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Erstes Blatt.

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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg.. Rk <mS« bärtige Abonnmien mit dem betreuenden Postausjchlaz.

Die cmzetae Nummer kostet 10 Pfg.

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Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei d«S vereiu. ev. Waisenhauses in Hanau.

Gcueral-Anzelger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Die fünfgespaltene Petitzell« oder deren Raum 15 Wh du Rektamentei! di« Zeil« 56 Pfg, verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau

Mf. 264- ^ernsprechansehlust 9lr» 605

Donnerstng den 9. November

Jlernsprechanschluß Nr. 605.

1905

"<^

Amtliches.

Aufgebot. '

Der Schreiner CbriMan Börner in Mühlheim, der Schreiner Weinrich Börm-N» in Somborn und die Ehe­frau des Schneiders ^ob. W^ldettn Gott, dVranHiska geb. Börner, in Dietesheim, sämtlich vertreten durch Rechts­anwalt Osius in Hanau, haben beantragt, den verschollenen Wagner Karl Börner, Sohn des Bauers Philipp Börner von Oberrodenbach, oeboren am 24. Dezember 1869 in Hanau, zuletzt wohnhaft in Oberrodenbach, für tot zu erklären.

Der bezeichnete Verschollene wird aufgefordert, sich spätestens in dem auf

den 3L Mai 1906, vormittags 9 Uhr,

vor dem unterzeichneten Gericht, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5, anberaumten Aufgebotstermine zu melden, widrigenfalls die Todeserklärung erfolaen wird.

An alle, welche Auskunft über Leben oder Tod des Ver­schollenen zu erteilen vermögen, eracht die Aufforderung, spätestens im Aufgebotstermine dem Gericht Anzeige zu machen.

Hanau den 6. November 1905.

Königliches Amtsgericht 5. 22035

MwirWMer Nrtisvtttin Hum.

Nächste Versammlung Samstag den 11» v. Mts., nachmittags 2'/» Nhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen hier.

Taaesordnnng:

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Referat des Herrn Kreistierarztes Collmann über die Tuberkulose der Schweine insbesondere durch die Fütte- riinq derselben mit Magermilch.

3. Besprechung über die diesjährigen Ernteerträge,

4. Besprechung über die diesjährigen Güterbereisungen.

5. Besprechung über den am 1. d. Mts. von Fräulein Seyfried in Wilhelmsbad gehaltenen Vortrag.

6. Mitgliederaufnahme.

7. Sonstige Mitteilungen.

Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekannt­machung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in den Ge­meinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen. Hanau den 5. November 1905.

Der Königliche Landrat. v. Beckerath.

Feuilleton

Georg Cornicelius, sein Leben und seine Werke."*)

Als am 12. Dezember 1898 von der Bogenstraße Nr. 8 zu Hanau ein großer Trauerzug nach dem Friedhof sich in Bewegung setzte, waren die Meinungen aller Teilnehmer darin übereinstimmend, daß sie den Letzten und Größten aus der ehemaligen Hanauer Malerschule zur Stätte seiner letzten Ruhe begleiteten. Ein Schlaganfall hatte Georg Cornicelius am 9. Dezember, mitten im Schaffen getroffen, Pinsel und Palette entsanken der kraftlosen Hand des 73jährigen, und zwei Tage später hatte der Tod einen der größten und besten Söhne Hanaus dahingerafft. Wer kannte ihn nicht, den Mei st er Cornicelius, wie er allgemein genannt wurde, wenn er, mit der schlichten Joppe angetan, bei kaltem Wetter den Plaid um die Schultern Ueberzieher oder Weste truq er nie dem kleinen Hütchen auf dem markigen Kopfe, in Begleitung seines großen Hundes durch die Straßen Hanaus ging? Und für welchen Hanauer Kunstfreund waren es nicht Festtage, wenn sich in der Langgasse, dem Rathause schräg gegenüber, dem früheren Wohnhause des Künstlers, die Atelier-Räume zu einer Ausstellung seiner neuesten Werke öffneten? Durch einen von Lorbeer umbuschten Hofraum, an den sich ein wohlgepsleates Gärtchen anreihte, beides von hohen eieuumrankten Mauern umgeben, gelangte man rechter Hand in den Atelierbau. In den beiden unteren Räumen arbeiteten die Schüler und Schülerinnen. Und wie viele unserer jetzigen angesehensten Fabrikanten, Zeichner und Künstler hat nicht Cornicelius unterrichtet, wie manche kunst­begeisterte Dame ist in diesen Räumen nicht seine Schülerin

