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GHruckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, er.
Waisenbauics in Nanau. _ ~ , . _ , „ ., VeraniTvortl. Redakteur: G. Schreck«: w Hanau.
' 2 ' * Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Nr. 101
FernspreHanschluß Nr. 605
Samstag den 30. April
Ferasprechanschluß Nr. 605»
1904
Amtliches.
Candhms hanau.
Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.
In der Gemarkung Fechenheirn (Mainkur) ist die Schweinefeuche ausgebrochen.
Die Gehöftsperre ist angeorduet worden.
Hanau den 27. April 1904.
Der Königliche Landrat.
V 2961 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Bus Stadt und Cand.
Hanau, 30. April.
Historische Gedenktage.
20. April 1523. Anfang der Belagerung von Landstall (Landsinhl), der Burg des Franz von Sickiugen, eine der ersten Waffentaten des Landgrafen Philipp des Großmütigen, welcher damals 19 Jahre alt war. Aus dem am 3. Mai eroberten Schlosse brächte Landgraf Philipp eine Fahne Sickingens als Siegeszeichen mit, welche über , 26^e in der lutherischen Pfarrkirche zu Marburg gehangen bat.
90. April 1567- Erklärung des Landgrafen Wilhelm, deS älteren Sohnes Philipps des Großmütigen, durch welche er die in dem Testamente seines Vaters bestimmte Teilung Hebens anerkannte; (nach früherer Bestimmung sollte ihm das ganze Land zufallen).
1. Mai L2S«. Erhebung der Gebe ine. der heiligen Elisabeth (aus dem Grabe auf den Altar) in Gegenwart des Kaisers Friedrich und einer unzählbaren Volksmenge aus allen «tanden und Gegenden Deutschlands. Seit diesem Tage . ^er Name der Stadt Marburg weltbekannt geworden. 1. 1^83 ward von Landgraf Wilhelm IV. den Gewandschneidern zu Cassel das alte Privilegium bestätigt, während der Fronleichnamswoche den Weinschank aus- u6en zu dürfen.
1« Mai 1661 starb Johann Meise, in den Adelsstand erhoben als von Gepso, und Stammvater der üblichen Familie von Geyso zu Mansbach, hessen-cassel'scher Generalleutnant und Oberbefehlshaber nach Ebersteins Tode in ben letzten Jahren des dreißigjährigen Krieges. Sein Vater gieß Peter Geise und war Rentmeisier zu Borken, und auch die nichtadliche Nachkommenschaft desselben ist noch Heute zahlreich vorhanden.
Der heutigen Ausgabe unseres Blaite^ liegt als Gratrszugabe der beliebte in handlichem Formate herausgegebene Taschen-Fahrplan, gültig vom 1. Mai „j. ao, bei.
r. J s~c.V Mai. Kein Monat des ganzen Jahres ist Avohl so viel Besungen worden, wie der herrliche, blütenreiLe Mai °en schon die Dichter des MittelalterS als „Wunnimanolh" überschwenglichen Versen zu preisen wußten. m^ar^“1 gekommen," heißt es jubelnd in dem alten ?Ä "^ MMch singen unsere Kinder: „Alles neu macht der Mai — Wer hatte nicht schon im Leben mit Heinrich ^eme zitiert: „Im wunderschönen Monat Mai", und wer
?°s unsagbar schwermütige Lied „Allerleelen" mü dem Refrain „Wie einst im Mai!" „Des Lebens Mai ^"^'^^ wieder" sagt resigniert der Dichter, da. um loß.tn wir Menschen den Wonnemond und seine Freuden ^^^^^ wir jung sind und selbst noch im Mai des L Ober ^ ^"Se unser schönheitsdurstiges Auge sich och zu weiden vermag an der Lenzenspracht, die der junge bTÄS ^^ üb°r. Feld unb Wald. In steril Zeiten, wil35 !en ^'H '"urq mit dem Walten in der Na^ur z s^wmen, da durch alle Festlichkeiten ein sinniger, poetischer r^te man den Mai als einen lieben Gast mit Feierlichkeiten willkommen zu heißen. Dre schone Sitte, Maibäume oder Büsche als Symbol E alücktt^^^"b'mgslebens vor die Häuser zu stellen, hat sich gluaucherweise noch bis auf den heutigen Tag, zum Psinast- V' cr^!V* 3n übrigen aber ist die rastlos fortiäreitenbe aean? das^Att^ ^"^ Z^it in ihrem Vernichtungskampfe mantts^n A bergebrachte gründlich gewesen und hat die ro« mantifchen Sitten unserer Väter und Großväter, die in der lasset 8^^"-», gänzlich verschwinden äffen, ^er Mai ist so recht der Monat der Dichter, Dichter-- ?