I IktatiruNdnuk unb Verlag der Buchdruckerei bä vercm. a. Waisenhaus«« in Hauau.
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Amtliches Organ für Stabt« und Fauäreis Sanam
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 267
AernspreKanschlutz Nr. 605
Montag den 13. November
Zpe^nsprechanschluft Nr. 605
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1905
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Hus F)anau Stadt und Eand.
Hanau, 13. November.
▼ Bahnbauprojekt Gelnhausen-Seligenstadt. Zn Angelegenheiten des Bahnbauprojektes Gelnhausen-Seligen- tadt-Froschhausen-Weiskirchen wurde vorgestern zu Dettingen rbermals eine Jnteressenten-Versammlung abgehalten, die von Abgeordneten des Bezirksamts Alzenau, sämtlichen Ver- valtungsbeamten der Gewerkschaft „Gustav" und zahlreichen Vertretern der beteiligten rechts- und linksmainischen Gemeinden besucht, war. Die Vornahme der Projeklierungs- arbeiten wurde den Ingenieuren Göpfert und Lautenbach zu 160 Mk. pro Kilometer übertragen. Die beiden Herren werden ihren Wohnsitz zu Hanau nehmen. Die Projektierungskosten sind durch die Bezirksämter Alzenau und Gelnhausen, sowie durch die Gewerkschaft „Gustav", Frhrn. v. Mumm und die beteiligten Gemeinden, einschließlich der
* Stadtlheater. (Wochenspielplan.) Mittwoch: Neu einstudiert „Die z ä r t l i ch e n V e r w a n d t e n", Lustspiel in 3 Auszügen von Roderich Benedix; Freitag: Einmal i g e s Gastspiel des Königl. Hofschauspielers Adolf Steinecke von Cassel. Neu einstudiert: „Onkel Brâsig", Lebensbild in 3 Akten (6 Bildern). Nach
Fritz Reuter Steinecke.
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Ut mine Stromtid" frei bearbeitet von A.
Sonntag: Neu einstudiert
Schauspiel von Herm. Sudermann.
„Die Ehre", In Vorbereitung:
„Der Schwur der Treu e", Verslustsviel von Oskar
Blumentkal.
Vorbestellungen auf Billets für das
Stadt Aschaffenburg, vollständig gedeckt.
50 jähriges Amtsjilbilärim. Mittwoch den 15. November feiert Herr Lehrer Kohlenbusch von der Bezirksschule II dahier sein 50jähriges Amtsjubiläum. Die Feier wird morgens 10 Uhr in der Jlula der Bezirksschule I und II stattfinden. Freunde und Kollegen des Jubilars sind dazu herzlich eingeladen; auch ehemalige Schülerinnen desselben sind willkommen.
* Der Hanauer Derschönerungsverein blickt in diesem Jahre auf ein 25jähriges Bestehen zurück. Von einer Feier dieses Jubiläums mußte in Anbetracht der dem Verein obliegenden größeren Aufgaben Abstand genommen werden, immerhin lagen Verhältnisse vor, die es gestatteten, von diesem Ereignis in einer Form Notiz zu nehmen. Seit Be-
stehen des Vereins hat nämlich Herr Wilhelm Meerbott in treulicher und zuverlässiger Weise die Vereinsgeschäfte besorgt, die Einkassierung der Vereinsgelder ausgeführt, somit konnte auch er mit dem Verein sein Jubiläum begehen. Der Vorstand des Verschönerungsvereins wollte dieses Ereignis nicht ohne besondere Würdigung vorübergehen lassen und versammelte sich deshalb am Freitag abend zu einem einfachen, aber desto würdigeren Akte. Der Vorsitzende, Herr iHch. Henckel, wies in einer an den Vereinsjubilar Herrn Meerbott gerichteten Ansprache auf dessen vorbildliches Wirken als Vereinsdiener unter den verschiedenen Vorsitzenden hin und gratulierte ihm unter Ueberreichung einer entsprechenden Jubiläumsgabe in herzlichen Worten. Die übrigen Vorstandsmitglieder schlossen sich der Gratulation ebenfalls an. Der Jubilar dankte sichtlich gerührt unter Versicherung, auch fernerhin sich nach Kräften in den Dienst der Sache stellen zu wollen.