*) ® en ra Corni celins, fein ?ebc>i und 'eine Werke. Von Karl Siebert Dr. med. et phil. Mit 30 Tafeln. Straßburg I H.

Ed. Heitz lHkitz u. Müller, 1905.' (Studium zur deutschen Kunstye- .......... , 'm» ny; " -

schichte, Heft 63.) XII u. 200 Seiten nebst 30 Tastln. Preis M. 10, i wer da wollte, der Meister blieb sich stets gleich. Wenn es Subskriptionspreis bis zum 1. Dezember 1905 M. 7, auch scheinen mochte, als urteile er hart und Cornicelius

GtfiindtNt und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Pferdedecke, 1 kleines Portemonnaie mit 1,30 Mk., 1 graues Portemonnaie-Täschchen mit Kettchen (Inhalt 15 Pfg., 3 kleine Schlüssel und einige Zettel), 1 Portemonnaie mit 10 Pfg., 1 Brille, 1 schwarzer Damen- Glac^handschuh (linker), 1 Päckchen mit folgenden Sachen: 2 bunte Taschentücher, 2 Paar weiße Kinderhandschuhe, 2 Waschlappen, 1 Paar schwarze Damenhandschuhe, 1 schwarzes Handtäschchen mit Kette, 1 Dutzend Sicherheitsnadeln, 2 Dutzend gelbe Knöpfe, 1 Puppe.

Verloren: 1 brauner Boa, 1 Portemonnaie mit 30 Mk.

Hanau den 9. November 1905.

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hana«, 9. November.

* Kontrollversammlunft. Freitag den 10. No­vember , vormittags 9 Uhr, in Hanau (Paradeplatz): Die Reservisten der Jahresklassen 1902 und 1903 von Stadt Hanau ; vormittags 11 Uhr in Hanau (Paradeplatz): Die Reservisten der Jahresklasse 1904, die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften sowie diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1893 eingestellt sind von Stadt Hanau, außer­dem die Gemeinden Kesselstadt, Philippsruhe, Wilhelmsbad, Wilhelmsbaderhof und Neuhof.

* Landkrankenhans-Jnspektor Schäfer f. Noch vor wenigen Tagen konnte des 50jährigen Dienstjubiläums des Herrn Landkrankenhaus-Jnspektors Schäfer an dieser Stelle gedacht werden, heute kommt uns die Trauerkunde von seinem Hinscheiden. Mit ihm ist ein Mann aus dem Leben geschieden, dessen biederes gerades Wesen ihm überall Hoch- achtung, Verehrung einbrachte, ein hessischer Beamter von echtem Schrot und Korn, der wohl kaum einen Feind besaß. Ehre seinem Andenken!

* Marienkirchenchor. Heute abend Probe in der Kirche. Um zahlreiches Erscheinen wird dringend gebeten.

* Grostanheimer Gemeindejaqd. Die Gemeinde­jagd zu Großauheim wurde auf weitere 9 Jahre an die Brüder Müller in Hanau zu 3175 Mk. pro Jahr ver­pachtet. Der bisherige Pachtpreis betrug 2450 Mk.

