Erstes Blâ
Mauer
Mz-gDPrettt
IvierttljyrNch 1,80 3RL, monatlich 60 M.. für cy4« »Lot-« Abonnenten mit bem bettefienben Po staust cht«G,
General-Anzeiger
Für Gè m geaastes Hasan 10 %^ j« $af> MyslèkuP-üyeUe ober der«Stams, für AuSsLMLS ^.,
Mm# Md verlegt in d« Buchdrucker« bei SMM. «S.
Vaileuhauje» tu Hamm.
Amtliches Orga« für Stadt- mb FMKrtis Aaaa«. * -^ ^ *
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. ’^ ^^ nAaitari G. Gchroöer in Hua«.
$!*♦ 12« Fernsprechanschluß Nr. 605.
Samstaa den 14. Mannar
FrernftJre^tmftfjIttO Nr. 605
1905
Hue ßanau Stadt und Cand.
Lana« ^en 14 Januar.
Kaufmönuisksie Unterrilbtsanstaltcn für weibliche Angestellte.
Ostern naht. Tausende von Eltern haben wieder eine Antwort auf die schwere Frage zu geben, welchem Berufe sie ihre Löhne Rubren sollen. Und diese Frage drängt sich auch einer großen Anrahl von Eltern auf, deren Töchter mit Ablauf dieses Schu jabres i^rer Schulpflicht genüzt haben. Ist doch — eine unabwendbare Folge der wirtschaftlichen Ent« Wicklung Deutschlands- — dem weiblichen Geschlecht eine ganze Anzahl Erwerbszweige erschlosien, die sich früher ausschließlich im Besitze des männlichen GelchlechiS befanden. Unter den ungezählten Berufen, die den Frauen jetzt zugänglich fiux suhl das Handklsgewttbe mit in erster Reibe; gehörten doch im Jahre 1882 von einer halben Million im Handel be- schäfliater Per'onen etwa 4'^0 000 dem männlichen und noch nicht 60 600 dem weiblichen Gelchlechte an, während schon 13 Jahre später von 750 000 Handlungsgehilfen 260 000 weiblichen Geschlechtes sied.
Während nun für Handlungsgehilfen aller Orten BildungS- anstalten eegründet worden sind, steht die Zahl der kaufmännischen UnterrichtSanstalten für weibliche Angestellte zur großen ZaLl der hüteten in einem starken Mißverkältnis. Ich sehe dabei natürlich ab von jener Unzahl von Schnell» pressen, deren Tâ'igkeit Handelskammersekretär Dr. Brandt in Düffeldorf zur Genüge beleuchtet hat. Trügen nicht alle Anzeichen, so hat ihre Sti'nde geschlagen. Unsere Stadt nun ist seit Jahren in der glücklichen Lage, eine Bildungsanstalt für weibliche Angestellte zu besitzen, und diese soll, wie wir hören, durch eine beträchtliche staatliche Dechilfe in den Stand gesetzt werden, noch in höherem Maße als bisher ihrer Aufgabe gerecht zu werden.
Ueber Mangel an oenüienber kaufmännischer Bildung bei den weiblichen Handelsbeflissenen wird fast überall a'klagt. Noch in envm seiner letzten Berichte hob der kaufmânv'sche Verein in Mannheim hervor, daß von 134 Bewerberinnen um vakante Stellen, deren 105 gemeldet waren, nur 46 durch Vermittlung des Vereins besetzt werden konnten. Dies laa, wie der Bericht betont, daran, daß die Kenntnisse eines großen Teils der Bewerberinnen weit hin er den seitens der Prinzipale gestellten Anforderungen zurückblieben. Dieie mangelhafte Vorbildung von Mädchen, die ohne prakti che Levrzeit in >den kaufmännischen Beruf eintreten, ist auch eine Urlache ihrer geringen Besoldung, wodurch wiederum die Gehälter der Gihil'en in bedauerlicher Weile her abgedrückt werden. Eine Reihe von Städten — unter ihnen nnsere Nachbarstadt Frankfurt — hat
Feuilleton
