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'Erstes Blatt.

Hanauer W Anzeiger

«ezugSprelSr

Bierteljätzrlich 1,80 M., monatlich 60 Pfa., für -u». W ästige Womienten mit dem betreffenden Posiaufschlag. Die einzelne Nummer lostet 10 Pfg.

Genklal-Anzeiger

Geruckt tms verlegt in der Buchdruckers des verein« ö.

AMiches GW» fit SiaK- und ftiikttii Hanm

EiurÜcknngSgeLühr

Für Stadt- und Landkreis Hauau 10 Pfg. di« füuf- tzefpgltenr Petitzeile oder bereu Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklameucherl die Zeile 2s Pfg^

für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hauau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Räakteur: G. Schrecker in Hauau.

Nr. 252

Frrnsprechanschlnß Nr. 605.

Donnerf^aa ^eu 27. Oktober

Fernsprechanschlnh Nr. 605.

1904

Amtliches.

" Candkreis Danau.

BekMKLmachnllßen des Königl. Landratsamtes.

Nach Mitteilung des Königl. Landratsamies zu Geln- hansen sind in der Gemarkung N n ter rei ch e nbach die Schweineseuche, in der Gemarkung Leisenwald die Backfteinblaltsrtt und in der Gemarkung Höchst die Rotlaufsettchs festgestellt worden.

Die Rotlauiseuchen in der Gemarkung Hettersroth und in der Au mühle bei Orb sind erloschen.

Hanau den 26. Oktober 1904.

Der Königliche Landrat.

V 7486 I. A.: C o n r a d, Kreissekretär.

Saatöttstand um die Mitte des Monats Oktober 1904 im Kreise Hanau Land.

Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 gut, 3 = mitte!, 4 = aerina, 5 = sehr gering.

Durch- ichnittsuotcn

Fruchtarten

für den

"5 tortt

Nesite- rmraö- ^trl

Wiuterwesie»

2,6

2,4

tLomrnerweizer.

Shtteripeh .

2,1

Mnlerroggen

2,7

2,3

Sommerroggen

Sommergerste

-

Hafer. . .

Kartoffel il

Klee . .

3,6

3,0

Luzerne . .

3,1

3,0

Wiesen . .

Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten,

t 2 3 4 55 12 12-3 [3-4 | 4-5

Hanau den 24. Oktober 1904. Der Königliche Landrat.

V 7463 J. A.: C o n r a d, Kreissekretär.

SteUererhebrmg.

Wir machen darauf aufmerksam, das; die Zahlung der Steuern und des Schulgeldes für die Monate Oktober/Dezember 1904 für die­jenigen Steuerpflichtigen, deren Steuerzettel

Feuilleton.

Kosakengeschichten.

Von J. d'A.

(Nachdruck verboten.)

Es war im Monat Juli zur Kirmeßzeit in einem kleinen, südrussischen Städtchen, als die Linden blühten. Da hörte ich zum erstenmal im hellen Nachmittagssonnenschein an einer alten hopfenumrankten Kirchhofsmauer ein Lied über die Kosaken. Ein altes Heldenlied, wie sie wohl zu Homers Zeiten im lichten Griechenland von umherziehenden Rhapsoden gesungen wurden. Der Sänger, ein breitschulteriger, zerlumpter, alter Blinder sang es mit monoton-trauriger Stimme und begleitete seinen kläglichen Gesang auf einer schäbigen Bandura *); das vor ihm auf einer steinernen Treppenstufe hingekauerte, schwarzhaarige Bürschlein schlug dazwischen ein Tamburin.

Die interessante, balladenartigeDuma"2) erzählte in schillernden Farben den Raubzug der Kosaken gegen Konstan­tinopel und das traurige Los einer von den Türken geraubten schönen Russin. Das Lied begann auf ungefähr folgende

Flogen dort nicht schwarze Schatten über'» Duiepr?

Stumm ruderten die Bote tapfere Kosaken.

Wohin zogen sie in dunkler SmrmcSnacht?

Sie zogen gegen die goldenen Zinnen von Byzanz.

Reiche Beute zu suchen zogen sie hinaus, Blut'ge Rache zu nehmen an heidnischen Hunden.

Kleinrußtand, das Land der monotonen, unübersehbaren Steppen und der gesegneten schwarzen Erde, ist zugleich das Land des russischen Liedes und die Heimat der freien Kosaken.

Es ist erstaunlich, wie viel dort noch bis auf den heutigen

*) Bandura ist ein mandolinenartig-s, kleinrussischeS Instrument mit 20 Saiten.

O-Eo nennen die Kleinrusseu ihre epischen Volkslieder.

eine der Nr«, von 30016000 ausweisen, in der Zeit vom 24. Oktober bis 5. November 1904 stattznfinden hat.

Im übrigen verweisen wir aus die auf dem Steuerzettel aufgedrnSten Bestimmungen.

Hanau den 25. Oktober 1904.

Stadtkasse. 19993

Stadtkreis Kanau.

BelanMMachungen des Oberbürgermeisteramtes.

