Erß-S Blatt
Danauer W Ameiger
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SesottirootiL Redakteur: G. Schrecker in Hau au.
FernsßreckaMluß Nr. 605
Donner^laa Jpn 24. März
Fernfprechanschluß Nr. 605.
1904
Amtliches.
OÄNÄkreLs hanau.
Bekanntmachunsien des KöniA Landratsamtes.
Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikel 83 Nr. 2 der Anweisung vom 6. Juli 1900 zum Einkommensteuer- und Ergänzungssteuergesetz veranlasse ich die Herren Bürgermechter und Gmsvorsteher des Landkreise», die erforderlich werdenden Altsfalllisten über Einkommen- und Ergänznngsstener in doppelter Ausfertigung nebst Unterlagen <Vfä"di7nqsprotokolle, Dersteigerungsprotokolle u. s. w.) am Schlüsse dieses Monats der Königlichen Kreiskaste einzureichen.
Hanau den 22. März 1904.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.
8t. 1743 J. A.: Lehseldt, Rea.-Assestor.
Mus Stadt und £and,
Hanau, 24. März.
AttS dem Gerichtalaal.
Sitzung der Strafkammer II vom 23. März.
Der D-Zug-Unfall bei Langenselb o ld.
Am 11. Februar v. I. entgleiste in der Station Langen- selbold der 3.56 Uhr nachmittags dort durchfahrende Berlirr- Frankfurter D-Zug, was einen bedeutenden Materialschaden und geringfügige Verletzungen einiger Reisenden zur Folge hatte. Daß der Unfall so glimpflich abgclanfen, ist vielleicht nur dem Umstände zuzuschreiben, daß die Lokomotive sich loS- riß und auf dem richtigen Geleise weiterfuhr, während erst die folgenden Wagen entgleisten. Die Räder halten sich tief in den Erdboden gebohrt und die Verbindungsgänge der einzelnen Wagen waren eingedrückt. Die Schienen lagen zerknickt und gebogen umher. Ein mitfahrender Passagier gab damals von den ersten Eindrücken des Unfalls folgende Schilderung: ^Die Lokomotive selbst blieb auf dem Geleise, aber gleich der nächste Wage entgleiste, wodurch auch die übrigen Wagen aus dem Geleise sprangen. Die Wagen stellten sich sämtlich schief nach der linken Seite und ihre Räder wählten sich tief in die Erde ein. Eine sehr starke Erschütterung pflanzte sich durch bie Sßagen fort, die Quertüren auf den Gängen fielen zum Teil heraus und die ^Wageninsassen wurden tüchtig durcheinander- geschüttelt. . Im «Speisewagen, dessen Tische losgeristen wurden, gab es einige leichtere Verletzungen. Die Passagiere gelangten mit einem Hilfszug mit einer Verspätung von fast zwei Stunden nach Frankfurt. Als Kuriosum wurde erwähnt, daß einer der Passagiere Langenselbold als Reiseziel gewählt hatte. Da der D-Zug dort nicht hält, hätte er bis Hanau fahren und von da mit einem späteren Zuge zurückfahren müssen. Der Unfall hattedem Mann diesen Umweg erspart," Wegen dieses Unfalles, aus dem unter anderen Umständen leicht ein großes Unglück hätte entstehen können, sind ange- llagt der Bahnmeister Heyer von Hailer, der Stations- verwalter Neumann von Langenselbold und der Stellwerk- schlosser Hellwing von Gelnhausen. Den beiden ersten Ange- kl^gten wird zur Last gelegt, daß sie als Beamte unter Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten, dem Hellwing, daß er durch Bereitung von Hindernissen fahrlässig einen Eisenbahntransport gefährdet, schließlich allen drei Angeklagten,daß sie durch Fabr- 'äistftkeil dieKörperverletzung mehrererunbtkannter Reisenden verursacht haben. Die beiden ersten Angeklagten sind schon lange Jahre, der Stellwerkschlosser erst kürz°re Zeit im Elienbahndienst. Der Unfall war dadurch herbeigesührt worden, daß an dem Haupt- Gleise I, das ber fragliche Zug befährt, eine neue, nach rechts abgehende Weiche eingebaut wurde und das linke Zungeustück dieser Weiche an der Backenschiene anlag, bezw. beim Durch- fstbren deS ZugeS sich heranschob. Der kurz vorher durch, sa rende Güierzug Nr. 6802 war glücklich über die Unfall- stelle gekommen, der nachfolgende D-Zug entgleiste. Die Er- W'erung über die technischen Einzelheiten nimmt einen breiten Jiaum ein. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist bei dem Einbau der Welche unsachgemäß und den Vorschriften zuwider verfahren worden, sonst hätte der Unfall nicht vor- ^ommen können. Der Siellwerklchlosser hätte das Montieren o^r Leiche neben dem Geleise vornehmen und vor dem Ein- aufkn emcs Zuges beim Anbringen der Weiche das linke Bungenstück herausnehmen müssen. Beides ist nicht geschehen, >e>mehr nahm der Schlosser die Arbeiten an dem liegenden
■ c .^ AIS der Zug hcrankuhr, sprang der Schlosser das Geleise und versuchte, das anliegende linke Zungeustück 'Ä1*111' was ihm aber, da der Hakenverschluß schon an- ü acht war, nicht mehr gelang. Er konnte noch wenige
Meter vor dem heransausend^n Zug wieder heraus'pringen und wäre fast tetgefabren worden. Ein Weichensteller war dem Zug entgegenzrlausen und hatte versucht, den Zug zum Halten zu bringen, aber ohne Eri-lg. Das Verschulden des Bahnmeisters liegt nach dem Gutachten der Sachverständigen darin, daß er die unsachgemäße Arbeit an < er Weiche zuließ und keine Aenderung befahl. Ferner, daß er den Schlosser während des Einbauens nicht beaussichtigte ober aber ihm einen vereidigten Stellvertreter beic.ab, der die richtige Befolgung der Vorschriften hätte überwachen müssen. Ferner hätte er die Pflicht gehabt, der Station zu melden, daß diese gefährliche Arbeit vorgenommen wurde. bann hätte diese nach ber weiteren Beschrift die einfahrenden Züge jedesmal zum .Halten bringen müssen; hierdurch wäre eine Kontrolle über eoti. Mängel am Geleise und ein langsames Einfahren des Zuges gewährleistet worden. Der Stationsverwalter, der sah, daß am Geleise Arbeiten vor- genommen wurden, hätte so viel Interesse besitzen und von selbst sich vor dem ©Inlauten des Zuges überzeugen müssen, ob an der Stelle, an der gearbeitet wurde, alles in Ordnung war. Es wird getadelt, daß Station und Bahnmeister so wenig Hand in Hand arbeiteten. Der Bahnmeister erklärt auf die Anklage, daß er die Arbeit, so wie sie ausgeführt wurde, nach seiner Erfahrung für die praktischere hielt, er sei ferner dienstlich so in Anspruch genommen zeimsen, daß ihm eine ständige Ueberwachung unmöglich war. Der Station sei die Vornahme ber Arbeit bekannt gewesen, er habe sie also nicht ausdrücklich zu melden brauchen. Der Stationsverwalter erklärt, daß ihm keinerlei dienstliche Meldung von der Vornahme der Arbeit gemacht wurde. Er habe von seinem Bureau aus bie Strecke übersehen können und habe bemerkt, daß der Holz- keü zwischen dem iivkeu Zunseastück und bei HarPilKeLue lag, roa? ihm als genügende Sicherung erscheinen mußte. Der Stellwerkschlosser will sich ebenfalls ke-nes Brrst»ßes schuldig gemacht haben, da er durch das Einschlägen des Holzkeiles das Zungeustück obgerückt habe. Während der Verhandlung wurde noch Herr Stdienfcuorüeber Arrnds »ou hier als Sachverständiger aelaben, weiter über das Verschulden des Langen- selbolder Stalionsverwa iers ein Gutachtru abgab. Dieser ist im G^enjatz zu den übrigen Sachverstä-digen der Meinunr, daß den Angeklagten keine Schuld treffe. Der Station»; vermalter hätte die ob-n erwähnte Dorichr-st, sich vor dem Einlaufen eines Zuges jedesmal an Ort und Stelle zu überzeugen, ob keine Gefahr vorhanden sei, gar nicht aus führen können, da er d-nn bei dem lebhaften Verkehr sie ein Pferd hätte rennen müssen und ihm zu feinen Bureauarbeiten keine Zeit übrig geblieben wäre. Da er daS Geleise übersehen konnte, so mußte ihm das, war er tal'ächlich wahrgenommen hat, als genügende Sicherung erscheinen.
