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Erstes Blatt

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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckers der verein. %

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

Waijmh««feS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verantwort!. RÄcüceurt G. Schrecker in Hana».

Nr. 187 FernsprechanschlM Nr. 605.

Hierzit Amtliche Beilage Nr. 1S."

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Amtliches.

Landkreis Fjanau.

Bckmtmlhiiilgeii ks Kömglicheii LandratSamts.

Die Schweineseuche auf der Domäne Kinzigheim er- H of ist erloschen. Die Gehöstssperce ist aufgehoben.

Hanau den 9. August 1905.

Der Königliche Landrat.

J. A.: Conrad, Kreissekretär.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge- membe Langendiebach belegene, im Grundbuche von Langen­diebach Artikel 419 Abt. ! Nr. 130 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Ackermanns Johannes May, Peters Sohn zu Langendiebach einge­tragene Grundstück:

Krtbl. 19 Nr. 1, Acker aus dem Platz, 1,33,59 ha, sowie das daselbst Abt. I Nr. 44 a auf den Namen des Vorgenannten und seiner Ehefrau, Margarethe geb. König eingetragene Grundstück:

Krtbl. 22 Nr. 467/40, Hofraum im Dorf, 57 qm,

am 16. Oktober 1905, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle ver­steigert werden.

Langenselbold den 25. Juli 1905.

Königliches Amtsgericht. 15426

Gefundene und verlorene Gegenstände tt.

Gefunden: 1 Paar weiße Lederhandschuhe, 1 letzt­willige Verfügung der Anna Franziska Köhler in Aschaffen­burg, 1 neu gesohlter Kinderschuh.

Verloren: 1 kleiner schwarzer Quix.

Zugelaufen: 1 brauner Jagdhund.

Entlaufen: 1 schwarzbrauner Rehpinscher.

Entflogen: 1 Wellensittich.

Stehen geblieben: 1 Damenregenschirm mit sil­bernem Griff.

Hanau den 11. August 1905.

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Der zeißige Eehilt iw französischen Revolution.

Rousseau war bei der Erziehung des einzelnen Menschen von einem richtigen Gedanken ausgegangen, daß nämlich das Leben eine aus dem eigensten Innern heroorgehende Macht ist, welche ihrer organischen Natur gemäß sich entwickeln soll. Trotzdem kam er, was das Staatsleben und seine Entwick­lung betrifft, zu einer mechanischen Auffassung. In allem Organischen herrscht Freiheit (die Entwicklung folgt ihrem eigenen Gesetze), während im Mechanischen der Zwang herrscht, und alle Gestaltung nur dem Drucke von Außen nachgibt.

Der ganzen damaligen philosophischen Denkart entsprach diese mechanische Betrachtungsweise. Diese wurzelte in Eng­land. Hobbes stellte einen Staatsbegriff auf, welcher ebenso mechanisch war, als der Rousseausche im contrat social, kam aber zum entgegengesetzten Resultate, nämlich: alle Macht müsse in den Händen eines Einzelnen liegen. Nach ihm gründeten Shaftesbury (gest. 1713) und Bolingbroke (gest. 1751) die Moral auf den Egoismus. Ein anderer stellte den Satz auf, daß alles Erkennen und Wissen aus­schließlich von den fünf Sinnen herrühre, und dann leugnete de la Mettrie alles, was Seele und Geist heißen könne, der Mensch sei eben nur Maschine und folge in allen Stücken auch nur mechanischen Gesetzen. Das wurde dann aufs ganze Naturleben ausgedehnt, und danach, behauptete man, existiere überall nichts außer der Materie (dem Stoff), welche sich in ewiger Bewegung befinde, in Anziehen und Abstoßen (Attraction und Repulsion).

