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DlertHHrlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aut- wärttge Abonnenten mit dem betreff enben Postauflchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiaer

Amtliches Orga» für AM- nn) FMKms ZauN.

EinrLSuugSgeVühvt

Die fünf gespaltet« PetttzeUe oder beten Rama 15 W, im Sieklsmeuttü die Zelle 85 U^

Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hamm,

Druckt und verlegt in der Buchdrucker« deS verein, e».

Warmhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 180 n<r»spr«cha»!chl«si Nr. 605. Donnerstag den 3. August Fer»sprech»nschl«tz Nr. 605. 1905

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Amtliches.

Candkreis F)anau.

BtkmtmAiigtil des Këmjilicheil LndrstStmtS.

Der am 1. August d. Js. zu einer Sitzung einberufene Kreistag des Landkreises Hanau bewilligte zum Umbau deS Landwegs LangenselboldStaatsbahnhof einen Zuschuß von 2000 Mk. aus Kreismitteln, genehmigte die Aufstellung eines zweiten Exttaktraus- und Desinfektions-Apparats für die Sammelwasenmeisterei, stimmte dem Vorschlag auf Auf­nahme einer Anleihe von 35000 Mk. zur Bestreitung der Restbaukosten der Sammelwasemneisterei zu und erklärte sich endlich mit Abschluß eines Vertrags mit der Stadt Hanau wegen der künftigen Verwaltung der Sammelwasenmeisterei ginverstanden.

Hanau den 2. August 1905.

Der Königliche Landrat.

A3436 v. Becke rath.

Die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben zur Kennzeichnung «von Kraftfahrzeugen im Regierungsbezirk Erfurt die weiteren Nummern 2501 bis 8000 überwiesen.

Hanau den 1. August 1905.

Der Königliche Landrat.

F 4812 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Bekanntmachung.

Vom 5. bis 11. d. Mts. wird die Straße von Windecken nach Ostheim unter Verwendung der Dampf­walze neu gedeckt und bleiben zweckmäßig mit Rücksicht ans die geringe Breite der Straße alle Fuhrwerke, die in diesen Tagen nicht unbedingt dort verkehren müssen, der Neubaustrecke in ihrem eigenen Inter­esse fern.

Hanau den 2. August 1905.

Landesbanamt. 14916

Hus F)anau Stadt und Hand.

Hanau, 3. August.

Beamten-Personalnachrichten.

Bestellt: der Pfarramtskandidat Menge als Gehilfe deS Pfarrers Battenberg in Binsförth.

Ernannt: an Stelle des aus dem Gemeindeamt ge­schiedenen Bürgermeister Gaß in Flieden der jetzige Bürger­meister August Neidert daselbst zum Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Flieden.

Pensioniert: der Hegemeister W i n t e r in Linstngen, Oberförsterei Frielendorf, und der Förster Gombert in Äollrode, Oberförsterei Wellerode.

* Kreistag. Vorgestern nachmittag fand im Sitzungs­aale des Kreishauses dahier eine Sitzung des Kreistages tatt. Die gefaßten Beschlüsse werden im amtlichen Teile der heutigen Nummer veröffentlicht.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Blankenburg (Schwarzatal), Friedrichroda, Georgenthal (Hzgt. Gotha), Lobenstein (Reuß) und Sonneberg (S.-M.) ausgedehnt worden.

* Unterirdische Telephonleitungen. Vorgestern wurde hier mit der Umlegung der oberirdischen Telephon­leilungen in unterirdische begonnen. Die oberirdische Leitung hat bekanntlich bei Stürmen, Gewittern rc. mancherlei Störungen im Gefolge, sodaß man es nur dankbar begrüßen kann, daß die Postverwaltung die übrigens recht kostspielige Umlegung vollzieht. Die Arbeit wird etwa 2 Monate in Anspruch nehmen.

* Klassenlotterie. Die Erneuerungslose sowie die Freilose zur 2. Klasse der 213. Königlich preußischen Klaffen­lotterie sind nach den W 5, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der bezüglichen Lose aus der 1. Klasse bis zum 7. August d. I., abends 8 Uhr, bei Verlust des An­rechts einzulösen. Die Ziehung der 2. Klasse dieser Lotterie wird am 11. August ihren Anfang nehmen.

