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Erste- Blatt

Hanauer M Anzeiger

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Psg. die s2ns zesysliene Petitzeile oder deren Raum, für AuSwarD 1§ ^^ im Leklameutheil die Zeile 25 Psg, für Auswärts 35 Wfr

Nr. 25

Fernsprechanschluß Nr. 605

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Ferss-rechanschluß dir. 6V5. 1904

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Zwecks strastenmäviqen Ausbaues des Feldweges zwischen Grüner Weg und Muhltorweg (hinter dem Landkrankenhaus) wird diese Wegestrecke von Montag den ' t Februar d. Js. ab auf die Dauer von zunächst acht " Wochen für den Fuhrverkehr gesperrt.

Hanau den 30. Januar 1904.

Königliche Polizei-Direktion.

v. Beckerath.

Der Wert einer nationalen Rhederei.

Es wäre unmöglich, die Bedeutung des Aufschwunges der 'deutschen Rhederei für die deutschen See-Interessen und über­haupt die gesamte wirtschaftliche Entwickelung unseres Vater­landes zu überschätzen. In den mannigfachsten Richtungen wirkt die nationale Rhederei befruchtend, fördernd, stützend auf die nationale Güter-Erzeugung ein.

9iur auf den Schultern einer starken deutschen Rhederei konnte sich der deutsche Schiff-bau entwickeln und seine heutige Leistungsfähigkeit erreichen, nur Hand in Hand mit ihrer i Fortentwicklung vermag er zu höhern Stufen emporzuklimmen. Am Schiffsbau aber profiliert eine ganze Reihe der be­deutendsten heimischen Gewerbe, die Eisen-, Metall-, Maschinen- und Holz-Industrie. Und was von der Herstellung der Schiffe und ihrer Ausrüstung im engeren Sinne gilt, daS gilt ' auch vsn der Ausrüstung im weiteren Sinne und der Der- proomntikrung. Heimisches Getreide und Fleisch, Konserven und Delikatesten, Bier und Wein, vaterländisches Texiilgewerbe, Tischlerei, Maler- und Tapezier - Handwerk werden natur­gemäß von heimischen Schiffahrts-Untemehmern stets bevorzugt werden.

* Weiterhin bewirkt das Schiff, das in den ausländischen Häfen oft oder regelmäßig erscheint, eine ständige Ver­stärkung des Ansehens und des Einflusses, der seefahrenden Nation. Als Brücke zwischen dem Heimatlands und der Fremde, als schwimmende Ausstellung des deutschen Ge- werbefleißes, als Wahrzeichen unseres gewerblichen Auf­schwunges und unserer technischen Fortschritte hat daS deutsche Handelsschiff in allen Zonen auf die Entwicklung der vaterländffchen Verkehrs- und Handels-Beziehungen einen über­aus günstigen Einfluß zu gewinnen vermocht. Als unendlich fruchtbar haben sich die Summen erwiesen, welche von Reicks- wegen zur Ausdehnung der Postdampferlinien fortschreitend verwandt sind, weil das Schiff den Handels- und Personen- Verkehr nach sich zieht und steigend erweitert.

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Feuilleton,

MrHtnHordcrJohmncskirchcGeistliche MusikanMhrung.

Wir verweisen hier auf die im Anzsigeteil unseres Blattes veröffentlichte Vortragsfolge der geistlichen Musikaufführung des Kirchenchores der Johanneskirche. Wi- daraus ersichtlich, sind als mitwirkende Kräfte gewonnen: Frl. Amalie Zehner, Frl. Helene Kellermann und Herr Heinrich Appuun. Die Leistungen derselben sind ja vorteilhaft bekannt, eine i weitere Empfehlung ist daher überflüssig. Die stimmliche Be­gabung und das ernste Streben und Können der Solisten sichern der Mufikaufführung gewiß einen künstlerischen Erfolg.

