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RviatianLdruck und Derlaq der Buchdruckerei des verein, e». Warenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stob und Landkreis Kanan
Die sünfgespaltene Pelitzeile oder deren Raum 15 PH ©
im Rektamenleit die Zeile 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit beüetrfltilcher Beilage.
BttantworfL Redakteur: T. Schrecker m Hanau.
Nr. 283 Mtnuprânkchliih Nr. 605. Samstag den 2. Dezember rsrrnivrrchanschlusl Rr. eos. 1905
Amtliches.
Stadt- und Eandkms Ranau.
In Hauwn und Rodelheim, Landkreis Frankfurt a. M., ist ein der Tollwut verSachtiaer .0«») umhergelaufen.
Der Königliche Landrat und Polizei-Präsident in Frankfurt a. M. hat infolgedessen für die Gemeinden Kausen, Rödelheim, Praunheim, Niederursel, Heddernheim, E'ckersheim, Ginnheim und für den Stadtteil Bockenheèm (westlich vom Ginnheimer Stadtweg, dem Nordrande des Palmengartens, der oberen Königstraße, der Dackenheimer Warte, der Viktoria-Allee, Hohenzollern- platz und nördlich des Haupt^üterbahnhoks) für die Zeit vom 29.November d. Js. bis einickft. 28. Februar 1906 die Kundesperre angeordnet, was hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht wird.
Hanau am 29. November 1905.
Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.
V 7686 I. A.: Conrad, Kreissekretâr.
Der Handel mit Papier und Neujahrskarten in offenen Verkaufsstellen ist am Sonntaq den 81. Dezember D. I. für die Dauer von 10 Stunden unter Ausschluß der für den Hauptgoltesdienst bestimmten Zeit und nur bis spätestens 7 Uhr abends freigegeben worden.
Hanan den 1. Dezember 1905.
Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.
P 10082 v. Beckerath.
ir Landkreis Ranau.
PklnntNllchnze« vs Siiiüliitn 8nv«ts«»ts.
Im Kreise Gelnhausen ist die Rotlaufseuche in Altenmittlau festgestellt und in Wächtersbach, Leisenwald, Hettersroth, Waldensberg und Lieblos erloschen, in Lieblos desgleichen die Schweineseuche.
Hanau den 2. Dezember 1905._______________V 7717
Stadtkreis Ranau. Beknnntmnrlmnq.
Die Anmeldungen derjenigen Kinder, die vom 1. April 1906 ab die Ebeihardschule lMittelschulel beiufen sollen, werden in der Zeit vom 6. bis 11. Dezember, vormittags von 11 bis 12 Uhr, im Schulgebäude entgegengenommen. *Knaben sind bei Herrn Rektor Bartmuß, Mädchen bei Herrn Rektor Ick l er anzumelden. Hierbei sind die Geburtsurkunden oder Familien-Stammbücher und die Impfscheine vorzulegen.
Feuilleton.
ßtifHidje MrMHihriW in der Marienkirche
am 12. Dezember, abends 8 Uhr.
Die bereits angekündigte geistliche Musikaufführung in der Mar enkirche bezweckt, das den Menschen durch die Geburt unseres Heilan) Jesu Christi geschenkte Heil durch Chor- und Sologesang zu feiern. •
Eine Fantasie für Orgel über den Choral „Wie soll Ich dich empfangen" leitet diesen musikalischen Gottesdienst ein. Die von M. Teschner 1615 erfundene Melodie, ursprünglich für „Valet will ich dir geben" bestimmt, wurde bald auch dem Liede „W e soll ich dich empfangen" guge= wiesen, da sie, wie ein bedeutender Hymno'oge sagt, auch diesem „wie angegossen" paßt. I. S. Bich hat über dieselbe zwei Bearbeitungen für b e Orgel geschrieben. Die in Rede stehende Fantasie bietet die Choralmelodie im Baß dar. Die drei oberen begleitenden Stimmen sind, im Grunde genommen, auch nur Choral, denn nicht nur die Choralzeilen finden sich, mehr oder weniger verziert, in jeder derselben, sondern auch die Motive, aus denen das reis e Figurenwerk eingebaut ist, sind dem Choral entlehnt. Das prächtige Kunstwerk ist durchsichtiger und daher leichter verständlich als andere Werke des großen Me sters.