Meisterprüfung. Herr Schornsteinfeger Karl Platte hier, welcher 1895 bei seinem Vater in die Lehre trat, hat die praktische Meisterprüfung in Fulda und die theoretische in Cassel mit dem Prädikatgut" bestanden. Das Metier dieser ArtSchwarzkünstler" scheint hier nicht sonderlich beliebt zu sein, da Herr Platte seit 45 Jahren hier wieder der erste Lehrling war, welcher in die Fußslapfen seines Vaters alsSchwarzkünstler" trat.

* Verlegt. Das für heute abend angesetzte Konzert zum großen Kurfürsten kann Umstände halber erst morgen stattfinden.

* Kindesleiche. Auf dem Felde unweit der Stein- heimer Brücke auf Hanauer Gemarkung wurde gestern nach­mittag in einem Paket ein männliche Kindesleiche gefunden. Bekleidet war die kleine Leiche mit einem neuen, mit Spitzen besetzten Hemdchen. Jedenfalls hat das kleine Wesen eine kurze Zeit nach der Geburt gelebt.

* Zum Rüdesheimer Mord. Zu weiteren Er­mittelungen weilten in den letzten Tagen in Winkel und in der Umgegend zwei Kriminalbeamte aus Wiesbaden. Hierbei ist festgestellt worden, daß der bis jetzt immer nach unbe­kannte Ermordete mit noch drei anderen Handr erkburschen in der Wirtschaft des Gastwirts Bibo in Oestrich oom 14. zum 15. Juni übernachtet hat. Die Tochter des Gastwirts behauptet, nachdem ihr die Photographie des Ermorderen, sowie die von ihm getragenen Kleidungsstücke, bestehend aus Hemd und Sandalen, vorgezeigt wurden, mit ller Bestimmt­heit, in dem Ermordeten denjenigen, der in der fraglichen Nacht im Hause logiert habe, wiederzuerkennen. Auch habe derselbe das ihr vorgezeigte Hemd und die Sandalen ge­tragen. Sämtliche vier Burschen haben ihre Namen ins Fremdenbuch bei Bibo eingetragen. Es bleibt nun abzu­warten, ob aus diesen Anhaltspunkten die Persönlichkeit des Ermordeten, sowie der oder die Täter zu ermitteln sind.

* Ein Bravourftückchen. Während der großen militärischen Uebung bei Gernsheim in den letzten Tagen vollbrachte ein Hanauer Ulan ein mutiges Stückchen. Der­selbe entriss einem Radfahrer eine wichtige Meldung, die an die Truppenleitung bestimmt war. Von einer Dragoner­patrouille verfolgt und in die Enge getrieben, verließ der Ulan sein Pferd und versteckte sich im Gebüsch, bis die Patrouille samt seinem Pferd verschwunden waren. Dann legte er die erwischte Meldung unter seinen Helm und schwamm durch den Rhein zu seinem Truppenteil zurück. Die Gefreitenknöpfe und ein schönes Geldgeschenk waren die Be­lohnung für die tapfere Tat!

* Grundftücksvevkauf. Das frühere Stephan'sche AnwesenVor der Kinzigbrücke Nr. 18 und 20" ging durch Kauf an Herrn Zimmermeister Carl Thorn über.

* Geographie schwach. Größeren Berliner Tageszeitungen wird durch Telegramme gemeldet, daß auf der Gewerkschaft Heldburg bei Langendiebach, Kreis Hanau, zwei Bergarbeiter . durch Sprenggase getötet worden seien.

** Dramatisch-Literarischer Verein Hanan. In der am 1. ds. abgehaltenen Generalversammlung wurde eine teilweise Neuwahl des Vorstandes vorgenommen und besteht der Vorstand jetzt aus folgenden Herren: Carl Goebel, 1. Vorsitzender, John Joshua, 2. Vorsitzender, Louis Stassen, 1. Schriftführer, Wilhelm Schmidt, 2. Schrift­führer, Gerhard Söhnlein, Kassierer. Mit der kommenden Woche werden nach der sommerlichen Pause die regelmäßigen Uebungsabende wieder aufgenommen, um zu ermöglichen, daß die nächste Aufführung noch im September stattfindet.