BekaNNtMachung.

Ein Betrag von 10000 Mk. aus Stiftungsmitteln ist sofort als erste Hypothek zu 4e/o auszuleihen.

Hanau den 25. Oktober 1904.

Der Magistrat.

I. A.: Wagner. 20140

Bus ßanau Stadt und Cand.

Hanau den 27. Oktober.

Historische Gedenktage.

27» Oktbr. 1742» Vertrag zwischen Hessen - Cassel und Kursachien, durch welchen die Aemter Frauensee und Landeck wiederkäuflich wieder an Hessen kamen.

§7. Oktbr. 1744 starb der Professor und verdient- hessische Eeschichtsschreiber Johann Adolf Harimann zu Marburg, gebürtig aus Münster, ehedem Jesuit, 1715 zur evange­lischen Kirche übergegangen.

27» Oktbr. 1764 starb Prinz Leopold von Hesfen-Därmstadt, kaiserlicher Feldmarschall-Leutnant, ein Sohn des Prinzen Philipp von der katholischen Abzweigung dieses Hauses, 58 Jahre alt, kinderlos.

27. Oktbr. 1813 wurde Cassel von allen Franzosen, welche sich seit 1807 in Scharen daselbst eingefunden hatten, meist in großer Eile und Hast, gänzlich geräumt.

Beamtsttper-'ssnal-Nachrichien.

Uebertragen: dem zum Ober - Regienmgsrat ernannten Prsvinzial-Schulrat, Geheimen Regierungsrat Dr. Paehler zu Cassel die erledigte Stelle des Direktors bei dem Königl. Proviuzial-Schulkollegium zu Cassel.

Utberwresen: der Regierungsassessor v. Grone aus Greeuc dem Landrate des Kreises Rinteln zur Hilfeleistung in ^^^^«^^^««Ba^^

Tag über die Kosaken erzählt und gesungen wird, und dieser vom Volke gedichtete Liederreichtum harrt nun eines greifen Homers, der ihn in unsterbliche Formen zu zwingen vermochte. Da werden ihre blutigen Kämpfe mit den Tataren- und Türken­horden mit grauenhaftem Realismus geschildert, oder ein alter Bauernrevolutionär singt, aber so, daß es diePany" (die Herren) nicht hören, von den großen Banernkriegen in Polen und deren gewaltigem Anführer, dem Hetman Bogdan Chmielmcki. Auch Maseppas romantische Erlebnisse werben er­zählt, wie er nackt von den Polen an einen wilden Renner festgebunden durch die endlose Steppe dahingeschleppt wird und wie er als greiser, ehrsüchtiger Fürst dcrUkraiiie an seinem Freunde und Gönner, dem Zaren Peter dem Großen, in der Schlacht bei Poltawa Verrat übt, eine Handlung, die den Kosaken unsäglich viel Elend gebracht ha!.' Gerne singt man dort auch die prophetischen Lieder des alten Sehers und Rhap­soden Wcruyhora und nicht selten verirrt sich vom fernen Don her, der jetzigen Heimat der Kosaken, ein Lied über den räu­berischen Helden-Ataman Stenka-Rasin, dem eine siegreiche Armee zu Gebote stand, über den dreisten Kosaken Pngatschew, der sich für den Zaren Peter den Dritten ausgab, und den kühnen Eroberer Sibiriens, den Amman German Tiinofejew Jermäk.

Die Kosaken haben eine romantische Vergangenheit und einen nicht minder romantischen Ursprung. Wer sie heute bei großen Straßenaufläufen in den russischen Großstädten sieht, wie sie zur Aushilfe der Polizei anf ihren gedrungenen häß­lichen Pferbchen mit den aus Lederriemen geflochtenen Nahajkas (Peitschen) das Publikum auseinander treiben, würde garnicht auf den Gedanken kommen, daß sie ihr Dasein hauptsächlich dem Dränge zur Freiheit und Ungebundenheit verdanken. Alles, was sich einstens in Polen und Rußland schlecht befand, Leute, die mit den Gesetzen in Kollision gerieten, Abenteurer, nicht selten aber auch Unglückliche, flüchteten nach dem an den Ufern des Dnieprstromes gelegenen Landstrich, der sogenannten Ukraina (Grenzland). Dort, anf dem zwischen Rußland,

den landrätlichen Geschäften, sowie zu dessen Vertretung wäh­rend der bevorstehenden Landtagssession.

Versetzt: der Landmesser Mord horst von Carlshafen nach Homberg unter Beauftragung mit Wahrnehmung der Oberlandmessergeschäfte, die Landmesser Roße zu Homberg, Lohmann zu Carlshafen und Hellwig zu Rinteln an die Kommisllon II für Güterkonsolidation zu Limburg a/Lahn, der Landmesser Paul von Treysa nach Melsungen, die Land­messer Kabus zu Eschwege, Herberger zu Rinteln, Rensch zu Caffel und Spormann zu Niederwildungen in den Geschäftsbezirk der Generalkommission zu Düsseldorf.

