Erstes Blatt.
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General-Anzeiger
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SBaaniöotti. R-daktv«: G. Schrecker in Hamm.
Nr. 254
FernspreKanschluß dir. 605
Samstag den 29. Oktober
Ferusprechan'chluß Nr. 60».
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1904
Hub Banau Stadt und £and,
Kanatt den 29. Oktober.
Historische Gedenktage.
39. Dkibr» 1620. Schlacht am weißen Berge bei Prag, an welcher auch eine Anzahl Hessen in dem Heere des Kurfürsten von der Pfalz teilnabmen.
29. Oktbr. 1647. Gefecht bei Allendsrf an der Werra zwischen schwedischen Reitern unter Oberst Jordan und kaiwr'icher Reiterei.
29. DAbr. 1777 starb der hessische Oberst und Kommandeur des Jägerkorps Karl Emil von Donop in Nordamerika an seinen vor Fort Redbank erhaltenen Wunden.
29. Oktbr. 1789 starb der Professor der Kirchengeschichte zu Marburg K. F. L. Haas.
30» ©?i&r. 1463 wurde Hans von Döringenberg von dem Erzblfchos von Mainz mit der Burg Hausen und dem mainz'ichen Anteil des Gerichts Oberaula und des Gerichts Breitenbach (alles ursprünglich der Abtei Fulda zu- gebsrig, von Mainz aber damals pfandschaftlich besessen) bestehen. Später (11. Juli 1477) wurde Hans von Doringenberg auch von dem Landgrafen Heinrich mit dem Herzberge belieben.
30. Oktbr. 1554 wurde Konrad von Boineburg Reichs- srew^rr.
30. Oktbr. 1698. Vertrag des Landgrafen Moritz mit Kur-Mainz. durch welchen das Patronatsrecht über die Kirchen zu Banerväch usw. von der hessischen, und über die Kirchen zu Epstein u. a. von der mainz'schen Seite aurgegeben wurde.
30. Oktbr. 1639. Bündnis zwischen Hessen-Cassel und Brannjchweia Lüneburg.
30. Likthr. 1680 starb Johann Kaspar von Döringenberg, einer der bedeutendsten hessischen (Staatsmänner des 17. Jahrhunderts, hessen-casiel'scher Geheimerat und Kammerpräsident, 1663 von dem Kaiser in den Freiherrnstand erhoben. Sein Enkel, Johann Kaspar v. Döringenberg, Reichstagsgesandter zu Regensburg, wurde 1732 mit dem hessischen Erbküchenmeisteramte belieben.
30. Oktb»'. 1813. Schlacht bei Hanau zwischen den Bayern unter Wrede (welcher schwer verwundet wurde) und der von Leipzig sich zurückziehenden französischen Armee unter Napoleon. An demselben Tage kehrte der damalige Kurprinz, nachher Kurfürst Wilhelm II., nach Cassel zurück.
* Das Museum der Wetteraitischerr Gesellschaft ist morgen Sonntag zum letzten Male für das Publikum geöffnet.
NeußUstsn
Die Jahreszeiten, in Musik gesetzt von Joseph Haydu.
Der hiesige Oratorien-Verein beabsichtigt in nächster Woche sein I. Konzert zu oeransteifen und hat hierzu die „Jahreszeiten" von Josiph Haydn einstudiert.
Zur Einführung und zum besseren Verständnis des Werkes wird uns, nach einem im Jahre 1856 in Frankfurt a. M. gehaltenen Vortrage von Schnyder von Wartensee, folgendes zur Verfügung gestellt:
Der Tixt der „Jahreszeiten", wie der der „Schöpfung", stammt aus dem Englischen her. Haydn sollte die letztere in England komponieren, und erhielt dazu die Dichtung, die von einem unbekannten Dichter, der Sage nach, für Händel bestimmt war. Er kehrte aber damit nach Wien zurück, wo sie Hr. van ©mieten (der selbst manches, unter anberm auch sechs Symphonien, komponierte) ihm deutsch und für die Musik bequemer bearbeitete. Nach dem herrlichen Gelingen dieses Werkes machten sich diese beiden Freunde an eine neue Auf-
gäbe, und arbeiteten gemeinschaftlich nach dem bekannten großen Gedicht von Thomson die „Jahreszeiten" aus. Glücklichere Griffe kann man für Musik nicht tun, als diese beiden reichen Poesien sind, die bei der größten Mannigfaltigkeit fast alle musikalischen Stoffe und Gelegenheiten zu Tonschilderungen erschöpft haben.
