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Erstes MaA

Lezugs-rels:

«üi-tr!jcihrlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für pu^ Wiirtig« SiLonmüLen mit dem bürefsevden PostLusMsA, Die emMe Stummer kostet 10 Pf-

MroÄ und "erlegt in der Buchdrucker ei der verein, a, öaifai^aujd in Hauau.

Mk. 101 Aernsprcchanschluh R». 605

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- nnd Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die süirfzefpäc« PetÜzeil« oder derea Raum ^ st^, « Nella «rrttnl die Avle 30

B«L»twâ R-daktoa: E. Schrecker ta H«as,

Montag den 1. Mai

Fernsprechanschtuft Nr. 605

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Amtliches.

Bekanntmachung.

Die Zmvscheiue Reihe HF Nr. J bis 20 zu den Schuld- nerschreibrmgen der preußische,r konsotivierten 312= prozentigen Staatsanleihe von 1885 und die Zins- scheine Reihe 11 Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der preußischen konsolidierten Sprozent. Staats- anleihe von 1895, 1896, 1898 über die Zinsen für die Zeit vom 1. April 1905 bis 31. März 1915 nebst den Erneuerungsscheinen für die folgende Reihe werben vom 6. März 1905 ab von der Kontrolle der Staatspapiere in Berlin SW. 68, Oranienstraße 92/94, werktäglich von 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags, mit Ausnahme der drei letzten Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden.

Die Zinsscheine sind entweder bei der Kontrolle der Staatspapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Rcgierungs-Hauptkasien sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse zu beziehen. Wer die Zinsscheine bei der Kontrolle der Staatspapiere zu enipfangen wünscht, hat persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Erneuerungsscheine (Zins- scheinanweisungcn) der genannten Kontrolle mit einem Ver­zeichnis zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamt Nr. 1 unentgeltlich ZU haben sind. Für jede Anleihe ist ein besonderes Ver­zeichnis aufzustellen. Genügt dem Einreicher eine numerierte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichnis' einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist 's doppelt vorzulegen.. Die Marke oder Empfangsbescheini­gung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurück- ZUgeben.

Durch die Post sind die Erneuerungsscheine an die Kon­trolle der Staatspapiere nicht einzusenden.

Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Pro- vinHialkafsen beziehen will, hat dieser Kaffe die Erneuerungs­scheine für jede Anleihe mit einem doppelten Verzeichnis ein­zureichen. Das eine Verzeichnis wird, mit einer Empfangs­bescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aus­händigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesem Verzeichnis sind bei den Provinzialkaffen und den von den Königlichen Regierungen in dm Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kaffen unentgeltlich zu habm.

Die Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es jur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Er­neuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der

Feuilleton.

Bilder aus Schillers Leben.

Von Robert Berndt.

(Nachdruck verboten.)

II. Wandepjahre.

0. F r e t geisteret der Leidenschaft.

In tiefen Gedanken wandelt der Theaterdichter des Mannheimer Nationaltheaters der Wohnung seiner Freundin der Frau von Kalb, zu. Ihm brennt die Stirn und sein Herz ist schwer. Wie soll er ihr die Mitteilung machen, die er doch nicht mehr umgehen kann, die Mitteilung, daß es ihn in Mannheim nicht mehr leidet l Wieder hat ihn der freiherrliche Gönner im Stiche gelassen, die Beziehungen zu den Schauspielern haben sich gespannt, die Gläubiger plagen ihn bis aufs Blut, er suhlt die Schwingen seines Genius ge- kifjmt. Nur eines ist was ihn noch in dieser Stadt hält sie, Charlotte. Was ist ihm nicht oiese Frau in den wenigen Monaten, seit er sie kennen gelernt hat, geworden. Wohl war ihm die Liebe nicht fremb gewesen. In Stuttgart hatte die gute Haupttnännin Vischer sein empfängliches Herz ent* günbet, später hatte er mit dem Schonten gespielt, an Lotte Wolzogens Seite ein fttedliches Leben der Zurückgezogenheit zu führen, und noch hier in Mannheim hatte ihn die stolze Schönheit der Schwanin, die üppige der Schauspielerin Bau­mann gefesselt. Aber erst in Charlotte Kalb war ihm ein vollerblühtes Weib entgegengetreten, das mit unwidersteh- ttcher Macht ihm zustrebte, eine Frau von regem Geistes- " aW deren Seele seinen Ideen und Empfindungen ein lebendiges Echo entgegenftong. Die ganze Zartheit liebender /^auengesinnung hat er erst durch sie kennen gelernt. Was verdankte er ihr nicht schon alles I Sie hatte die spröden Formen des ungelenken Schwabenjünglings verfeinert und abgeschlissen, sie "ihn auf die ihm so nachteiligen Mängel Mnes rednerischen Vortrages hingewiesen, sie ferne Begegnung mit Karl August von Weimar iterbeigeführt, die Hw Er-

Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkaffen mittels besonderer Eingabe einzureichen.

Berlin den 1. März 1905.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

I 276 qez. v. Hoffman n.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die erforderlichen Formulare von der hiesigen Regierungs-Hauptkasse und den Kreiskaffen des Bezirks verabreicht werden.

Cassel den 6. März 1905,

Königliche Regierung.

K 439 Warneke.

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Lanâkreis Hanau.

BtkmtmchnWU des Kömglichcu LâtSmts.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden in den nächsten Tagen die Gewerbesteuerrollen für 1905 er­halten. Nach Vorschrift im Arttkel 40 Nr. 3 der Gewerbe­steuer-Anweisung vom 5./11. 95 sind die Rollen eine Woche lang öffentlich auszulegen und der Ort sowie die Zeit der Auslegung in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Die Auslegung hat alsbald zu erfolgen.

In der Bekanntniachung ist darauf hinzuweisen, daß nur den Pflichtigen des Deranlagungsbezirks die Einsicht in die Rolle gestattet ist.

Nach Ablauf der Auslegungsfrist ist die Bescheinigung auf dem Titelblatt der Rolle zu vollzieken und es ist mir

anzitzeigen, an welchen Tagen die Rolle öffentlich i gelegen hat.

Hanau den 27. April 1905.

Der Vorsitzerrde der Steuer^lusschüsse der Gewerbesteuerklassen III und des Landkreises. .

St 2172 I, V.: v. Schlieben, Reg.-Asseffor.

auS?

IV

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

1

Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt in der Bulau, desgl., 3 Schlüsselringe mit Schlüsseln.

Verloren: 1 Portemonnaie mit 72 Mark Inhalt.

En t la u f e n : 1 weißer Foxterrier mit schwarzen Ohren. Hanau den 1. Mai 1905.

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Hus 15 an au Stadt und Eand.

Hanau, L Mai.

Direkte Fahrilarterr. Vom 1, Mai er. an ge- tangen zwischen Hanau und Königstein und umgekehrt direkte

nennimg zum herzoglichen Rat zur Folge gehabt hatte. Er fühlte sich geliebt und liebte. Ja, er liebte. Das war nicht nur Freundschaft mehr. Nur ein dünner Schleier trennte noch ihre Seelen. Aber konnte, durfte er ihn zerreißen, da sie doch an einen Anderen gefesselt war und der wackere Major von Kalb sich so bieder und freundschaftlich gegen ihn betrug?

