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Drittes Blatt

Hanauer

EturuckaugsgeLühr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 1V Pfg. die säns- gefpalteuePetiizelle oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.,

LezugZpreiSr

Sierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betrefsenden Postaüfschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein. cv< Waisenhauses in Hanau.

AMtzes Grz« für §M- md Mürns Hms.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

im Rcklcnn euch eil die Zeile 25 Pfg. für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: <8. Schreck.« r in Hanau.

Nr. 122

Fernsßrechanschlnß Nr. 605»

Freitaa den 27. Mai

Fervsprechmsschluß Nr. 605»

1904

Amtliches. BekmmtMschrmg.

Eirrrichtrtng einer deutschen Postanstalt in Swatatt (China).

In Swatau (China) ist eine deutsche Psstanstalt einge­richtet werden, deren Tätigkeit sich auf den Briefpost-, Zeitungs­und Postanweisungsdienst sowie auf die Annahme und Aus­gabe von gewöhnlichen Paketen mit oder ohne Nachnahme erstreckt.

Ueber die Taxen und Versendungsbedingungen geben die Postanstalien auf Verlangen Auskunft.

Berlin W 66 den 21. Mai 1904.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.

K r a e t k e.

Caridkrets Danau.

Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.

Im Anschluß an die in Nr. 110 desHanauer Anzeiger" abgedruckte Bekanntmachung des Königlichen Regierungs­Präsidenten in Caffel vom 18. v. Mts. betreffend die Ein­richtung von Gesellenprüfungsordnungen für die Handwerke:

1) der Steinbildhauer,

2) der Holzbildhauer,

3) der Gipsbildhauer, Stukkateure, Gips- und Zementgießer,

4) der Grabstein- und Marmorhauer und -Schleifer bringe ich zur Kenntnis der Beteiligten, daß für die genannten Handwerke ein Prüfungsausschuß gebildet worden ist. Der­selbe erstreckt sich über den ganzen Bezirk der Handwerks­kammer in Caffel. Vorsitzender dieses Ausschusses ist der Steinbildhauermeisier Gustav Holtzmann in Caffel.

Hanau den 21. Mai 1904.

Der Königliche Landrat.

V 3563 v. Beckerath.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, in deren Gemeinden rc. Zu- U. Abgänge an Einkommen- und Ergänzungssteuer bis jetzt vorgekommen sind, wollen mir die vorgeschriebenen Kontrollauszüge alsbald ein­reichen.

Eine Anzahl. Bürgermeister rc. ist noch hiermit im Rück­stand.

Hanau den 24. Mai 1304.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St. 3007 v. Beckerath.

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Feuilleton»

Bilder aus dem Lande der ausgehenden Sonne.

Von Dr. Ludwig Kiest.

(Nachdruck verboten.)

VII. (Schluß der Serie.)

Ein Tag in einer japanischen Häuslichkeit.

Früh^aufstehen ist die Rege! in jedem japanischen Haus- im Sommer und Winter. Nur die kleinen Kinder über­läßt man dem ihnen so nötigen Schlaf noch etwas länger, wenn das donnerartige Geräusch des Beiseiteschiebens der Holztüren, die rings um die Veranda auf allen Seiten des Hauses Nacht- luft und Regen abgewehrt haben, sie nicht von selbst munter macht. Der jüngste Sprößling, der zwischen Vater und Mutter die Nacht verschlafen hat, wird von der Mutter, ohne sich stören zu lassen, auf den Arm genommen und in einer Ecke auf einem

'i)n hingebreiteten kleinen Lager , seiner Schlafsucht über- eP .^ines mit Gaze überspanntes Bambusgestellt hält ihm die Fliegen und den Morgenwind ab, sodaß sich niemand um ihn zu kümmern braucht, bis er sich selbst durch Schreien vemertbar macht. Für alle übrigen Familienmitglieder und ur die Mägde in einem abseits gelegenen engen Gemach be- W E Großmutter das Wecken, sobald die kleine amxrika-

