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Zungen beobachten zu können. Dem intereffamen Berichte ?ninebmen wir einige Stellen:
„Die Kapitulation kam als eine große unb willkommene Neberraschung am Neujahrsiaqe, der ein japanischer Festtag ist. Noch immer rief der Donner der Geschütze das Ecks in den Bergen wach unb im grauen Lickte des Wintertages erklommen immer noch bewaffnete Leute die Höhen in der Richtung des Gipfels von Ienlai. ES schien, wie wenn eine neue tödlichere Pbaie des Kampfes bevorstehe und alS sei das Ende deS Kampf-s noch sebr fern. Um 4 Mr nackmitta s kam aber ein russischer Offizier unter der Parlamentärflagge bei den Posten an und fragte nach dem Ossizier. Er erklärte, der Träger einer Meldung des Generals Stöffel an den japanischen Kommandanten zu sein. Ein derartiger Zwischenfall war in der letzten Zeit nichts Ungewöhntickes und die Ankunft des Boten erregte daher nur vorübergehendes Interesse. Der Kampf ging ohne Unterbrechung weiter, bis die Dunkelheit die Hügel, die Stadt und die See verhüllte. Während der Nackt sandten die Geickütze ibre Botschaft und die Scheinwerfer sandten ihre Strahlen, die hier und dort wie Geister über die schwarzen Hügel huschten. Nur General Nogi und sein Stab wußten, daß General Stössel endlich zur Einsicht gekommen war, daß die Laae hoffnungslos sei und ba$ er bereit war, sich zu ergeben. Am nächsten Morgen um 8 Uhr verließ ein Bote die japanischen Linien mit einer Einladung Genera! Nogis zu einer Konferenz um 1 Uhr zur Beratung der Kapitulationsbedingungkn. Während der Pause wurde die Nachricht bekannt und verbre tete sich wie ein Lauffeuer. Aber merkwürdig, diese eigentümlichen Menschen nahmen sie ohne besondere Kundgebung von Freude auf. Das Gefühl schien mehr das der Erlösung alS das der Freude zu sein. Alles nahm seinen üblichen Fortgang. N'cktS außer der Einstellung des Bombardements ließ darauf schließen, daß etwas Ungewöhnliches vorging. Das Erscheinen des Generals Nogi , machte aber allem Zweifel ein Ende. Unter den Anstrengungen der letzten schrecklichen Monate ist der Kommandeur der Be- lagerungsarmee, der kein junger Mann mehr ist, beträchtlich gealtert. Heute morgen sah er aber zehn Iabre jünaer aus ' und nahm lächelnd die ihm von allen Seiten dargebrackten Glückwünsche entgegen. Die Zusammenkunft fand in dem Dorfe Suischi statt. DaS Dorf liegt in der Ebene, etwa 2 Meilen von Port Arthur entfernt. Es ist ein richtiges Ehinesevdorf, bestehend aus zerstreut liegenden einstöckigen Hütten. Seit Wochen lag es im Bereich des Bombardements und bestand infolge dessen fast nur aus geschwärzten Mauern. Es war sonst fast immer verlassen und öde, aber heute nachmittag bot es den Schauplatz einer bewegten Szene, die lange in der Geschichte forte leben wird. Am Ende einer langen, von Ruinen ringt« schsoffenen Straße siebt ein einfaches kleines Haus mit gesticktem Dach und einem Arbau. Die beiden kleinen Fenster des ärmlichen Hauses waren mit Lehm verstopft und man hatte eine Tür in die Wand gebrochen. In diesem traurigen Gebäude fand die Konferenz statt, die mit der Kapitulation der großen Festung abschließen sollte. Die Nachricht von dem Eintreffen der russischen Kommi'sion hatte sich schnell verbreitet und es hatte sich eine Menschenmenge angesammelt. Zwei weiße Flaaaen, die eine von einem Kosaken, die andere von einem japanischen Kavalleristen getragen, zeigten die Stelle an, wo die Konferenz stattfand. Die Kosakenr? körte war abge- sessen. Die Leute schienen in vorzüglichem Gesundheitszustand und in vortrefflicher Stimmung zu sein. Die Pferde zeigten keine Spur von mangelhafter Pflege. Auf beiden Seiten der Straße, die zu dem Hause führte, standen R-ihen japanischer Soldaten, die schweigend, aber