Man sieht, die modernen Ideen, wie sie gegenwärtig vaeckel in Jena vertritt, sind keineswegs neu und originell, m sind nicht nur hundert Jahre älter als Häckel, sondern ' ^hrken aber so ziemlich in jedem Jahrhundert wieder , f Bogen noch lange große Scharen an, als sie in den Mebenden Kreisen der Gelehrten schon längst aufgegeben beseitigt waren. Nicht einmal die auf Darwins Auf- U1}9£n konstruierte Lehre der Abstamrmmg des Menschen bat n . ^ neu, schon am Schluffe des 18. Jahrhunderts ßip !te, Esn Herr von Schliefen, ein alter philosophischer tio-n $^M aufgestellt und sie sogar auf einer mäch- verewigt, die er auf dem Grabe einer weit ver- .M Asfenfamilie auf seinem Gute Windhausen errichten und tue noch heute steht.

Freitag den 11. August

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Diese Weltanschauung konnte kein höheres Lebensziel auf­stellen als Genießen sie mußte einen fanatischen Haß gegen das Christentum erzeugen, welcher in Voltaires Wort: ecrasons linfame einen Ausdruck fand, der das Geschrei des altrömischen Pöbels: Christianos ad Icones nur ins Neuzeitliche übersetzte. Voltaire hatte freilich das Christentum in einer Mißgestalt kennen gelernt, indessen seine Worte zündeten nicht nur in den glänzenden Gesellschaftskreisen der Aristo­kratie, in denen sich Voltaire mit großer Befriedigung be­wegte und die er mit seinem blendenden Witze und seiner eleganten Vortragsweise vortrefflich zu unterhalten verstand. Aber der freie Gedanke sollte nur den Hochgestellten als ein Privile­gium angehören neben Reichtum und Genuß, das Volk, die Masse könne unter den alten Vorurteilen sein Leben verbringen. Aber die Ideen drangen allmählich auch in die großen Massen hinein, die das Recht der Denkfreiheit auch geltend machten und sich erlaubten, die Kritik auch auf die privilegierten Stände auszudehnen. Still und unbeachtet ging diese gleich­sam unterirdische Bewegung vor sich, bis sie plötzlich mit der furchtbaren Heftigkeit und Gewalt eines Vulkans hervorbrach und im Laufe weniger Jahre eine der ältesten und mächtigsten Monarchien samt allen ihren Institutionen über den Haufen warf, ja alles historisch gewordene so gründlich wegfegte, daß man auf Grund der neuen Volksfreiheit und Menschen­rechte eine völlig neue Gesellschaftsordnung entwarf.

Neben der raschen Sinnesart der Franzosen waren es die unnatürlichen Zustände einer Gesellschaft, in welcher alle Rechte und Vorteile den in Ueppigkeit versunkenen, meistens tief verderbten höheren Klassen, dagegen alle Lasten den niederen zufielen, weche die Explosion herbeiführten.

Der Versuch eines Neubaues führte zu dem entsetzlichsten Blutvergießen und schien nur möglich durch die buchstäbliche Ausrottung aller inkonsequenten Revolutionäre und führte aus der zügellosesten Parieityrannei ganz direkt dahin, wo­hin alle dürchgeführten Revolutionsgedanken von jeher ge­führt haben und führen werden, zur Tyrannei der brutalen Militärdespotie eines einzelnen, der Gewalt über die Geister bekam, weil er die personifizierte Revolution war. Alle um­geworfenen göttlichen und menschlichen Ordnungen wurden als rein menschliche wieder aufgerichtet, soweit es ihm nötig schien, waren aber seiner allmächtigen Willkür so unter­stellt, daß er sie jeder Zeit ändern oder ganz beseitigen konnte, wie es seinen persönlichen Zwecken diente.

Auch das Kaiserreich ging vorüber, denn es hatte keine innere Existenz, weil die Revolution durchaus kein wirkliches Prinzip besaß, um aus diesem ihre neuen Ideen für den Auf­bau der Gesellschaft zu entwickeln.

