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Erstes Blatt

TiurüâugSgebü-r;

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Vierteljährlich 1,80 Mk.. monatlich 60 Pig., ffir cmS» W artige Abonnenten mit dem betreuenden Postaufjchlag.

Die einzelne Nummer lostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ö. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für SW unÄ Faudkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 240 ff<»nspr-»«n!chs«tz R». 605. Donnerstag den 12. Oktober

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Fernsprechanfchlutz Nr. 605. 1905

Amtliches.

Stadtkreis Fjanau.

Wer im Stadt- oder Landkreise Hanau gewerbsmäßig Milch ein führen, feilhalten oder verkaufen will, hat dies nach § 1 der Polizeiverordnung betreffend den Verkehr mit Milch vom 16. August 1905 der Ovtspolizcibchörde seines Wohnortes vorher anznzeiflen. Zu dieser Anzeige sind auch diejenigen Personen verpflichtet, welche bereits vor Inkrafttreten der Polizeiverordnung Milch in den Verkehr gebracht haben.

Da bisher nur sehr wenige Personen den Handel mit Milch bei der Polizeidirektion hier angemeldet haben, mache ich im Interesse der beteiligten Kreise auf die Bestimmungen der Polizeiverordnung vom 10. August 1905 nachdrücklich aufmerksam.

Hanau den 11. Oktober 1905.

Königliche Polizei-Direktion.

P 8251 I. D.: v. Schlieben, Reg.-Affeffor.

Bekanntmachung.

Gelegentlich einer Besprechung des Ortsstatuts betreffend die gewerbliche Fortbildungsschule mit den Beisitzern des Ge­werbegerichts wurde von denselben der Wunsch ausgesprochen, durch öffentliche Bekanntmachung möchten die einzelnen Ge­werbe- beziehungsweise Interessenten-Gruppen aufgefordert werden, ihre Wünsche bezüglich der Lage der Unterrichts­stunden an den Magistrat gelangen zu lassen.

Dieser Anregung entsprechend ersuchen wir die einzelnen Gewerbe- beziehungsweise Jntereffenten-Gruppen bis zum 1. November d. Js. ihre Anträge bei uns einzureichen.

Hanau den 5. Oktober 1905. 19722

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus.

Bekanntmachung.

Die der Stadt Hanau gehörigen, am Landwehrgraben an der Langendiebacher Grenze und im obersten Bruch längs der Langendiebach er Gemarkung gelegenen Grundstücke L L Nr. 4, M M Nr. 8 und 49, zusammen 1 ha 98 ar 41 qm , sollen auf die Dauer von 6 Jahren (Martini 1905 1911) meistbietend verpachtet werden.

Pachtliebhaber werden hierzu auf Dienstag den 17. Oktober d. I., vormittags 10 11 hr, in das Neu­städter Rathaus, 1. Obergeschoß (Stadtverordnetensaal) ein­geladen.

Die Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.

Feuilleton.

Stadttheatcr in Hanau.