Steinecke-Gastspiel werden schon jetzt von Herrn Kempf- Bamberger entgegengenommen. Der Vorverkauf findet am Donnerstag von 4—5 Uhr an der Theaterkasse statt.
•^ Grenzregulierun". Am gestrigen Nachmittage tagte in Fechenheim in der Turnhalle des dortigen alten Turnvereins eine Vertreterversammlung sämtlicher Turnvereine der zu dem mittelrheinischen Kreis gehörenden Verbände Offenbach-Hanau und Maingau, um zur „Grenzregulierung" der genannten Gaue Stellung zu nehmen. Die Leitung der Verhandlungen hatten abwechselnd die beiden Gauvertreter, die Herren Stadtmüller und Schäfer aus Offenbach, von denen der erstere in seiner Eröffnungsansprache als den Zweck der heutigen Zusammenkunft lediglich eine freie Aussprache, Informierung und Aufklärung über die in Frage stehende anderweitige Abgrenzung der beiden Gaue bezeichnete und damit der vielfach verbreiteten irrigen Ansicht, es handele sich heute um endgültige und bindende Beschlüsse eiues Gauturntages, entgegentrat, im übrigen aber die Redner bat, in ihren Ausführungen sich in erster Linie durch die Rücksichtnahme auf daè Wohl des Ganzen leiten zu lassen. Hierauf erstattete der Kreisvertreter, Herr Schmuck-Darmstadt, ausführlich Bericht über die Verhandlungen deS Kreisausschusses, der in einer Resolution die beantragte Grenzregulierung gutgeheißen und diese nach zuvoriger Besprechung seitens der Vertreter der beiden Verbände den beiden Gauturntagen zur Annahme empfehle, die geradezu geboten sei im Interesse der Verwaltung und des Ansehens der Turnvereine. Die sich anschließende Besprechung war eine sehr eingehende, aber auch klärende. Während einige Vertreter die Beibehaltung der gegenwärtigen Gaugrenzen empfahlen, deren Aufhebung bestehende gute Beziehungen löse und den einen oder anderen Gau benachteilige, empfahlen andere vermittelnd die Verschmelzung beider Gaue, überwiegend aber sprach man sich für die Neubegrenzung aus in der Weise, daß der Main die beiden Gaue trennen soll, die gegenwärtig hinüber und herüber weit ineinander greifen. Endgültig beseitigt aber werde damit der Mißstand, daß Vereine desselben Ortes verschiedenen Gauen üngehören,
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Feuilleton
Stadttheatrr itt Hanau.
-- Hanau, 12. Novbr.
Der Umstand, daß auf dem Markte der modernen Schwankliteratur ein aktueller iog. „Schlager" dieser Saison noch nicht erschienen ist, bringt es mit sich, daß altbekannte Lieblinge, wie „Die Logenbrüder", mehr wie sonst auf dem Repertoir erscheinen. So hätten denn auch Kraatz und Laufs, die beiden glückbegünstigten Autoren des dreiaktigen Schwanks, gestern ihre helle Freude haben können bei dem lauten Jubel, der ihr in Szene gegangenes Musenkind begleitete. Einige auf Abenteuer ausgehende Ehemänner wissen unter dem Vorgeben, Freimaurer zu sein, ihre geheimnisvollen Exkursionen geschickt zu bemänteln, wobei der „Fabrikant Habelmann", der Haupträdelsführer, bald als fideler „Logenbruder", bald als galanter Kurschneider eine Figur hinreißender Wirkung bietet. Herr Gehrmann stattete den „Habelmann" mit prächtiger Komik aus, Frl. I a i d a stand ihm als argwöhnische Ehehälfte „Karoline" würdig zur Seite. Einen flotten, eleganten Bonvivant schuf Herr Hauser in der Figur des in das merkwürdige Geheimnis verwickelten Komplizen „Max Brückner", Herr N yg rin schloß sich in der Metamorphosenrolle als „FränzchenFischer" und als „kapriziöse Konfektioneuse" mit ausgezeichnetem Humor an. Herr Müller gab das realistische „Schau- sprelergenie" und den „Literatenhäuptling" treffend wieder, wie auch der sächsische gemütliche „Logenbrüderkandidat" „Pegnitz" des Herrn Kempf sich großen Beifalls erfreute.
