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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Faudkreis Kasan.

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e». WmienhauieS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme her Q&w und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: <8. Schrecker in Hanau

"Nr. 287 Kern!preckanlch,us! Nr. 605. DoNNttMsi den 7. Dezember SmfWftaf« Nr. 605. 190?

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Hus Fjanau Stadt und fand.

Hana«, 7. Dezember.

* War nung. In letzter Zeit wurde die Wahrnehmung gemacht, daß verschiedentlich die messingenen Türdrücker an den Haustüren abgeschraubt worden sind. Zweckdienliche Mit­teilungen der Betroffenen mögen im Zimmer Nr. 1 der Kgl. Polizeidirektion abgegeben werden.

* StaDLiKerrter. Anzengrubers, unseres be­deutenden Volksschriftstellers ergreifendes Schauspiel:Der Meineidbauer" wird morgen nochmals zur Auf­führung gelangen. Die vortreffliche Inszenierung, in der das gewaltig packende Werk diesmal zur Wiedergabe gelangte und einen außergewöhnlich starken Erfolg erzielte, sowie die hervorragenden Leistungen des Herrn Steger und $rL Braune werden auch moraen wieder dazu beitragen, den Hörern einen äußerst genußreichen Abend zu bieten. Beginn der Vorstellung um 1'<8 Uhr.Am Sonntag wird Schillers Trauerspiel :Maria Stuart" in vollständig neuer Inszenierung wieder zur Aufführung kommen. Zum ersten Male wird das Werk unseres größten Dramatikers mit seinem ursprünglichen Schluß dargestelU werden und wird das Stück nicht wie bisher als Torso mit der Enthauptung Marias sch ießen. Die Rollen der beiden Königinnen sind in den Händen der Damen: Braune (Maria) und Behrens (Elisabeth).

k KittMnditfirn e-Verein. Wird wahre Poesie in ihrer Wirkung unterstützt von den gleichempfundenen Tönen der Musik, so vermögen die beiden Genien vereint in ihrem bezaubernden Tun das Empfinden des Men'chen zu steigern und der Seele einen hohen Genuß zu vermitteln. Das zeigte auch der vorgestrige Abend des Kunstindusirie-Vereins. Es wechselten Darbietungen auf dem Klavier mit Rezitationen, sowie beide Kunstgattungen in der Form des Melodrams vereint, miieinander ab. Schon vor einigen Jahren lernten wir Frl. (Sonstein am Klavier kennen. Seit jener Zeit hat sich ihre Kunst bedeutend verlieft und verinnerlicht. Der Anschlag welch, zart, mit sicherer Beherrschung der Technik, vermag sie den Darbietungen jene seelischen Empfindungen einzuhauchen, die den Komponisten beseelten. Ihr Spiel zeigt gerechte künstlerische Auffassung und vermag sowohl in den Partien lieblich-freudigen Erregungen der Seele zu wir­ken als auch den Ernst und die Macht der Tragik mit unge­störten künstlerischen Mitteln zum guten Ausdruck zu bringen. Geboten wurden Kompositionen von Schnmann, Mendelssohn, Chopin, Liszt u. a., die Vertreter der klassischen Musik fan­den also eingehende Würdigung. Nicht ganz an die Höhe dieser Kunst reichten die Rezitationen des Herrn Schauspielers Dörner. Gewiß hatte man es mit einem jungen Künstler »^»»»»M«,ii»sL«««M»M«M»»««»»« nun iriiiwuimmi'Mmaar,t«mw,Li»Mi.nw»»

Feuilleton.

Stadtthcater in $mit.

Hanan, 7. Dezember.