8 Hanan, 12. Oktober.

Felix Philippi verstand es sehr genau, durch seine jahrelange enge Verbindung mit der Bühne, in Ausübung seines Amtes als Kritiker und Dramaturg, sich diejenigen Erfahrungen für seinen Schriftstellerberuf zu Nutzen zu machen, die f a st allen seinen literarischen Arbeiten zu einem gewissen Erfolge verhelfen, wenn dieser auch oft nur in der geübten Bühnen­technik oder in der Wahl des behandelten sensationellen Stoffes feiner Werke zu suchen ist. In dem gestern abend auf unserer Bühne wieder einmal neu einflubiert zur Aufführung gelangten dreiaktigen SchauspieleWohltäter der Menschheit" finden wir beide Eigenschaften mit seltener fachkundiger Raffineffe vertreten, indem uns Philippi mit packender drama­tischer Gewalt ein Spiegelbild jener lasterhaften Streber btt menschlichen Gesellschaft entwirft, die durch ihren krank- Mten, ruhmsüchtigen Ehrgeiz mit unverantwortlicher Gewissen­losigkeit danach trachten, sich selbst in einen Glorien- lchein der Unfehlbarkeit zu hüllen, selbst wenn diese höchste Staffel ihres anmaßenden Triumphes ein trauriges Opfer fordert. Trotz des bereits 10-jährigen Erscheinens dtkses Werkes zählt es immer noch wegen seiner tenden- zwsen Basis sowie seiner schauspielerischen Aufgaben unter die interessanten Repertoirstücke der deutschen Bühne. Die Rolle des nach Wahrheit, Recht und Pflichterfüllung strebenden Dr. Martius lag in den Händen des Herrn Hauser. In wohlüberlegter künstlerisch gemäßigter Weise verstand der Künstler diesen einfachen, schlichten Märtyrer, der im Schatten seiner väterlichen Berühmtheit als vege­tierender Zögling das Ziel seines Strebens mühsam erreichte, im Charakter derart einwandsfrei wiederzpgeben, daß wir

^acytangebote auf die noch pachtfreien Grundstücke der Stadt Hanau in Großauheimer Gemarkung werden ebenfalls in diesem Termin entgegengenommen.

Hanau den 11. Oktober 1905.

Stadthauptkasie. 20002

Bekanntmachung.

Das dem Althanauer Hospital gehörige Grundstück U 394/16 = 44 ar 99 qm, an der Akademiestraße gelegen, soll auf die Dauer von 6 Jahren (Martini 19051911) meistbietend verpachtet werden.

Pachtliebhaber werden hierzu auf Dienstag den 17. Oktober, vormittags 10 Uhr, in das Neustädter Rat­haus, 1. Obergeschoß (Stadlverordnetensaal) eingeladen.

Die Pachtbedingungen werden im Termin bekannt gegeben. Hanau den 11. Oktober 1905.

Althanauer Hospitalkaste. 20003

Hus Fjanau Stadt und fand.

Hanau, 12. Oktober.

Beamten-Personalnachrrchten.

Ernannt: der Forstasseffor, Oberleutnant im reiten­den Feldjägerkorps v. Schlütter zum Oberförster der Oberförsterei Frankenau, der Forstaffessor E r ck in Hinternah zum Oberförster der Oberförsterei Marjoß, die Rechiskandi- daten Heinrich Graf zu Rantzau und Goldschmidt zu Referendaren, die Gerichtsvollzieher k. A. Henning zum Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht in Naumburg und Preßler zum Gerichtsvollzieher bei berit Amtsgericht in Windecken, der Forstaufseher Denner zu Hachborn in der Oberförsterei Roßberg zum Hilfsförster.

Beauftragt: der Wasserbauinspektor, Baurat Witte in Hannover mit der Wahrnehmung der Geschäfte der Wasser­bauinspektion II in Cassel.

Uebertragen: dem Forstaffessor von Trott zu Solz zu Eiterhagen die kommissarische Verwaltung der Oberförsterstelle RotenburgOst.

Versetzt: der Gerichtsschreiber, Sekretär N a u h a u s in Friedewald an das Amtsgericht in Ziereuberg, der Hilfs­förster Pfeiffer von Frielendorf nach Vöhl.

En t l as s e n: der Schutzmann Kaufh old in Fulda auf seinen Antrag.