^eu«d solcher die es werden wollen. Gleich bett Pilzen, ^»^^"Ä^ "Überall dem lenzfrischen Erdreiche entsprießen' Tradiern bann die lyrischen Gedichte im deutschen Musenhain empor, zur Freude ihrer Fabrikanten — pardon! — Verfasser nb zum _eib derer, die sie lesen müssen. .Raum vermögen die
mächtigen Papierkörpe der Zeitungsredaktionen während des Wonnemonds all die Manuskripte zu fassen, in denen sich Liebe und Triebe, Sonne auf Wonne und Herz auf Schmerz reimen und die nun dem rühmlosen Schicksal ewigen Vergessens in den Flammen prosaischer Kochöfen entgegenreifen. Aber die gütige Natur hat, wie in allem, so auch hier einen Ausgleich geschaffen für all' die Qualen, die sie durch das Entstehen zahlloser Frühlingslieder der Menschheit bereitet. Im stillen Hain läßt sie ein würzig Kräutlein erblühen, asperula odorata, auch Waldmeister genannt, das einem gar edeln Lenztrank, der Maibowle, den Duft verleiht.
* Walpurgisnacht. Die Walpurgisnacht, die schon seit urdenklichen Zeiten eine große Rolle im Volksglauben spielt, war einst dem Donar heilig, dem rotbärtigen Sohne Odins, der, den furchtbaren Hammer Miölnir schwingend, auf einem von Böcken gezogenen Wagen durch das gewitterschwere Gewölk fuhr und den die alten Germanen als Donnergott verehrten und fürchteten. An Stelle Thors traten später die weisen, der Heilkunst kundigen Priesterinnen Hages, die Hagedissen, aus denen der Volksmund dann die Hexen erstehen ließ und die in der menschlichen Phantasie zu jenen grauenvollen Unholdinnen wurden, von denen die Sage erzählt, baß sie in der Walpurgisnacht, auf Ofengabeln und Besen reitend, durch den Schornstein aus dem Hause entwichen und nach dem Blocksbergs oder Brocken zögen, um dort mit dem Teufel, ihrem Herrn und Meister, Orgien zu feiern und wilde Tänze aufzuführen. Der Aberglaube an die Macht der Hexen, der im Mittelalter manch blühendes Leben dem qualvollen Feuertode .überantwortete, hat sich jahrhunderie lang im Volke erhalten. Heute noch kann man aus den zahlreichen Bräuchen bei der Landbevölkerung ersehen- eine gewisse unbestimmte Furcht vor dem tzessierspuk der Walpurgisnacht in zahlreichen Köpfen nistet und daß jene Vorsichtsmaßregeln, die nach dem Aberglauben des Volkes die Hexen bannen ober zum mindesten ihre Macht unschädlich machen, häufig angewendet werden. Während im Vogtlande an diesem Tage nichts aus dem Hause verliehen werden darf, legt man in Böhmen die Besen kreuzweise vor die Stalltüren, streut Sand auf die Türschwellen oder legt Rasenstücke darauf; dann kann die Hexe nicht durch! Anderswo bringt man an den Türen Palmensträuße an oder macht einen Drudenfuß daran. Auch drei Kreuze halten die Unholdinnen fern. In vielen Gegenden sucht man die Hexen durch Peitschenknall und Lärm zu vertreiben, oder man zündet Feuer an, das die Saaten, soweit sein Schein leuchtet, der Macht der Hexe entzieht. Der Bräuche, welche in der Walpurgisnacht den Menschen Schutz vor dem Treiben schlimmer Wesen gewähren sollen, find unendlich viele, und es würde zu weit führen wollten wir ihrer aller insgesamt gedenken.
