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vierMiLhrlich 1^0 M., monatlich 60 Wg., für out« «frug t Abonnenten mit dem betteßendeu PoßruffchUtG. Lu curzeUre Nummer kostet 10 Wz

Arn# ua» verlegt in der Buchdruckers der «rem. «.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

EünLckusgSgebShr

Kür Stadt» «d Landkreis Hamm 10 Wg, sie fünf« ges-LUt« Pâzeile oder derea Kau«, für LuSwÄttlb ^.

im Äefiamtntbeü die Avi« 2b Wz, für LuSwârtr w Wz

UVaifeohaufeS m Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derântivsrtl. RLakteurr 3. Schrecker in Hane«.

Nr. 39.

Fernsprtchanschluß Nr. 605.

Mittwoch den 15. Februar

Fernspreckanschlnsz Nr. 605.

1905

Amtliche«.

Eandkreia han au.

WmmfmmNirt'i des KiiniqI. 'JnnbrnMnmte#. An die Herren Nüraermeifter nnd Gntsvorsteher des Landkreises.

Durch das Gesetz vom 29. Mai 1903 betreffend die Bildung kirchlicher Hilfsfonds für neu zu gründende katho­lische Pfarrgemeinden ist den Bischöfen das Recht aur Be­steuerung ihrer Diözesanen mit 1°/» der zu entrichtenden Staatseinkommensteuer verliehen morden. Die Ermittelung der von den katholischen Gemeindegliedern zu zahlenden Staats- einkommensteuer ist Sache der Vorstände der katholischen Kirchenaeme nden. Mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, welche sich hierbei besonders in Ortschaften mit konfessionell gemilchter Bevölkerung ergeben werden, weise ich im Stuf trage der Herren Minister die Orts- und Polizeibehörden hierdurch an, den Vorständen der katholischen Kirchengemeinden bei Be» schaffung der erforderlichen Unterlagen jede erwünschte Unter­stützung nach Möglichkeit zuteil werden zu lassen.

Hanau den 11. Februar 1905.

Der Königliche Landrat.

V 964 v. Beckerath.

Nach einem am 1. Oktober 1904 in Kraft getretenen Be- schluffe der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen werden seitdem in der III. Wagenklasse auf halbe Persanen- zug-Emzelreffe- oder Rückfahrkarten befördert:

Unbemittelte Taubstumme für den Besuch kleinerer Zu­sammenkünfte an den Taubstummenanstalten und für den Besuch eines behördlich gebilligten oder überwachten Taubstummengotlesdienstes.

Die erforderlichen Ausweise für diese Taubstummen er­folgen: durch eine Empfehlung des Vorstandes der Anstalt oder (bei Reffen zum Taubstummenaoffesdienst) des den Gottes­dienst leitenden Geistlichen oder Taubstummenlehrers.

Hanan den 12. Februar 1905.

Der Könialiche Landrat.

V 994 v. Beckerath.

Bei den Unteroffizierschulen werden noch Freiwillige an­genommen.

Die Einstellung erfolgt bereits zum 15. April d.^ Js.

Die bezüglicken Bestimmungen können bei dem Königlichen Bezirks-Kommando hierielbst sowie im Bureau des Unter­zeichneten eingesehen werden.

Hanan den 11. Februar 1905.

Der Königliche Landrat.

M 444 I. A.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.

Feuilleton.

Konzert des Lehrer-Söngerchors.

Hanau, 15. Februar.

Die reichen Darbietungen musikalischer Genüsse während des Winters neigen mit dem Schluffe der Saison ihrem Ende zu. Doch zu rechter Afft erschien noch ein bekannter Tou- körper, der hierorts rühmlichst e^ngelübrte Lehrer-Sängerchor auf dem- Plan, um ein Konzert darzubieten, daS gestern abend in derCentralballe" bei überaus starkem Zudrange unseres kunstsinnigen Publikums vor sich ging. Wenn auch die quan­titative Ausdehnung des genannten Vereins hinter derjenigen vieler hiesigen Gesangs körper merklich zurücktritt, so ist doch die Qualität eine solch rühmenswerte, daß ihm füglich die Be­rechtigung zugelprocken werden kann, unter den besten unserer Gesangvereine die Führung zu übernehmen.