gutem Glück stellte Herr N a ch b a u r den „Architekten F>>'dner als Mann der ausgleichenden Versöhnung auf die Vetter und fand in Frl. Bachmann eine Partnerin, die ihrer Aufgabe gerecht zu werden sich eifrigst bemühte. Cr-
folgreich entledigte sich Frl. Holm ihrer Aufgabe als begabter dramatischer Backfisch „Anni Behrens", desgleichen Frl. Hel liot in der Verkörperung der „Eva" durch natürliches anmutiges Spiel. Die reizende „Barbara" mit ihren Teufelsphantasien sowie die „Frau Segnitz" fanden durch die Damen Stahl und Müller in weniger hervortretenden Partien geeignete Vertreterinnen. Für die ausgezeichnete Regie verdient Herr Gehrmann uneingeschränktes Lob. Trotz mannigfacher anderweitiger Veranstaltungen war der Besuch des Theaters ein sehr guter.
Plsümi Min ßmier Rmtag
am 5. November 1905.
Von Dr» P.
Fast fühlt man sich an das Forsthaus nach Frankfurt am Main versetzt, sieht man die langen Linien der Karossen, Ulanenfuhrwerke, die Hunderte und Tausende der Fußgänger, die alle hinauspilgern nach dem Exerzierplatz, um dort dem sportlichen Ereignis des Herbstrennens unserer Ulanen beizuwohnen. Die ungeheure Frequenz zeigt, welch' außerordentliches Interesse das Publikum dem lokalen Sportfest entgegenbringt. Die glückliche Wahl des Sonntags, und zwar eines Sonntags, der nach trübseliger, regnerischer Zeit die Sonne fast zu wohltätig auf die Erde strahlen läßt, bringt dem Reiterfest einen Zufluß an Menschen, wie ihn daS Herbstrennen noch nicht sah. — Männer und Frauen, Jungfrauen und Jünglinge, Kinder, selbst in Kinderwagen gebettete, die sich kaum erst den Sport leisteten, auf die Welt zu kommen, eilen dem Rasen zu. Vielfach sieht man schon vorher vom Enthusiasmus erhitzte Gesichter, Alte und Junge ergehen sich in aufgeregten Debatten darüber, ob denn heute einer „purzelt", ob der „Steuben" wieder „vorndran" ist und welche Schwadron wohl bei dem Jagdreiten für Unteroffiziere die Palme erringt.
Schon von der Ferne ein" schönes Bild — Uniform und Zivil — Reiter und Fußgänger, Karossen, Jagd- und Krümperwagen, geben dem ganzen ein mannigfaltige- Go-
da die Gaupflicht die Zugehörigkeit künftig ohne weiteres bestimme. Bei der nun folgenden Abstimmung traten sämtliche Vereine gegen 2 Stimmen für die Resolution des Kreis- ausschusses ein, für deren Annahme sie in ihren Vereinen wirken werden, und beschließen, die endgültige Beschlußfassung der neuen Grenzfestsetzung — Gau Offenbach südlich, Maingau nördlich des Mains — dem auf den 10. Dezember l. J. nach Fechenheim einzuberufenden gemeinsamen Turntage der beiden Gaue vorzubehalten. Mit einem begeisterten „Gul Heil" der deutschen Turnerschaft und gemeinsamen Turnerlied schloß darauf die Versammlung ihre langen und ernsten Beratungen.
* Von der Herbstmesse. Die Herbstmesse ging gestern unter strömendem Regen zu Ende. Eigentlich ist bet offizielle Schluß erst heute, aber man hat sich bereits gewöhnt, den Sonntag als das Ende der Messe zu betrachten, weil die Schaubuden und Karussells schon nach der letzten Fahrt ihre leichten Gebäude abreißen. Der strahlende Himmel des Eröffnungssonntags schien ihr ein günstiges Omen zu fein, aber „mit den Geschickes Mächten" u. s. w. — Die Wochentage sind meistens verregnet. So werden wohl nur der Kinematograph und — die Konditoreien auf ihre Rechnung gekommen sein.