= 1. Sinfoniekonzert im Stadttheater. Im hiesigen ètabttbeater Drrawtaltete vorgrfi rn abend die Kapelle des J»f.-Regis. H ffen Homburg Nr. 166 unter Leitung ihres Dirigenten Herrn C. Schmidt das 1. Sinfoni konz°rt. D"s Haus war bis auf den letzten P'atz besitzt, was wohl dafür spricht, daß unter mu^kliebendes Publikum dem schönen Urner« nehmen reges Interesse entgegenbringt. ^ud^m ist bei der tatkräftigen Unterstützung die materielle Grundlage geschaffen, d e eine weit«re Entwickelung und Entfaltung der Konzerte auf Breiterer Grundlage ermöglicht. Das Ko^z-rt war ein Kunstgenuß in des Wortes schönster B d ntung. Als 1. Nummer bot die Kapelle Beethovens Sinfonie Nr. 6 lPastorale). Bekanntlich wandte Beethoven seine Hauptiäng'eit den Jn-
ztruvnlalfo''men au und f^nd hier bo3 geeignetste Feld s 'ver genialen, schop^eriichen Tätigkeit. Auch seine Sinfonien lassen uns dies ernennen. W e bei Haydn und Mozart wurzln sie lief im Leben mit seinen drängenden und treibenden Mächten und vergegenwärtigen den po ti'cken Inhalt deS Lebens und der Namr. D es bewies uns auch die vorg°t»agene Sinfonie. Die bunibew^ten Bilder sind so wunderbar fein und tief charakt-nsiert, daß sie unwillkürlich mit fortreißm. Wir waren von den Leistung n der Kapelle voll ruf befriedigt. Es zeigte die Wiedergabe ein liebevolles Hineinversenken in den Geist der Kompoition und dementsprechend war die Einstudierung diS ins Kleinste vorgenommen. DaS Jueirandergr« ifen der Jnstrumenie, die duftige Behandlung der „Pianos", die sorgsame Abstufung der einzelnen Phrasen, dann wieder daS gu« lammenwirken der Instrumente — alleS klappte vv'tresflich. lniere Anerkennung dem vonresstchen Leiter, Herr Schmidt, iinb seiner gut ge chu'ten Kavelle! Das wohl mit zu Nkn besten Wirken des Meisters Menvelr sotzn-Barcholdy für alle Jahr» Hunderte zählende Werk: Ouvertüre «Meeresstille und glückliche
denn auch die weiblichen Gebiffen in den FortbildungSschul- zwang einbezogen. Und mst Recht; denn nicht nur dem Bureau-, sondern auch dem V^rkaufsp-rsonal muß Gesegenbeit peoeben werden, sich mit den Zweigen des kaufmännischen Muffens bekannt zu machen, die zur allseitigen Ausbildung eines tüchtigen Kaufmanns nötig sind. Mit R'cht stellt man daher an die SLule aber auch die Anforderung, daß die durch sie gewährte Fortbildung richt in erster Linie allgemeinbildender Art sei, sondern daß kaufmännischer Geist alle Zweige deS Unterrichts durchwebe und daß die verriebenen kaufmännischen Unterrichtsfächer sachgemäß ineinandergreifen.
Auch in der Schülerinnenabieilung der hiesigen kaufmännischen Fortbildung? schule wird der Versuch gemacht, diesen Forderungen Rechnung zu travR.
Freilich ist ein Jahr mit wöchentlich 10 Unterrichtsstunden eine kurze Spanne Zeit. Immerhin sann, wenn die Schülerinnen durch regen bänslichen Fleiß die Arbeit des MrerS unter« stütz-n, Erfreulicher erreicht werden. Da die Mehrzahl der Schülerinnen noch nicht in Geschäften tätig ist, ----- von 26 diesjährigen Schülerinnen sind nur 3 in der kaufmännischen Prax-s belchäf'wt, — bleibt ihnen Zeit zu häuslicher Schularbeit genug. Es muß nicht nur vieles gelernt, das Gelernte muß auch gehörig verarbeitet werden.
Man hört, reckt Häufii den Einwand, daß es nicht der Mühe lohne, Mädchen gründlicher für den kaufm'nniscken Beruf auszubilden, da die Mehrzahl von ihnen dock heirate. Das letztere ist wohl richtig; aber nickt minder richtig ist es auch, daß die in der Schule und Praxi-» erworbenen Kenntnisse sich auch im Ehestände noch reckt nützlich erwejir-n können. Denn einesteils heira'en v'ele Mädcken Kaufleute ober kleine Gew-rbetr'ibende, sodaß die kaufmännischen Kenntnisse direkt verwertet werden können, andererseits ist nickt zu bereiten, daß der allgemeine B idungswert der kaufmännischen Fâcker ou& der HauSfran und Muller zu Nutz und Frommen gereichen muß.