Entlassen: der außerordentliche Professor in der medizini­schen Fakultät der Unioersttät Marburg Dr. Enderlen.

* Verliehen. Dem Lehrer Schmidt in Langenselbold ist aus Anlaß seines 50jährigen Lehrerjubiläums der Kantor- titel verliehen worden.

* Personalien» Die Prüfung zum Eisenbahnassistenten bestand Weichensteller D e h n - R o t h f el s e r in Hanau.

Jubiläum. Am 1. November feiert, wie schon ge­meldet, Herr Lehrer Schmidt-Langenselbold sein 50= jähriges Dienstjubiläum. Der Verlauf des Festes ist folgen­der: Morgens 9 Hör Schulfeier im Turnsaal; danach Früh­stück im kleinen Saalezum weißen Roß". Um 12 Uhr Festgoltesdienst. Nach dem Gottesdienst Darbringung der Ge­schenke und Glückwünsche im kleinen Saalezum weißen Roß". Das Festessen beginnt um 2 Uhr im großen Saalezum weißen Roß". Auswärtige Herren, die sich am Festmahle be­teiligen wollen, werden gebeten, sich bei Herrn Lehrer B o s S- Langenfelbold zu melden.

* Ueber die Ausstellung in St. Louis. Am Montag abend berichtete im Pforzheimer Kunstgewerbeverein Herr Profeffor R. Rücktin über die Schmuck- und Feinmetall-Kunst auf der Ausstellung. Diese Abteilung gehörte in St. Louis nicht zu den reichhaltigsten, biete aber natürlich Interesse genug auch für längeres Studium. Der Vortragende beschränkte sich anf die Erwähnung des Neuen und Charakteristischen. Wie sich in den 4 Jahren seit Paris schon der Geschmack geändert, zeigen der von Gebr. Armbrüsier in Frankfurt nach dem Modell von Gaul in Schmiedebronze ausgeführte Adler und der stilisierte Löwenkopf von Möhring. Die Herstellung kirchlicher Geräte in Deutschland ist durch Aachener und Kölner Werkstätten vertreten. Hervorragend geschieht das unter anderem besonders von der Orivit-Kflellschaft in Köln, von welcher in Lichtbildern ein Ansstellungsschrank und ein auf der Huberprefse aufgezogener Becher vorgeführt wurden. Herr Nücklin knüpfte daran einige Mitteilungen über die Ver­wendung der Huberpresse, einer hurraulischen Presse, welche sich besonders für hartes Material, Silber, Kupfer, Messing, l**,,MMfcM»imvii.rfwB^s^^ iHiiMmiivrinmuMW^

Polen und dem türkisch-tatarischen Süden eingeklemmten Ge­biete war ihre Heimat, die sie gar oft blutig gegen die wilden Mongoleuhörden zu verteidigen hatten. Auf den schwer zu­gänglichen Inseln, an den Kaskaden des breiten, reißenden Dnieprstromes, der sich ins Schwarze Meer ergießt, befand sich das verschanzte Haupilagcr dieser heimatlosen Kriegergemein- schaft,die Sitsch", dort wurden die erbeuteten Schätze ver­wahrt, von dort aus unternahmen sie ihre Raubzüge gegen die Türken und Tataren.

Man hat oft die Kosaken mit den westeuropäischen Kriegs- Orden zu identifizieren versucht. Zwar sprechen dafür mehrere Aeußerlichkeiten wie die aus Nützlichkeitsgründen obligatorische Ehelosigkeit, die aber bei einer Gemeinschaft von Flüchtlingen nnd Abenteurern als selbstverständlich erscheint, jedenfalls ist die Verfassung der Kosaken und die nichtige politische Rolle, die sie als Bollwerk gegen die Anstürme deS Tatarentums spielten, «icht einem inneren, aus sich heraus entwickelten Be­dürfnis entsprungen, das in der Gesetzgebung einen passenden Ausdruck gesuchfl und gefunden hätte. Man muß vielmehr lediglich die äußeren Umstände als treibende Macht ansehen.

Es flehen an gewissen, felsigen Meeresküsten kleine unschein­bare Käfer, deren Lebensaufgabe darin zu bestehen scheint, durch die steinigen Massen nach allen Richtungen hin winzige Gänge^ zu bohren. Sie verbringen ihr ganzes Leben in dieser sonnenscheuen Tätigkeit, die nur dann unterbrochen wird, wenn sich die Wege zweier solcher Ingenieurevon Gottes Gnaden" kreuzen. ES entspinnt sich sodann ein Kampf, bis der stärkere den Schwächeren mit seinem harten Bohrrüssekck-e-l burd^W, um weiter zu wühlen. Diese kleinen rückuchis^n ^ bohrer sind die Vorarbeiter der Flut. W» ^ Widerstandskraft der Felsen, die von den wucht,gen der Brandung zerbröckelt werden. Rußland. St»

r D« »-» -AH-V-E « « d" Ä &£ K taJ -mäuolgt, den durch sie geschwächten starken Fels ' verschling t Die unermüdliche Kampfeslust der