Weckuhr neben ihr das Zeichen gibt oder sie selbst beim matten Licht »er neben ihrem Lager ausgestellten Nachtlampe »Sr^ bis zu der der Jahreszeit ange- neßenen Anfstehstunde voraerückt sind. Daß es lange dauert, k ^ett dienschen Anruf und Rütteln bemerken und sich

Augen gerieben haben, weiß sie aus Er- fahrung und laßt sie gerne gelten. Weniger zufrieden ist sie Schwiegertochter, die sich erst noch liegend dem am Kopfende des Lagers harrenden Tabaksgerät zuwendet und ein

Stadtkreis Danau.

BetaMtmachungen des OberbürgerAListeramtes.

BekÄNNtmachmtg.

Die in Verfolg unserer Bekanntmachung vom 22. April d. Js. vorgenommene Revision der Grabstätten und der sie umgebenden Wege auf ihre ordnungsgemäße Unterhaltung hat ergeben, daß eine große Anzahl Nutzungsberechligte unserer Aufforderung zur vorschriftsmäßigen Unterhaltung der Grab­stätten bisher nicht nachgekommen ist. Wir fordern nochmals zur ordnungsgemäßen Unterhaltung der Grabstätten auf, an­dernfalls wir nach § 9 Abs. c der Friedhofsordnung das Be­nutzungsrecht an den Grabstätten entziehen werden.

Hanau den 20. Mai 1904.

Die Friedhofskommission.

Dr. Gebeschus. 9717

Polititoe Rundschau^

Nachschub für SüSwesiafrrZa. Nach Südwestafrika rückt am 7. Juni wieder eine große Truppe aus: 31 Ofsi- ziere, 52 Unteroffiziere und 670 Mann. Von den Offizieren sind 22 Preußen, 4 Bayern, 3 Sachsen und 2 Württcm- berger. Die Mannschaften berühren diesmal Berlin nicht, sondern kommen vom 5. Juni an auf dem Truppenübungs­plätze zu Döberitz zusammen. Hier ist eine Bekleidungs- und Ausrüstungsbaracke errichtet, die unter dem Befehle des Haupt­manns Meydan vom 44. Infanterieregiment steht und die Truppe versorgt. Haupimann Meydan geht als Leiter des Bekleidungs- und Ausrüstungswesens auch mit nach Afrika. Von Döberitz marschiert die Truppe am 7. Juni abends mit einer Spandauer Regimentskapelle nach dem Bahnhof in Spandau, um von dort nach Hamburg zu fahren. Hier er­folgt die Einschiffung und Abfahrt am nächsten Tage. Dies­mal wird auch zahlreicher Proviant mitgenommen, Konserven, Reismehl u. f. w.

Aus Südwestafrika. Pater Nachtwey, Bruder des Schlächtermeisters Nachiwey in Osnabrück, sandte nach dort eine Feldpostkarte, datiert Okahandja, 19. April, folgenden Inhalts:Als Feldgeistlicher habe ich an zwei sehr schweren Gefechten gegen die unmenschlich blutdürstigen Herero am 5. und 11. d. M. teilgenommen. Noch nie hat man in Südwest­afrika einen solchen Kanonendonner gehört, als am 11., wo wir ein zehnstündiges Ringen mit den Schwarzen ausgehalten haben. Ohne Kanonen wäre keiner von uns entkommen. Ich kehre nach Wiudhuk zurück, wo Amtsgeschäfte mich hinrufen. Meinen Posten übernimmt ein anderer. Wir zählen 14 Tote und einige schwer Verwundete.

paar winzige Füllungen des Morgenpfeifchens mit sichtlichem Behagen durch Mund und Nase verpafft, ehe sie schnell auf« springt und in die Tagesordnung eintritt. Daß sie selbst früher, ehe das leidige Asthma sie zu plagen begann, sich ebenfalls diesem von den Japanerinnen so hochgeschätzten Rauchgenusfe bei nüchternem Magen hinzugeben pflegte, hat sie beinahe ganz vergessen; jedenfalls gilt ihr dieses sich jeden Morgen wiederholende Bild einer jungen Frau, die in der Zeit, wo sich die meiste Arbeit zusammendrängt, zwei bis drei Minuten mit Rauchblasen vergeudet, als einer der vielen Be­weise dafür, daß die Menschen immer schlechter werden.