Am letzten Schultage des alten Jabres hatte die Schüler nneuadtei'unq der kaufmännischen Fortbildungsschule zum rrstien Male Revision durch einen Vertreter der Kgl. RegierU"g, Herrn Reqi.cungs- und Gewerbeschu'rat Kunz aus CaffU. Dieser wies in beredten Worten die Schülerinnen darauf hin, eine wie segensreiche Einrichlnnq die Fortbildungsschule für sie sei; auch gab er seiner Verwunderung Aüèdruck, daß in einer Stadt w e Hanau nickt mindestens die doppelte Zahl von Schülerini.en zu finden sei.
Nun, was jetzt noch nicht ist, das wird vielleicht in Bälde werden. Hoffen wir, daß die Erkenntnis in immer weitere Kreise dringe, daß auch im kaufmännischen Berufe solide Kennt« Nisse die Vorbedingung zu lohnendem Verdienste und zu Befriedigung l'ewâ'r«'ni'er Be'chäf'iguuq fin\ Nur turlifft oQ«
Fahr," e»f hr seitens der Kavelle ebenfalls eine ganz oor« tnsfl che Wiedergabe^ Daèse'be gilt auch von der Sckluß- nummer des Programms: ^Tarant,lla" von Friedrich Brase. Mit Vergnügen sitzen w r dem nächsten Sir 'sni'ksnzert entgegen, ba§ am Donn-rslag den 9. Februar stat.findet. Herr Sckmèdt halte auch für reifte Abwechslung gesorgt und a's Solisten Herrn Adolf Müller aus Frankfurt e. M. gewonnen. Die schöne Künstlersckaft des'elben ist oft genug rückbaltslos anerkannt und bewundert worden; sie spiegelt' stch auch vorg stern w eder in brr „Arie" des Tristan a. b. Oper J'ssonda v. Spohr und in drei Liedern je von Richard Sirautz, Hans Sommer und R. Sckubmacher. Obgleich die schlechte Akustik des Theaters die Aufführungen wesentlich b^inträltigle, so k'mm die Vorträge do 4 warm und innig, mit Kraft und Frische, guter Dekiamal on temperamentvoll zur Geltung. Den reichen Bclfalls'penden ließ Herr Müller dm „Wanderer" von Schumann folgen. Herr Altvater begleitete wieder in ganz vorzüglicher Wei^e die vorgetra^enen Gesänge.
Zweites AbonuemeutSlouzert des Oratorienvereins.
Das zweite Abonnementskonzert des OeatorienvereinS, welches am nächsten Sonntag in der neuen Turn hall.- stattfinden wird, hat hauptsächlich den Charakter eines Soliflen- abends. Drei Solisten verzeichnet das Programm: eine Sängerin, eine Pianistin und einen Rezitator. Die zuerst an dem Genfer Philosophen, Dichter und Musiker I. J. Rouff au geid affene Gattung des Melodrams, d. h. deS gebrochenen Wortes mit begleitender Musik, hat seit über hundert Jahren eine große Menge Fürsprecher und eine eben »o große Menge Widersacher gefunden. Bekanntlich ho> kein ©erinneret alS Beethoven sich des Mlodrams bedient in Ler ergreifenden Kerkerszene des „Fidelio". Später hat Robert Schumann mit seinem „Manfred" ein Werk geschaffen, welches
i
Sie teutifl# Mwwwt «mk«bt ai»L«x dem Unterd«»t»»«sdtM 16 Mit»
si't'gr Bildung vermag zu diesem Ziele zu führen, nicht aber einseitige An^b lduna, z. B. in Buchlübrung. Gerade dieses wütige Fach setzt eine Menge Kenntn'sie in Handels- und Wechsellehre, sowie Fertigkeit im kaufmännischen Rechnen voraus, die in drei Monaten ober gar in sechs Wochen einzuimpfen ein Ding der Unmöglichkeit ist.
Die kaukmännische Fortbildungsschule hat sich die Aufgabe gestellt, mitzuarbeiten daran, daß die soziale und wirtschaftliche Lage der HandlungSgehilfinnen sich hebe. Wer sich überzeuget! will, daß eS mit Erreichung dieses Z'elès ernst ist, der komme selbst und «ohne dem Unterrichte bei. Freunde der SLrrle sind ihr jederzeit willkommen. r.
