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General-Anzeiger
Amtliches Organ für ätadt- und Landkreis Kanan
Einrückaugsgebühr I
Di« füufgefpadene Petitzeile oder deren Raum 15 M. im Reklamenteil die Zelle 35 Pfg.
e». Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
BerantrvorL Redakteur: G. Schrecker in Hanau
Mk. 260 ff^nspr,»anschl«tz Nr. 605.
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hierzu
„Amtliche Beilage Nr. 17.
Amtliches.
Candkreis Ranau.
Bekmtmchmgeii des Könißlicheii Sanbratenrnfö.
Mit der Berichterstattung auf meine Verfiigungen vom 2. Juni 1893, P 5735, und 27. Juni 1900, P 5966, betreffend polizeiliche Maß- und Gewichtsrevision ist noch eine Anzahl Bürgermeister im Rückstände.
Es wird daher an die Erledigung der vorgenannten Verfügungen mit Stößiger Frist erinnert.
Hanau den 3. November 1905.
Der Königliche Landrat.
£ p 9207 v. Beckerath.
Mit Berichterstattung auf meine Verfügung vom 2. Oktober 1896 betreffend Nackrevision der Feuerstätten ist noch eine Anzahl Bürgermeister im Rückstände.
Es wird daher an die Erledigung der genannten Verfügung mit Ltägiger Frist erinnert.
Hanau den 1. November 1905.
Der Königliche Landrat.
V7131 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Stadtkreis Ranau.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 28. Oktober bis 3. November 1905:
1 Arbeiter,
1 Fahrbursche,
2 L^auslmrscheu,
S Schlosser,
3 Tagelöhner.
Im Monat Oktober erhielten Stellen zugewiesen: 1 Fahrbursche, 1 Gartenarbeiter, 2 Hausburschen, 1 Installateur, 1 Knecht, 3 Schlosser, 1 Schneider, 3 Schreiner, 3 Schuhmacher, 21 Tagelöhner, 1 Weißbinder.
Hanau den 4. November 1905.
Städtische ArheitsvermitieluugssteÜe. 21688
Bekanntmachung.
Die Anmeldungen derjenigen Kinder, die vom 1. April 1906 ab die Eberhardschule (Mittelschule) besuchen sollen,
Feuilleton
Stadttheater in Hanau.
8 Hanau, 4. Novbr.
In dem Bemühen, das diesjährige Repertoir zu einem künstlerisch wertvollen zu gestalten, hatte gestern abend die Direktion Herrn Max Bayrhammer vom Frankfurter Schauspielhause als Gast gewonnen, der in zwei verschiedenartigen Fachrollen auftrat. Herr Bayrhammer ist an unserer Bühne kein Fremder, hat er doch zu Beginn seiner Laufbahn hier bereits dem Ensemble als Mitglied angehört. Der Gast präsentierte sich zunächst in der Partie des „Urbain Sonnnom" in dem dreiaktigen Drama „Die Schauspieler des Kaisers" von Karl Wartenburg. Obschon das Werk bereits vor etwa 30 Jahren seine Erstaufführung am Sommertheater zu Gera, dem Studienplatz des Verfassers, erlebte, erscheint es seines historischen Hintergrundes als auch der sogen. Paraderollen und schließlich der interessanten Milieu- Bilder wegen zu einem Gastierstück gerade wie geschaffen. Es hat auch in Dühnenkreisen eine derartige Beachtung gefunden, daß es durch Uebersetzung in die meisten modernen Sprachen der internationalen Dramenliteratur einverleibt wurde. Mit überzeugender Gewalt weiß uns der Verfasser das schiffbrüchige Dasein des armen unglücklichen Possenreißers „Urbain" geradezu erschütternd vor Augen zu führen, dessen von Natur aus künstlerisches Talent der Menschheit zu spät glaubhaft erschien. In bestgelungener Weise wußte Herr Bayrhammer diesen Boheme lebenswahr auf die Bühne zu stellen. Besonders mußte die verständnisvoll abgeivägte Mäßigkeit der Temperamentsausbrüche gefallen, bei denen der Künstler den Hauptwert auf natürliche Darstellung legte, ohne effekthaschend zu werden. Die glühenden, sehnsüchtigen Gefühlsäußerungen dieses gedrückten, verkannten Genies zeugten von tiefempfunbener Durcharbeitung. Fräulein Helliot wußte neben anmutiges
SnmStflR den 4. November
werden in der Zeit vom 6, bis 11. Dezember, vormittags von 11 bis 12 Uhr, im Schulgebäude entgegengenommen. Knaben sind bei Herrn Rektor Bart mär ß, Mädchen bei Herrn Rektor I ck l e r anzumelden. Hierbei sind die Geburtsurkunden oder Familien-Stammbücher und die Impfscheine vorzulegen.
Schulpflichtig werden zu Ostern 1906 alle Kinder, die bis zum 1. Oktober 1906 das 6. Lebensjahr zurücklegen.
Kinder, deren Anmeldung an den angegebenen Tagen versäumt wird, können am 1. April in der Eberhardschule nur dann Aufnahme finden, wenn in den vorhandenen Schulklassen noch Plätze frei sind.