Der Menschengeist bewegt sich in einer dreifachen Lebens­sphäre, der religiösen, der sittlichen und der politischen. Die religiöse ist das Fundament, die sittliche der Kern, die poli- tische die Form, in welcher die religiöse und sittliche Lebens­sphäre hervortteten. Die Revolutton hat nur das Politisch- Soziale im Auge und will hiermit den Neubau beginnen, als wenn man mit dem Bau des Daches anfangen könnte. Darin gerade, daß die ftanzösische Revolution, welche sich als eine völlige Neugeburt des Volkslebens oertünbigte, eine bloß politische war, mit Ausschließung des Sittlichen, mit trotziger Auflehnung gegen das Religiöse, lag die Ursache ihres totalen Mißlingens. Sie vollzog sich allerdings nach den in ihr liegenden Grundgesetzen, nahm einen organischen Verlauf, aber so, wie ein Geschwür auch ein nach bestimmten Gesetzen sich entwickelnder Organismus ist, der den Körper zerstört nnd damit sich selbst.

Hus Hanau Stadt und Land.

Kanan, 11. August.

* Manöver und Brieftauben. Bei den großen militärischen Uebungen werden in diesem Jahr zum ersten Mal Versuche mit Privat-Brieftauben gemacht, und zwar sind Brieftauben von Mitglieder des Frankfurter Brief­taubenklubs vom Kriegsministerium dazu bestimmt worden. Dem Wallmeister Lang aus Mainz mit einer Kavallerie- patrouille ist die Leitung der Kontrolle der Taubenpost über­tragen.

* Schlachtvieh- und Fleischbeschau-Bezirke. In der amtlichen Beilage zur heutigen Nummer wird ein Ver­zeichnis der Schlacht- und Fleischbeschau-Bezirke im Land­kreise Hanau und der für dieselben bestellten Beschauer und Stellvertreter veröffentlicht.

* Schwere Gewitter entluden sich gestern abend in der Umgegend, die namentlich im nördlichen Teile unseres Kreises durch Hagelschlag verheerend wirkten. Aus O sth ei m schreibt unser si-Berichterstatter : Gestern abend tobten über unserer Gegend heftige Gewitter. Um halb 8 Uhr wütete ein furchtbares Hagelwetter, bei dem die Körner zum Teil hühnereigroß waren, sonst aber durchweg über Taubenei­größe hatten und zum Teil als große Eissterne geformt waren. Der Schaden an den Feldfrüchten ist, da dieselben größtenteils eingefahren sind, außer an dem Obst, im Ver­

Ferusprechanschlust Nr. 605.

1905

hältnis gering. Aeltere hiesige Einwohner können sich an einen solchen Hagelschlag nicht erinnern.

* Hudde. Der Großherzog von Hessen hat das Gnadengesuch des zum Tode verurteilten Raub­mörders Hudde abschlägig beschieden. Die Hin­richtung Huddes wird in nächster Zeit erfolgen.

* Zum Raubmord bet Biebrich. Neuerdings sind in der Nähe der Mordstelle zwei Blechmarken gefunden worden, die möglicherweise mit der Tat in Zu­sammenhang stehen. Die Marken haben nachstehende Gestalt

und sind mit einem eingeftan^ten W und der Zahl 1 bezw. 10 versehen.