Der rührige und strebsame Dirigent Herr W. Hamburger hatte mit kundiger Hand ein geschmackvolles, eigenartiges Pro­gramm znlammengestellt, wenngleich nach unserer Ansicht vom ernsten Genre etwas zuv'el geboten und die belljauchzende Freude eines lebensprühenden Frühlingsliedes, das die fühlende Menschenseele auch in den Wintertagen neu belebt, sicherlich vermißt wurde.

Die darqebotknen sechs Chöre gaben reichlich Zeugnis von sachlich vorbereiteter Arbeit und ungescheuter Mübe. G< fielen unS einesteils die zuweilen frisch einsetzenden Stimmen des L Tenor«, beten Disposition in der jetzigen unbeständigen Witterung eine recht vorteilhafte bezeichnet werden konnte, so war doch nicht zu verkennen, daß der Stimmenausgleich des Tenors z^um Baß für den letzteren ein Plus au^mochle, waS zur Folge hatte, daß der Baß in einigen Darbietungen merklich dominierte. Nach der von der verstärkten Infanteriekapelle unter Bettung des Herrn Stabshoblsten C. Schmidt treff- *

Hue Ranau Stadt und Cand.

Hanau den 15. Februar.

Aus dem Nerrchtslaul.

Sitzung deS Schwurgerichts vom 14. Februar.

Eine gefälschte Fahrkarte.

Auf der Anklagebank sitzt der am 18. Oktober 1864 zu Elm geborene Hilfsbahnsteigichoffner Adam Ran, welchem zur Last gelegt wird, im Herbst 1903 zu Elm als Beamter eine ihm amtlich zugängliche Urkunde gefälscht au haben. Es ist ein reckt verwickelter Fall, bei dem viele Möglichkeiten in Be­tracht kommen und die Verhandlung zieht sich daher bis abends 9 Uhr hin. Der Tatbestand ist im wesentlichen folgender:

Auf den geringeren Eisenbahnstationen, an denen gedruckte Fahrkarten auf eine weiter entfernte Station nicht vorhanden sind, werden handschriftlich auS^efüHte Bla»-kobillets onsge- atben, d. h. der Schalterbeamte füllt einen Vordruck mit dem Namen der Endstation des die Fahrkarte verlangenden Passa­giers aus und zugleich mit diesem Blankobillkt durch einen dazwischen einqesckobenen Jndi?oboqen ein darunter liegendes Stammbillet, das zur Konirolle auf der Station verbleibt. Bff der Verkehrslontrolle in Hannover wurde nun Ende 1903 ein gefälschtes Blankobillet ermittelt, mit dem es folgende Be­wandtnis hatte: Das handschriftlich ausgefüllte Billet war am 15. September 1903 von einem Reitenden in Hannover zur Fahrt nach Elm gelöst und dort abgenommen worden. Auf dkestm Billet wurde die ursprüngliche Ausfüllung später weg­radiert und daraus eine Fahrkarte von Elm nach Hannover über Eichenberg gemalt und zwar war sie ausgefüllt für zwei Personen und ein Kiüd und mit dem Datum des, 1. Oktober versehen. Das Datum wird mit der Lochzange ' ein­gedrückt und das hier in Frage stehende Datum war genau auf das erste vom 15. September gesetzt, sodaß dieses für das hloße Auge unkenntlich wurde. Die Dalums­zangen sind ly den verschiedenen Bezirken noch besonders nngseriert und in Elm trug die am Ausgabeichalter benutzte Zaffqe die Nummer 114 und die am Ausgang benutzte die Nummer 115. Bei der Nachforschung nach dem Täter wurde nun durch photographische Vergrößerungen der gefälschten Karte festgeftellt, daß sie mit der Zange Nr. 114 gelockt war, und dieser Umstand firrte dazu, den Hilfsbadnsteigschaffner Nau als den Fälscher zu betrachten, dem zuvor niemand die Tat zugerraut hatte. Dieser hatte am 1. Oktober Dienst ge­habt, vor allem aber wies die Handschrift ans der Karte auch eine aufsallende Ähnlichkeit mit derjenigen des Rau auf. Ferner kam in Betracht, daß der Angeklagte außer an der Sperre auch aushilfsweise den Dienst an; Sckal'er versah, an welchem die abgegebenen Karten gleich gelobt werden, sodaß