Hanau den 4. November 1905.
Der Stadtsckulinspektor.
Lorenz. 21740
Hus Ranau Stadt und fand.
Hanau, 4. November.
* Zur Kirchenkollekte am nächsten Sonntag, am Resorinationssest. Jedesmal wenn die Glocken des Reformationsfestes läuten, tritt der Gustav-Adolf- Verein in unsere Mitte und bittet für seine Pflegebefohlenen, bittet für die evangelische Diaspora, für die Brüder und Schwestern in der Zerstreuung, bittet mit der andringenden Kraft des apostolischen Wortes, das er sich von jeher zur Losung und zum Feldgeschrei für seine Friedensarbeit erkoren: „Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen." Er ist der guten Zuversicht, mit seiner Bitte Gehör zu finden. Dabei dankt er vor allem den alten Freunden, die nun so lange schon dem edlen Werke angebören. Aber viele der alten und ältesten Freunde sind schon dahingegangen. Ihr Gedächtnis wirkt unter uns im Segen, ihr Verlust erfüllt uns mit tiefer Wehmut. Die Totenliste des Gustav Adolf-Vereins erinnert uns jedes Jahr an die Pflicht, soviel in unserer Macht steht, für Nachwuchs zu sorgen und neue Freunde zu gewinnen. So schreitet denn der Gustav Adolf-Verein durch die Reihen der Reformationsgemeinde und sucht, wie er neue "Freunde werbe. Er bittet jeden: Bedenke bei dir selber, ob es wohl recht gewesen ist, daß du bisher einer so guten Sache deine Hand und, was mehr sagen will, dein Herz teilnahmslos hast entziehen können. Frage dich: was habe ich in meinem bisherigen Leben für die Sache evangelischer Bruderliebe getan? Und" wenn die Antwort lautet: wenig oder garnichts I so nimm's zu Herzen und nimm dir vor, in die Mitarbeit des Gustav Adolf-Vereins einzutreten. Aber was ist der Gustav Adolf-Verein? Er ist ein Zeuge deutsch-evangelischer Geschichte aus jener tiefbetrübten Zeit ikes dreißigjährigen Krieges, wo das Bestehen des
Auftreten die aufopfernde Schauspielerin „Manon Ballier" lieblich und überzeugend wiederzugeben, während Herr Oscars en dem beschränkten Maschinen- und Traditions- Menschen „Gaspard Didier" mit guter Laune zum Erfolg verhalf. Die Darstellung des rachsüchtigen haßerfüllten Strebers „Maurice Bernard" durch Herrn N a ch b a u r ließ nichts zu wünschen übrig. Beachtenswertes Talent und gute Auffassung bewies der heimtückische „Thibaud" des Herrn Müller. Etwas mehr Mäßigung in der Charakteristik dieser Figur hätte sie der Glaubwürdigkeit näher gebracht. Neben Herrn Kempf, der sich mit dem „Herzog von Vicenza" gut abfand, waren noch in dem von Herrn Oberregisseur Steger wirksam einstudierten Drama die Herren Uster „Malprö", Nygrin „Bourdin", Schröder „Claude", L o s s e r „Adjutant", Krau se „Adjutant", Berger „Wiener" befriedigend beschäftigt.
„W iener in Paris", das einaktige Genrebild unseres volkstümlichen Dichters Karl v. Holtei, dessen Ruf als Schauspieler wie auch als Schriftsteller schon vor 60 Jahren in gutem Ansehen stand, bildete den Schluß des Abends. Es ist nicht zu leugnen, daß sich auch an diesem kleinen Merkchen der Zahn der Zeit schon stark fühlbar gezeigt hat, sodaß es wohl nur noch bei gelegentlichen Gastspielen durch das Rampenlicht eine kurze Wiederbelebung erfährt, weshalb wir uns auch gleich der gestrigen Darstellung zuwenden. Die Rolle des „Bonjour" stellt an den Darsteller nicht zu unterschätzende Anforderungen und verlangt vor allem natürliches Spiel und einen ebenso guten französischen Accent als österreichischen Dialekt. Herr Bayrharnmer war in der Wiedergabe dieser Rolle mustergültig. Seine Partnerin Fräulein M ü l l e r wirkte in der Rolle der klatschsüchtigen „Kathie" ebenso humorvoll, wie Fräulein H e l l i o t in der Rolle des verliebten Töchterchen „Madelon". Herr K e m p f als „Gras von Werth" sowie Herr N ygri n als der an der ,.maladie de coeur“ leidende Jüngling auf Freiersfüßen statteten ihre
Die heutige Mummet; umfaßt außer dem LLuterhaltuugshtatt 16 Seiten.