Daß der Humor unserer angelsächsischen Vettern auch bei uns stets williges Verständnis gefunden hat, ist eine bekannte Tatsache, wir erinnern nur an den Siegeszug von Charleys Tante". So ist auchNiobe", der übermütige Schwank in der trefflichen Biumenthal'schen Uebersetzung, auf unseren Bühnen längst heimisch geworden, und immer wieder erfreut man sich gerne an der sprudelnden Laune und den übermütigen Situationen des Stückes. So hatte denn unsere Direktion auch gestern mit der Aufführung desselben einen guten Griff getan. Die Darstellung war im ganzen aner­kennenswert, Frl. Braune in der Titelrolle wirkte fein und dezent, auch sprach sie ihre gebundenen Reden schön und maß­voll. Trefflich stand ihr Herr Gehrmann als Partner zur Seite, der die Figur des Peter Dunn einwandsfrej und vor allem ohne jede Uebertreibung aus die Bühne stellte.. Herr Nygrin verfiel, besonders bei längeren Reden, in einen allzu dramatischen Ton. Die übrigen Darsteller fanden sich mit ihren Rollen zufriedenstellend ab, nur dem Stubenmädchen Molly möchten wir etwas mehr Pünktlichkeit empfehlen. Die Regie war anerkennenswert, das Zusammenspiel, einige kleine Kunstpausen abgerechnet, flott und sicher. Der Besuch hätte besser sein können.

* Dranratisch-litcrariWer Verein Hana«. Am Dienstag den 5. Dezember abends 8 Uhr fand in der Centralhalle die letzte diesjährige Veranstaltung des genannten Vereins statt, die ebenso wie die vorhergehenden den besten Eindruck hinterließ und von dem ernsten Streben des Vereins beredtes Zeugnis ablegte. Das Programm brachte 3 Ein­

zu tun, deffen Seele entstammt ist von Idealen der Kunst und deffen Sein gern die Höhenlusi ästhetischer Begeisterung einsaugt. So vermochten seine Darbietungen an einzelnen Stellen auch den rechten Ton zu treffen und das Gemüt zu begeistern. Doch versteht es der jugendliche Drang noch nicht sicher, das weise Maß zu halten und den Unterschied in der durch die Handlung bewegten Darbietung auf der Bühne und dem ruhigeren Gebiet der Rezitation zu finden. Besondere Erwähnung verdient der Vortrag der DichtungWinter­nackt" von H. Kohlevp, einem Hanauer. Ferner kamen Dichtungen von Freiherr v. Münchhausen, Haller, Presber, Fontane u. a. zum Vortrag. Die lei du geschürzte Mute des sonnigen Humors fand in einer Reihe uon kleineren Poesien, die autundklug ausgewähli waren, wirkungsvolle Berücksichtigung. Im Mittelpunkte der gesamten Darbietungen stand aber das Melodram.Hexenlied" v. Wildenbruch, Musik von Schillings. Die ergreifenbeu Szenen jener bewegten Dichtung wußte der Rezitator schön zum Ausdruck zu bringen. Verständig und niemals störend schmiegte sich die Klavierbegleitung an und verhalf dem Ganzen zu einem harmonisch vereinten Kunst­genuß. Die Aula war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Anwesenden dankten durch reichen Beifall.

* In ^et Zeit geirrt. In der Hammerstraße flatterte heute ein munterer Schmetterling lustig umher, den ein Passant ausfing und uns zur Registrierung in unseren Spalten vorzeigte.

* Verhaftet. Mit dem hier wohnenden Graveur E. wurde auch der in Frankfurt ansässige Sohn desselben, der dort einen Goldhandel betreibt, verhaftet.

* Haftbefehl. Gegen den Rotationsmaschinenmeister Wilhelm M., zuletzt in Ludwigshafen wohnhaft, und dessen Ehefrau hat der Untersuchungsrichter beim Kl. Landgericht Hanau einen Haftbefehl erlassen, weil sie dringend verdächtig sind: 1. Die Ehefrau M., durch eine fortgesetzte Handlung in Hanau in den Jahren 1903 bis 1905 große Mengen von Waren im Gesamtwert von mindestens 500 bis 600 Mk., sowie bares Geld im Gesamtbeirag von etwa 200 Mk., der Witwe Maria B. gehörig, dieser in der Absicht rechts­widriger Zueignung weggenommen zu haben und zwar da­durch, daß zur Eröffnung der im Inneren eines Gebäudes befindlichen Tinen und Behältnisse fremde Schlüssel ange­wandt wurden; 2. der Ehemann M., in derselben Zeit in Hanau, Oggersheim, in Ludwigshafen und an anderen Orten seines Vorteiles wegen einen Teil der von seiner Ehefrau ge­stohlenen Sachen, von denen er wußte, ober doch den Um­ständen nach annehmen mußte, daß sie mittels strafbarer Handlungen erlangt waren, verheimlicht und zu deren Ab­satz bei anderen mitgewirkt zu haben und zwar gewohnheits­mäßig.