70. Geburtstag. Der General-Superintendent der lutherischen Kirchengemeinschaft im Konsist orialbezirk Cassel, D. theol. Ludwig Werner, geboren in Marburg am 17. Oktober 1835, wird am nächsten Dienstag sein siebzigstes

seinen Pflichteifer abermals lobend hervorheben müssen. Eine ebenfalls abgerundete perfekte Leistung bot uns als Geheimrat v. Forlenbach Herr Steger, der seine Rolle mit der nötigen nervösen Unruhe, dann wieder mit einem zerknirschenden, egoistischen Gefühlsausdrucke ausstattete und dadurch die er­hoffte Wirkung erzielte. DieKatharina" des Frl. Braune zeugte von tiefer Empfindung sowie ernster, gewissenhafter Hingabe an ihre Partie, auch Herrn N a ch b a u r gelang die Wiedergabe desGustav" im großen und ganzen zur Zu­friedenheit. Nur wäre dem jungen Künstler sehr von Vor­teil, wenn er in der Konversation des modernen Schauspiels den dramatischen Accent etwas fallen ließe, wodurch derartige Aufgaben glaubhafter und vor allem natürliches zur Wirkung gelangen. Das mit der eigentlichen Handlung sehr lose ver­bundene Liebespärchen fand durch Herrn N y g r i n (Dr. Kayser) sowie Frl. Bachmann (Paula) zwei äußerst an­erkennenswerte Vertreter. In kleineren Aufgaben traten noch hervor Herr Kempf (Erbprinz) und Herr O. H. Müller (v. Brock). Mit sachkundiger Hand führte Herr Oberregisscur Steger den Regiestab, nur hätten wir die Erzählung des Lebenslaufes im 3. Akt etwas gekürzt ge­wünscht, da du>-ch die unliebsame Länge die hier beabsichtigte dramatische Wirkung eine gewisse Einbuße erlitt. Fr. Müller (Hofdame), Frl. Holm (Luise), Herr O s c a r s e n (Friedrich), Frl. Behrens (Marie) vervollständigten das Ensemble.

Htlmlinii SudermannsStein unter Steinen".

N a t i o n a l - Z e i t u n g":Wie man sieht, hat Sudermann seine dramatische Kunst in den Dienst einer sozialen Idee gestellt. Das Thema ist ja nicht neu, und wir erinnern lins, daß der Verzweiflungsschrei des gehetzten Tieres, das von jedem Ruheplatz vertrieben wird, weil die

Lebensjahr vollenden. Aus diesem Anlaß soll dem allgemein beliebten und verehrten Oberhirten von der ihm unterstellt« Geistlichkeit eine Summe überreicht werden zu einer von ihm zu bestimmenden Stiftung.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Fernsprechverkehr ist auf TreysaZiegenhain ausgedehnt worden.

* Seuchen. Im Regierungsbezirk sind zurzeit folgend« Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Fritzlar: Ober» vorschütz, Werkel (Verdacht); Kreis Kirchhain: Holzhaus«; Kreis Eschwege: Wellingerode (Verdacht). Schweine» s e u ch e (Schweinepest): Stadtkreis Gaffel: Caffel (Stadt); Landkreis Caffel: Dörnhagen, Nordshausen, VollmarS» Hausen, Obervellmar, Oberkaufungen, Weimar, Sanders» Hausen, Kirchditmold; Kreis Eschwege: Schafhof; Kreil Fritzlar: Haddamar, Gudensberg, Dissen, Dorla, Wehren, Großenenglis; Kreis Gelnhausen: Spielberg; Kreis Hersfeld : Hersfeld (Stadt), Leimbach, Sölzer-Höfe (Gemeindebeziri Sorga); Kreis Hofgeismar: Trendelburg, Holzhausen; Kreiß Homberg: Mühlhausen, Oberhülsa; Kreis Rotenburg: Hübenthal, Hornel, Braach; Kreis Schmalkalden: Asbach, Steinbach - Hallenberg; Kreis Wolfhagen: Dom. Rangen, Dom. Burghasungen, Rittergut Hohenborn. Geflügel- cholera: Kreis Hünfeld: Mackenzell. Influenza der Pferde (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Caffel (Stadt): Kreis Fritzlar: Fritzlar.