Der Chor bietet Towätze älterer und neuerer Meister und trägt somit allen Geschmacksrichtungen auf dem Gebiet des Kirchengeianges Rechnung. Besonders ansprechend dürfte sich die Succosche Motette:Wenn ich nur dich habe" gestalten, eine kurze, aber mit allen Mitteln der konirapunktischen Kunst ausgestattete Komposition. Daß auch der Verein dem Choral- gefang die volle Kraft und Würdigung sichert und volles und größeres Verständnis dafür zu wecken und zu beleben sucht, ist ja bekannt. Eine Probe erbringt er in dem Vortrag des Cborals:Befiehl du deine Wege" von I. S. Bach. Der neueren Richtung angekörige Kompositionen sind der dreistimmige , Frauenchor:Wenn alle untren werden" von R. Kühne und «Eine Herde und ein Hirt" von Th. Huhn für gemischten Ckor, Solo, Knabenchor und Orgel. Beide Chöre sind sehr schön angelegt unb packend und dürften des tiefsten Eindrucks nicht entbehren.

Der Kirchenchor der Johannesgemeinde hat nun beinahe . 25 Jahre im Frühjahr 1905 friert er das 25jährige Ju- bUüum der Pflege ded Kirchengesanges abgelegen und durch

Dem deutschen Außenhandel erwächst ferner dadurch, daß die deutsche Rhederei in steigendem Maße seine Dienste besorgt, ein dreifacher Vorteil. Der deutsche Rheder fixiert erstens die Frachten im Interesse der einzelnen exportierenden und impor­tierenden Gewerbezweige Deutschlands und in Uebereinstimmung mit ihnen. Stets hat derselbe sich bereit gefunden, den Be­dürfnissen der einzelnen Industrien entsprechend und Hand in Hand mit der Eisenbahn-Verwaltung die Tarife festzusetzen, Durchgangs-Frachien und Transport-Erleichterungen zu ge­währen. Zweitens ist der Kaufmann durch die heimische Rhederei in den Stand gesetzt, sich der Konjunkturen besser zu bedienen, eine größere Deschleunigrmg der Bezüge, der Au- und Abladung zu erreichen. Drittens werden Linien gerade so eingerichtet, die Expeditionen in solcher Reihenfolge und nach solchen Orten ansgesührt, wie es den Interessen des heimischen Handels am meisten entspricht. Umladung und Zwischenspesen werden erspart.

Seit einer Reihe von Jahrhunderten schon hatten andere Nationen erkannt, wie groß die Summe von Vorteilen ist, die ihrer Wirtschaft aus der Verstärkung und Erweiterung der heimischen Rhederei erwächst. Sie richtete nach dieser Erkennt­nis ihre Schiffahrts-Politik ein und erzielten damit erhebliche Erfolge. Voraussetzung für ein dauerndes Blühen und Ge­deihen der Rhederei aber war von jeher nur die Möglichkeit eines starken Schutzes durch eine mächtige und.leistungsfähige Kriegsmarine. Mit letzterer steht die Rhederei in einer frucht­baren Wechselwirkung, und gemeinsam dienen sie dazu, die Macht und das Ansehen und den Wohlstand des Heimatlandes zu heben. Ob das Schiff der Flagge oder die Flagge dem Schiffe folgt, das ist eine müßige Doktorfratze. Beider bedarf unser Volk, und weder einer ständig erstarkenden Rhederei noch einer mächtigen und wachsenden Kriegsflotte wird Deutsch­land in Zukunft je entraten können.

Mus Stadt und £and.

Hanau, 30, Januar.

Historische Gedenktage.

31. Januar 1632 starb Justus Byrgi, der Erfinder der Logarithmen, gebürtig aus Lichtensteig in der Schweiz, Hofuhrmacher und Justrumentenmacher bei Landgraf Wil­helm IV. zu Caffel.

* Maingau - Verband. Der diesjährige ordentliche Gauturntag findet Sonntag den 31. Januar 1904, nachmit­tags 12/s Uhr, im kleinen Saale der Turnhalle zu Hanau (Jahnstraße) statt. Tagesordnung: 1) Jahres- und Kassen­bericht für 1903 und Wahl von 3 Kaffenrevisoren. 2) Haft­

seine Vorträge zur Hebung der gottesdienstlichen Feiern und zur Erbauung der Gemeinde nach Kräften beigetragen.