* Volks- und Vereins-Vorstellung Neues Sommertheater. Am Samstag den 5. ds. Mts., abends 8 Uhr, findet eine einmalige Volks- und Vereins-Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen in unserem Sommertheater statt. Zur Aufführung gelangt der tolle SchwankAscher­mittwoch" mit Herrn Merker in der Hauptrolle. Sicher wird sich Samstag abend ein zahlreiches Publikum auf Beck's Felsenkeller einfinden, gilt es doch, Herrn Merker in seinen jedem Teil des Publikums gerecht werdenden Bestrebungen zu unterstützen. Die Preise sind: Sperrsitz 75 Pfg., Reservierter Platz 50 Pfg., Entree 25 Pfg. Vereinskarten haben Gültig­keit. Vorverkauf von heute ab bei Herrn Kollmann, Zigarren­geschäft, Hammerstraße und beim Wirte des Felsenkellers Herrn Reinhardt.

Neues Sommertheater Franz Merker. Einer der streng dezentenBunten Abende" findet morgen Freitag abend in unserm Sommettheater statt. Es ist dies der letzte dieser sich so großer Beliebtheit erfreuenben Veranstaltungen des Herrn Merker und wird derselbe ein zahlreiches Publikum gewiß zum Zeugen haben. Ausdrücklich sei bemerkt, daß das Programm streng im Sinne eines Familienspielplans ge­halten ist und daß ohne Besorgnis selbst der empfindlicillte Besucher diesen dezenten und peinlichst streng kontrollierten Abend besuchen darf. Wir wünschen Herrn Merker ein aus- verkauftes Haus, damit er für seine Mühe, uns einen ab­wechslungsreichen Spielplan auf unserer Sommerbuhne zu bieten, auch entsprechend belohnt wird.

* Kinver-Vorftellung - Neues Sommertheater«

Am Samstag den 5. ds. Mts., nachmittags b<üb 4 Uhr, findet eine einmalige Kindervorstellung in unserem Sommer­theater statt, die sich gewiß eines großen Zuspruchs zuer- freuen haben wird.Lügenmäulchen und Wahrheits­mündchen" gelangt zur Aufführung, ein belehrendes und

unterhaltendes dramattstettes Kindermädchen, daß sich über­all, wo es zur Darstellung gelangte bei alt und jung eines durchschlagenden Erfolges versichert halten durfte. Außerdem wird für den geringen Eintrittspreis jedem Kind noch ein Los ausgehändigt und kann es bei dieser Lotterie einen von den 5 Hauptgewinnen oder einen Nebengewinnst ziehen. Hoffentlich wird die Bemühung des Herrn Merker auch nach dieser Richtung hin durch zahlreichen Besuch be­lohnt. Der Vorverkauf ist außer bei Herrn Kollmann, Zigarrengeschäft, Hammersttaße, auch bei dem rührigen Wirte des Felsenkellers Herrn Reinhardt von heute ab niedergelegt. *