* Viehseuche. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit fol­gende Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Fritzlar: Ober­vorschütz. Kreis Hersfeld : Kruspis. Kreis Kirchhain: Erksdorf. Kreis Witzenhausen: Kleinalmerode (Verdacht). Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Cassel: Cassel (Stadt.) Landkreis Cassel: Waldau, Heckershausen, Dörn­hagen, Sandershausen, Dennhausen. Kreis Eschwege: Schafhof. Kreis Fritzlar: Kirchberg, Lohne, Gudensberg, Gleichen, Haddamar, Zwesten, Dissen, Maden, Großenenglis. Landkreis Hanau: Kinzigheimerhof. Kreis Hersfeld : Hers- selb. Kreis Hofgeismar: Friedrichsfeld, Grebenstein, Cal­den, Trendelburg (Stadt). Kreis Homberg: Dillich. Kreis Melsungen: Melsungen, Binsförth. Kreis Graffchaft Schaumburg: Bensen. Kreis Rotenburg: Hergesyausen, Hübental, Hornel. Kreis Schmalkalden: Steinbach-Hallen- berg. Kreis Wolfhagen: Dom. Rangen, Elmarshausen, Dom. Burghasungen. Influenza der Pferde (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Caffel (Stadt). Kreis Hofgeismar: Kressenbrunnen.

* Wem gehören die Früchte? Inder nun beginnen- den Obstzeit taugt die Frage auf, wer wohl der Eigentümer der über den Zaun hängenden Friichte ist. In dieser Hin­sicht seien Interessanten auf § 911 des Bürgerlichen Gesetz; buches hingewiesen, nach welchem die an einem Baume hängende Frucht dem Besitzer des Baumes gehört, sofern sie abgepflückt wird. Sobald sie aber abfällt und auf das Grundstück des Nachbars zu liegen kommt, gehört sie dem letzteren.

* Obstpreise. Wie wir den Mitteilungen derFrank­furter Zentrale" für Ooftverwertung entnehmen, waren An­gebot und Nachfrage in der vergangenen Woche weniger stark. In Aprikosen und Himbeeren sind große Vettäufe ge­meldet. Für Kelterobft ist die Nachftage im Steigen begriffen. Die Durchschnittspreise für den Zentner betrugen: Himbeeren 20 bis 25 Mk., Heidelbeeren 12 bis 14, Aprikosen 25 bis 30, Pfirsiche 25 bis 35, Reineklauden 13 bis 15, Mrabellen 16 bis 20, Pflaumen 13 bis 17, Frühzwetschen 20 bis 23, Aepfel 10 bis 15, Birnen 10 bis 15 Mk.

* Verkehrshemmung. In der Mitte der Kinzigbrückt wurde gestern abend ein Pferd von Kolik befallen, wodurch auf kurze Zeit der Verkehr gehemmt wurde.

* Die Festordnung für das nächsten Sonntag statt« findende Sommerfest der Turngemeinde wird in dem heutigen Inseratenteil bekannt gegeben und wollen wir hoffen, daß die Mitglieder sowohl, wie auch die vielen Freunde und Gönner genannten Vereins der Einladung recht zahlreich Folge leisten.

* Neues Sommertheater Franz Merker. Wir wollen nicht verfehlen, die heutige Aufführung des Salon- LustspielsWas die Liebe vermag . . ." in unsern: Sommer- theater nochmals zum Besuch in empfehlende Erinnerung zu bringen. Die Haupttollen liegen in den bewährten Händer der Damen: Dellmar, Hansen und Trendies und der Herren Geisthüvel, Bernstein, MerkerundRanninger. Unter der tüchtiger Regie des Herrn Geisthövel ist eine vorzügliche Vorstellung zu erwarten und so wird sich auch heute sicher wieder eh großes Publikum auf Deck's Felsenkeller einfinden.

* Mainwasserwävme gestern abend 19 Grad. * *

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V Ravolzhausen, 10. Aug. (Saaleinweihung. Am Sonntag veranstaltete der Wirtzur schönen Aussicht" Herr M. F u ch s, die Einweihung seines neuen Saales Bei Musik und Tanz ließen sich die zahlreich anwesender Gäste aus Ravolzhausen und Umgegend die vorzüglicher Speisen und Getränke des Restaurateurs aufs beste schmecken sodaß die Stimmung nichts zu wünschen übrig ließ und bei Verlauf der Veranstaltung sowohl den Wirt wie die Güsv vollauf befriedigte.