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akter in reckt glücklicher Zusammenstellung. Zunächst ein interessantes Werk Franz WedekindsDer Kammersänger", das uns einen Blick tun ließ in das Privatleben eines gott­begnadeten Künstlers, der trotzdem doch nur der Sklave seiner Kunst und seines Impresarios bleibt und sein Herz allen weicheren Regungen längst verschlossen hat. In dreifacher Gestalt pocht der Lebensgenuß an seine Pforten, zunächst als rührend unschuldiges Kind, das in heller Begeisterung für den Künstler die Schranken der Sitte und des Anstandes durchbricht, einzig um ihm sich selbst zu Füßen zu legen es wird kühl mit einigen guten Ermahnungen hinausgeleitet; zum zweiten als ein alter verkannter Musikprofessor, der nach jahrzehnte langem Warten seine letzte Hoffnung zur Aufführung seiner Oper auf den Künstler setzt er wird kühl Hinausgelenet ; zum dritten in der Gestalt eines reifen Weibes, das alles, Ehre, Gatten, Kinder hinter sich zurück­läßt, um einzig mit dem Geliebten, dem Künstler vereint leben zu können auch sie soll kühl hinausgelcitet werden, da ein Knall, sie hat ihrem wertlosen Leben em Ziel gesetzt. Ein kurzer Schreck, dann siegt auch hier wieder Pflichtgefühl und Egoismus, und mit dem RufeIch muß verhaftet werden, ober ich bin koinraktbrückig" stürzt der Sänger da­von. Die Darstellung war lobenswert. Im Vordergrund stand Herm Goebel als Kammersänger, der mit durch­dachtem Spiel und kluger Mäßigung seines Organs der nicht leichten Partie zu dem erwünschten Erfolge verhalf. Frl. Olga W e e d e wußte das liebedürstende, alles ver­gessende Weib mit erschütternder Wahrheit wiederzugeben; die spontanen, alles überflutenden Gefühlsausbrüche Toirften geradezu faszinierend. Herr Söhnlein und Frl. Ester er stellten hübsche glaubwürdige Personen auf die Bühne, und auch die Nebenrollen waren entsprechend besetzt. Das zweite StückAbschied vom Regiment" enthüllte uns die Nachtseiten des Ehelebens, Treubruch, gegenseitige Verachtung und schließlich Duell nach Hartlebens Spezialität in Offizierskreisen. Gespielt wurde auch hier recht flott und