* Nächsten Sonntag gehen wir zum Waldsest t hörten wir schon gestern von vielen Bekannten sagen, und do es uns unerklärlich, wie man bei gegenwärtiger naßkalter Witterung an die Abhaltung einer derartigen Veranstaltung denken kann, wurde uns bei näherer Erkundigung die Mitteilung, daß die bekannte 5. Riege der Turn gemeinde es trotz allen elementaren Hindernisse wieder ermöglicht, sich den Freuden eines derartigen Festes hinzugeben. Mit allen möglichen gärtnerischen und technischen Hilfsmitteln wird bet große Saal im Vereinshause der Turngemeinde Sonntag den 19. November zu einem prächtigen Tannenwald umgewandelt sein und hier, in würziger Waldesluft, wird sich, angeregt durch mannigfachste Unterhaltung, ein fröhliches Treiben entwickeln, wie es bei gar vielen aus früherer Zeit noch in angenehmster Erinnerung ist.
* Ein Besuch von Petersburg ist heute mit besonderen Gefahren verbunden, aber gänzlich ungefährlich, dabei höchst interessant und belehrend, ist dieser Besuch, wenn man ihn im Laufe der Woche im hiesigen Kaiser-Panorama, Römerstraße 17, parterre, abstattet. Es ist jedenfalls freudig zu begrüßen, daß wir auch hier Gelegenheit haben, die Stätten, welche in der letzten Zeit so oft der Schauplatz blutiger Ereignisse gewesen sind, kennen zu lernen und dies sollte niemand versäumen, der die Ereignisse der Weltgeschichte mit Verständnis verfolgen will. Nicht nur die vornehmlichsten Gebäude und Denkmäler der Zarenstadt,
Die heutige Nummer umfaßt autzer dem UuterhuttuuL-dlutt 12 Geiteu.
präge. Geschmackvoll zum Abschluß der abgrenzenden Seil« verwendete Lanzen mit flatternden Fähnchen säumen den einen ausgezeichneten Ueberblick bietenden Tribünenplatz ein, an den sich links ein abgesperrter Platz für die Musik, rechts dahinter der Sattelplatz mit dem Ausgang nach der Bahn anschließt. Schöne Wagen und Reitpferde, Vollblüter und edle Halbblüter, unter ersteren besonders ein edelgezogenes Schimmelgespann des Herrn v. E.. erregen die allgemein« Aufmerksamkeit. Der ganze Platz ist vortrefflich zum Sportfeste angelegt und ausgenutzt. Die Hindernisse sind sprunggerecht aufgestellt, die Flaggen bezeichnen die Bahn — Schön« Frauen, elegante Toiletten, unter letzteren die nach den neuesten Pariser Berichten auf der ganzen weiblichen Linie siegreichen fußfreien Straßenkostiime, in überwiegender Mehrzahl gegen einige der angefeindeten Schleppenröcke. — Die Ulanenkapell« läßt muntere Weisen ertönen.
Man hatte dieses Jahr den Zutritt zum Tribünenplatz einem Teile des Publikums gestattet, eine Liebenswürdigkeit, für welche dem Ulanen-Rgt. der Donk in hohem Maße gebührt und von der ausgiebig Gebrauch gemacht wurde. Das außerordentliche Interesse, welches die hiesige Bürgerschaft an den Tag legte, gibt vielleicht den Herren vom Ulanen-Regiment Anlaß, an einen Betrieb nach Art der Großstadt zu denken. Die gebotenen Leistungen waren durchweg vorzüglich unb wenn Se. Majestät einst von unserem Ulanen-Regiment — irren wir nicht, auf dem Mainzer Sand — als von dem besten Kavallerie-Regiment bei den Exerzitien sprach, zeigen solche Gelegenheiten, daß das Regiment auch in sportlicher Beziehung hervorragendes leistet. — Die einzelnen Nummern der Rennen zeigten Leistungen, besonders bei der Jagdspringkonkurrenz, die in Form uud Stil brillant waren.
Das landwirtschaftliche Flachrennen zeigt« 3 Pferde am Start, Rappe Fuchs und Braunen. Siegel blieb Puth-Fechenheim. Uns will scheinen, daß der Braun« bei gutem Training und guter Führung seinen Gegnern sich überlegen hätte zeigen können. — Die schwache Teilnahme ist in Anbetracht des Wertes einer solchen Probelei stung und der großen Anzahl guter Reitpferde, die sich in dem Landkreis von Hanau und Umgebung befindet, bedauerlich. —