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Gmeml-Anzcher.
Amtliches Orgs« für SUN« uni Fssdüreis Km».
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Du fünf gespaltene Petitzeile oder derm Naum 10 Pf§^ im Rellqmelüeil die Zeile 35 Pfg.
Derantwortl. Redâurr 6. Schrecker in Hanau.
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Nr. 104 Frrn?prrchai»schk«tz Nr. 605. DoNNtlstag dtN 4. Mlli F«rnsprech»»schl«tz Nr. 605. 1905
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Amtliches.
Stadtkreis F)anau.
Die Schlofft raste wird wegen Neupflasterung vom 4. d. Mts. ab auf die Dauer von drei Wochen für 'den öffentlichen Fuhrverkehr gesperrt.
Hanau den 3. Mai 1905.
Königliche Polizei-Direktion.
J? 3424 I. B.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.
Eandkreis Hanau.
MmiNchiWl 8« Kmzliße» A0ntü»tö.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises fordere ich auf, auf Beseitigung der Ranpennester in ihren Bezirken hinzuwirkcn.
Cs sind nicht allein die Gemeindeobstbaumanlagen zu säubern, sondern es müssen auch die Besitzer der in Gärten und im Felde stehenden Obstbäume angewiesen werden, daß sie die Säuberung der Obstbäume imd .Hecken von den Raupcnnestern vornehmen. Dabei ist den Baumbesitzern bekannt zu geben, daß § 368,2 des Strafgesetzbuches jeden, der das gebotene Rmtpen unterläßt, miO Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit entsprechender Haft bedroht.
Nicht nur die leicht erkennbaren weißen. Gespinste der Neftraupe sind mit den Spitzen der Aeste, woran sie kleben, zu entfernen, sondern es sind auch, soviel als möglich, die steinharten Ringelraupen-Eier und die Wülste der Schwanen- raupc aufzusuchen. Letztere finden sich am unteren Teil der Stämme, die Ringe der Ringelraupe aber an jungen Schossen, >wo nur ein geübtes Auge sie erkennt.
Etwaige Unterlassungsfälle, sind polizeilich zu bestrafen.
Hanay bcn 1. April 1905.
Der Königliche Landrat.
V 1264 y. Beckerath.
Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 kleiner unechter Ring mit 2 verschiedenen Steinen.
Verloren: 1 goldene Damenuhr in Herzform mit Kette, 1 Reisedecke, 1 Gummireifen von einem Kinderwagen.
Hanau den 4. Mai 1905.
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanau, 4. Mai.
* Einquartierung. Vor und nach der Kaiserparade bei Homburg v. d. H., in der Zeit vom 6. bis 10. Sept., ■^BWMMBnmMWBflmillMimiMMBPBBMWBMWtMBBMPMBMBBWMBBB—BP
Feuilleton.
Vom Zweck in der Nntur.
Die neuere Naturbetrachknng darwinistischer Richtung hat jede Zweckmäßigkeit in der Natur ausgeschlossen und findet jede Frage danach unwissenschaftlich. Man will einen persönlichen Schöpfer, der den großen Gedanken der Schöpfung zuerst gedacht und ihn dann in die Erscheinung habe treten lassen, ausschließen, also auch eine Schöpfung nach Gottes Weisheit für die Zwecke seiner Liebe, zum Wohle seiner Geschöpfe nicht gelten lassen. Alles was uns zweckmäßig erscheint, soll durch Anpassung des Geschöpfes an die es umgebenden Verhältnisse und Notwendigkeiten entstanden sein. Bis zu einem gewissen Grade kann man das zugeben; paßt sich doch der Mensch selbst in den verschiedenen Zonen in bemerkenswerter Weise an das Land und Klima an, in welchem er lebt, erkennt man doch, an der Farbenpracht der höheren und niederen Tiere bett Himmelsstrich der Tropen, an der Einfachheit und Anspruchslosigkeit des Gewandes die Heimat der Tiere in der gemäßigten Zone, aber es sind doch nur geringfügige Momente der Anpassung, und alle Abänderungen des Grund- unb Urtypus . der Geschöpfe auf solche Anpassungen zurückzuführen, hat etwas Ungeheuerliches an sich, zumal man sich da nur mit den Hundertlausenden von Jahren des allmählichen Werderls helfen kann. Das fühlen die Anhänger der Darwinschen Hypothese auch selbst. Wer kann das eigentlich leugnen, daß vom Neigungswinkel der Ekliptik an bis zu dem des tierischen Zahnes alles in der Natur zweckmäßig sei, aber das soll man um keinen Preis sagen dürfen. Man würde sonst in der Gefahr fein, rvieder auf den Glauben an einen Gott hingedrängt zu werden, der alles gemacht habe. Es soll ja alles von selbst entstanden und nur für sich selbst da sein. Daß alles nur Mittel .für das andere sei und am Ende nur alles einem letzten göttlichen Zwecke diene, in einer vom niedrigsten zum höchsten aufsteigenden Stufenfolge, wird verworfen.' Aber auch einmal zugegeben, daß sich alles, was wir an den Natur
erhalten einige Ortschaften an der westlichen Grenze unseres Kreises, wie Fechenheim, Bischofsheim, Bergen-Enkheim, Gronau, Gronauerhof, Ober- und Niederdorfelden, zum Teil stärkere Einquartierung.
