Zweites Blâ
anauer
Bezugspreis;
BtellüjLhrlich 1,80 Mk^ monatlich 60 Pfg., für aug- »SuiKt Abonnenten mit dem betresjendeu Postanffchlsg.
Die emzetoe Nummer kost« 10 Pfg.
SÄruckt und verlegt in der Buchdruckerei deS verein, ev.
Wcufmhaujes in Hanan.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stabb null Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Etwchckmrgsgedâhe r
Die fLssgefpalteue Pemzeils oder deren Staucn 15 A^
Verantwortl. Redakteur: G.Schrecker in Hascup
Nr. 90
Fernsprechanfchl«tz Nr. 605
Samstag den 15. April
Fevttsprechanschltth Nr. 605
1905
Amtièches.
Bekanntmachung
Einstellung von
reunng von Dreijährig-Freiwilligen für das III« èeebataillon in Tsingtau (China).
Anstellung : Oktober 1905, Ausreise nach Tsingtau : Frühjahr 1906, Heimreise: Frühjahr 1908. Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1886 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entivickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt.
In Tsingtau rvird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind zu richten an:
Kommando der Stammkompanie«,
Wilhelmshaven.
Bekanntmachung.
Ginsiellnng von Dreijährig-Freiwilligen für die Matrofenartillerie-Abteilung Kiantfchon in
Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1905, Ausreise nach Tsingtau : Frühjahr 1906, Heimreise: Frühjahr 1908. Bedingungen: Mindestens 1,67 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1886 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) imd andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt.
In Tsingtau wirb außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind zu richten an: Kommando der III. Matrofenartillerie- Abteilnng, Lehe.
Wird veröffentlich!.
Hanan den 12. April 1905.
Der Königliche Landrat.
J. A.: v. Schlieben, Reg.-Asseffor.
Stadtkreis Hanau.
Das städtische Lesezimmer — Gärtnerstraße 67 — ist vom 1. April bis 30. September d. Js. werktäglich von x 7 bis 10 Uhr abends, sonntäglich von morgens 9 Uhr bis
Feuilleton
Ein Frühlinksmorgkn.
Von C. A. Barlow-Masstcks.
Aus dem Englischen von A««a Wilke.
(Nachdruck verboten).
Eine Wolke zog über die Sonne und ein dichter Regenschauer strömte hernieder.
Unwillig warf ich meinen Hut beiseite und setzte mich wieder an den Schreibtisch.
Aber schon nach kurzer Zeit stahl sich ein heller Lichts'treifen über mein Papier.
Ich blickte auf und sah, daß die Sonne wieder die Wolken durchbrochen hatte. Mit einem tränenvollen Lächeln guckte sie durch mein Fenster.
Das Lächeln vertiefte und erweiterte sich, mehr und immer mehr, bis die ganze Erde von goldenem Sonnenlicht entflammt zu sein und Dank zuri'ickzulächeln schien.
Unschlüssig, nach welcher Richtung ich mich wenden sollte, hörte ich von dem nahen Walde den flötenähnlichen Rus der
„Hierher! Hierher!
Komm und sieh! Komrn und sieb ’
Der Wald, er lacht
In blühender Pracht!" lauert sie mir zuzupfeifen.
Ich zögerte nicht länger, sondern lenkte rasch meine Schritte nach der Stätte, von wo ich eine so liebliche Aufforderung erhalten hatte.
Es war Frühlingsanfang Und als ich den Wald betrat, stieg ein köstlicher, balsamischer Wohlgeruch zu mir empor — der Weihrauch der Erde, den sie dem Atmmel darbrachte.
.Ich blieb stehen und sog berauschenden Trank in langen, tresen Zügen ein.
., Dabei schweifte mein Blick zu den Säumen hinauf. Durch jwe stattlichen Kronen ging ein geheimnisvolles Flüstern
abends 9 Uhr dem Publikum zur unentgeltlichen Benutzung geöffnet.
Hanau den 28. März 1905.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
6579
Bekanntmachung.
Bei der beginnendell Bautätigkeit machen wir darauf aufmerksam, daß nach den Bestimmungen in § 24 des Bau- unsallversicherungsgesetzes vom 30. Juni 1900 in der Fassung der Bekanntmachung oont 5. Juli 1900 Unternehmer von Regiebauten Arbeitsnachweisungen bei der unterzeichneten Behörde einzureichen haben.
Als Unternehmer eines Regiebaues gilt jeder, welcher nicht ein Baugewerbe im Julande betreibt, also nicht Mitglied einer Bau-Berufsgenossenschaft ist, ob er die Kenntnisse und Fertigkeiten dazu besitzt oder-nicht.
Unternehmer, welche der oben erwähnten gesetzlichen Ver- pflichtung nicht rechtzeitig nach kommen, können in eine Ordnungsstrafe bis zu 100 Mk. genommen werden.