Die heutige Nummer umfaßt an feer dem zLuterhaltuugsblatt 14 Seiten

* bin erschossener Hund beschäftigte gestern längere Zeit die Strafkammer des Landgerichts. Im Wege der Privatbeleidigungsklage war der Chefredakteur der frans' furterKleinen Presse" Paul Listow sky wegen Belei­diguna des Direktors der Fechenheimer Chemischen Fabrik, Dr. Hoffmann, vom Schöffengericht zu Bergen zu der hohen Strafe von 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Da der Angeklagte Berufung einlegte, so hatte sich auch die S rafkammer eingehend mit dem Fall zu beschäftigen. Es handelt sich um folgende Vorgänge: Am Sonntag den 21. Mai d. J. war Herr Direktor Dr. Rossmann mit seinem Privatförster Sckönefuß früh morgens auf der Jagd auf Bergener Gemarkung. Sie saßen auf dem Anstand auf Rehe, als sic zwei Hunde laut jagen hörten. Bei näherem Hinsehen bemerkten sie, wie zwei Airedal-Terriers (sogen. Kriegshunde) laut bellend einen Sprung Rehe verfolgten, und da die wildernden Köter durch die Nähe der Großstadt dort eine tägliche Erscheinung sind, so geht man nicht ge­rade glimpflich mit ihnen um, b. h. sie werden, sobald man ihrer habhaft wird, durch eine Kugel ins Jenseits befördert. So erging es auch dem einen der erwähnten vierbeinigen Nimrooe, er fiel durch eine Kugel des Herrn Direktors Hoffmann, während der andere Glück hatte und entkam. Dem gefallenen Hund wurde das Halsband und die Steuer­marke abgemacht und er dann verscharrt. Der Prwaiförster ging am nächsten Tage nach Fechenheim, um dem Polizei­kommissar von der Tötung des Hundes Anzeige zu machen und durch Abgabe der Steuermarke seinen Eigentümer er­mitteln zu lassen. Da der Förster den Kommissar an dem betr. Montag nicht traf, so konnte er sein Vorhaben erst am Dienstag ausführen. Don Fechenheim aus wurden so­fort entsprechende Mitte« tunaen an das Frankfurter Polizei- p' äsidium gemacht und die Steuermarke eingesandt, die Sache blieb aber dort aus Versehen liegen und dadurch blieb auch der Eigentümer vorläufig ohne offizielle Benachrichtigung über die Tötung seines Hundes. Dieser Eigentümer war der heutige Privatbeklagte Chefredakteur Paul Listowsky zu Frankfurt, dem der Hund bei einem Spaziergang am Sams­tag abend vorher entlaufen war. Diesem ging der Verlust des sehr klugen und anhänglichen Hundes sehr nahe, er hielt Umfragen, erließ Anzeigen in den Blättern und erfuhr endlich von einem Bekannten das vermutliche Schicksal seines Hundes. Herr -Listowsky ging am Mittwoch nach dem Vor­fall auf die Mainkur und traf dort den Privaiförster Schönefuß, der ihm den Vorgang schilderte und woraus er sofort erkannte, daß es sich tatsäcklich um seinen Hund handle. Von da ging er zum Fechenheimer Polizeikommissar, wo ihm mitgtteilt wurde, die Steuermarke sei bereits abge- lie^ert. Unglücklicherweise blieb aber die Sache in Frankfurt

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sicher, nur litt die Eingangsszene etwas unter einer gewissen Befangenheit. Im übrigen trug jeder der Darsteller sein redlich Teil zum guten Gelingen bei. Zum Schluß gab es fiod) den nicht mehr neuen, aber doch äußerst bühnen­wirksamen Schwank von KadelburgIn Zivil". Der In­halt dürfte genügend bekannt sein, sodaß nur festgestellt zu werden braucht, daß auch hier das Stückchen durch klappendes Zusammenspiel sämtlicher Mitwirkenden vorzüglich zur Dar­stellung gelangte. Alles in allem ein Abend, auf den der veranstaltende Verein mit vollster Zufriedenheit zurückblicken kann.

Albirmblätter.

Von Menschenherz zu Menschenherz

Gch'n Fäden von den feinsten Seiden, So sein, daß sie geheim zerschneiden Ein arger Blick, ein schlimmer Scherz.

Wenn dann im Dunkel einer ruft, Daß sich der Freund wie sonst erbarme, Und breitet hoffend seine Arme Sie greifen in die leere Luft. Bruno Frank.

* *

Lies nicht, um widersprechen und widerlegen, oder um interessant plaudern und etwas für bewiesen erachten zu können, sondern um zu wägen und darüber nachzudenken!

Chinesischer Sinnspruch *

Voll von Gold und edlen Stoffen, Von Juwelen wunderbar Liegt die weite Welt mir offen, Als ein prächtiger Basar.

Könnt ich, was ich wollte, wählen, Wählt ich wohl für mich und dich: Dir die Perlen und Juwelen Und dein goldnes Herz für mich.