Die „Jahreszeiten" bestehen aus Beschreibungen der im Kauf eines" Jahres vorkommenden Natur-Erscheinungen unb moralischen Betrachtungen derselben, welche folgenden Personen in den Mund gelegt sind: Simon, ein Pächter, Baß; Sänne, dessen Tochter, Sopran; Lukas, ein junger Dauer, Tenor; Landvolk und Jäger. „Die Ouvertüre stellt den Uebergang vom Winter zum Frühling vor", wie Haydn in d-r Partitur sie bezeichnete. Das Tonstück ist unftät, zer
* Relijagd. Am Montag wird von den Offizieren der hiesigen Garnison wieder eine Jagd geritten und zwar vsm Kinzigheimer Hof in der Richtung auf die Eiswerke. Die Teilnehmer sammeln sich 12 Uhr mittags am Kinzigheimer Hof.
* Kerbstrennen. Die vom Offizierkorps des Ulanen- Regiments zu veranstaltenden Rennen finden am Sonntag den 6. November auf dem Exerzierplatz statt. Das landwirtschaftliche Rennen beginnt als erstes 2 Uhr 30 Minuten nachmittags.
* Die freite. ^«*tlv^ hält morgen nachmittag 3 Uhr eine Gemmiübung ab.
* Siadtthester. Nachdem nun eine Reihe Lust- und Schauspiele gegeben wurden, kommt morgen Sonntag zum ersten Male ein Volksstöck mit Gesang zur Aufführung und zwar geht L'Arronge's allbeliebtes und bewährtes Stück: „Mein Leopold", neu einstudiert, nach langer Pause w'eder in Szene. Ein dankbares Publikum wird dasselbe mit Gewißheit fin^°n, zumal Frl. Wehn als Soubrette zum ersten Male Gelegenheit erhält, das Publikum mit hübschen Gesangs- einlagen zu erfreuen. Neben den Herren Gehrmann und Nauendorf als „Schuster Weigelt" und „Komponist Mehl- m-yer" sind in erster Linie die Herren Schneider als „Leo- uold" uno Merker als „Gustav Starke" zu nennen, denen sich die Damen Heidenfels, di Ranucci, Jirsak, Wehn, Keppler und Jaida, sowie Fräul. Urban als „Schnsterlebrbub Willem" in mehr oder minder bedeutenden Rollen anschließen.
* Die Mo^e Leubach Nlusfiellung im Snnftfalon Hermes zu Frankfurt a. M., Gölhestrahe am Opernplatz, ist auf vielseitiges Verlangen noch bis zum 6. November, abends 7 Uhr, verlängert worden. Die Sammlung umfaßt ca. 50 Original Gemälde, denen eben noch ein Bild des Kaisers Friedrich angereiht wurde. Die Ausstellung wurde bisher von mehreren tausend Per'onen besucht. Es sollte kein Kunstfreund versäumen, dieselbe zu besichtigen, da voraussichtlich nicht so bald wieder eine ähnlich reichhaltige Zusammenstellung geboten werden dürfte.