außerordentlich interessiert diese letzte Szene der Belagerung beobachteten . . . Die Konferenz dauerte lange, denn es war manches zu besprechen und es mußten viele Details erledigt werden, ebe die Bedwonngen der Kapitulation festgestellt werden konnten. Die russischen Offiziere, die alle in eleganter Paradeuniform waren, waren sieben an der Zahl. Unter ihnen befanden sich Oberst Reiß, General Stöffels Generalstabschef, und Generawrzt Ballatchow. Die Russen wurden von fünf Japanern empfangen, zu denen General Zischi, der Chef des Generalstabes NogiS und Major Zenacka gehörten. Nach der üblichen Begrüßung berieten die Herren zunächst geschloffen und nachher unter sich. Die gemeinsame Konferenz wurde bald darauf wieder aufgenomm-n und gegen 4 Uhr wurde einem der Kosaken ein Brief ausgehändigt, der damit in Begleitung eines japanischen Kavalleristen in der Richtung auf Port Arthur davonritt. Der Brief soll an General Stössel gerichtet gewesen sein. Wieder nach einer Stunde wurde einem anderen Kosaken ein Brief übergeben. Der Ruffe gab seinem Pferd die Sporen und bie Peitsche und war bald dem japanischen Begleiter, der ihm unter dem Gelächter der Anwesenden folgte, weit voraus. Es war Nackt, bevor die Konferenz aulbrach, nachdem bie beiderseitigen Bevollmächtigten zusammen gespeist hatten. Als wir unseren Weg über bte Hügel antraten, sahen wir zum erstenmal das Bild flammender Biwakfeuer. Es war jetzt nicht mehr nötig, Stellungen zu verheimlichen. Weshalb die Verteidigung so unerwartet zusammenbrach, vermag ich heute noch nicht zu sagen . . ."
Zum Schluß seines interessanten Berichtes sagt derselbe Korrespondent:
„Während der Räumung sind die Soldaten damit beschäftigt, die Forts zu untersuchen. In vielen Fällen ist überhaupt jede Spur von den Werken ver'chwunden. Die Hügel sehen aus wie Berae, die von einem mächtigen Erdbeben geschüttelt wurden. Die Stadt Port Arthur scheint verhältnismäßig wenig Schaden gelitten zu haben. Wagen und Rischkas fahren umher mit wohlgekleidelen Personen, die alles andere als verhungert aussehen. Die Zivilisten bereiten sich vor, die Stadt zu verlaffen und werden in der Nähe der Taubenbai untergebrackt werden."
Die Absichten Japans mit Psrè Arthur
General Nogi hat, wie man jetzt erfährt, seit Monaten chinesische Arbeiter anwerben lassen, die sofort mit der Reparatur der Befestigungswerke von Port Arthur beginnen sollen, wenn die Muffen aus der Festung entfernt sind. Gewaltige Zement
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und Bauholzlggex sind zu diesem Zweck am Jalu eingerichtet worden und in Japan liegen Swhlp'atien und andere zum FestungSbau notwendige Materialien zur Verschiffung bereit. Die Japaner wollen Port Arthur stärker macken, als es jemals war, und sie glauben, dieS um so leichter tun zu können, a's sie durch die Belagerung alle Mängel in der russischen Verteidigung kennen lernten. Trotzdem sie der Ansicht sind, daß geraume Zeit verstreichen wird, ehe Rußl nd in der Lage sein dürfte, die Stadt wieder zu Belagern, wenn es dazu Überhaupt jemals kommen sollte, werden in der Stadt, wie der Reutertche Korrespondent in Tickifu erfährt, Vorräte an Munition, Lebensmitteln und Lazarettbebürfnifsen in solcher Menge aufgehknft werden, daß die neue Garnison eine Belagerung auf Jahre hinaus auszuhalten imstande sein würde. Die Japaner erklären, aus den russischen Fehlern viel gelernt zu haben.
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Tokio, 7. Januar. (Amstich.) Angesichts der Besetzung der ganzen Halbinsel L i a u t ü n g durch die Japaner wurde bie Blockade beute aufgehoben, allein gegenwärtig keinem Sck'ffe außer denen, die in Diensten der japanischen Regierung stehen, gestattet, in den Hafen von Port Arthur einzulaufen.