E. Neues Sommertheater. Nach längerer Pause gab es gestern abend mal wieder ein Lustspiel und zwar gleich eine Novität und noch dazu von Blumenthal. Der- >elbe hat sich für diesmal von seinem sonstigen ständigen Mitarbeiter Kadelburg getrennt und ist seine eigenen Wege gegangen. Ein Verslustspiel ist es geworden, eine in der modernen Zeit ziemlich seltene Erscheinung und immerhin ein gewagtes Unternehmen; aber der Dichter hat eS ver­sanden, die Klippe durch hübschen, flotten Dialog und ge­fälliges, flüssiges Versmaß glücklich zu umschiffen. Der In­halt ist kurz folgender: Eine junge, verwöhnte kapttciöse Frau wähnt sich durch die tiefe, aber schlichte Liebe ihres Gatten unverstanden, sie schwebt in höheren Sphären, wird launisch und eigensinnig und leiht willig ihr Ohr einem dichtenden Abenteurer, der ihre Seele mit tönenbent Wort- geklingel umschmeichelt. Der Gatte zittett für daS Glück seines Hauses und verttaut sich, zumal er eine längere Reise unternehmen muß, einem väterlichen Freunde an. Dieser, ein gewiegter Frauenkenner, rät, Trumpf gegen Trumpf aus­zuspielen, indem er einen zweiten Anbeter der jungen Frau, einen faden Modegecken, zum Aufpasser über den inter­essanten Dichterling bestellt. Hieraus ergeben sich dann die hübschesten Szenen mit ihrem ständigen Suchen und Aus­weichen, mit der versteckt grollenden Eifersucht und der liebe­girrenden Anbetung. Die junge Frau wandelt hatt am Abgrunde dahin, ja ein wohlgemeinter Rat des alten Freun­des wird sogar schon herb zurückgewiesen. Im letzten Augenblick gelingt es diesem jedoch doch noch, ihr über den wahren, erbärmlichen Charatter des Abenteurers die Augen zu öffnen, sodaß sie zwar beschämt und reuig, aber doch rein in die Arme ihres zurückkehrenden Gatten sinken kann und nun endlich in seiner treuen Liebe ihr Glück findet. Die Wiedergabe des Stückes war durchaus lobenswert. Vor allem berührte die leichte, ansprechende Behandlung der ge­bundenen Sprache angenehm, wodurch der moderne Charatter des Werkes streng gewahrt blieb. Hier ließ sich die Folge ernsten Studiums und einer tüchttgen Regie deutlich erkennen. Die Hauptfigur des Abends Die junge kapttciöse Frau, lag bei dem Gaste Frl. Dellmar in besten Händen, es war eine, schöne einheitliche Leistung, zu welcher auch die äußere Erscheinung der Künstlerin treff* lich paßte. Als Zeichen der Anerkennung kannte sie sich für eine prächtige Blumengabe bedanken. Der interessanteste Cha­ratter des Abends, der des schmachtenden, abenteuernben Dichters wurde durch einen neu gewonnenen Künstler, Herm Kretzschmar, zur Darstellung gebracht, und es war eine achtungswerte Leistung sowohl in Maske wie Spiel. Ob allerdings die Rolle in ihren sämtlichen Feinheiten gänzlich erschöpft wurde, möchten wir dahingestellt sein lassen. Der -weite Gast des Abends, Herr Geisthövel, stattete den Lothar, den älteren Freund, den liebenswürdigen, gewiegten Frauen­kenner und eleganten Causeur mit all den feinen Zügen aus, die wir an ihm schon öfters festzustellen Gelegenheit batten. Ein Hauch echter Attstottatte umwehte ihn. Herr Merker war ein überzeugender, treuer und biederer Ehemann, der Zank im ersten Akt wirkte ganz allerliebst, während Herr Nanninger den Modegecken köstlich zu zeichnen verstand. Sämtliche Nebenrollen lagen gleichfalls in besten Händen, sodaß ein hübscher, abgerundeter Theaterabend verzeichnet werden kann und das Publikum demgemäß auch nicht mit Beifall kargte.

Mainwasserwävme gestern abend 19 Grad.

Gerichtssaal.

Sitzung der Ferienstrafkammer vom 8. Auguft.

Ein gewerbsmäßiger Wilderer.

Der einschlägig schon schwer vorbestrafte Taglöhner W. hier hat sich wiederum wegen gewerbsmäßigen Wildems zu verantwotten. Am 2. Pfingstfeiertag war er zunächst an Lamboywalde, von da ging er insein Revier" hinter dem Neuwittshaus und schoß bort im Walde einen Rehbock, den er gleich ausweidete und die Läufe rc. in einem Pakete mit nach Hanau brachte. An der Ehrensäule überraschten ihn Nachtschutzleute, bei deren Anblick er das Paket wegwarf und nach Großauheim zu entfloh. Er wurde verfolgt und festgenommen und gab zu, in seinem Standquartier hinter dem Neuwirtshaus das Gewehr schon jahrelang liegen ge­habt zu haben, auch daß er das Wildern gewerbsmäßig be­treibt, aber nur zum Unterhalt seiner Familie. In seiner Wohnung fanden sich eine Anzahl Photographien, die ein anderer bekannter hiesiger Wilddieb von ihm ausgenommen