Die Serfanblung wurde hierauf abgebrochen. Das Gericht nimmt heute mittag einen Augenschein in Lsugenselhold ein.
Veamtenpersonal-Nachricht m.
Ernannt: der Priostdozent in der philosophischen Fakultät der Universität Marburg Professor Dr. Schaum zum außerordentlichen Prof ssor, der außerordentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Marburg Dr. Haller zum ordentlichen Professor, der Pfarrer Glintz er zu Ottrau zum Pfarrer in Berna, Klasse Homberg, und der Pfarrer Metz zu Herrenbreitungen zum Pfarrer in Möllenbeck, Klasse Rinteln, der Referendar Nußbaum zum Gerichtsassessor.
Bestätigt: der Leutnant a. D. von Kupsz zu Rinteln zum Bürgermeister der Stadt Rotenburg a. d. Fulda auf die Dauer von 12 Jabren.
Versetzt: der Regierungssekretär v. Inzer sieben von Oppeln nach Gaffel.
* Versetzt der Stations-Assistent Rüdiger von SlLlio. Hanau-Ost hier vom 1. April ab als Güterexpedient nach Offenbech.
• Durchschnittspreise. Der Durchschnüt der höchsten Tagespreise für Fourage beträgt mit einem Aufschlage von 5 vom Hundert für den Monat März 1904 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für .Hafer 7 Mk. 26 Pfg., für Heu 3 Mk. 47 Pfg., für Stroh 2 Mk. 10 Pfg. pro Zentner.
* Z-kch-likursus. Der im Königl. Gymnasium hier- selbst im letzten Vierteljahr an 10 Tagen unter Leitung des Herrn Zeichenlehrers Mangold fiattgefunbene Kursus für Lehrer an Volks- und Mittelschulen zur Einführung in den vom Kullusministcriiim veröffentlichten Lehrplan für den Zeichtn- iinierricht wurde gestern beendet. An demselben beteiligten sich 37 Lehrer und Lehrerinnen auS dem Stadt- und Landkreis Hanau und der Stadt Gelnhausen. Die Unterweisungen, welche jedesmal durch einen Vortrag eingeleitet wurden, befaßten sich in auSgiebiger Weise mit der schulgemäßen Be
arbeitung von bestimmten Zeichenausgaben und boten zuletzt den Teilnehmern Gelegenheit, unter Aufsicht des Leiters sich in der zeichnerischen und malerischen Darstellung von Gegenständen selbst zu üben. Dem Unterrichte lagen nachgenannte Themata zugrunde: 1) Da' Zeichnen nach dem Gegenstände. 2) DaS Zeichnen aus dem Gedächtnisie. 3) Das freie Pinsel- yitbnen. 4) Die Farbentreffübungen. 5) Das Skizzieren. 6) Das Linearzeichnen. 7) Der zeichnerische Ausdruck im Dienste unterrichtlicher Deranschaulichung. Da das Zeichnen nach den der Wirklichkeit entnommenen Gegenständen (Lebensformen) wohl die wichtigste Neuerung der Reform bildet — die bei der seitherigen Ausbildung der Lehrer sehr zurückrat — so wurde bei den praktischen Uebungen auf das Nachbilden der Natur das größte Gewicht gelegt, und damit erfuhren die Teilnehmer eine auffallende Förderung ihres bisher weniger ousgebildeten Darstellungsvermögens. Entgegen der seither im Zeichenunterrichte der Volksschule üblichen einseitigen Verwendung von Bleistift und schwarzer Kreide, wurden die Kur- ststen den neuzeitlichm Forderungen gemäß mit dem Gebrauche von Kohle, farbiger Pastellkreide und Wasserfarben vertraut gemacht. Der Leiter bemühte sich fortgesetzt durch Vorführung eigener Arbeiten und solcher seiner Schüler