So sehr sich aber auch Schiller vor der entscheidenden Mitteilung gefürchtet hat ihr Erndruck auf Charlotten übersteigt alle seine Vorstellungen. Wie Dämme unter der Sturmflut brechen, so schwemmte ihre überströmende Leiden­schaft alle Schranken hinweg. Nach einer trostlosen Jugend, nach der Vermählung mit dem ungeliebten Manne, nach hoffnungsleerem Leben sah sie in Schiller zum ersten Mal Hoffnung, Leben und Glück. Sie mag sich nicht mehr be­scheiden, sie verlangt jetzt mehr vom Dasein Und ihre Leiden­schaft schlägt auf Schiller über. Er gesteht ihr, daß an ihrem reinen Lichte sich das Feuer seiner Seele entzündet habe. Sie bringt in ihn, den entscheidenden Schritt zu tun, ihre Geschicke zu vereinigen. Noch leistet er Widerstand, spricht von der Harmonie der Seelen, die auch in der Trennung be­stehen bleibe, aber seine Kraft erlahmt vor dem Andrange ihrer elementaren Leidenschaft, seinen Lippen entflieht das Du, sie nimmt es auf:Das Du ist einer ewigen Ver­bindung Siegel."

~ Wie von wilden Seiftern verfolgt, stürzt Schiller fort. Sein Innerstes ist aufgewühlt. Leidenschaft, Glücksbegehr, Sinne treiben ihn zu der geliebten Frau Vernunft und Pflichtgefühl warnen ihn. Soll er die Schranken der Sitte überspringen? Darf er sein ganzes Leben, seine Dichterkunst den trüben Wassern dieser Leidenschaft anvertrauen? Ja, nun lernt er die unheimliche und elementare Macht der Liebe kennen und wandelt durch die diistersten Abgründe des Zweifels und der Entmutigung. Tage bitterster Seelennot waren es für ihn, und nicht einer aus der weiten Gotteswelt konnte ihm in diesem harten- Kampfe beistehen. Doch er bleibt Sieger. Er findet die Kraft, sich gegen die teure Frau Zu waffnen; er faßt seinen Entschluß. Wie dasBewußtsein eines Mordes " liegt der Mannheimer Himmel auf ihm, aber brühen in Sachsen harren seiner neue Freunde, die ihn zu |

Fahrkarten zur Ausgabe, sodaß ein Nachlösnt von Karten in Frankfurt und Umexpedieren des Gepäcks dortselbst nicht mehr erforderlich ist.

* Rudersport. Wenn die Frühlingsstürme über die Felder brausen und die Welt der Blumen zu neuem Leben erwacht, dann öffnen sich auch die Pforten des Bootshauses, und allabendlich wandern eine Schar von Jüngern des Rudersports hinaus an den Main, um dort nach des Tages nervenzerrüttender Arbeit Erholung und freubigeS Genießen zu empfangen. So entwickelte sich auch an dem Bootshause her Hanauer Rudergesellschaft 1879" ein bewegtes Treiben. Die Ruderer übten unter der bewahrten Leitung des Herrn G. Ullrich schon seit mehreren Wochen fleißig und die technischen. Schwierigkeiten sind bereits überwunden. Am SamStag abenb fand dann unter sehr großer Beteiligung der Mitglieder in dem Dereinslokale bei Mohr die Verpflichtung der Mamr- schaften zum strengen Training statt Zum Beachten der ernsten Vorschriften, der gewissenhaften Vorbereitung zum Wettfahren meldeten sich 10 Mann, zu denen sich im Laufe der nächster: zwei Wochen noch 8 weitere Herren hinzugeMen werden. Die Maimschaften fahren in zwei kompletten Vie­rern unb in Einsern, die Zusammensetzung der Mererman^- schaften zu einem Achter ist bestimmt in Aussicht genommen: Die Zett des Trainings bietet den jugendlichen Ruderern eine Fülle frohen Ergötzens und ist für die körperliche Ent­wickelung von heilsamster Wirkung. Mögen die Unbilden schlechter Witterung nicht allzu störend eingreifen. Ueber dm Verlauf des Trainings werden wir zu geeigneter Zeit weite? ren Bericht erstatten.

