eine Aufführung Schillerscher Dramen im Stadttheater stattfinden zu laffen. An die Besprechung des Antrages knüpft sich ein längerer Meinungsaustausch, an welchem sich die Herren Oberbürgermeister Dr. GebeschuS, Kreuter, Treusch, Wolff und Hoch Beteiligen und in welchem zum Ausdruck gebracht wird, daß sich wohl der erste Teil deS Antrags, nicht aber der zweite ermöglichen lassen werde, auch solle man von einem Beschluß der Körper­schaft abseüen und die Vorschläge der Kommission abwarten. ° Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erklärt, die Schiller­feier solle unter Beteiligung der weitesten Kreise der Bürger­schaft vor sich gehen zu wsichem Zweck ähnliche Vorbereitungen wie bei der Allstadtfeier, Heranziehung von Künstlern, Der- einsvorständen rc., geplant wären. Die Antragsteller ziehen ihren Antrag als gegenstandslos zurück.

Armenpfleger.

Zum Armenpflkger für die Altstadt wirb Herr Gottfried Karp, Metzgerstraße, gewählt.

Kleinere Vorlagen.

Nach Feststellung der Jahresrechnung der Stadtkasse für 1903 wird dem Rechnungsführer Entlastung erteilt, ebenso dem Rechnungsfübrer der de SanuoS» und Beauxschen Stiftung für 1904. Der Anstellung eines Kanzlisten wird zugestimmt. Auf den Erat der Schlachthofkaffe für 1904 werden 117 Mk. nachbewilligt. Zur Vergröße­rung des BadeS der Kinderkrippe und der Abortanlage der Kleinkinderschule werden 900 Mk. bewilligt. Dem Verkauf zweier städtischer Parzellen an Herrn Heinrich Brüning wirb zuqest'mmt, ebenso der Verwendung von 178,88 Mk. für Ergänzung der Wasserleitung?anlage im Marstallge- bâude deS Stadtschlosiks. Für Heizung, BelenchUmg, Waffergeld und KanalbetriebSgebübr der Kleinkinderschule wird für das Rechnungsjahr 1904 noch ein Betrag von rund 1000 Mk. gebraucht, der nachbewilligt wird. Die Reorganisation verschiedener städtischer Dienststellen oer* entlaste bauliche Veränderungen im Rathause, wofür 520.31 Mk. benötigt wurden. Dieselben werden nachbew'lligt. Für Verbesserung der Abortanlage im hinteren Rathause werden 240 Mk. gefordert. Wird genehmigt. Für Anbringung von Doppelfenstern im Ratbause wird ein Betrag von 2500 Mk. verlangt, da die alten Fenster nicht mehr dicht schließen und die Gesundheit der Beamten, welche direkt an Fenster­plätzen arbeiten müssen, gefährdet wirb. Stadtv. Kreuter hält die Ausgabe nicht für notwendig, zieht aber seinen Ein­spruch zurück, nachdem vom Herrn Oberbürgermeister die Not­wendigkeit eingehend dargelegt wird. Die Vorlage wird ge­nehmigt.° In dem DerwaltuniSstreitversahren deS Fabri­kanten Karl Weber gegen den Maaistral wegen Anforderung von Straßenkostenbeitrâqen in Höhe von 1493.07 Mk. er­folgte Abweisung der Klage. Die Vorlage dient zur Kennt« nis. Die Punkte 6 und 19 der Tagesordnung werden in geheimer Sitzung erledigt, Punkt 17 zurâck^esteüt.