Wegen der Form der einzureichenden Nachweisungen verweisen wir auf die Bekanntmachung des Reichsversicherungs- amres vom 12. Dezember 1887 (Amtsblatt von 1888 S. 5.) abgedruckt im „Hanauer Anzeiger" vom 8. Dezember 1888 Nr. 283 u. ff.
Hanau den 5. April 1905,
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus.
7670
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 8. bis 14. April i^Oö;
1
Arbeiter, Ausläufer, ^ahrburscke, K^ansburfche, Schleifer,
1 Zimmermann,
13 Tagelöhner.
Hanau den 15. April 1905.
Städtische Arbeitsvermittelungsfieüc. <679
Handelsregister.
Firma Frankfurter Wach- u. Schliesigesettschast, Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Frankfurt a. M., Zweigniederlassung in Hanau. Der Kaufmann Ern st Zühlke in Frankfurt a. M. ist als Geschäftsftihrer ausgeschieden und an seiner
und Raunen. Und mir roars, als ob ich die Motte, die in ihrem Säuseln lagen, verstehen konnte. Ich glaubte zu hören, wie sie sich über den kommenden Sommer unterhielten, wie sie sich aus ihr prächtiges, grünes Gewand freuten und auf die scheuen Bögel, denen sie Obdach gewähren wollren, ihre Nester zu bauen. Und wenn sie dann soäter die junge Brut in ihren mächtigen Armen in den Schlaf wiegen und- sie vor dem gierigen Auge der Menschen verbergen würden. — —
Als ich meine Wanderung tteuz und quer durch den Wald fortsetzte, wandelte ich wie auf einem Sammetteppich, so weich und elastisch fühlte sich das ftische, grüne Gras unter meinen Füßen. Und hier und da blickten weiße, gelbe und blaue Blumenaugen dankend zum Schöpfer empor.
Ganz verborgen in emem schattigen Plätzchen entdeckte mein umherspähendes Auge ein vorzeitiges Veilchen. Schüchtern schoö es das ftische Gras beiseite und guckte neugierig, doch zaghaft hervor. Es fürchtete wohl, daß ein Vorübergehender es aus seinem warmen Bettchen re-sten könnte, schon jetzt, wo es eben erst seine winzigen S amenblätter entfaltete, um sich an den erwärmenden Sonnenstrahlen zu laben.
Hier und da erhoben zatte Waldanemonen ihre leichten Köpschen.
Wie gerne hätte ich mir einen Strauß davon gepflückt, um mich noch länger an ihrer lieblichen Schönheit zu er- freuen! Aber ich unterdrückte diesen Wunsch, da ich nur zu gut wußte, daß diese garten Blumen unter dem rauhen Griff des Menschen gar bald verwelken und sterben.
Schwellendes Moos am Fuße einer gigantischen Eiche lud mich zur kurzen Rast ein.
Da schlug hell und frohlockend der Gesang der Vögel an mein Ohr und sprach von kommenden Freuden.
c B^M hüpfte von Zweig zu Zweig, dabei mit hellen Schlagen durch den Wald rufend.
Was er doch für ein heiterer, glücklicher Vogel ist!
Sein Lied klingt so ganz besonders erquickend, so frei und zwanglos, so luftig und lieblich zugleich!
Nach einer Weile nahm ich meinen Weg, gemächlich schlendernd, wieder auf.
Wie schön war cs doch zu wandrrn durch bie fröhliche, blühende, grünende Gstteswelkl "
Stelle der Kaufmann Paul Davidson in Straßburg als Geschäftsführer bestellt worden. Derselbe ist allein zur Vertretung der Gesellschaft be- rechtigt.
Hanau den 20. März 1905.
Königliches Amtsgericht 5« 7724
Vereins- u. VergnngnnqsNachrichten
für Samstag den 15. April.
KoiizerihauS „Germania": Streichkon^ert der Damenkapelle „Lohengrin", Turngemende: Don 8— 9st- Uhr: Turnen der Iuqendab-eilung. Evange!. Arbnierverein: Dereinsabend und Mitgliederaufnahme im Der- ein?lofa'e „^raue ei Weismanul".
Gesanoverein „Fröhlickkeit": Pereinsabend im „Deuücken HanU*. Gesangverein „Germania": Vereinsabend im „Löwengärtchen". Gesangverein „Melomania": Dereinsabend in der „Karthaune". Gefan--ve!ein „Sum'er": Dereinsabend in der „Siadt Bremen". Gesangverein „Tonblütbe": Dereinsabend in der „Stadt Bremen". Evanq. Männer- u. Iünglingsverein: Unterhaltung (t^v. Dereinshaub). DergnügunaS-Deiein „Germania": Dereinsabend im „gr. Kurfürsten". Dergnügungsoesellschaft „Fidelio": Dereinsabend „zum Anker".
Gesellige Derbinvung , Melitta": Dereinsabend „sur goldnen Gerste". Kasino „Gintracht": Dereinsabend „zum Draiittüb'l".