t Marianische Jünglings - Kongregation. Das herrliche Epos des gottbegnadeten Dichters Friedrich Wilhelm WeberDreizehnlinden" hat in dem von Dr. Faust bearbeiteten SchauspielElmar" eine glückliche Wiedergabe gesunden. Das Werkchen ist bereits in fünfter Auflage er-

gewesen? Eine schmale Treppe verband den unteren Raum mit dem oberen Stockwerk, des Meisters Atelier. Ganz so, wie man auf alten Holzschnitten und Stichen die Arbeilsräume der alten Meister ausgestattet findet, sah es auch hier aus: wertvolle alte Kunstgegen­stände, dicke Folianten in Schweinsleder gebunden, ausge- ftopfte Tiere, Skelette, Draperien, Kuriositäten, zahllose Studien und Entwürfe an' den Wänden und in den Mappen standen und lagen umher. Aber noch anderes, was bei den alten Meistern nicht zu finden war, konnte man hier sehen, das waren des Künstlers Studien nach von ihm selbst an­gefertigten anatomischen Präparaten. Wie oft war er eine zeitlang in das Krankenhaus gegangen und hatte an Leichenteilen den Zug der Muskeln und deren Wirkung studiert, so daß er damals an einen Bekannten schreiben konnte, er habe gegenwärtig mehr das Messer als den Pinsel in der Hand. Auf den Staffeleien aufgestellt aber sahen wir des Meisters neueste Werke: Porträts, Historien- und Genrebilder, wie auch Landschaften, und aus allen sprach zum Beschauer jener große geniale Zug, jene Verinnerlichung und geistige Durchdringung, die nicht am Kleinlichen hastete, jene große Beobachtungsgabe und eminente Zeichenkunst.

Wenn wir in Sieberts soeben erschienenen prächtigem Buche blättern und die durchweg vorzüglich gelungenen Repro­duktionen anschauen, welche 45 Bilder, sowie einige Studien

von Cornicelius wiedergeben es ist nur ein kleiner Teil seiner Werke, aber der bedeutendste so steigen vor unserem geistigen Auge eine Reihe der Originale jener Reproduktionen auf. Wir durchleben im Geiste nochmals die schönen Stun­den, die wir bewundernd vor den Kunstwerken zubrachten. Es ist schon später nachmittag, die Sonne streift durch die hohen Scheiben herein und wirft interessante Lichter auf die Gemälde. Da tritt der Meister herein, eine hohe breit­schultrige Gestalt, die in ihrer Haltung noch den Turner der vormärzlichen steit verrät; Güte spricht aus den Augen, Geradheit Und Einfachheit aus seinem Wesen. Wohl hatte erein steifes Rückgrat", denn er verstand nichtzu buckeln"; mag ' da gekommen sein

I schienen und wurde auf zahlreichen Bühnen mit großem Er­folge aufgeführt. Wie bereits vor mehreren Jahren, so wird auch in diesem Jahre wieder, und zwar am kommenden 19. November, die hiesige Marian. -Jünglingskongregation zur Feier ihres 21. Stiftungsfestes dieses Schauspiel zur Aufführung bringen. Die Hauptpersonen der herrlichen Dichtung treten uns in dem fünfaktigem Stücke in genauer Anlehnung an das Epos entgegen. Die szenische Handlung ist klar und wirkungsvoll. Mit Spannung folgt man der Darstellung, aus welcher der Held der Dichtung, Elmar, nach langem KämpfeDurchs Kreuz zum' Licht" geführt wird. Wie vor einigen Jahren, so ist auch jetzt, nach den eifrigen Vorbereitungen zu urteilen, eine gute Gesamtauffuh- rung zu erwarten. Neben musikalischen Darbietungen werden auch zwei komische Aufführungen an dem Festabend geboten. Ohne Zweifel ist die Festveranstaltung der Marian. Jüng- linqskongregation, die in den Sälen der Centralhalle ftatt- finden wird, eines recht zahlreichen Besuches wert. (Sieh? Inserat.)

* Reitjastd. Gestern 11" Vorm, versammelte sich das Offizierkorps des Ulanen-Regiments am Ostausgang von Dörnigheim, dem verabredeten Stelldichein zur Jagd. Hier traf auch Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinzessin Margarethe von P r e u ß e n , Schwester Sr. Majestät des Kaisers, begleitet von dem Kommandeur der 21. Kav.-Brig. Generalmajor v. F e st e n b e r g-P a ck i s ch zu Pferde aus Frankfurt ein, um an der Reitjagd teilzunehmen. Das Jagdfeld galoppierte von Dörnig­heim längst des Maines über mehrere natürliche und künst­liche Hindernisse; dicht vor Schloß Philippsruhe war Halali. Mit dem Tromveterkorps an der Spitze geleitete das Offizierkorps Ihre Königl. Hoheit nach Schloß Philipps­ruhe. Allerhöchstdieselbe nahm alsdann bei Sr. Durchlaucht dem Herzog und Ihrer Königl. Hoheit der Herzogin v. Urach das Frühstück ein.