Bemerkung. Ene Fantasie ist ein Instrumentalstück, das ei en musikalischen Gedanken nachahmend, aber in freiem Gestal'ung, als die strengen Regeln der Fuge es fordern, durchführt.
Hierauf folgt eine von Frl. Wilhelmine Weismann aus Frankfurt zu singende Arie für Alt aus Bach's Weih- - nacßtSoratorium : „Bereite dich, Zion. mit zärtlichen Trieben, > den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn." Wenit ! die Kirche Christi, das geistliche Zion, als die Braut des
Schulpflichtig werden zu Ostern 1906 alle Kinder, die bis zum 1. Oktober 1906 das 6. Lebensjahr zurücklegen.
Kinder, deren Anmeldung an den angegebenen Tagen versäumt wird, können am 1. April in der Eberhardschule nur dann Anfnahme finden, wenn in den vorhandenen Schulklassen noch Plätze frei sind.
Hanau den 21. November 1905.,
Der Stadlschulinspektor.
Lorenz. 23461
Zugelaufen: 1 Kund m. Geschl., Dogge, schwarz mit weißer Brust und weißen Pfoten.
Bischofsheim den 1. Dezember 1905.
23546 Die Ortspolizeibehörde.
Hus Ran au Stadt und Cand.
Kanan, 2. Dezember.
* Kirchliches. Morgen abend ’M Uhr wird in der Iohanniskirche ein liturgischer Gottesdienst gehalten, unter Mitwirkung des Kirchengesangvereins. Programme werden an den Eingängen abgeaeben.
* Kirchengefansiverein der Johanniökircke. Die diesjährige Hauptversammlung soll am nächsten Montag den 4. Dezember, abends 9 Uhr, im Anschluß an die Uebung des Chors im Sälchen der Iohanniskirche gehalten werden. Außer dem vom Vorsitzenden zu erstattenden Rechenschaftsbericht bilden ein Antrag auf Ab- änderung der Satzungen und die Neuwahl des Vorstandes den Gegenstand der Tagesordnung.
* Die 800 000 Mark Prämie der preustifchen Klassenlotterie fiel bei der gestrigen Schlußziehuug mit einem Gewinn von 1000 Mk. auf die Nr. 42125. Die Teilhaber an dem Gewinn sind mehrere kleine Handwerker in Berlin, die noch einige Mitspieler in der Provinz haben.
* Kriestserlebnisse. Im Feuilleton der Beilage unserer heutigen Nummer bringen wir die Fortsetzung des Berichts über Herrn G. Mülbamen's „Kriegserlebnisse", worauf wir unsere geschätzten Leser hiermit besonders aufmerksam machen wollen.
* Parolenntstk. Die Kapelle des Jnf.-Regls. Hessen- Homburg Nr. 166 spielt morgen mittag zur Parolemusik folgende Stücke: 1) „Gammel-Jäger-Marich" von C. Morena;
2) Ouvertüre „Schön Rothtraut" von A. Reckling ; 3) „Valse Louis XV." von G. Galimberti; 4) „Wenn aus tausend Blütenkelchen", Lied von F. v. Blon; 5) Steuermannslied und Matrosenchor a. d. Op. „Der fliegende Holländer" von R. Wagner.
* Von bett A^otlekey ist morgen nachmittag von 3—9 Uhr die Löwen-Apotheke geöffnet.