* Schillerfeier. Wie man uns mitteilt, beabsichtigt die Oberrealschule den 100jährigen Todestag Schillers durch eine Vorfeier am Abend des 8. Mai festlich zu begehen. Den Mittelpunkt der Feier bildet ent auf dem Exerzierplätze abgebranntes Freudenfeuer. Der Festzug der Schüler wird um 8 Uhr von der Oberrealschule abgehen. ?luf dem Exerzierplätze sollen mehrere Lieder und eine kurze Ansprache gehalten werben. Unter dem Scheine von Lampions und Fackeln wird sich der von der Jnfanteriekapelle und dem Trommleckorps der • Schule geleitete Festzug in die Stadt zurückbegeben, um sich auf dem Marktplatze aufzulösen. Wir brauchen saunt zu erwähnen, daß die Schüler für die Ausführung des Sebanfend, bei der sie ans Bürgerkreisen freundlichste Unterstützung finden, „Feuer und Flamme" sind. Möge der Himmel ihnen günstig fein!
* Oratorèenverenr (E. V.). Heute Donnerstag den 4. Mai er. im Stadtschloß Probe unter Leitung des Ehrendirigenten Herrn D r. F r a n z Rimbert. Für die Damen präzis 7.30 Uhr, für die Herren um 8 Uhr. Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder ist dringend erwünscht.
* MmnbringlichePoftsertdungcn. Die Kaiserliche Ober-Postdirektton in Cassel veröffentlicht eine Liste von unanbringlichen Postsendungen, unter denen sich folgende aus Hanau befinden. Eine Postanweisung über 8 Mk. vom 4. 7. 04 von Hanau nach Aschaffenburg. Ein Einschreibebrief vom 20. I, 05 von Hanau an Adelheid Böckler in Frankfurt a. M.; ein dto. vom 13. 12. 04 von Hanau an Frau Dorn in New-Nork. Die Empfangsberechtigten werden aufgeforbert, ihre Ansprüche innerhalb 4 Wochen geltend zn machen,' widrigenfalls über die Beträge ober Gegenstände zu Gunsten der Posturtterstützungskasse verfügt wird.