6 Vom B«(a«ftea. Allen Freunden unseres herr­lichen Bulauwaldes ist sicher die vom Verschonerungsverein herausgegebene Ansichtskarte von dem in diesem Jahre errich­teten Steg über die Kinzig in der Bulau eine willkommene Er­scheinung. In geschmackvoller Ausführung zeigt sie das hübsche landschaftliche Stimmungsbildchen, das an der dortigen Stelle die in zahllosen Windungen dahinfließende Kinzig ge­währt und den Naturfreund zum fröhlichen Wandern anlockt. In der rastlosen Bemühung, die idyllischen Plätzchen in jener Gegend allen zugänglich zu machen, läßt der Verschönerungs­verein aber nun auch den Zugangsweg durch die sog. Scheuer herrichten und da dies wiederum erhebliche Kosten verursacht, so bittet der Verein, von den obengenannten Karten recht fleißigen Gebrauch zu machen, da der Ertrag mit zur Deckung der Kosten verwendet werden soll.

war gegen manche Neuerungen nicht immer gerecht so hatte er doch ein Herz von Gold und ein lauteres Gemüt. Wie manche Wohltat hat er ganz im Stillen getan, nie­mand sollte es erfahren. Und dann auch lieben wir die Menschen, die Temperament haben, die ihre Meinung frei äußern, unbekümmert darum, wie sie ausgenommen wird. Denr Umstande auch, daß Cornicelius eine Künstlernatur durch und durch war und so wenig kaufmännisches Talent daneben besaß, ist es mit zuzuschreiben, daß sein Name in der Kunstgeschichte fast unbeachtet blieb und erst nach seinem Tode darin ausgenommen wurde. Wie Cornicelius nun so vor seinen Gemälden stand und sprach und wie er erzählte, hörten wir ihm still zu, und gerade weil er selten erwählte, um so lieber lauschten wir ihm, und als erst der mächtige Bernhardiner ungeduldig wurde und an den Meister sich schmiegte, merfte dieser, daß es Zeit sei, seinen gewohnten Spaziergang anzutreten. Wir aber schieden in dem Bewußt­sein, eine Stunde bei einem bedeutenden und guten Menschen verlebt zu haben, eine Stunde, der man sich im späteren Leben gerne wieder erinnert.

Das typographisch wie illustrativ auf der Höhe stehende Werk von Dr. Siebert ist aus dessen philosophischer Doktor- dissertation hervorgegangen, die freilich nur den kleinsten Teil des Stoffes behandeln konnte. Es gliedert sich in eine Einleitung, behandelt dann die Lehr- und Wanderzeit, dann in drei Abteilungen die Meisterzeit (Historien- und Genre­malerei, Porträtmalerei, Landschaftsmalerei) und bringt zuletzt in einer Schlußbetrachtung die künstlerische Würdigung von Cornicelius. Sieberts gründliche Arbeit beruht auf jâhre^ langen Studien und nur dem Umstände, daß der Autor (setzt in Freiburg i. B., friiher in Hanau wohnhaft) dem Künstler im L"ben sehr nahe gestanden, ein Verehrer seiner Kunst und auch ein Schüler von i^m gewesen, ist es zu danken, daß wir so viele intime Züge, so manche wert­volle Einzelheiten erfahren, die zu bringen einem Fern­stehenden ganz unmöglich gewesen wäre? Dabei ist die Arbeit von Dr. Siebert durchaus nicht überschwänglich, sein Auge nicht getrübt, sondern ganz, wie es die bescheidene Art des verewigten Künstlers liebte, tritt der Autor in die Stellung eines Interpreten. An der Hand von Sieberts