Mögen dem Verein bei der bevorstehenden Musikaufführung durch regen und zahlreichen Besuch seine Bemühungen gelohnt werden. Eine Liste ist im Umlauf. Preise der Plätze: Obere Empore Mk..50, mittlere Empore Mk. I., unterer Raum Mk. 1.50. Die Abstufung der Preise ermöglicht jedem den Besuch der Aufführung.

Der Kommunismus des 16. Jahrhunderts.

Die soziale Frage, die heute auf aller Lippen schwebt und in den Parlamenten nicht nur, sondern auch in allen Privat- kreisen, an den Biertischen und in den Gesellschaften der Staats­männer diskutiert wird, ist eine sehr alte Frage; hat doch schon im alten Rom eine langjährige und blutige Bewegung über die Verteilung des Grundeigentums stattgefunden, welche das Vorzeichen des Untergangs der römischen Republik war. Auch zur Zeit der Reformation tauchten in Deutschland Meinungen auf, welche dahin gingen, daß alles Eigentum un­recht sei und aufgehoben werden müsse, es wurde sogar ein­mal praktisch versucht, als die Wiederläufrr in Münster ihren greulichen Staat vom ewigen Jerusalem aufrichteten oder die Häupter des Bauernkrieges in Schwaben und Franken die neue, alle Welt beglückende Güterverteilung in Angriff nahmen. Als den eigentlichen sozialistischen Schriftsteller jener Zeiten aber kann man den bekannten Sebastian Frank ansehen. Man tut diesem Manne aber unrecht, wenn man ihn auf eine Stufe mit den französischen, irländischen und deutschen Kom- munifien stellt. Allerdings halte er kommunistische Irrlehren, die vor 3400 Jahren eben so unrecht waren, als sie es heute noch sind, aber er war doch in vielen Stücken das gerade Widerspiel von den Sozialisten und Kommunisten unserer Sage. Diese predigen Haß und er predigte Liebe, sie verschmähen und verunglimpfen alle Religion und sind Atheisten, er stellte

Pflichtversicherung. 3) Gauturnfahrt 1904. 4) Das Gau- turnfest zu Bischofsheim und Festsetzung der Punktzahl für dar Wettturnen daselbst (beantragt werden vom Gasausschuß Punkte). 5) Wahl des -Festortes für 1905 (gemeldet Haber sich Großauheim-Turnverein und Offenbach - Turngesellschaft^ 6) Kreislurntag. 7) Wahl der Kampfrichter für das Kreis- turnfest. 8) Wahl des Gauvertreters auf 3 Jahre. 9) Wahl des Gauauss busses (8 Mitglieder) auf 3 Jahre.

* Stadttheater. Zwei erstklassige Repertoire« und Zug­stücke gelangen morgen zur Aufführung. Am Nachmittag geht das beliebte, stets mit größtem Beifall gegebene Lust'piel.: D e r V e i l ch e n f r e s s e r" in Szene. Diese bei halben Preisen stattfindende Vorstellung wird sicher ein volles Haus erzielen. Abends gelangt die interessanteste Novität der Spielzeit, Beyerlein's Militärdrama:Z a p f en st r e i ch", zm Aufführung. Es ist wohl nicht nötig, auf die eminente Wirkung dieses bedeutenden neuen Werkes näher einzugehen, da dasselbe ja auch hier wie überall den größten Erfolg der Saison hatte. Der Vorverkauf für beide Vorstellungen findet heute Samstag, nachmittags von 45 Uhr, an der Theaterkasse statt. Am Fastnacht-Sonntag und Dienstag finden wie alljährlich Kinder-Vorstellungen statt, und zwar wird:Hänsel und Gretel" gegeben werden. Vor­bestellungen für diese Vorstellungen werden am Montag den 1. Februar, 45 Uhr nachmittags, an der Theater­kasse entgegen genommen.