* Seltnen. Im Regierungsbezirk Cassel sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: T o l l w n t: Kreis Frankenberg: Haubern, Dainrode. Kreis Hersfeld: Kruspis. — S ch w ei nes euch e (Schweinepest) : Stadtkreis Cassel: Cassel (Stadt). Landkreis Cassel: Ochshausen, Waldau, Heckershausen, Ihringshausen, Dörnhagen, Oberkaufungen, Crumbach, Helsa, Vollmarshausen. Kreis Eschwege: Domäne Fürstenstein, Schafhos. Kreis Frankenberg: Wollersdorf. Kreis Fritzlar: Gudensberg, Besse, Kirchberg, Wehren, Haddamar, Kalbsburg, Maden, Geismar, Dorla, Dissen. Kreis Fulda: Ellers, Domäne Weichers- hof. Kreis Gelnhausen: Unterreichenbach, Wirtheim. Kreis Hofgeismar: Langenthal, Domäne Trendelburg, Hofgeismar, Gottsbüren. Kreis Melsungen: Heinebach, Landefeld, Spangenberg, Melsungen. Kreis Rotenburg: I
geschöpfen zweckmäßig nennen, durch allmähliche Arcpassung i Stichhalttgkeit der Hypothese, sondern läßt diese eher ver rn emem oder m zwei Hunderttausenden von Jahren von dächtig erscheinen. Wenn Häckel durch seine „populär
selbst gebildet habe, was ist eigentlich damit für die Eliminierung Gottes aus der Natur gewonnen, wenn der erste Anstoß des Lebens der ersten Zelle sich nicht in dieser erzeugt haben kann, sondern von außen gekommen sein muss? Und wer war die außer dem Stoff vorhandene Kraft, die diesen Anstoß gab? Hier läßt uns alle Wissenschaft völlig im Dunkeln. Änzunehmen, daß ein Schöpfer die einzelnen Tierklassen, jede in ihrer Art, geschaffen habe, ist bem Verstände vieb plausibeler, als die Entstehung der Arten so, daß die eine aus der andern hervorgegangen sei. Und wenn man die unendliche Entwicklungsfähigkeit der Natur dagegen vorbringt, so muß diese selbstverständlich zugegeben werden, aber folgt daraus die Veränderung einer Art in die andere? Ist es nicht sehr ansprechend, was der große Botaniker Sachs in Heidelberg am Schluffe seines Lebens vor einigen Jahren ausgesprochen hat, daß alle nur denkbaren Veränderungen der 'pflanzen und Tiere innerhalb ihres Typus möglich," ja nachweisbar seien, aber nicht das Ueberspringen aus einem Typus in den andern? Der Fink zum Exernpel kommt in zahllosen Varietäten vor, die sich nach Klima, Nahrung und tausend andere Verschiedenheiten der einzelnen Wohnplätzo gebildet haben, aber der Urtypus des Finken ist in ihnen allen auf den ersten Blick erkennbar, geradeso wie jedes Kind den Hund in seinen tausendfältigen Variationen erkennt. Die Zeit der vorschnellen Folgerungen aus der Darwinschen Naturbetcachtung, die ihre Spitze hatte in der Entwicklung des Affen zum Menschen, ist vorüber und wurde von den Fachleuten fritifet) beleuchtet, seit der Altmeister der Naturwissenschaften, Virchow, auf dem Anthropologentage in Wien erklärte, der Nachweis eines Zwischengliedes zwischen Mensch und Affe sei nicht ^u erbringen, und die bisherige Annahme müsse als unwissenschaftlich fallen gelassen werden. Daß natürlich einzelne Männer der Wissenschaft, wie Häckel, der den Proanthropos vergeblich in Indien noch vor kürzern gesucht hat, an dieser Theorie feftyalten und auch noch unter den Halbgebildeten eine unübersehbare Gemeinde von Gläubigen nach sich ziehen, ist nickt zu verwundern. Das beweist aber nichts fyr die
Sontra, Hergershausen, Hübenthal. Kreis Wolf Hagen: Domäne Rangen, Niederelsungen, Elmarshausen. — Bläschenausschlag ber Pferde: .Kreis Fritzlar: Betzigerode, Kleinenglis. Kreis Homberg: Dillich, Mardorf. — Geflügelcholera: Kreis Eschwege: Niederhone (Verdacht).
* Konkurse. Zu dem Konkurse über das Vermögen des Kaufmanns David Schidwigowski in Marburg, in Firma M. Kahn it. K o., mit Zweigniederlassung in Hana u, nimmt der Konkursverwalter die Schlußverteilung vor, zu welcher 852,20 Mk. Masse vorhanden und 66 369,84 Mark nicht bevorrechtigte Forderungen zu berücksichtigen sind. — In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Pfarrers Karl Golbach in H a it 5 w u r z soll eine Ab- schlagsverteilung erfolgen. Dazit sind 4788 Mk. 37 Pfg. verfügbar. Zu berücksichtigen sind 45 957 Mk.
* Zirkus Corty-Alihoff« Vom 9. bis 12. Mai wird hier der befannto Zirkus Corty-Althoff auf dem Paradeplat; Vorstellungen geben. Von Interesse dürfte Heittc schon die Mitteilltitg fein, daß in dem Zirkus die weltberühmte Seet'sche Lvwengruppe, bestehend ait§ 20 Löwen, ein Geschenk des Kaisers Menolik von Abessinien, zur Vorführung gelangt. Das Auftreten dieser Grrrpve bildete bereits in Berlin eine Sensation und wurde dort die großartigste Rmlb- tier-Dressur des 20. Jahrhunderts genannt. Diese Nummer bürste allein schon das größte Interesse an dem Hierherkommen des Zirkus erregen: In dem Ankündigungszettel finden wir ferner den „klugen Hans" verzeichnet, natürlich ist dies nicht der Berliner „kluge Hans" des Herrn v. d. Osten, aber eine ganz ähnliche "Dressur, die ebenfalls von größtem Interesse sein wird. Im übrigen verzeichnet das Programm noch eine ganze Reihe zirkensficher Künste, welche einem berühmten Unternehmen wie Corty-Althofs Ehre madjen und die durch besondere Ankündigungen noch besannt gegeben werden.