Petersburg, 7. Januar. General S s a ch a r o w meldet dem Generolstab vom 6. Januar: Am 5. Januar wurde auf dem reckten Ufer des Hunho beim Dorfe Kudiarse, 9 Werst nördlich vom Dorfe Sy^ontai, eine japanische Streif« wacke, bestehend aus einem Offner und fünf Mann, aufge« F-oben, Der O'fizier und ein Mann wurden im Bajonett- kampf getont. Die übrigen v'-cr Dragoner und sechs Pferde sind in unsren Händen. An demselben Tage kehrte die Streffwacke zurück, die zusammen mit einimt anderen am 1. Januar die Eisenbahn bei Haiischeng unb später in der Umgegend von Niutschwang die japanischen Feldtelegraphen zerstört hatte.
Petersburg, 7. Januar. Die konservative und die liberale Preffe äußern sich überaus erbittert über die Gleichgültigkeit brr oberen Klaffen geaen die Leiden der Verteidiger von Port Arthur. Die Aristokratie bat zwar noch nie so viele Wobltätigkeitsbasare und Bälle für kranke und verwundete Soldaten veranstaltet wie jetzt, aber in Wirklichkeit sind alle diese Veranstaltungen nur Vorwand für Verguü umgen. Die üornefm*n Restaurants sind jeden Abend über fußt; die rumänischen Orckester und die Zigeunerkapellen haben nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt. Die Wege zum Wintergarten sind liedrängt voll von Qq-npagen mit Vergnügung?lustigen.
Kopenhagen, 7. Ianva-. Bezüglich der in der aus- löndilchen Preffe enthaltenen Mitteilungen über die Durch- lo iung der russischen Ostieeflotte durch die dänischen Gewässer erfährt Nitzcms Bureau von zuständiger Seite, daß von rus- flirt er Seite nur die Zufriedenheit über die dänischen Lotsen ausgesprochen wurde und nicht das Geringste darüber gehört wurde, daß irgend ein russisches Schiff bei der fraglichen Gelegenheit von anderen als behördlich zugelassenen Lotsen geführt worden wäre.
Petersburg, 8. Januar. Generaladjutant Kuropaikin meldet unterm 8. Januar: In der Nacht ans den 7. Jan. begannen die Japaner die Front unserer Mittelstellung zu beunruhigen. Sie mürben aber von unteren Posten bemerkt und mit Gewehrfeuer empfangen. Sie zogen sich hierauf zurück. Wir hatten drei Tote und 18 Verwundete. — In der Nacht zum 5. Januar führte eine Abteilung Kavallerie auf unserer linken Flanke eine Elkandung des Taitiykb Talk) in der Richtung euf Tsiamsckon aus. Unsere Kavallerie griff dabei einen japanischen Vorposten an. Ein japanischer Unt.r- offizier und 20 Soldaten wurden verwundet und fünf Mann gefangen genommen.
Tokio, 8. Jan. Die Uebergabe der '^ânqenen von Port Arthur wurde heute ab'e'chlossen. Es sind im ganzen 878 Offiziere und Beamte und 23 491 Mann. Es heißt, die Bahnoerwalturg in Sanyo habe den Befehl erhalten, sich für den Transport von 20.000 Russen von Simono'eü nach Kure einzurichten. Wabr'ckeinl'ch werden die Gefangenen in der Nä'e von Kure urteroebradbt Die Samers raufen werden vorläufig in den Feldlazaretten von Port Arthur bleiben. Alle Transportalen werden nach Japan gerächt, sobald die Eirrichtunqen für ihre Unterkunft beendet sind.
Tokio, 8. Januar. (Amtlich.) Von den 878 russischen Offizieren der Armee Port Artburs gaben 441 ihr Ebre n- wori, nickt mehr gegen Japan lämp'm zu wollen. Sie erhalten gemäß der Kapitul.ttion die Erlaubnis, in bie Heimat zurück,»kehren. Mit ihnen gehen 229 Ordonnanzen. Die Generale Fock, Smirnow und Gorbatowsky und Admiral Willmann zogen es vor, nach Japan in Gefangenschaft zu gehen. General Stöfsil tritt am 12. Januar von Dalny auS die Reise nach Rußland an.