* Neuerung aus dem Haupt-Perssnen-Bahn- Hofe Frankfurt a. M. Neben der schon jetzt bestehenden Einrichtung der Aufbewahrung von Handgepäck, wird zur Bequemlichkeit des reisenden Publikums ab 1. Mai d. I. eine weitere Einrichtung getroffen werden, die es den Reisenden ermöglicht, ihre in dortigen größeren Geschäften angekausten Waren gegen einen im Geschäft erhaltenen ' Schein bei der Annahmestelle III im Hauplbahnhofe vor ihrer Abreise in Empfang zu nehmen. Die Scheine werden durch die seitens der Eisenbahnverwaltung bestellte Gepäckträger-Gemeinschaft in den größeren Geschäften verteilt. Voraussetzung ist, daß die Geschäfte das Verbringen der Ware nach der Annahmestelle III im Hauptbahnhofe übernehmen. An Gebühren für die Aufbewahrung sind für jedes Stück für die beiden ersten Tase zusammen 10 Pfg., für jeden folgenden Tag weitere 10 Pfa zu entrichten. Der Tag der Riederlegung und der Tag der Zurücknahme werden als je ein voller Tag gerechnet Diese Gebührensätze und die sonstigen auf die Hinterlegung berua- habenden Bestimmungen sind auf der Rückseite des Scheines aufgedruckt.
* Handelskammer. Interessenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß auf dem Sekretariat eine vergleichende Gegenüberstellung des Regierungsentwurfs des neuen hieben
Zolltarifs und der bisherigen Zollsätze zur Ein- sichtnahme ausliegt. — Ferner macht die Handelskammer darauf aufmerksam, daß in Brasilien ein neuer Zolltarif vorbereit. wird. Wünsche sind tunlichst bald der Handelskammer bekannt zu geben. '
* Abholung der Losungsscheine. Laut amtlicher Aufforderuug haben die Militärpflichtige hiesiger Stasi ibre Losungsscheiue binnen 14 Tagen auf dem hiesigen^ Meldeamte (S.adtschloß) in den Bureaustunde^ fmri ^^V^ Frankfurt. Die Freude unserer nach- barl.cheil Großstadt m einem Prozeß gegen Hanau wegen eures Oblektes im Betrage von 10,000 Mk. obaesieat in Laben war jedenfalls verfrüht. In Richtigstellung u Ä i% die Stadt Hanau s. Z, die Kosten von 10,000 Mk, die
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für Verlegung der Röhren der Frankfurter Wasserleitung vor der Kinzigbrücke entstanden waren, bezahlt hat, unter dem Vorbehalte, baß auf dem Rechtswege die Zahlungsverpflichtung festzustellen sei. Auf die Klage der Stadt Hanau gegen Frankfurt auf Rückzahlung der Kosten verurteilte das Landgericht Frankfurt zur Rückzahlung. Daraufhin legte die Stadt Frankfurt gegen daS Urteil Berufung ein, jedoch wurde Frankfurt, da es in dem Berufungstermin nicht vertreten war, durch Ver- säumnisurteil wiederum zur Rückzahlung der 10,000 Mk. verurteilt. Die gegen das Versäumnisurteil eingelegte Berufung ist nunmehr vom Oberlandesgericht Frankfurt ebenfalls verworfen worden.
K * Bigamie. Ein hier in der Lamboysiraße wohnhafter Arbeiter Ungermaun wurde wegen Bigamie verhaftet. Nachdem seine erste Frau gestorben, wanderte er nach Amerika aus und verheiratete sich zum zweiten Male. Mit dieser Frau lebte er etwa 3 Jahre, lernte dann ein Mädchen aus der Hünfelder Gegend kennen und kehrte mit diesem im vorigen Jahre aus Amerika hierher zurück. Ohne von der zweiten
Frau geschieden zu sein, standesamtlich trauen, stellten Nachforschungen gehens.