Erlösers dargestellt wird, so ist dam't eine Erklärung für den Text der Arie gegeben. Der Inhalt dieser Arie ist daher kein anderer als der durch Prophetenmund längst bekannte „Dere tet dem Herrn den Weg"! Diese Ar e zeichnet sich durch scharfe Gliederung, klare, leicht faßliche Form und einh'itlißen Wbau aus.
Bemerkung. Eine Ar e ist ein einstimmiger Gesang lyrische!« Charakters mit sestgegliederter Melodie und Instrumentalbegleitung.
Der nun folgende vierstimmige Choral „Auf, auf, ihr Reichsgenossen, der König kommt heran" zeigt uns, w e sich die Glieder der Kircke gegen’ei ig ermuntern, sich zu rüsten zum Empfang ihres Königs Jesu. Die ursprünglich zu dem Liede „Aus meines Herz ns Gründe" gesnnaene Melodie stammt aus dem Jahre 1598. Der frische Rhythmus macht sie zu einer der schönsten Melodin der evangelischen Kirche. Der dazu geschaffene Ton'-tz des Altmeisters J. G. Herzog in München steht mit der Melodie in wunberbarem Einklang.
Der bereits zum Ausdruck gebrach e Gedanke, sich zum Empfang des Königs zu rüsten, wird in der nun folgenden Motette „Machet Ne Tore weit, daß der König ber Ehren einz"he", we ter ausgesponnen. Was der königliche Sänger im 24. Psalm se rum Volke zuruft, das hat der Komponist in packender Weise melodisch gestalt t. Die Frage „Wer ist derselbe König der Ehren"? und die Antwort „Es ist der Herr, groß und mächtig rc." sind musikalisch vorzüglich wiederaegeben.
Bemerkung. Eine Motette (von Motto, Wort, Spruch) ist ein mehrstimmiger, zuweilen mit fugenartigen Gebilden durchsetzter Klrchengesang, dem ein Bibelspruch zu Grunde liegt —
Das Sololied von P. Cornelius „Die Hirten" führt uns auf Bethlehems Fluren, wo wir die Verkündigung der Gnadenbotschaft vernehmen und hören, daß die Hirten das Kindlein anbete». Pin eigenartiger Zauber liegt über diesem Pastorale oder Hirtenlied.
Die üeut.ge Kummer umfaßt außer dem UuterbaUuuaèVlaU 18 Leiten.
C. K. Katholischer Männerverein. Morgen Sonntag, abends 8 Uhr, findet Familienabend im Vereins- lokal „Restaurant Mohr" statt, in ähnlicher Weise wie vor 4 Wochen. Freunde des Vereins können zu diesem Abeni durch Vereinsmitglieder eingelührt werden. Pünktliches Erscheinen ist sehr erwünscht. (Siehe Inserat.)
* VolksvorstellttN". Nächsten Dienstag, abends 5 Uhr, wird das hier mit dem größten Beifall auf geführt Schauspiel: „Die Brüder von St. Bernhard" gegeben worauf wir empfehlend auimerksam machen. Eintrittskarten sind in den bekannten Verkaufsstellen zu haben. (Sieh- Inserat).
* Aus der Stadtverordnetenversammlung' Ergänzend wollen wir unserem gestrigen Bericht nachtragen, daß der Herr Oberbürgermeister seine Erwiderung auf die Beschwerde des Stadtv. Herrn Loßberger damit schloß, daß er nach den gegebenen Darlegungen keinen Anstand nehme, zu erklären, daß seine in der Zeugenaussage ausgesprochen« Vermutung eine irrige war. Hiermit erklärte sich Stadtv. Loßberger befriedigt und damit war der Zwischenfall erledigt,
* Vin Todesstnrz. Das zweijährige Söhnchen bot Eheleute Hufnagel, „Türkische Gärten" wohnhaft, spielte gestern mit seinen Geicbwistern in der Küche der im 4. Stocl neleaenen Wohnung. Das Kind kam dem Fenster, das nur 50 Zentimeter vom Boden entfernt ist, zu nahe, stürzte hinaus und blieb tot im Hofe liegen.