liO; Wiedergegebenen Ouvertüre von Burau, erbrachte uns der Abend eine Novität. Das Programm zeigte nämsich als Einaangèchor eine rechè ansprechende und im großen ganzen auch recht gut instrumentierte Kom­position des Herrn Ad. S t ü b i n g aus Hanau, betiteltDas Grab im Busento", dessen Text schon mehrfach als Vertonungs- unterlage benutzt worden ist. Die sinnige und mit gutem Geschick ausgeführte Auffaffunq des Inhalts, sowie di^ gleich­gelungene Interpretation erbrachten dem jungen Kompsnisten, der sein Werk selbst dirigierte, lebhafte und wohlberechtigte Anerkennung und zum Schluß eine ehrende Kranz­spende. Sicherlich berechtigt daS Talent des jungen Künstlers zu den besten Hoffnungen für die Zukunft. In der weiteren Folge wurden rock C. Kreutzers tiefewpfin- dendes TsnstückDie Kapelle" (in C-dur) unter Ueberwindung schwieriger Modulationen, Mendelsiohn-Bartholdvs ewig- schönerWer hat dich du schöner Wald" und G. Gastoldi's Amor im Nachen" unter Beobachtung gut gewählter Dynamik und Einhaltung zieml'ch sicherer Tonhöhe recht anspreLend zu Gehör gebracht. Nâchstdem erfreute uns die Interpretation deS schon als Solo oft gehörten und als Chorwerk gut harmönisierienSei still!" des Alimffsters Franz^me. Der Vortrag dieses Chors muß als reckt innig und ausdrucks­voll bezeicknet werd'n. Als Haupt- und Glanznummer jedoch dokumentierte 'sich W. Sturms mächtig ergreuenbe und mit mancherlei Effeklsfülle gewürzte KompositionColumbus letzte Nacht", die, wie auch die Eingangsnummer, unter Muwirkung der Jnfanteliekapelle zu tatsächlich vollendet zu n°nnender Dar­bietung gelangte. Als Solist in diesem TvngeLilde trat Herr Aug. Leimer au8 Frankfurt a.M. auf, dem bereits ein guter Ruf vorausging und der sich durch leinest einschmeicheln­den, leicht beherrschten und sicheren Ton als gewiegter Ban­tonist auch in diesem Konzert vorstellte. Auch in den gebotenen kleineren und kürzeren So onummern sang er sich in die Herzen seiner dankbaren Zuhörer ein. Den Löwenerfolg des genußreichen Konzertabends errang sich wohl durch sein über­

dieser Umstand ebenfalls dafür sprach, daß der Angeklagte her Fälscher sein konnte.

Rau bestreitet entschieden die Täterschaft und^rt zu seiner Verteidigung hauptsächlich an, er sei am 1. Oktober morsens gar nicht am Schalter, sondern beim Auskleben von Fahrplänen beschäftigt gewesen. Den Dienst in der in Betracht kommenden Zeit hätte vielmehr ein Assistent B. versehen, der ziemlich verschuldet und öfters in Geldverlegenheit gewesen sei. Weiler sei es aber auch möglich, daß ein mit den Verhältnissen vertrauter Bahnbeamrer, der mit Familienangehörigen eine Reise machte, den betr. Schein gefälscht habe. Der Beamte hat nämlich freie Fahrt, während die Anaebörigen die Fahrt bezahlen muffen. Nack dieser Richtung wurden eingehende Ermitle'ungen angestellt und wenn auch im ganzen Direklionsbezirk kein Beamter ermittelt werden konnte, dem für die betr. Zeit ein derartiger Schffn auSgefieih wurde, so liegen doch verschiedene Tatsachen vor, die es nichr unwahrscheinlich erscheinen fassen, daß irgend eine auf Reisen befindliche, mit den Verhältnissen vertraute Person, sei es ein früherer oder ein aktiver Beamter, eine derartige Manipulation vorgenommen bat. So hat insbesondere ein Stalionsasfisteni in Elm eine Persönlichkeit gesehen, die am 1. Oktober den Schnellzug verließ, sich beim Zugführer als reisenden Kollegen vorstellte und dann nach bun Warttsaal ging. Auf Verau- laffung des Verteidigers werden alle die Verhältnisse besprochen die es auch einer fremden, mir dem Bahndienst vertrauten Person ermöglichen, ein altes Billet mit einer am Bahnhof E'm befindlichen Lochzange zu locken. Diese Möglichkeit lag früher vor, nach diesem Vorfall wurden entsprechende Aende- rungen getroffen.