Das Lösen des grünen Moskitonetzes, das fast das ganze Zimmer füllt und die ganze Familie in seinem Schutz barg, das Zusammenlegen der Steppdecken und der Kopfkissen aus Holz und Sammet und das Fortpacken von beiden in den Wandschränken hinter den Schiebetüren mit goldbetupften Tapeten geschieht in schleunigem Tempo, da zwei Mägde, die.Hausfrau, das älteste Fräulein und die Großmutter wetteifernd Hand anlegen. Die männlichen Familienmitglieder, die gewaschen und gekämmt mit ihren Zahnbürstenküsten aus dem Badezimmer zurück­kehren, das allen Hausbewohnern als Waschgelegenheit dient, finden schon die Matten frei, die kleinen Tischchen hingestellt' auf denen das Frühstück serviert werden soll, und die kleinen Sitzkisfen an Ort und Stelle, auf denen sie Platz nehmen werden, wenn alles parat ist. Für die Kinder und Mägde ist in einem Nebenraum der meist sehr großen und hohen Küche der Apparat von Tischchen, Tabletts, Eßstäben und Kohlen­becken zurechtgestellt, die in Japan zu der Hauptmahlzeit des Frühstücks gehören. Wenn die Magd den großen Kübel mit Reis hereinbringt, aus dem sie jedem, der ihr seine Schale reicht ein paar Kellen der kleberigen weißen Körner auffüllt, beginnt das Schlürfen, Schlucken, Kauen und Stäbchenklappern in einem beneidenswert schnellen Tempo. Es geht in willkürlicher Abwechslung immer hin und her zwischen 'der heißen salzigen Mi'osnppe, den Bohnenpräparaten und Omelettes, den Fischen nnd " Dem Seetang und dem Reis, der eigentlichen

Der Aufstaud irr Deutsch - Südwestasrika. Gouverneur Leutwein aus Windhuk: Die Hauptabteilung ist Anfang Juni marschbereit. Die Nordsbteilung (Zülow) hat am 23. Mai von Outjo den Weitermarsch angetreten. Die Kolonne v. Estorff steht bei Okamatangara. Die Haupt­masse des Feindes ist anscheinend bei Waterberg.

Zur Ueberreichung der deutschen Mariue- Ossiziersuuiform an den König von Spanien begibt sich nach derKiel. Ztq." der Inspektor der 1. Marine-Inspektion, Konter-Admiral Graf Baudissin im Aufträge des Kaisers nach Madrid.

Die handelspolitischen Unterhandlungen mit Lesterrerch-Ungaru werden in den ersten Tagen der nächsten Woche eingeleitet werden. Es ist zunächst für den 30. und 31. Mai eine vorbereitende Besprechung zwischen den deutschen und österreichisch-ungarischen Vertretern in Berlin in Aussicht genommen. Möglicherweise führt, wie dieSüdd. Reichskorresp." sich aus Berlin schreiben läßt, schon diese erste Aussprache so tief in die Verhandlungen hinein, daß man sie weiter fortsetzen kann, sei es bis zu einer etwa später not­wendig werdenden Unterbrechung, sei es schon gleich bis zur. Aufstellung des grundlegenden Entwurfs zu dem neuen Handelsverträge.