Fernsprechanschlnst Nr. 605* • 1905
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Protestantismus in unserem Daterlande ernstlich in Frage gestellt war, bis Gottes wunderbares Leiten half und in dem Erscheinen des Schwedenkönigs Gustav Adolf einen Damm gegen die römische Sturmflut aufwarf. Er ist ein Mahner und Warner bis auf den heutigen Tag an unser leicht selbstzufriedenes und allzusicheres Geschlecht, das das Heiligste wieder in Trümmer finken kann, wenn wir nicht tapfer stützen und halten, wenn wir nicht tun, wie Gustav Adolf, und christliche Selbst- und Bruderhilfe treiben. Er ist aber darum kein bloßer Verein, nicht nur Sache eines größeren oder kleineren Kreises von Gleichgesinnten, sondern eine Angelegenheit der ganzen evangelischen Christenheit, und er darf darum mit gutem Recht das Gewissen der evangelischen Kirche heißen. Und was will der Gustav Adolf- Verein? Er will vor allem halten, was wir haben. Wo immer Evangelische sind, die die Wanderlust oder der Erwerbstrieb in katholische Gegenden geführt hat, da möchte er das Seine tun, um sie dem evangelischen Glauben zu erhalten. Er betrachtet sie als Glieder einer großen Familie. Und wie jede Familie darauf hält, daß auch ihre entfernten Glieder dem väterlichen Hause treu gesinnt bleiben, daß sie die Sitten des Hauses bewahren, so und nicht anders der Gustav Adolf-Verein. Er will stärken, was sterben will. Viel evangelisches Leben ist einst unter den Streichen der Gegenreformation erstorben oder zum Tode erkrankt. Mühsam nur hält sich in so manchen Diasporagemeinden die Ueberlieferung aufrecht. Die äußere Armut ist in der Regel groß. Wo bleibt da die Fürsorge für die Seelen und Seligkeit? Aber er setzt sich auch zur Weh r. Diaspora ist überall Grenzland. Was Wunder, wenn neben den friedlichen Beziehungen von Mensch zu Mensch, von Haus zu Haus, wie sie bei verschiedenen Glauben doch möglich sind, die Grenzüberschreitungen nicht ausbleiben wollen. Und Rom überschreitet gern die Grenzen, wo es die Macht dazu hat. Dem müssen wir öfter, als uns lieb ist, scharf und entschieden entgegentreten. Und was tut der Gu stav Adolf- Verein? Mit einem Wort: er baut. Wir könnten große Zahlen nennen, aus denen sich ergeben würde, wie gut er das Bauen versteht. Weit über 2000 Kirchen und Bethäuser sind unter seinem kräftigen Zutun in der weiten Diaspora entstanden. Man muß nur wissen, was ein einziges solches Gotteshaus für die verwaisten Glieder unserer Kirche an Erhebung und Belebung des Glaubens, an Freude und guter Zuversicht bedeutet. Er baut aber auch, wo niemand anderes es tut, Pfarrhäuser und evangelische Schulhäuser, weil sie erst ein Gemeindeleben und die Erziehung der nachwachsenden Jugend ermöglichen. Er unterhält auch, was er baut. Denn einmal ist alles Bauwerk gebrechlich, und dann läßt jeder Bau Schulden zuimck. Ach die unend-
Partien mit gutem Humor aus. Herr O s c a r s e n und Fräulein I a i d a wußten das Wiener Ehepaar „Wermann" mit der erforderlichen Komik wiederzugeben, während auch Herr Müller als „französischer Sprachforscher" humorvoll auf seinem Posten stand. Einige Unsicherheiten im Text zu Beginn des 1. Aktes ließen das erforderliche flotte Tempo etwas erlahmen. Beide Stücke fanden beifällige Aufnahme vor gut besuchtem Hause. .
Siebente ZchrMHckW der FmkMter Mstler # im Kliiistoereiil.
Die bildenden Künstler Frankfurts. geben nunmehr zum siebenten Male in ihrer gemeinsamen Jahresausstellung im Kunstverein der Oeffentlichkeit einen Ueberblick über ihre neueste Tätigkeit. Die erprobte und wohlbewährte Organisation dieser Veranstaltung, welche sämtliche hiesige Kunst- korporationen umfaßt, hat schon in den Vorjahren sehr erfreuliche Resultate ermöglicht und den Ausstellungen die ungeteilten Sympathien aller Kunstfreunde verschafft. Man darf mit Reckt erwarten, daß auch die diesjährige Ausstellung auf der gewohnten Höhe stehen wird, umsomehr, als sie gleichzeitig als dritte und letzte Jubiläumsausstellung des Kunstvereins zu betrachten ist. Das Ausstellungsprogramm ist auf Grund der Erfahrungen früherer Jahre bereits im letzten Winter festgestellt worden und die Einladungen an die Künstler zur Beschickung ergingen im Mai. Die Beteiligung ist in diesem Jahre eine besonders rege, die Zahl der Anmeldungen übertrifft sogar die Höchstziffer des Vorjahres. Zur Ausübung des verantwortlichen und mühevollen
Jurorenamtes hat das Vertrauen der Künstler berufen die Herren: Prof. F. B r ü 11, Ettore Co somati, Andreas E g e r s d ö r f e r,
Robert Fore l l, Prof. F. H a u s - in ann, Franz Krüger, Prof. W. Steinhausen und Fritz Wucherer.