Von den Schriftzügen des Augetlsaterr wie von dem ge­fälschten Billet lügen eine Menge vbotosrophische Vergröße­rungen vor und die beiden Schrerlsackverständiaen, Herr Ge- r chtsitemiker Dr. Popp und Landesgericktssekretär a, D. Pâhler aus Frankfurt a. M. erstatten längere Gutachten, nach denen die Fälschung nur von der Hand des Angeklagten her- rübrett könne. Allein die ü rige Beweisaufnahme gestaltet fick dock so günstig für den Angeklagten, daß die Geschworenen nach kurzer Beratung zu einem Nichtschuldig kommen. Das um 9 Uhr abends gefällte Urteil lautet daher auf Frei - sprechung und Aufhebung des Haftbefehls.

Die Anklage vertrat Herr Gericktsaffessor Dr. Mosler, Verteidiger war Herr Rechtsanwalt OsiuS.

* *

Sitzung deS Schöffengerichts vom 14. Februar

Der Goldarbeiter R. erhielt wegen AbbrennenS von Feuerwwk in der Neujahrsvacht ein Strafmandat von 3 Mk. Sein Einspruch ist ohne Erfolg. Ein Restaurateur erhielt aus der gleichen Veranlassung ein Strafmandat von 6 Mk,, wäliigendes und hinreißendes Spiel am Klavier Herr C. Friedberg auS Köln, der schon mehrere male hier auftrat. Mit einer fabelhaften technischen Überlegenheit ausgestattet, reprsduzierte er spielen» leicht aus dem Gedächtnisse die schwie­rigsten Passagen und konformen. Nicht enbenwoSenber Applaus veranlaßte ihn endlich Noch zu einer ebenso sicher er Ubigten Zugabe, die gleichwohl wie baB vorher Gebotene einen tief durchdachten, geistvollen Vortrag und ein reichbesaitetes Empfindungsvermögen offenbarte.

Mit Stolz kann der hiesige LehreriSângerchor und ins­besondere sein energifroUer Dirigent auf den Verlauf des gestrigen Konzertabends zurückblicken, erhaben in dem Bewußt­sein, ein neues Lorbeerblatt dem Ruhmeskranze früherer Er­folge hinzugefügt zu haben.

Der Sport und die Domcu der eillpischk» Gestllschost.

tëhte Londoner Skizze von Dtto Marx (ßonbou).

(Nachdruck verboten.)

' Bis vor wenigen Jahren wurde in England die Bezeich­nungSport" in Verbindung mit einer Dame ausschließlich für deren Teilnahme an einer Fuchsjagd gebraucht. Seit un­denklichen Zeiten haben englische Frauen an dem Waidwerke sich beteiligt, und eine der Vorfahren deS Lord Salisbury hatte gar ihre eigene Meute. Königin Viktoria ritt in dm ersten Jahren ihrer glücklichen Ehe gelegentlich zu den Jagden in­mitten einer fröhlichen Jagdgesellschaft, und in die ReqierungS- zeit dieser Königin fällt auch ein beträchtlicher Wechsel, soweit die Stellung desschönen GeicklechtS" in den Sportkreism der oberen Gesellschaftsklassen in Frage kommt.

Dw Verteidigerin der Rechte der Fran in der Beteiligung an Jagden war die Comtesse de PariS, die viele Jahre hin­durch zu den besten Sckützen in England zählte. Gelegentlich ihres Aufenthaltes auf dem königlichen Herrschaftssltze in Sand- rinqham überraschte sie jedermann, und besonders die biederen