Deutsche Schiffsverkäufe an Rußland» Nach einer New-Porker Laffan-Meldung teilte der New-Dorker Ver­treter der Hamburg-Amerika-Linie Boas in einer Unterredung mit, daß Rußland gern den SchnelldampferDeutschland" von der Hamburg-Amerika-Linie kaufen möchte. Dem Dampfer sei jedoch unverkäuflich. Die Gesellschaft habe dafür den Preis von 25 Millionen Mark gefordert. Wir er weiter mitteilte, zahlte Rußland für dieAuguste Viktoria" 6 Millionen Mark, für dieKolumbia" 4 Millionen Mark, für den Fürst Bismarck" ebenfalls 4 Millionen Mark und für dieBelgia" 3 Millionen Mark. Rußland beabsichtigt dem Vernehmen nach, die Schiffe als Hilfskreuzer auszunützen.

Evang.-sozialer Kongreß. In der gestrigen Sitzung des 15. evangelisch sozialen Kongresses erstattete zunächst der Generalsekretär Pastor Lic. Schneemelcher-Rummelsburg den Jahresbericht, nach dem.der Kongreß 850 Mitglieder zählt. Sodann referierten Privaldozent Dr. L. Bernhard-Berlin und Fabrikbesitzer Freese-Berlin über das moderne Lohnsystem und die Sozialreform. Bernhard trat für Tarifverträge ein, Freese für Gewinnbeteiligung der Arbeiter. Nach der Früh­stückspause sprachen Fräulein Gertrud Dyhrenfurth-Berlin und Dr. Wilbrandt-Berlin über weibliche Heimarbeit. Darauf sprach Professor Dr. Harnack das Schlußwort, das in einem Hoch auf den Kaiser ausklang.

Die Delegiertenversammlung des Gesaint- Verbandes evangelischer Arbeitervereine wurde

piece de resistance, bis die sauber geleerte Reisschale zum letzten Male der Magd auf das entgegengehaltene Tablett ge­stellt und statt des Reises Tee verlangt wird. Denn mit einem heißen grünen Aufguß das reichlich genossene Frühstück herunterzuspülen, ist in Japan eine so feststehende Sitte, wie das gesegnete Mahlzeit wünschen nach einem demschen Diner.

Die Hausfrau hat aber auch höhere Wichten nicht ver­gessen. Von * dem Familienschrein, auf dem die Glücksgötter thronen und über dem eine grotesk gezeichnete Darstellung des feuerumrahmten Fudo'ama als Hängebild an der Wand prangt, hat sie die Messingbecher frisch mit Reis gefüllt, eine Räucher- ttange angezündet und händeklatschend die Götter gerufen, da­mit sie sehen, wie sie hier hockt, sich tief verbeugt und empov- blickend ihr Gebet hinaufschickt zu den Himmelshöhen. Ein Töchterchen unterstützt sie in der frommen Handlung, indem sie einige frisch gepflückte Blumen aus dem ©arten in den Ständer tut, der zu den Altargeräten gehört.

Nach dem Wegräumen wird es Zeit, baß die Kinder, be­sonders die^Töchter, Toilette machen für die Schule. Enrs- päiscke Strümpfe, Kleider mit Aermeln ohne das altjapanische Gehänge, ein rotbrauner geteilter Rock mit Miederfortsatz über dem voluminösen Gürtel ist die jetzt in allen japanischen Mäd­chenschulen eingeführte Uniform, weil bei dem viel betriebenen Turnen und Spielen nur diese Tracht ungenierte Bewegungen gestattet. Dann kommt die Plage des Haarmachens, bei der in kinderreichen Häusern fast alle Mägde Hand anlegen müssen und die Kinder sehr viele Wünsche äußern über daS Papier, die Bänder, den Kamm und die kleidsamen Schmucknadel«, die sie zu tragen wünschen. Die Bücher werden in die farben- präcbligen Tragetücher eingeschlagen, das Frühstück wird irr Schächtelchen und Kästchen zierlich verpackt und in gestrickte Be­hälter getan, an der Ausgangstür werden die Stiefel angezogen und fort geht's unter Verbeugungen und frohen Abschieds- grüßen auf das Straßengewimmel, wo sie sich jeden Tag mit Genossen treffen und begegnen, den verschiedene« Schulen zu wo die Kinder bis in den Nachmittag hinein fesigchalltn wer-