* Verhafteter Einbrecher. Gestern mittag würd« am Paradeplatz der Friseur Franz Josef Rub aus Oberroden bei einem Fahrraddiebstahl ertappt und festgenommen. Der Dieb ist erst AnfangNovembernach Verbüßung einerlängeren Freiheitsstrafe aus dem Gefängnis entlassen worden und benutzte die Z(it. da er sich auf freiem Fuße befand, zu einer Streiftottr durch Süddeutschland, auf der er sich durch Einbrüche ernährte. Nachgewiesen wurde ihm bereits ein Einbruch, den er kürzlich in Offenbach begangen hat und von dem er den erbeuteten Anzug noch am Leibe trug. Der Eigentümer des gestohlenen Rades, der dasselbe gleich wieder in Besitz nahm, wird gebeten, sich auf Zimmer Nr. 1 der Kgl. Poltzeidirektion zu melden.
* Wettspiel. Am vergangenen Sonntag tonnte „Viktoria 1894" Hanau auf seinem Sportplätze an der Frei'erichtsstraße, mit drei Ersatzlewen spielend, über die 1. Mannschaft des Frankfurter Fußballklubs 1902 den S eg mit 4:0 Goal davontragen; gleichzeitig wollen wir besannt geben, daß am kommenden Sonntag auf dem Viktoria- Sporlplatze die 1. Manns tmst der „Viktoria" bem- Frankfurter Fußballklub „Hermania" gegenüber steht und ein interessantes Wettspiel für Gönner und Freunde in Aussicht steht.
Auch das nun folgende Duett „Sel'ge Stunde, frohe Kunde!" von A. Becker zeigt uns die im Glauben nach Bethlehem wandernden und das Kindlein anbetenden Hirten. Es ist ein allerliebstes Weihnachisliedchen. y
Bemerkung: Duett bedeutet Zwiegesang.
Es folgt nun ein Chor von H. M. Schletterer „Wie lieblich sind die Schritte der Boten, die den Frieden verkündigen." Er bildet die Antwort des Chores auf die Bot^ schaft des Engels. In treffender Weise hat es der Komponist verstanden, die beseligenden Empfindungen zum Ausdruck zu bringen, die die Gläubigen bei dieser Freudenbotschaft erfüllen. Sopran und Tenor geben in langen Tönen, gleich Herolden, die Kunde weiter von dem Heil, das uns Jesus gebracht hat, und alle Stimmen vereinigen sich zu mächtigen, jubelnden Akkorden bei den Worten „Die da sagen zu Zion, drin Gott ist König!" Noch einmal erklingt die erste liebliche Weise, um am Schlüsse in ruhig dahinfließenden Terzen- und Sextengängen die ganze Fülle der seligen Empfindungen wiederzugeben.
Diese seligen Empfindungen sollen alle Menschen an sich erfahren. Darum folgt nun die glanzvolle Arie „Erwach! zu Liedern der Wonne, frohlocke, du Tochter Zion!" aus dem „Messias" von Händel. Das gläubige Erfassen der Heilsbotschaft kommt in den Worten „Er ist ein Gerechter und ein Helfer und bringet Heil allen Völkern!" zum Ausdruck. Unter den zahlreichen Arien Händel's ist diese eine der schönsten. Die trefflichen Koloraturen und die sie nachahmenden Zwischensätze der Orgel haben beim musikliebenden Publikum stets ein dankbares Ohr gefunden. Frl. Elisabeth A r i t s ch von Hanau wird diese herrliche Arie zum Vortrag bringen.
„Wo aber die alte und ewig neue Botschaft von der Geburt unseres Heilandes verkündigt wird, da müssen nun auch Weihnachtslieder erklingen Diesmal soll es der Orgel überlassen sein, ein allbekanntes Weihnachtslied, oder besser gesagt, eine Fantasie