* Konzert des Lehrersättgerchores. Das diesjährige Konzert des Lehreriäneerchores findet in der 1. Dezemberwoche an einem noch näher zu bestimmenden Tage statt. Der Verein wird in demselben mit zwei größeren Chorwerken an die Oeffentlichkeit treten. Das eine ist eine prachtvolle Komposition mit Orchesterbegleitung und beißt „Kolumbus" von W. Sturm. Ein eingelegter Baritonsolo gibt der Komposition einen erhöhten Reiz. Das andere größere Werk ist eine Arbeit unseres einheimi'chen Komponisten Herrn Adolf Stü- bing, betitelt: „Das Grab im Busento", auch mit Orchester- begleitung. Wenn auch der Platen'sHs Text schon verschiedentlich vertont worden ist, so bar doch auch die Bearbeitung des
rissen, stürmisch, nur dann und wann zeigen sich heitere, muntere Stellen, die aber gleich wieder der rohen Gewalt des Winters weichen müssen. Endlich kann sich der nordi'che Tyrann nicht länger halten, die wilden Gewalten von Süden treiben ihn zum fernen Pole, wie nacheinander Simon, Lukas und Hannr in einem kurzen Rezitativ mit entsprechend maler- rischer Orchesierbegleitung uns mitteilen. Jetzt vereinigen sich alle Landleute in einem PasioralSor: „Komm, holder Lenz rc." (G-dur, */»), den ersehnten Frühling zu begrüßen. Das sanguinisch« weibliche Gemüt wähnt ihn schon da und die Frauenstimmen singen: „Schon fühlen wir bett linden Hauch"; allein die besonnenen Männer warnen (einige Takte Chor vor den Tenori und Bassi) mit fixierter Begleitung: „Frohlocket ja nicht allzufrüh rc.", dann bitten noch einmal alle: „Komm, o komm, holder Lenz."
In einer Arie (C-dur, 8M: „Schon eilet froh der Ackersmann zur Arbeit auf das Feld, wird das Pflügen und „in abgemessenem Gang" das Samenauswerfen geschildert. Hier mußte Haydn auf besonderes Verlangen des Dichter? das berühmte Thema auS dem Andante mit dem Paukenschlag in einer von feinen Symvhonien anbringen.
„Der Landmann hat sein Werk vollbracht" und er fleht
den Himmel um dessen Segen. „Der Bittges mgw (F-dur, s/t) mit abwechselndem Soloterz°tt und Cbor ist in seiner Frömmigkeit ein wahres Kirchenstück, welches mit einem einfachen Waldhornsolo beginnt und fiS bis zu Ende immer steigert. Das Thema der diesen Satz schließenden Fuge auf die Worte: „Uns sprießet Ueberfluß rc.", ist fast gleich dem Fugenihema: „Qnam olim Abrahae promisisti" in Mozarts Requiem und eS ist höchst interessant zu betrachten, wie gleich meisterhaft und doch so verschieden beide Komponisten denselben Stoff behandelt haben.
Der Frühling schreitet vorwärts, die milden Lüfte, die lauen Regen stellen sich ein, die Saaten gedeihen herrlich und die Landleute machen in einem „Freudenlied mit abwechselndem Chöre der Jugend" ihren unschuldigen Glücksgefühlen Lust.
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Herrn Stübing einen berechtigten Anspruch, in Sängerkreisen und in den Reihen des musikliebenden Publikums einen besonderen Eindruck zu machen und dürfte einen Anziehungspunkt für das Sortiert bilden. Da auf die Heranziehung von Solisten von feiten des Vorstandes im Lehrersängerchor ein großes Gewicht gelegt wird und deshalb nur solisiiiche Kräfte ersten Ranges in den Lehrerkonzerten auftreten, so dürfte auch das diesjährige Konzert nach bie^r Seite wieder vollauf befriedigen. Eine Liste wird demnächst in Umlauf gesetzt.
* Ktittstindusirie-Berein. Am nächsten Donnerstag den 3. November verunstaltet der bekannte und beliebte Rezitator und Lehrer der Vortragskunst D u f k i - Wegner aus Berlin im Kunstindus, ue-Verein eine Rezi - tatton. Es gelangen zum Vortrag: 1. Die drei Reiher- federn, III. Akt, von Herm. Sudermann; 2. Eine humoristische Plauderei von Otto Ernst; 3. Humoristische Kleinigkeiten von Rud. Baumbach; 4. Die Füße im Feuer von Konr. Ferd. Meyer; 5. In der Mittagsstunde, aus „Adjutanienritte" von Detl. v. Liliencro-; 6. Dichtungen von Johanna Ambrosius, (eine ostpreußische Bäuerin als Dichterin); 7. Szene aus „Ut mine Stromlid" von Fritz Reuter. Wie ersichtlich, ist das Programm ein sehr vielseitiges, wir dürfen daher einen recht genußreichen Abend erwarten.