* Die Verüb er Der Diebstähle in Groß-Auheim sind jedenfalls fünf auswärts wohnende jüngere Personen. Es ist feftgestellt, daß dieselben bei Großauhenn nach vollbrachter Tat einen dein Fischer Seipel gehörenden Nachen loslnachteu uiib in der Richtung nach Dörnigheim ruderten. Dort wurde her Nachen verlassen und abgestoßen. Zwei Personen der Gesellschast begaben sich dann von Mainkur aus per Bahn nach Frankfurt a. M.
* Grober Anfug wird in fester Zeit von Knaben mit sogenannten Kinderpistölchen verübt. Diese „Spielzeuge" roerbett durchbohrt und dann mit Schrottörnern geladen, sodaß immerhin eine kleine Schußwirkung erzielt werden sann. Kürzlich ist erst das Kind eines Eisenbahnbeamten ins Arrge getroffen worden, sodaß es ins Landttankenhnus gebracht werden muhte.. Gestern abend schoß ein 11 jähriger Knabe in der Bruchköb elerlandstraße auf ein siebenjähriges"Mädchen, das glücklicherweise nur an den Arrn getroffen "ivurbe. Die Eltern jedenfalls tun gut daran, ihren Kindern diese gefährlichen Spielzeuge wegzunehinen, um größeres Unheil zu verhüttn.
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uolfswissenschaftlichen Vorträge" in der letzten Karwoche den jubelnden Beifall ganzer Beoolkerungsschichterr in der „Metropole der Intelligenz" geerntet hat, so beweist das auch nichts für die Hypothese, ivohl aber der Umftanb, daß die Gelehrten keine Notiz davon genommen haben, weil sie Herrn Hackel mit feinen Schimpfereien auf „Pfaffen" und „Dunkelmänner" überhaupt nicht mehr ernst nehmen. Beim großen Haufen ist Häckel eine wissenschaftliche und Geistesgröße ersten Ranges, eine der hellsten Leuchten der Wissenschaft, wiewohl sich besagter großer Haufen nie ernstlich mit Naturwissenschaft beschäftigt ober auch nur ein Buch von Häckel gelesen hat. Im zoologischen Garten, in der Nähe des Affenhauses, wurde ihm zu Ehren ein Festkommers veranstaltet, bei dem ihm auf die plumpste Weise geschmeichelt wurde. Von namhaften Gelehrten hat man reinen bei diesem Kommers gesehen. Die Zeitungerr haben ihn meist verherrlicht, die tägliche Rundschau schwieg anfangs, als aber Häckel auch gegen den „Ultramontanismus" vom Leder zog, die „ßiebebienerèi vor dem Vatikan" geißelte, unb „ben Papismus" den größten Schwindel nannte, „der fe die Geisteswelt beherrscht hat", da konnte sie sich nicht mehr halten unb rief jubelnd aus: „Häckel sei ein echter und rechter ^Protestant." Das hat nun Häckel nie sein wollen, dagegen ist er in Schutz zu nehmen, die Rundscharl aber scheint zu meinen, daß zum Protestantismus nur der Kanrpf gegen die katholische Kirche erforderlich sei. Dazu kann selbst'das Organ des eoantzelischen Bundes nicht schweigen, wenn es auch zuni Fall „Fffcker" schwieg. Auch ber Häckelsche Materialist muS bat seine Zeit und ist im Niedergang, die Frage aber nach ber Zweckmäßigkeit in ber Natur wird nicht von ber Tagesordnung abgesetzt werden.
Fomische Oper in 3 Akten von Albert L-rtzing.
(Opevlaufführung im ^tadttheater.) _ ,
Em bis zum lebten Platz gefülltes, stimmungsvolles Haus! Alles was Sinn für Kunst und Geistesleben ui