* Parolemirfik. Die Jnfanteriekapelle spielt morgen mittag auf dem Paradeplatz folgende Stücke: 1)Gras Waldersee", Marsch vsn F. Mönch; 2) OuvertüreIm Reiche des Jndra" von Lincke; 3)Fächerspiele", Walzer von J. Klein; 4)8a Paloma", spanische Serenade von Dradier; 5) Jutrodukrisn und Chor a. d. OperCarmen" vor G. Bizet.

* VoiesvorftLÜirrrg. Als Bslksoorstellung wird nächsten Dienstag, abends 8 Uhr,Walleusteins Tod", Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller, im Stadttheater zur Auf­führung gelangen.

* Konferenz der Lehrer des Kreisvereins Hans«. Am MUtwoch den 10. Februar, nachm. 3'/, Uhr, findet im Gasthauszur Post" dahier die diesjährige Winter­konferenz der Lehrer des Kreisoereins Hanau statt. Tages­ordnung: 1. Vortrag des Herrn Schuhmann-Druchköbel: Die Rückständigkeit der Landschulen." 2. Eine wichtige in­terne Angelegenheit.

* Historischer Liederabend. Es wird uns soeben mitgeteilt, daß der historische Liederabend erst Donnerstag den 4. Februar im Saale der Centralhalle stattfindet. Wir machen auf das hochinterezzante Programm aufmerksam, das Kompo- sitionen von 1440 an bis zur Gegenwart enthält. Da nicht alle Komponisten zur Geltung kommen können, ist eine Aus-

sich auf den Boden des Christentums, sie predigen Hochmut und Gewalt, er predigte Demut und Frieden, sie stacheln zur Unzufriedenheit mit allen Perhältniffen auf, ver­langen Mittel zum Genuß, er lehrte die Armut Zufriedenheit, Entsagung und Entbehrung. Aber freilich ein Träumer, ein Phantast war er, der schon in dieser Welt der Sünde und des Unrechts die Herrlichkeit jener Welt gerne gesehen hätte. Und wenn alle liberalen Systeme der ganzen neueren Zeit den Grundfehler machen, daß sie eine gute Menschheit voraussetzen und den Faktor der Sünde nicht mit in Rechnung ziehen, so konstruiert Sebastian Frank seine Lehre von der irdischen Glück­seligkeit auf der Voraussetzung, daß alle Menschen bekehtte Christen seien. WaS kann auf solchen falschen Voraussetzungen anderes gebaut werden als Kartenhäuser uiopilcher ZukunftS- träume, die mit dem Versuche, sie zu errichten, auch fasert zusammenstürzen. Wie Sebastian Frank dachte, mögen einige Citate aus seinen Werken zeigen:DaS Gemeine ist rein, das Dein und Mein unrein."Wir sollten wohl alle Dinge gemein haben, wie gemeinen Sonnenschein, Luft, liegen, Schnee und Wasser. Da aber der Menschen Bosheit das Geineine nickt konnte mit Liebe besitzen und teilen, hat es die menschliche Not erheischt, das Gemeine eigen zu machen und unter die Menschen zu teilen. Der gemeinschaftliche Sott hat von Anfang, seiner Art nach, alle Dinge gemein, rein und frei ge­macht. Darum ist dann allein daS Gemeinschaftliche und G^mem- nützige rein, wie Gott allein rein ist, und das Eigene, sonderlich die Eigensucht und der Eigennutz, hat noch heute einen!-n Klang in aller Menschen Ohren. Wie viel Kinder in eines «aters Haus ein gemein, ungeteilt Gut besitzen, also muß jedermann billig achten, daß wir in diesem großen Haus der ^veu Gottes Güter, die er gemein unter uns alle schütt« und «n» nur als Gästen leihet und unter die Hände gibt, bulig sollten gemein haben. Aber aus unserer verkehrten Art ist s geschehen, daß jetzt das reine Gemeinschaftttche von jedermann unrein wird gescholten, also daß aller Menschen Reim ist:

Das Gemein ist unrein, Gemeiu ward nie rem.