* Stadtgraben.
ließ er sich mit dem Mädchen hier Die von der verlassenen Frau angeführten zu der Entdeckung des Ver-
Interessenten zur Nachricht, daß Mon
tag, 2. Mai, der Stadtgraben bchufs Reinigung und Durchströmung abgelassen wird.
* Der Hanauer Geschichtsverei« gibt bekannt, daß die Wiederöffnung des Museums im Altstädter Rathause morgen Sonntag vormittags 11 Uhr erfolgt. Vom 1. Mai bis 1. Oktober ist das Museum an jedem Sonntage von 11 W 12Vi Uhr zu unentgeltlichem Besuche geöffnet.
* Rudersport. Die Verpflichtung der Rennmannschaften zum strengen Training gehört mit zu den bedeutungsvollsten Momenten des rubersportlichen Lebens. Diese Handlung vollzog die „Hanauer Rudergesellschaft 1879" in ihrer letzten Monatsversammlung. Mit dem heutigen Tage beginnt die Zeit ernster Vorbereitung der verpflichteten Mannschaften zu den Wettkämpfen auf dem Wasser. Die Rudergesellschaft hat erfreulicher Weise einen hoffnungsvollen Nachwuchs erhalten, sodaß 3®ei, Juniormannschaften, die später zu einem Junior- achter vereinigt werden, die Farben unserer Stadt auf den Regatten vertreten werden. Die Uebungen werden allabendlich unter bewährier Leitung vorgenommen. Die Zeit des Trainings bietet in ihrem gesamten Verlaufe den beteiligten Mannschaften reiches Ergötzen und ist für die körperliche Entwickelung von höchst segensreichem Einflüsse. Wir werden nicht verfehlen, zu geeigneter Zeit über die technischen Fortschritte der jungen Ruderer zu berichten.
* Fritzballsport. Nachdem am vergangenen Sonntag die 1. Mannschaft des Hanauer Fußballkubs „Viktoria" die gleiche Mannschaft der Bockenheimer „Germania" mit 4:1 Goal schlagen konnte, mußte das nach diesem Spiele auge- meldete Spiel „Viktoria" 2. Mannschaft gegen „Germania"- Frankfurt 2. Mannschaft ausfallen, da letztere telegraphisch ab- sagte. Dieses Spiel findet nun morgen nachmittag, Punkt 3 Uhr beginnend, auf dem Exerzierplätze statt. Voraussichtlich tritt nach Beendigung dieses Spieles auch Viktoria 1. Mannschaft nochmals an, um gegen einen auswärtigen Gegner zu spielen.
_ ’ Silberne Hochzeit feiern heute die Eheleute Fritz ^tettner und Frau, Anna geb. Frischkorn (Wirtsleute in der „schwedischen Krone").
* Zigeuner-Nnwesen. Eine über 40 Köpfe zählende Zigeunergesellschaft hatte sich gestern nachmittag, von Vilbel kommend, im Bischofsheimer Walde häuslich niedergelassen. Dre Gendarmerie eskortierte die braunen Gesellen mit ihrer Gefolgschaft wieder über die Grenze nach Vilbel zurück.
* Ueberfahren wurde gestern nachmittag an der Ecke Sternstraße-Paradeplatz durch ein Fuhrwerk ein Kind, das leichte Verletzungen davontrug.
* Wiener Spitze. Morgen werden zum ersten Mal« auftreten Herr Brandenstein und Frl. Anthes, zwei recht gute Kräfte. Ein Besuch ist bestens zu empfehlen.
* Su der Brauerei Dörr ist für die morgigen Vorstellungen ein Programm zusammenzestellt, daS sowohl gute Unterhaltung alS ausgiebige Lachgelegenheit garantiert.
* Unterhaltungsmusik findet morgen Sonntag im Gasthause zur „Germania" statt.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis V»! Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet. — „Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 11—12Vs Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.