Erstes Stott
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WertäjLhrkch 1,80 M^ mouaüich 60 Pfg., für auB« âigt Abonnenten mit dem bettessenden Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
EiurückungsgebShrt
Gedruckt und verlegt in der Buchdrucker« deS verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Ocneral-Anzelger
Amtliches Organ für Statt« uni FandKreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fünsgespakteue Petitzeile oder deren Raum 15 Wg., im Rârneuteü die Zelle 35 Pfg.
Berautwortk. Rä>akteurt G. Schrecke, ta Hauau.
Nl. 137 Fernsprechanschlutz Str. 605.
Mittwoch den 14. Juni
Fernsprechanschlufi Nr. 605.
1905
Amtliches. ;
Stadtkreis F)anau.
Die Liste der zu der Aerztekammer wahlberechtigten approbierten Aerzte für die Provinz Hessen-Nassau des Stadtkreises Hanau liegt im Kreishause, Hainstraße 10, im Zimmer des Königlichen Polizeisekretärs vom 16. bis einschließlich 30. d. Mts. den Herren Aerzten während der Bureaustunden zur Einsicht offen.
Hanau den 9. Juni 1905.
Königliche Polizei-Direktion.
(P 4641 I. V.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.
Candkreis Hanau.
BekMtmchmM des Söaigli^n LsildrstSiimts.
. Mit Bezug auf die Vorschriften in den M 4 und 6 der Allerhöchsten Verordnung vom 25. Mai 1887 betr. die Einrichtung einer ärztlichen Standesvertretung mache ich hierdurch bekannt, daß eine Liste der nach dieser Ordnung wahlbe- rechttgten Aerzte des Landkreises Hanau vom 16. bis einschließlich 30. d. Mts. in dem Bureau des hiesigen Landratsamtes während der Geschäftsstunden an Wochentagen zur Einsichtnahme öffentlich ausgelegt wird.
Einwendungen gegen diese Liste sind unter Beifügung der erforderlichen Bescheinigungen bis zum 14. Juli d. I. bei dem Vorstand der Aerztekammer in Hanau anzubringen.
Hanau den 10. Juni 1905.
Der Königliche Landrat.
V 3816 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Lttisirtschsfilicher Krtisvereiil Hm«.
Seitens des Landwirtschaftlichen Kreisvereins finbet am künftigen Sonntag den 18. b. Mts. eine Besichtigung bäuerlicher Wirtschaften in Oberissigheim, der Domäne Rüdigheimerhof sowie des Reuling'schen Gutes in Rüdigheim und der Molkerei in Marköbel statt. Anschließend hieran Versammlung des Vereins in der Stein'schen Wirtschaft daselbst, wo Herr Dr. Nickel aus Langendiebach einen Vortrag über „den Düngungszustand des Bodens" halten wird.
Treffpunkt der Teilnehmer aus Hanau um V/2 Uhr nachmittags bei der Wirtschaft „zum goldenen Löwen", Vorstadt 1 hierselbst. Für die übrigen Teilnehmer um 2^/4 Uhr bei der Schmidt'schen Wirtschaft in Oberissigheim.
Wegen der Bereitstellung von Fuhrwerken wollen die hiesigen Teilnehmer ihre Beteiligung an der Bereisung als-
Feuilleton.
Der 13. Juni.
Momentbilder vom Lamboyfe st.
Man muß die Feste feiern, wie sie fallen! Das ist nicht immer leicht, zumalen das Festefeiern an einige Vorbedingungen gebunden ist, die nicht gut umgangen oder ignoriert werden können. Und in diesem Jahr hat's seine besonderen Schwierigkeiten gehabt, die freilich nicht gewaltig genug waren, das Bedürfnis des Festefeierns. zu unterdrücken, aber manches schwere Rechenexernpel ist Heuer durch den Kopf gegangen und mancher stille Seufzer ist laut geworden und manches Portemonaie wurde selbst in den verstecktesten Falten untersucht, ehe der Schließkorb endgültig gepackt uud der unvermeidliche „Radanenkuchen" reinlich und liebevoll in die Serviette verpackt wurde. Im direkten Anschluß an zwei Feiertage noch das Lamboyfest — aber schließlich wird das immer noch nicht den wirtschaftlichen Niedergang unserer Vaterstadt veranlassen und ein kleiner Aderlaß an den Fa- miliensinanzen hat auch seine latenten Vorteile.
Einige Lücken und leere Tische fielen nicht allzusehr auf; die alten Kiefern des Lamboywaldès sahen wieder auf eine solch' stattliche Menge Feiernder herab, daß man eher geneigt war, an eine erhöhte Teilnehmerziffer zu glauben, als an einen Rückgang der Beteiligung.
Und der Verlauf selbst. —
Das altersmürbe Cabriolet mit dem nicht jüngeren Rosse hat uns in leidlich flottem Tempo die diesmal fast staublose Straße dahingetragen, an bedächtig, aber zielgewiß wandelnden Mitmenschen jeglichen Alters vorüber, von denen viele die Last der mitgenommenen Fourage sorgsam mit sich tragen; und manchmal ist das keine geringe Mühe, die aber nie ein Murren hervorruft.
Schon unter den ersten Kiefern hört man den ohrenbetäubenden Lärm, ohne den es nun einmal nicht geht, und ehe man sichs versieht, ist man schon mitten in dem Trubel
bald dem Schriftführer des Vereins, Herrn Domânen-Rent- meifter Reinhardt hierselbst, mitteilen.
Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanau den 13. Juni 1905.
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 braunes Kinderportemonnaie mit 25 Pfg. Inhalt, 3 Herren-Stehkragen frisch gewaschen und gebügelt, 1 Portemonnaie mit 2,84 Mk. Inhalt, 1 weißer Spitzenkragen, 2 Damen-Sonnenschirme; Empfangnahme im Laden Hammerstr. 1.
Im Laurboywald gefunden: 1 Kinderschuh, 1 kleiner Schlüssel, 2 Schlüssel an einem Scharnier, 1 Spazierstock, 1 Kinderstrohhut.
Verloren: 1 silberne Damenuhr, 1 Zehnmarkstück. Zugelaufen: 1 grauer Rattenpinscher w. Geschl., 1 weißer Foxterrier m. Geschl.
Hanau den 13. Juni 1905.
Hus Hanau Stadt und fand.
Hanau, 14. Juni.
* Reichsbantsielle. Am 1. Juli d. J. wird an Stelle der jetzt bestehenden Reichsbanknebenstelle in Oppeln eine Reichsbank st elle daselbst errichtet, von der die Reichsbanknebenstellen in Krenzburg O.-S., Neisse und Ratibor abhängig sind.
* Kreis-Tierschau in Schlüchtern mit Prämiierung. Der landwirtschaftliche Kreisverein Schlüchtern veranstaltet Dienstag den 20. d. Mts., vormittags, eine Kreis-Tierschau mit Prämiierung. Den Interessenten für Simmentaler Viehzucht sei der Besuch der Tierschau angelegentlichst empfohlen.
* Quartier. Eine Abteilung des Feld-Art.-Regts. Nr. 61 bezog gestern morgen, auf dem Marsche nach der Senne begriffen, hier Ouariier. Heute morgen erfolgte der Weitermarsch.
* Lambonfesi. Man konnte diesmal bei der Feststellung seines Pfingstprogramms in einen Zwiespalt mit sich selbst geraten, denn da der launige Zufall das Lamboyfest gerade auf den 3. Festtag fallen ließen, so hatten wir drei Feiertage hintereinander, die einer evll. größeren Pfingstreise zu statten kamen. Auf der einen Seite lockte also dieses günstige Zusammentreffen zu einer größeren Pfingsttour, auf twn.BMMm^x^/snyjfl^^ 1" ffiWrMpHWMvr^rreya^-ä^agEgs^^ '^caMCTMBZMTOeEgaa und Treiben des Festes drin. Der Harzgeruch der Kiefern nüscht sich mit dem verheißungsvollen Duft frisch bereiteten Kaffees, der an diesem Tage nicht nach dem Werktagsrezept, sondern mit dem doppelten Quantum Bohnen bereitet wird, der Feier und der Reputation wegen.
Eifrige Hände öffnen den Schließkorb unb fördern die Herrlichkeiten, die er birgt, zutage. Zunächst was zu einem Kaffeetisch von Nöten ist. Das erste kleine Pech stellt sich ein: Die irdene Kaffeekanne ist zerbrochen. Zaghaft gesteht es die Hausfrau unb der Familienvater beginnt nervös zu lächeln. „Natürlich", sagt er malitiös, „wenn man nicht alles selber macht!" Er weiß aber, daß er die Zumutung, irdene Kaffeekannen zu verpacken, jedensalls mit Entrüstung von sich gewiesen hätte, und da der Schaden nicht von allzugroßer Tragweite ist, läßt er sich rasch und gern beruhigen.
Endlich steht der braune Nektar fertig auf dem Tisch, es erweist sich aber leider, daß statt der Milchflasche eine Flasche Salmiakgeist eingepackt wurde und dieser ein wenig durchsickerte, auf den plattgedrückten Radanenkuchen, der zu dicht unter den Korbdeckel plaziert wurde. Auch dieses Unheil wird überwunden. „Natürlich", sagt der Familienvater grimmig, „wenn man nicht alles selber einpackt!" Er weiß aber genau, daß ihm zum Verstauen von großen Kuchen und schlechtverschlossenen Salmiakgeistflaschen jegliches Talent fehlt und er läßt sich daher beruhigen, zumal auch gerade ein Blasquartett den weniger neuen als melodischen Schunkelwalzer anzustimmen beginnt.
Inzwischen haben sich Gäste am Tisch eingefunden. Einer ist dabei, den von der ganzen Familie niemals jemand gesehen hat, er begrüßt aber die Anwesenden mit so gewinnendem Lächeln und nimmt den Kampf mit dein plattgedrückten Radanenkuchen so erfolgreich auf und handhabt die bäuchige Kaffeekanne mit solcher Vehemenz, daß man ganz vergißt, sich über den seltsamen Besuch zu lounbern. Der selber vergißt dafür das Danken und wendet sich zu bem nächsten Tisch, um sein Experiment zu wiederholen. Ich glaube, er war früher Messerschlucker und hat sich jetzt „vom Geschäft" zurückgezogen. Kuchen schluckt sich auch bedeutend angenehmer.
Unterdessen hat der Himmel ein drohendes Gesicht aufgesetzt und wirft sogar ein paar dicke Regentropfen unter
der anderen Seite wollte man doch auch seinen altgewohnten Lamboywald nicht „schwimmen" lassen. Was sich hiernach auf den ersten Blick als ein günstiger Umstand für den Lamboywald ansah, erwies sich ihm in gewisser Hinsicht als nachteilig, auch das Zusammentreffen mit dem Frankfurter Wäldchestag entzog ihm wohl manchen Besucher. Das letztere machte sich übrigens auch von einer angenehmen Seite bemerkbar, denn der Musikanten ungezählte Scharen hatten sich geteilt, es schien fast, als ob der größere Teil unsere nachbarliche Großstadt „beehrt" hätte. Der Wettergott behandelte diesmal den Lamboytag so freundlich wie nur möglich. Der Regen vom vergangenen Freitag tat noch seine Wirkung, d. h. die von da noch vorhandene Feuchtigkeit verhinderte eine allzugroße Staubentwickelung und ein paar Spritzer, die gestern hier und da vorbeiziehende Wolken entsandten, waren auch nur geeignet, dem Staube Einhalt zu tun. So wirkte mancherlei zusammen, was das altgewohnte Bild etwas veränderte. Der Umstand, daß der „zwölfte" auf den zweiten Festtag fiel, bewirkte, daß da schon am Mittag die Familien in den Wald gingen, viele es damit genug sein ließen und den „dreizehnten" daheim oder auswärts verbrachten, wodurch sich der Besuch auf zwei Tage verteilte. So herrschte an keinem von den zwei Tagen das große Gedränge, der sonst herrschende betäubende Trubel war durch das Fehlen der zahlreichen „Musikanten" bedeutend gedämpft, es war eben vieles nicht so wie sonst. Im übrigen konnte man auch wieder die Beobachtung