Das deutsche KricgclvcrcinsUtcscu.
Es ist noch nickt lange her, daß man bie Kriegervereine über die Achtel ansah. Selbst viele wohlwollende Beurteiler glaubten, daß der gute Kern, der darin herr'chte, überwuchert würde durch die Eireniümlickkeiten, die dem Auftreten der Kriegervereine noch außen anhaften. Im allgemeinen hielt man die Kriegervereine für Vereinigungen, gut genug für bie unteren Volksschichten, an denen sich der sogenannte Gebildete aber höchstens einmal bei einem vaterländischen Fest beteiligen könnte. Das ist wesentlich anders geworden. Die deutschen Krieger- vereine haben siÄ gewaltig entwickelt, sie machen berechtigten Anspruch auf ernsthafte Beackmng, und immer mehr hat sich ihnen die Teilnahme aller streite, auch der hörten, zu gewandt.
Der Mittelpunkt des deutschen Kriegervereinswesens ist seit bald 5 Jahren der Kyffhâuser-Bttnd der deutschen Landes- Kriegerverbände, die sich ails der gemeinsamen Arbeit aller deutschen Kriegerverbände für das Kaiser Wtthelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser entwickelt hat. Der Kyffhäuser-Bund ist ein eingetragener Verein im Sinne des bürgerlichen Gesetzbuches; er umfaßt rund 26 000 Vereine mit 2,25 Millionen Mit-
_________ 9- Januar. K
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aliedern. Die Glieder deS Bundes sind die etnz-lnen grnbeS6 Kritgerverbände, die durch das Protektorat IbreS SandeSberrn oder durch ausdrückliches Anerkenntnis ihrer Landesregierung als einziger beglaubigter Verband der Kriegervereine eines deutschen Bundesstaates bestätigt worden stnd.
Die größten Landes-Kriegerverbände sind die Verbände von Vreußen (14 000 Vereine und 1,2t Millionen Mitglieder), Bav-rn (3000 Verein? und 260 000 M'tqlieder), SaAten (1600 Vereine und 190 000 Mitglieder), Württemberg (1710 greine unb 110 000 Mitglieder), Baden (1420 Vereine und 125 000 Mitglieder) und Hessen (900 Vereine und 60 000 Mitglieder). Der Vorsitzende des Bundes ist satzungsgemäß der jedesmalige Vorsitzende des Preußischen Landes' Krieger- verbandes. Der Bund kommt zum Ausdruck hauptsächlich in der Vertreterversammlung, in welche jeder Landesverband soviel Vertreter entienbef, als seine Regierung im Bundesrat Stimmen bat. Die Form des KriegervereinS ist damit auf eine unbedingt feste Grundlage nach dem Muster der Reichs- verfaffung gestellt.
Die Aufgabe des Kyffbäuser-Bundes ist zunächst die Verwaltung des gemeinsamen Eioentums, des Kyffhâuler-Denkmals und seiner zugehörigen Einrichtungen. Die wichtigste Aufgabe des Bundes ist aber die Beratung über gemeinsame Fragen und gemeinsames Vorgehen. Die einzelnen LandeS-Krieger- verbände innerhalb d?s Bundes sind ganz selbständig und haben ihre eigene Verwaltung. Die Gemeinsamkeit der Ausgaben bringt es aber mit sich, daß auf Grund der Beratungen der Vertreterversammlung des Kyffhäuser-Bundes ein gleichartiges Voraeben in wichtigen Fcaoen erzielt ro rb, wenn auch die Ausführung je nach der Eigenart des Landes verickikden sein kann. Der Kyffbäu^er - Bund verkörpert daher den Reichsgedanken im Kriegervereinswesen. Sein Einfluß auf die Belebung des ReichSgedankens, auf die Erhaltung und Be'âtigung königstreuer Gesinnung im Reiche und in den Einzelstaaten hat bereits reiche Früchte gezeitigt, umsom?hr, als alle Deutschen Krieiervereme von Anfang an die Pflege unb Betätigung der Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland in den Vordergrund gestellt haben.