* Sa«dqemeindesrdn"ttU für die PLSvirez .Hessen-Nassau. Soeben erschien in der N. G. Elwerisichen V'rlagèbttchbandlunq zu Marburg die dritte Auflage des Werkes „Landg-meindeordnunq für die Provinz Hessen-Naffau vom 4. August 1897 nebst den Ausführnngâauweisungen vom 5. Ok'ober 1897 und 30. November 1897* w'i Erläuterungen verleben von Dr. G. Antoni, Oberbürgkrueister und Kreisdeputierter. Breis Mk. 3.—, gebunden Mk. 3.60. Der Wunsch deS Herausgebers, den er in der ersten Auflage äußerte, daß es ihm gelungen sein möge, beut D-rwaltungL- beamten sowohl «18 dem Ort-bürger ein praktisches HlifL- mittel zum leichteren Verständnis des Gesetzes zu bieten, ist vollauf in Erfüllung gegangen. Das beweist der große Au - klang, den diese Ausgabe gesunden hat. Die dritte Auflage erscheint alS erweiterte und verbesserte, denn es wurden em* mal in den Anbang die seit dem Erscheinen der zweiten Au!' läge in den Regierungsbezirken Gaffel und Wiesbaden a» lassenen Dienstanweisungen für die Bürgermeister rma Ge- mcinder-chn-r ausgenommen und sodann in die Anmerkungen die inrwi'chen er angenen einschlägigen Entscheidungen des OberverwalmnqSl'erichtes und einige Erlöste der Verwastungs- behörden, sowie die Er^ebniffe wistenschastlicher Arbeiten auf verwaltung^rechtlichem Gebiete eingearbeitet. Es dürfte des halb die dritte Auflage auch für die Besitzer der älteren Au' lagen von Wert sein.
* Wallonische Kirche. Morgen vormittag um 11. Uhr findet in . der Kapelle ein Gottesdienst in französische» Sprache statt. ' • . ,
* Christliche Gemeinde, (^pltalstr. 41 D. Somt- tag vormittag 11 Uir: Sonntagsschule; nachmittag ^»5 Ubr Evangklisaiionsvkrsammluna.
Katholischer Gesellenverein. Zu der gesttru gebrachten Nol z wird noch bemerkt, daß die Feier am Sonntag den 15. er. nicht wie irrtümlich bemerkt um 8, sondern bereits nm 7 U^r b ainnt.
bei jeder Aufführung einen packenden Eindruck auf die Hörer macht unb.beffen Rezitation sich die größten Bühnenkünstler wie Devrient, Postart, Wüllner und andere mit grandios« Gefolge gewidmet haben. In neuester Zeit ist dann 9it W^ Strauß mit der melodramatischen Behandlung von „Ensch Arven", der ergreifenden Dichtung Tenny'on's, heroorgetreteu, und durch sein Beispiel angeregt, hat der in München lebest- Professor Max Schillings die viel umstrittene Zwitterform bei Melodrams wieder zu hohen Ehren gebracht, dadurch, daß er zu einer Anzahl Schiller'scher Dichtungen eine begleitende Musik schrieb. Eines dieser Schiller'schen Gedichte, das eleu fische Fest, wird von Herrn Dr. W. Pfeiffer aus Heidelberg vorgetraien werden. Es schi dert bekanntlich die Einführung des Ackerbaues unter den rohen Urbewohnern der Erde und die daraus sich entwick lnde bürgerliche Ordnung und Gesittung. Dasjenige Werk von Max Schillings, welches bis jetzt den größten Erfolg in allen bedeutenden Konzertsäir^ gefunden hat, ist das Melodrama: „Das Hexenlied^' von Ernst von Wildenbruch.
Die in Marburg erscheinende „Oberhessische Zeitung^ schreibt folgendes: Auch eine für Marburg neue Kunstart lernten wir heute abend kennen: Herr Dr. W. Pfeiffer aus Heidelberg rezitierte das o« egen lieb von Ernst von Wildenbruch, welches Max Schillings mit einer stimmungsvollen begleitenden Musik versehen hat. Deklama ion und Klavierbe» gleitung treten nach einer rem mustkastscyen Introduktion an vielen Stellen gleichzeitig auf. Die Aufgabe der Musik ist dabei, die ohnehin schon starken poetischen Etndrücke der packen« den Dichtung noch zu vertiefen und besonders da StimmungS- werte zu schaffen, wo die Sprache als AuSdrucksmittel versagt. Das melodramatische Experiment darf alS wohlqelunaen be« geiebnet werden. Die Rezitation der ergreifenden Balade war memetgaft, und Herr Musikdirek or Jenner führte den schwlsrtgm musikalischen Part mit ebenbürtiger Kunst aus, so» ber starke Beifall und mehrfache Borrufe wobiberechtisi ersten.