machen, daß die Begeisterung für den althergebrachten Festtag langsam, aber stetig abstaut. Zwar der alte Stamm bleibt ihm erhalten und hängt mit Zähigkeit an seinen gewohnten Plätzen, aber unter der neu Heranwachsenden Generatton sind viele, die ihm nicht besonders huldigen und lieber den Tag zu Ausflügen benutzen. So kommt es, daß schon seit einigen Jahren Lücken entstehen, die sich nicht wieder schließen wollen, mag der Himmel noch so freundlich Herniederschauen und der Tag noch so günstig fallen. Immerhin soll das nicht etwa heißen, daß draußen „nichts mehr los sei", es herrscht noch die altfidele Sttmmung und die gewohnte Gemütlichkeit und es dürfen schon recht viele untreu werden, bis bei der großen Masse der Besucher einmal eine Abnahme auffällig zu Tage tritt. — Für die geplagten, unaufhörlich hin und herjagenden Pferde erwiesen sich bei der zeitweilig herrschenden stechenden Hitze die vom Tierschutzverein in diesem Jahre erstmalig errichteten Tränkstellen als eine große Wohltat, es wurde fleißig davon Gebrauch gemacht. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", das Wort Goethes gilt auch für die stumme Kreatur, die der Mensch in seinen Dienst gezwungen und der er ihr schweres Los nach Möglichkeit erleichtern soll.
* Mainwasferwänne gestern abend 17 Grad.
die Festteilnehmer, die erschreckt durcheinander fahren uud aufgeregt die Familienschirme von den Baumästen abhängen. Mit unglaublicher Rapidität verschwindet der Kuchen im Schließkorb und dieser unter den Tisch und bestürzt, m komischem Schrecken starrt alles nach dem schwarz bewölkten Himmel, der das Unerhörte: Regen am Lamboytag, voll- bringeu zu wollen scheint. Der aber hat seine Hanauer viel zu gern, als daß er ihnen die Festfreude so schnöde verderben möchte, und im Handumdrehen fließt wieder heller Sonnenschein über die weißgedeckten Tische und die rötlich schimmernden Menfchengesichter. Und zaghaft erscheint auch wieder der Radanenkuchen auf dem Tisch und die auseinandergeschwirrten Gäste kehren nach und nach zu der verlassenen Kaffeekanne zurück.
Der Lärm wächst noch immer. Waschechte Napoli- tanerinncn wetteifern mit ebensolchen Tirolern im Bestreben, die Festfreude mit den Rhythmen einer weniger schönen als lauten Viusik anzufeuern, was ihnen auch erstaunlich gut gelingt. Verstimmte Guitarren und leidende Geigen, heisere Flöten und quieksende Klarinetten teilen sich in die Arbeit und zwischendurch hört man undefinierbaren Gesang, in dem das nicht seltene Wörtchen „Lüübe" mit erstaunlicher Häufig' keit wiederkehrt.
Das wird alles, gerade nicht reichlich, aber regelmäßig belohnt. Die Freigebigkeit wächst mit jedem neuen Glase, leider aber nicht die gebotenen Ohrengenüsse. Wer im Grunde genommen hört ja auch gar niemand hin; man ist viel zu sehr mit sich und seinen Nächsten beschäftigt.
Die Stimmung wird immer animierter, es beginnt jenes Gemeinsamkeitsgefühl sich auszubreiten, das jede fidele Laune mit sich bringt. Die Lust, sich weinend zu umarmen, wird immer größer, je schwerer es der Zunge fällt, ordentliche Blitze zu sprechen. Die Aeuglein werden klein und schimmernd, der Schließkorb muß hergeben, "was es noch an feuchten Schätzen besitzt, und je schneller die Stunden vergehen, umso eifriger wird das Bestreben, sie zu nützen.
Ein Ehemann hat sich „auf einen Augenblick ernpfohien", angeblich um einen Luftballon zu kaufen; seit zwei Stunden ist er nicht zurück, die Gemahlin murrt erst, dann wird sie ernst, schließlich beginnt sie zu lamentieren und Tränen -det