Verein „Einigkeit": VeieinSabend in der „großen Krone".
Verein „Fideliras": Vereinsabend in der „deutschen Eiche".
Klub „Camerali^: Klubabend im „großen Kurstirsten". Gesellige Verbindung „Arminia": Klubabend in der „Stadt Bremen". Deren: „Frohsinn 1903": Dereinsabend im „Grafen Philipp fubwig'« Achletenklub „Germania": Dereinsabend im „großen Kur ürsten". S'emm- und Ringklub „Eicke": Dereinsabend „zum Sandhof".
Hanauer Fußball- und Crickek^lub: Beienr-abend in der Biauerei Beck. s Hanauer Fußballqesellschast 1899: Dereinsabend im „schwarzen Bären". v Fußballklub „Dikloria": Dereinsabend im „gsldnen Rav".
Ravfak» ec-Verein 1898: Dereinsabend ,^ur deutschen Eiche".
Radsport „Adler": Dereinsabend im „Schützenho'". Rabkabrer-Veren „Union": Dereinsabend im „WilhelmLeck". Mnntgesellsckaft 1901; Deremsabend „zum Tech".
Kegelaub „Nachischwäimcr": Gasibaus „rnr guten Quelle". Onend-Klub: Dereinsabend im „Bernhai dseck". TunlgeseÜfchaft Hanau: Gen-ralversammlung.
für Sonntag den 16. April.
Lokomonosübrer-Verem : Vormittags von 11—12 Uhr: Zufaulmttlkm^ im Vereinslokal (, Een ralhalle').
Tifchgesellschafl im „Nürnberger Hof": Don 11—1 Uhr: Uebungsstunde. Hanauer Fußball- und Crickeiklnb: Nachmittags 2 Uhr: llebungsspiel auë seinem Sportplatz am städt. Wasseiwerk 2, Leivzigerstraße.
Hanauer Fußballklub „Dikiona" 1891: Stackmittags 3 Uhr: Uebungs» spiel auf seinem Sportplatz an der Leipsinernraße.
Nachmittags 3 Uhr: Nebimqsspiele auf dem Lerner platz: „Hanauer Fuß- baffaeieUjdiaft 1899" und Hanauer itußballklub „Hanovm".
Erster Hanauer Fußballklub 1893: Nachmittags 8 Uhr: Uebungsspiel auf seinem Sportplatz an der „Schönen Aussicht''.
Feuchies-Eck: Gasthaus „zur gute» Quelle". Stammnjch „Bürgerbräu": FamUienadend.
Nun tam ich ml einen fließenden Strom. Ich setzte mich cm seinem Ufer nieder.
Wie er rieselte, plätscherte, wallte, sprudelte! Er schien auf seinem steinigen Bette Possen zu treiben!'
Aber auch wie träumerisch, wie einschmeichelnd klangen diese gurgelnden, glucksenden Laute! Sinnend ruhten meine Augen auf ihm — diesen sonncm durchleuchteten Strom.
Wohin eilt er so schnell?
Was mochte er alles in seinem raschem Lause erschaut haben?
Warum verweilte er hier 7richt länger, hier in dieser wunüeclicblichen Waldidylle? ,
Stürzte er nur so unaufhaltsam vorwärts, um fein reines, durchsichtiges, fleckenloses Dasein in jenen uner- griindlichen, von Leidenschaft durchwühlten Ozean zu ergießen und in ihm spurlos unterzugehen?
Kleiner Strom I Bleibe doch hier eine kurze Spanne Zeit. Bleibe und singe mir ein Lied!
Aber der Strom floß unentwegt weiter, während er sang:
„Der Mensch, ec geht duld hier, bald dort!
Ich aber fließe ewig — ewig fort!"
Und dabei hüpfte und sprang er, und glitzerte und funkelte im goldenen Sonnenschein! Und es war mir, als ob er über mich und meine irdischen Gedanken lächelte!
Während ich so träumerisch in ferne klaren Tiefen blicklos entstand in meinem Herzen ein unbestimmtes Sehnen nach irgend etwas — wonach — davon wußte ich mir nicht' Rechenschaft zu geben.
Ich wußte nur, daß ich plötzlich von bem glühenden Wunsche beseelt wurde, irgend etwas Großes und Edles zu- leisten — etwas, was mich über die alltägliche Welt erhob und mich in leichtere reinere Höhen trug — näher dem Frieden — näher meinem Gott l ‘
Solche unbestimmte sehnende Enrpfindungen überkommen wohl jeden Menschen zu gewissen Zeiten.
. äncm schlagen sie Wurzel und nehncen eine be- stimmte ftorm un. Sie werden ihm der Sporn, der Antrieb zu edlen Zielen, der Grundstein zu einem besseren Leben. Dagegen bei anderen gleichen sie den auf dem Strom: