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Waisenhauses in Hamra. ar , , ~ , Verandvortl. Redaktnir: G. Schrecker in Hanam

19 1 Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- undFerermge, mit üÄetrrftlfcher Beilage.

Nr. 76 Fernsprechauschluß Nr. 605. MittWock den 3 0. März Fernsprechanschluß Nr. 605. 1904

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Hus Stadt und Cand.

Hana«, 30, März.

Aus dem Gerrchlssaat.

Sitzung der Strafkammer l vom 29. März.

Die Golddiebstähle.

Den Eröffnungsbeschluß und die hauptsächlichsten Angaben der Angeklagten haben wir in dem gestrigen kurzen Bericht bereits mitgeteilt. Die Angeklagten befinden sich seit dem 18. September v. I. in Untersuchungshaft. Die näheren Angaben des B. lauten:. Ungefähr IVa Jahre vor seiner Verhaftung sei St. eines Mittags zu ihm in die Wohnung gekommen und habe ihn gebeten, ein Mechanikschloß für ein Armband zu machen. Er (B.) habe St. gebeten, ihn mit solchen Sachen zu verschonen, am Abend sei St. aber wieder gekommen und habe ihn nochmals dringlich gebeten, das Schloß doch zu machen, da er selbst es nicht anfertigen könne. Er habe sich dann überreden lasten und das Schloß zu Hause bei St. an- gefertigt. Dabei sei er von St. über die Verhältnisse bei seinen Arbeitgebern ausgefragt worden, ob dort gut gezahlt werde, ob viel in Gold gearbeitet werde u. s. w., und schließ­lich sei St. auch mit der Zumutung an ihn herangetreten, ihm gelegentlich Goldabfälle zu besorgen. Er (8.) habe dies zu- rückgewiesen und St. bedeutet, daß er sich mit solchen Sachen nicht befassen werde. Ein paar Tage später sei St. wieder zu ihm gekommen und habe abermals von den Golbabfällen angefangen.Die seien reich genug, denen könne man doch etwas wegnehmen", habe St. gesagt, und schließlich sei er der Versuchung erlegen. Der Angeklagte war 16 Jahre im Geschäft und verdiente pro Woche 30 bis 36 Mark. Das Gold stahl er auf die Weise, daß er bei der Ablieferung seines Goldes, an dem Schalter, wo der Kabinettmeister die Verwiegung vornimmt, ein oder mehrere Stücke des schon »erwogenen Goldes wieder wegnahm, sobald der Kabinettmeister durch Nachsehen im Buch ober einen sonstigen Umstand gezwungen war, seine Aufmerksamkeit von der Wage abzuwenden. Möglich war dies dadurch, daß die Wage, so­bald die Goldteile gewogen waren, durch einen Hebel abgestellt wurde. Von der Feilung stahl B. ebenfalls erhebliche Teile und den Gewichtsverlust ersetzte er dann durch Beimengung von Sand. Von St. will er für das Gramm Gold eine Mk. bekommen haben. Am 18. September v. I. wurde er endlich vor dem Verlassen des Geschäfts angehalten und bei seiner Durchsuchung hatte er 64 Gramm Gold bei sich. Auf ver­schiedenen Sparkassen hatte er etwa 7000 Mk. angelegt, von denen nach seinen Angaben etwa 4000 Mk. von dem gestohlenen Gut herrühren sollen. Er gibt selbst zu, daß er keine Veran- lassung zu irgendwelcher Klage im Geschäft hatte, weder in Bezug auf Behandlung, noch auf Bezahlung. Der Angeklagte St. beschränkte sich auf wenige Erklärungen. Daß er B. auf­gefordert habe, ihm die vorerwähnte Arbeit anzufertigen, sei richtig, dagegen habe er ihn niemals zum Diebstahl verleitet, ebensowenig etwas von ihm gekauft. B. hätte sich einmal mit ihm assanieren wollen, darauf sei er aber nicht eingegangen. Die übrigen Aussagen des Angeklagten haben wir gestern be­reits mitgeteilt. Hiernach wurden eine Anzahl Einzelheiten mit St. durchgesprochen und ihm Vorhalte gemacht über die in seinem Geschäft gefundenen Goldteile und Abfälle. Hierbei befindet sich ein Kettenarmband, von dem behauptet wird, daß eL aus dem bestohlenen Geschäft stamme, ferner Stücke Goldblech, deren Aussehen ebenfalls dafür spricht, baß sie durch die Walzen der Firma O. und B. gegangen sind. Der Angeklagte bestreitet dies. St. hatte bann weiter eine Anzahl Zeugen laden lassen, die bekundeten, daß er stets einfach und sparsam gelebt. Der frühere Mit- mhaber der Firma Winsel & Grill, bei der St. 25 Jahre in Arbeit gestanden, stellte ihm ein gutes Zeugnis aus. Ein Gefangener, der bei St. in der Zelle gesessen, bekundete, daß an dem Tage, wo er bei dem Untersuchungsrichter das Geständnis abgelegt, in die Zelle zurückkam und sagte, jetzt habe er gestanden, es sei ihm leichter ums Herz. Wenn nur der B. auch gestehe, damit es schneller ginge.

Aus der weiteren Zeugenvernehmung ist hervorzuheben die Aussage des Chemikers Herrn Dr. Rau, der die Festung , b B. untersuchte und eine erhebliche Menge Sand darunter leststellte. Der Mitinhaber der bestohlenen Firma bekundet: Dr Engerer Zeit sei ihm ein Goldbarren im Werte von W00 Mk. gestohlen worden. Es sei ihm gesagt worden, er t "" Auge haben, der große Ausgaben mache und uoerhaupt über seine Verhältnisse lebe. Er habe dies anfangs unveruckstchtigt gelassen, nach wiederholten Mitteilungen aber Proben von der Festung B.'s machen lassen und erhebliche Mengen Sand darin gefunden. Weiter teilte ihm sein Kabinett- J ®' B. mache,ihm beim Wiegen allerlei Manipulationen.

lo. September wurde dann ein Kriminalbeamter zur Vor­

sorge ins Geschäft bestellt und B. zunächst zur Rede gestellt, da man eine Anzeige vermeiden wollte. B. wurde jedoch sehr dreist, als ihm Vorhaltungen gemacht wurden und stellte alles in Abrede. Daraufhin wurde der Kriminalbeamte herein- gerufen und als dieser das erhebliche Quantum ge­stohlene Gold bei B. fand und er keinen anderen AuSweg mehr sah, gab er klein Bei und gestand alles ein. Ob auch Silber in seinem Geschäft entwendet wurde, konnte der Zeuge nicht feststellen. Der kaufmännische Sach­verständige Herr Treusch, hat die Geschäftsbücher des St. kontrolliert und konnte hieraus zunächst über die Ein- und AuSgänge keinen Ueberblick gewinnen. Er zog daher Er­kundigungen bei den Geschäften ein, mit denen St. arbeitete und stellte hiernach fest, daß er (St.) an die Firma Jäckel und Sänger, Scheideanstalt in Frankfurt, in den Jahren 19011903 allein 94 Kilo Silber und mehrere Tausend Gramm Gold verkauft hat. Er stellte ferner fest, daß St. nach Abzug aller Unkosten von dem von ihm verarbeiteten Gold und Silber ein so geringer Verdienst übrig blieb, daß er davon nicht leben konnte. Trotzdem habe er noch einige Spareinlagen gemacht. Schließlich sei noch erwähnt, daß B. aus dem Gefängnis einen sog. Kassiber (heimlichen Brief) hinauszuschmuggeln versuchte, in dem er seiner Frau Ver­schwiegenheit empfahl.

Der Staatsanwalt Herr Dr. Ramelow beantragte gegen B. eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren, gegen St. wegen ge- werbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei 4 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Zulässigkeit der Stellung unter Po­lizeiaufsicht. Der Verteidiger des B., Herr Rechtsanwalt .. Hifus, W^dseMilderungsgründe hervor uO Edierte jür, eine gelindere Strafe. Herr Rechtsanwalt Dr. Koref, Ver­teidiger des St., plaidierte für Freisprechung seines Klienten, eventl. bat er, die Gewerbs- und Gewohnheitsmäßigkeit zu verneinen.

Das Urteil des Gerichts lautet: Der Angeklagte B. wird wegen fortgesetzten Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten verurteilt, von denen 6 Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt gelten. Der Ange­klagte St. wird wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei zu 4 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit von Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. In den Urteilsgründen wird gesagt, daß Gericht habe angenommen, daß B. durch seinen Mitangeklagten veranlaßt wurde, vom geraden Weg abzuweichen, da er bis dahin ein treuer und fleißiger Arbeiter gewesen sei. Da die lange Verzögerung der Untersuchung lediglich durch das Verhalten des Hehlers verschuldet sei, habe man ihm die Untersuchungshaft voll an- gerechnet. St. habe die Hehlerei gewerbs- und gewohnheits­mäßig betrieben, deshalb war auf Zuchthaus zu erkennen.

* Die Rückzahlung der am 31. März gekündigten Schuldverschreibungen der Stadt Hanau vom Jahre 1880 be­ginnt bereits am 30. d. Mts. bei der Sadtkasse.

* Direktor Oppmar ^. Als sich die Kunde von dem Ableben des Herrn Direktors O p p m a r verbreitete, liefen von allen Seiten, aus allen Teilen unseres Vaterlandes Beileidsbezeugungen sowohl Bei der Familie wie Bei der Direk­tion des Stadttheaters ein. Auch die gestrige Beerdigung zeigte, welch großer Sympathie und Verehrung sich der Ver­storbene hier am Orte seiner letzten Wirksamkeit zu erfreuen gehabt hatte. Aus allen Kreisen waren die Leidtragenden ver­treten, vor allem natürlich diejenigen, die dem Verstorbenen in künstlerischer oder persönlicher Beziehung näher gestanden hatten. Die Verwaltungen des Offenbacher und des Ham­burger Theaters waren durch Abordnungen vertreten," der Intendant das Casseler Hoftheaters hatte mitteilen lassen, daß er verhindert sei, persönlich zu erscheinen, die Mitglieder dieses Theaters sandten eine prächtige Kranzspende. Die Beerdigung erfolgte auf bei Lebzeiten ausgesprochenen Wunsch des Verstorbenen streng nach jüdischem Ritus.

* Gesellenprüfung. Alle Lehrlinge des Stadt- und Landkreises Hanau, Gelnhausen und Schlächtern, welche Ostern 1904 ihre Lehrzeit beenden, werden aufgefordert, sich nach § 129 Absatz 1 der Gewerbeordnung ihrer gesetzlichen Prüfung zu unterziehen und sich bei dem betreffenden Prüfungsaus- schuste zu melden. Gleichzeitig werden die Meister ersucht, ihre Lehrlinge dazu anzuhalten.

* Gewerbeansstettung Fulda. Der Vorstand des Gewerbe- unb Handwerker-vereins Hanau macht bekannt: Durch Beschluß der Vorstandssitzung vom 15. d. Mts. wer­den alle Mitglieder, welche gesonnen sind, zu der im Juni staNsindenden Gewerbe-Ausstellung zu Fulda auszustellen, anf- gefordert, sich spätestens Ende April bei Herrn Müller, Römerstraße hier, zu melden.

* Silberne Hochzeit feiern heute Herr Friedrich Gold­bach und Frau, Hospitalstraße 29 wohnhaft.

Die heutige Nummer umfaßt ausser dem Unterhaltnu^sblatt 14 Seiten.

* Die Damenabteilung -es Turn- und Fecht- klubs hielt am Montag nackmiitag ihre diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab. Anwesend waren 5 Vorstandsmit­glieder unb 37 Turnerinnen. Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden entnehmen wir folgendes: Dir Damenabteilung, eine der ältesten des Mittelrheinkreises, blickt in diesem Jahre auf eine 42jährige Tätigkeit zurück. Die Mitgliederzahl betrug zu Anfang des Jahres 34. Im Laufe des Jahres sind 7 ausgetreten, davon 2 nur vorübergehend, eingetreten dagegen 24, so daß am Ende des Vereinsjahres die Mitgliederzahl auf 52 gestiegen ist. Der Besuch der Turnstunden war ein recht erfreulicher. Geturnt wurde an 95 Abenden. Die best besuchteste Turnstunde zählte 32, die geringst besuchteste 8 Teil­nehmerinnen. Am 26. April 1903 veranstaltete der Verein ein Schauturnen, welches in allen seinen Teilen den besten Verlauf nahm. Auch für dieses Jahr ist wieder ein Schau- turnen in Aussicht genommen und hierfür der 1. Sonntag im Mai vorgesehen. Im Laufe des Sommers unternahm die Abteilung eine größere Turnfahrt nach Gelnhausen - Biber, außerdem 3 kleinere in die nähere Umgebung. Bei der am 28. November stattgehabten Abendunterhaltung wurde von 15 Damen ein Keulenschwingen vorgeführt, welches allgemeinen Beifall fand. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurden die beiden in Vorstand sich befindenden Damen Frau Schweins- berger und Frl. E. Reissig, wiedergewählt und an Stelle der durch Heirat bzw. Trauerfall schon längere Zeit aus dem Verein Ausgeschiedenen, Frl. Joh. Kolb und Frl. Ch. Kurz neu gewählt. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche, daß auch im neuen Vereinsjahr die Damen- abteilung wachsen, blühen und gedeihen möge. Gut Heil!

* Jubiläum. Heute sind 40 Jahre verflossen, seit Herr Graveur Chr Schumann ununterbrochen in der Pelissier'schen Taschenuhrgehäuse-Fabrik in Arbeit steht. Die UhrgehSulemacher Ph. Kreis unb Andr. Franz sind 48 Jahre daselbst beschäftigt.

* Huffchmiede-Prüfung. Der Schmied Friedrich August Niederthal aus Ravolzhausen hat am 28. b. M., nach Absolvierung eines dreimonatigen KursuS an der Lehr« schmiede zu Fulda die Prüfung behufs Erlangung der Fähig­keit zur selbständigen Ausübung des HufbeschlaggewerbeS vor der staatlichen Prüfungskommission inFulda mit Auszeich­nung bestanden. Es wurde ihm eine namhafte Geldprämie zuerkannt.

* Gold- und SUberarbetter-Krankenunter- stützungskasfe. Die abgeänderten Statuten der genannten Kaste haben nunmehr die ministerielle Genehmigung erhalten.

* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. findet im April der monatliche 30 Pfennig-Dormittag nicht am ersten, sondern am zweiten Sonntag, also am 10. April statt.

* Sonderpersonenzüge werden in großer Anzahl aus Anlaß des Osterfestes gefahren. Die näheren Be­stimmungen find aus den Fahrplänen zu ersehen, die an den Bahnhöfen angebracht sind.

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© Kefselftadt, 29. März. (S ch l e ch t e A b s i ch i e n). Heute früh zwischen 3 und SVa Uhr versuchten 2 Individuen unter Benutzung einer kleinen Bauleiter, die sie sich jedenfalls von einem benachbarten Bauplatz verschafften, in das Hoch­parterre des Hauses Gartenweg 15 durch das Fenster einzn- steigen, was ihnen jedoch durch den im genannten Hause an- gestellten Kunstgärtner Jos. Dahm, der die Bewohner rechl- zeitig alarmierte, mißlang. Es ist dieses jetzt der vierte Ver­such in diesem Viertel und es ist wohl lediglich dem Umstände zuzuschreiben, wenn man dem lichtscheuen Gesinde! trotz Ver­folgung nicht habhaft werden kann, daß sämtliche Bauplätze am Gartenweg nicht genügend verschalt resp, eingezäunt werben, sodaß sich genügend Unterschlupf für derartige Leute bietet.

Fechenheim, 29. März. (Besitzwechsel.) Das auf Fechenheimer Gebiet an der Offenbarer Landstraße gelegene GasthausZum Schützenhof" ging für 40 500 Mk. in den Besitz des früheren Bootshauswirtes des Offenbacher Ruder­vereins, Herrn Rebbel, über.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 30. März

9 Uhr 30 Minuten.

Ein Maximum über 775 nun lagert über Rußland, ein Minimum unter 740 mm über der nördlichen Nordfee. In Deutschland wehen im Westen schwache südwestliche, im Osten starke südöstliche Winde, die Witterung ist trübe und mild, allenthalben ist Regen gefallen.

Prognose für den 31. März: Mildes, wolkiges Wetter, mit Niederschlägen wahrscheinlich.