Ueber j-nen neuen, größeren Aufgaben haben jedoch die Dentschen Krieger die alteren nickt vergessen. H'erzu gehört vor allem die werktätige Pflege der Kameradschaft, das Unter« st ützungs wesen, das in allen Deutschen Verbänden stark entwickelt ist. Der Deutsche Kricqerbund bfi pieieweif^, der die Verbände von Preußen, der Norddeutschen Staaten und von Effa^Sotbringen zusammevfaßt, hat zur Zeit 4 Waisenhäuser, 2 evangelische und 2 kathsli'cke, in welchen über 300 Waisen armer Kameraden ernten werden, ferner eine gemeinsame Unter» ft’^ungt?fasse und 2 Witw^nstiftungen. Auch die Landesverbände von Preußen, Boyern, Sachsen, Württemberg, Baden unb Hessen uerfügen über eigene gut entwickelte Kaffen. Außer» b-m haben die einzelnen Vereine ihre eigenen Kassin zur Unter- stütznnq armer M tglieb°r und ihrer Hinterbliebenen, so daß hierfür im ganzen jährlich mehrere Millionen ausgegeben werden.
Wer diese Tatsachen unbefangen prüft, der wird zugeken, daß sich das D^ut'che Kriegervereinswesen zu einer Vereinigung entwickelt hat, würdig der Beachtung und Unterstützung eines jeden Vate' lein' sstenndes.
Die Bergarbtilerbewegung im Ruhrgebiet.
Langendreer', 7. Jan. In der gestrigen Abendver-- s«v'mlung betonte, wie ergänzend zu berichten ist, für den Fall eines Streiks auf Zeche Bruchstraße der Reicksta saboeordnete Sachse wiederholt, daß dieser Ausstand ein totaler bleiben müßte, da bei einem Generalstreik auf einen Sieg der Bergarbeiter nicht zu rechnen sei. Ein all 'emeiner Streik würde der Berg- prbetterbenoiferuna mehr Schaden zu^gen, als er ihr jemals Nutzen bringen könnte. Der Bergmann würde sich die Sym- pachte des Bürgerstandes verscherzen; er würde in der öffentlichen Meinung diskretiert werden. Demgemäß heißt es denn auch in der von der Versammlung angenommenen Resolution: „Die Versammlung ersucht alle Kameraden der Nachbar zechen und des ganzen RuhrrevierS, nicht in einen allgemeinen Streik e» n z u t r e t e n , weil dadurch bet Sieg unserer gereckten 3acke sehr in Fr age gestellt wird. Auf anderen Zechen fallen bie Kameraden erst bann die Forderungen stellen oder sich anschließen, wenn ihre Verwoltung bie Zeche Bruchstraße direkt oder indirekt unterstützt. Alle Kameraden Deutschlands ersuchen wir, uns moralisch ba'urck zu unterstützen, daß sie allen Zuzug von Arbeitskräften fernhalten."
Langenvreer, 7. Jan. (Hann. C.) Die Versammlung der Belegschaft der Zeche Bruch straße beschloß den Streik. Die V'rtre«er anderer Bergarbeiteror 'anifationen versprachen materielle Hilfe. Die Führer erklärten nachdrücklich, der Ausstand solle lokalisiert bleiben.
Essen, 7. Jan. Der Bercbouverem veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Auf Zeche „Bruchstraße" ist heute früh ein nur geringer Teil derBelegschaft ein* gefahren. Die Behauptung oerfsiebener Zeitungen, daß den Bergleuten die Kohlen für ihren Hausbrand verweigert seien, und daß deshalb der Ausstand aus- gebrocken sei. i st k a l s ch. In normalen Zeiten werden von uns von 1600 Wagen Forderung noch nicht 30 Wagen täglich für Drpu'atkohlen verlangt, während in den I ßten Tagen 40 Waim dafür gelüfext unb heute jeder 7. Wagen, aiss über 200 Wagen für bieten Zweck für heute und die nächsten Tage an eboten waren. Die Belegschaft verlangte schriftliche Zusicherung, daß sie bis n â ch st e n DienStag mit Kohlen für diesen Monat zu versorgen wäre. Diese Zumutung wurde abgelehnt. Die gleichfalls alS Beschwerdegrund angeführte Dauer der Seil fahrt von einer Stunde ist bei der Mehrzahl der großen Zechen von jeher in Gebrauch. Die Behauptung, daß das Militär von Stinnes um das Eingreifen im Falle eines Ausstandes angegangen sei, ist nach deffen Angaben unwahr.