* Der Berichöirerungsvereitt hielt gestern abend eine ordentliche Generalversammlung ab. Der erstattete Jahresbericht hob die erfreulich zu nennende Mitqliederoermehrung und die dadurch bedingte stärkere Leistungsfähigkeit des Vereins hervor und gab einen Ueberblick über die im vergangenen Jahre nam-ntlich in der Bulau, im Wo'fqang und am Kohlbrunne« geschaffenen Verbesserungen und Neueinrichtungen, die allgemeinen Beifall der Spaziergänger gefunden haben. Die Ausgaben waren dementsprechend auch erhebliche, sie überschritten den Betrag von 700 M. Nach erfolgtet Rechnungslegung wurde übw die im neuen Vereinsjahre vorzunehmenden Arbeiten debattiert, auch das Projekt der Schaffung eines Steges über die Kinzig in der Bulau weiterhin in der Kreis der Be- trachtunacn und Debatten gezogen. Auch im neuen Vereinsjahre wird der Vorstand bestrebt sein, nur dem Allgemeinwohl dienende Anlagen und Verschönerungen zu schaffen.
* Lokomotivführer - Verein. Morgen nachmittag um 5 Uhr beginnend, hält der Lokomstivsührer-Verein einen Familienabend im unteren Saale der Centralhalle ab. Neben Verlosung verschiedener Gegenstände und Beschenkung der Kinder ist auch reichlich für Tanzgeleaenheit gesorgt. Der Zutritt ist jedermann gestattet unb sind Freunde und Gönner des Vereins freundlichst eingeladen.
* Das KahrumkamÄthairA ist Sonntags von 11 M;? ab ssSSnet.
Das Tonstück (A-dur, 3/*): „O wie lieblich ist der Anblick der Gefilde jetzt!" fängt mit einem sehr einfachen und reizenden Zweigesang zwischen Hanne und Lukas an. Diese rufen das junge Volk zum Mitgefühl auf und ein allgemeiner C:or entspinnt sich, welcher höchst überraschend mit einem getragenen g der Altstimmen beginnt. Hanne und Lukas fahren mit ihren Naturbetrachtungen fort, und alles, worauf sie auf« merkiam machen, z. B.: „Seht die Lämmer, wie sie springen! Seht die Fische, welch Gewimmel! Seht die Bienen, wie sie schwärm-n!" u. s. w. malt Haydn im Orchester, wie in der „Schöpfung", auf seine eigentümliche geistreiche Weise. Ds- zwischen läßt daS vergnügte Völklein kleine Jubelchöre hören; Alles ist lustig und laut, nur Vater Simon schwieg. Er freute sich still über die Freude der Jugend. Jetzt erhebt er aber seine Stimme und weist auf das Ewige hin: „Was ihr fühlet, was euch reizet, ist des Schöpfers Hauch." „Laßt uns ehren, laßt uns lieben, laßt uns preisen ihn!" ruft der Chor, und dann tritt einer der großartigste«, der krsäsütterndste» Momente ein, wie nur je auS dem Gemüt eines genialen Komponisten hervorgegangen sein mag. Nach einem nur von den Streichintrumenien und ganz pia- nissimo angegebenen v-äur-Akkord tritt plötzlich mit möglichster Kraft das ganze Orckester, Trompeten, Pauken, drei Posaune« u. s. w. in B-dur, */*, maestoso ein, «nd der allgemeine Chor singt: „Ewiger, mächtiger, gütiger Gotl!" — Zum Schluß des Frühlings hat Haydn eine erhabene Fuge auf die Worte: „Ehre, Lob und Preis dir, ewiger, gütiger Gott, mit freiem, Schwungvollem Ende angebracht. .A (Schluß solqt.)
Di- stSSLisch^ piHi^rf f ^itt. Gärtnerstraße 67 (alte Aelchm-kadem^ kostenfreien
wachs und S^agS von i^ 2 Gelamtkata- Ä'ÄT» «mcs-en Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 „Pfg. in der Bibliothek zu haben.