* Städtische Badeanstalt. Im Monat April 1905 wurden an Bädern abgegeben: Kl. 1: 89, Kl. II: 251, Kl. III: 1124, Douchebäder 35, Römisch-Irische Bäder 39; zusammen: 1538 Bäder. Die größte Zahl der abge­gebenen Bäder betrug cv» 22, April 178, die kleinste Zahl der abgegebenen Bäder betrug am 21. April 11 Bäder,^

® Zngverspätung» Der gestern abend um 10" Uhr hier fällige Schnellzug von Afchaffmburg traf mit beinahe zweistündiger Verspätung ein. Die Ursache soll ein zwischen Heigenbrücken und Aschaffenburg eingetretener Maschinendefekt gewesen sein.

® Dupchgegangpn. Der in Hanau stehende Ulan S ch m e l z e i f e n von der 3. Eskadron, der während des Osterfestes in Wiesbaden auf Urlaub weilte, ist seit Dienstag nach Ostern mit der Frau eines bärtigen Fuhrmtternehmers, bei dem er früher in Dienst gestanden hat, unb unter Mit­nahme von 2400 Mk. verschwunden. Das Geld hatte bet Fuhrunternehmer kurz vor dem Feste als Anzahlung auf sehr Haus erhalten. Hinter dem Deserteur, der die Uniform mir' Zivilkleidern vertauschte, wurde vom Regiment ein Steckbrief erlassen.

sich laben, harrt seiner der Triebe. Leb wohl, 0 Vaterland, leb wohl, fröhliche Pfalz. Der Dichter zieht in die Ferne zu neuem Hoffen, neuem Leben, neuem Kampfe.

6, Freude, schöner Götterfunken!

O Sommerluft, 0 Lebmsfteude, 0 Glück der Freurrd» schaff !

Zum ersten Male in seinem Leben sind Schiller sorgen­lose Tage beschieden. Zum ersten Male genießt er das glückliche Gefühl, sich in den weichen Armen der Freundschaft geborgen zu fühlen. Nicht umsonst hatte die Magnetnadel seines Lebens von Jugend aus, schon seit den Tagen auf der hohen Karlsschule, ihn auf die Freund­schaft gewiesen:jetzt endlich steht er alle seine holdesten Ahrmngen bestätigt. Welch ein ttefes Glück in diesem Ge­fühle ungetrübter Einigkeit! Welch köstliches Gefühl der Ruhe nach den wilden Mannheimer Lager:l Wie innig weiß er das liebe, stille Wirkender beidenWeiberchen" zu schätzen, nachdem er soeben einen Blick in die tiefsten Ab­gründe weiblicher Leidenschaft geworfen hat! Und der Ge­dankenaustausch mit den Freunden, vor allen mit den: männlichen und tüchtigen Körner gibt seinem Geiste die langersehnte Schwungkraft wieder. Ideen regen sich, Ge­stalten gewinnen Forn:. Nicht dec Zufall, nicht die Not hat1 diese Freunde ihm zugeführt: seine eigenen Werke waren es, die den Funken der Liebe zu ihm in ihren Herzer: ent­zündeten.

Glückliche, sonnige Herbsttage in Körners Weinbergsgute, an lieblichen Rebenhügeln, an dem breiten Flusse, wo er sich an seine Heimat gemahnt Mhlt. Glückliche Tage voll heiterer, Gespräche, fröhlicher Ausflüge, stiller, reiner Genüsse, da die Freunde fester und fester, fürs ganze Leben miteinander ver-^ wuchsen, bn in dem idealistischen Schiller selbst die Ader des Humors auf) prang unb er sein klägliches Dichtergeschick in, einemuntertänigsten Pronrenwria an die Konsistorialrat Börnertsd)C weibliche Waschdeputation" beweglich schilderte. Und nun setzten sich diese schönen Glückstage in der Stadt Dresden selbst fort. Gleich über der Straße wohnt Freuno Körner in stattlichem Hause mit freundlichem Garten. Dort im Gatten kommen sie zusammen, der Dichter mit den.