* Handwerkskammerbeiträge. Der Herr Re- gierullgspräsident teilte der Handelskammer mit, daß da Betrieb einer hiesigen Silberwarenfabrik, welche die Hand­werkskammer zu Caffel zu Beiträgen herangezogen hatte, auf deren Einspruch gegen die Heranziehung zu Handwerks­kammerbeiträgen für einen Fabrikbetrieb und der Inhaber für nicht verpflichtet erklärt worden ist, zu den Kosten der Handwerkskammer beizutragen. Die gleiche Entscheidung i^ in Sachen einer hiesigen Diamantschleiferei gefällt worden.

* Der Handelskammer Hanau war ein Schreib« des Magistrats zu Fulda zugegangen, wonach laut Mitteilung der Bürgermeisterei Alsfeld die Herstellung einer direkten Schnellzugverbindung vom Niederrhein nach Bayern über Gießen - Fulda - Elm - Gemünden beabsichtigt werde. Bevor sie weitere Schritte unternahm, hat die Handelskammer an zuständiger Stelle Erkundigungen ein­geholt und die Antwort erhalten, dort sei von einem solchen Projekt nichts bekannt, und die vorgeschlagene Strecke «> scheine wegen ihrer Eingleisigkeit und ungünstigen NeigungS- verhältniffe auch für jene Verbindung ungeeignet.

* Die neue Bahnverbindung Gelnhausen- Seligenstadt. Der Handelskammer-Ausschuß für Eisen­bahn-, Post- und Schiffahrts-Angelegenheiten beschäftigte sich in einer Sitzung auch mit der durch die Preffe gegangenen

Polizei ihm auf den Fersen ist und verrät, daß ein Sträf­ling wieder ehrliche Arbeit versucht, schon etwa vor zwanzig Jahren von Mitterwurzer ausgestoßen wurde, der mit einem Stücke dieser Tendenz auf Reisen ging, als ihm zum ersten Male das Wiener Burgtheater zu enge wurde. Es war ein Virtuosenstück. Auch Sudermann wird wohl der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sein neustes Werk mehr theatra- lichen und schauspielerischen Bedürfnissen als künstlerisch« Erwägungen entsprungen zu sein scheint."

Die Post" :Selten ist man wohl bei einem Suber» mannschen Stück so wenig den Gedankenlos geworden, daß man einen dramatisierten Roman sehe, wie gestern abend. Genauer: einen guten Roman, geschickt dramatisiert. Aber doch eben einen Roman, der uns nun einmal selbst in der geschicktesten Bearbeitung eines überaus bühnenkundigen Maunes in seinen Szenen die letzten Feinheiten schuldig bleibt, die uns die Kapitel des Buches gebracht."

V o s s i s ch e Zeitung":Hermann Sudermann» vieraktiges SchauspielStein unter Steinen", das am Samstag im Lessing-Theater zur Welt kam, brachte einen verdienten großen Erfolg dem Darsteller der Hauptrolle Herrn Baffer- mann, nach dem brit\ t Akte sogar eine stürmische Ovation, die aber von dem Sei fasser aufgefangen wurde. Daß der Beifall ausschließlich dem Künstler galt, deutete das Publikum mit einer Schonungslosigkeit an, gegen die sich Herr Suder­mann mit einer Gebärde zorniger Verlegenheit verwahrte. Sein langes, langatmiges und langweiliges Stück prägt in der Hauptsache die Figur eines ehemaligen Zuchthäuslers, der, von einem zur Seelenrettung neigenden Steinsctzmeister ausgenommen, wieder Mensch zu werden sucht."

Kölnische Z e i t u n g'" :. . . während das Parkett, in den: der kritische Areopag von Berlin sitzt, sich nur all­mählich erwärmte, tobten die Ränge und die Galerie vor Begeisterung. Dem ersteren fielen die literarischen Mängel des Dramas in die Augen, die andern riß die starke imb geschickte Tbeatralik hin. Tn der Tat bat Sudermann Lck