den Teilnehmern eine klare Einstcht in den methodischen Aufbau und die verschiedenen Darstellungsweisen zu verschaffen. Der Eifer und die Freudigkeit, womit bie Lernenden stets am Werke waren, mögen dem Seiler bie beste Anerkennung seiner tüchtigen Leistung fein. Ein weiterer Beweis für das rege Interesse, welches Herr Mangold für die neue Zeichenlache zu erwecken wußte, | bietet dir Gründung einer Zeichenlektion innerhalb der KreiSlehrervereine Hanau und Gelnhausen, die sich auch weiterh-n der Förderung der Kunst widmen wird. — Es ist somit durch den beendeten Kunus ein bedeutender Schritt getan, den in der Gegenwart so sehr betonten und grade für unsere engere Heimat so überaus wichtigen künstlerischen Bestrebungen in der Schule Eingang zu verschaffen.
* StadtPerordn-ten-Sitzung. Die für heute abend angelegte Sitzung ber Stadtverordneten - Versammlung beginnt um 5 U5r mit einer vertraulichen S'tzuna.
* Sprechstunde des Gewerbe-Inspektors. Der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda wird am Montag den 28. d. Mts., von 12—1 Uhr mittags, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
* Kursirs für Aepfelweinproduzente«. Am 11. April beginnt an der Großb. Obstbauschule in Friedberg i. H. ein Kursus für Aepfelweinfabrikanten und dauert bis zum 16. April. Während desselben wird die Produktion des Aepfel- weins, Gährungserscheinungen, Kellerbehandlung, Krankheiten usw. an den Vormittagen besprochen, während an den Nachmittagen Uebungen stattfinden. Näheres ist durch die Direktion zu erfahren.
* Als ein vorzügliches Schnepfeujahr wird das Jahr 1904 in der Erinnerung der Nimrode bleiben. Die Schützen bringen meist mehrere Exemplare der delikaten Sang* schnäbler als Beute mit nach Hause.
* Meinser-Konzert. Wir verweilen an dieser Stelle nochmals auf das heute abend in den Sälen der „Central- balle" stattfindende 2. Abonnements-Konzert deS Weins'schen Gesangvereins, wozu als Solisten Fräul. Frida Carl (Klavier) und Herr Adolf Müller (Bariton) — zugleich Dirigent deS konzertgebenden Vereins — aus Frankfurt a. M. gewonnen sind. Der Anfang des Konzertes ist' auf 7 Uhr festgesetzt. Eintrittskarten sind in den beiden Hof- buchhandlungen sowie abends an der Kaste zu haben.
* Benefiz Urban. Wie schon berichtet, gelangt morgen Freitag Scköntdan und Koppel-Ellfeld's reizendes Derslustkpiel „Renaissance" zum Benefiz für Frl. Urban zur Aufführung und wurde das hübsche Werk von Herrn Dir. Jaritz aufS sorgfältigste neu inszeniert. Die Dorproben laben schon vor mehreren Tagen begonnen und dürfte eine besonders gute Darstellung zu erwarten sein, umiomebr, als sämtliche Rollen in den besten Händen liegen. Die beliebte Benefiziantin wird den „Viltorino" geben, eine dankbare Partie, in der sie alle ihre Vorzüge in glänzendster Weise entfalten kann. Die „Marcheia" spielt Frl. Burchard und setzt ihre schöne Erscheinung schon vorher eine treffliche Verkörperung dieser Rolle voraus. Als „Silvio" hat Herr Merker Gelegenheit, sein vorzügliches Können zu gebrauchen, und der Pater und Magister werden durch die Herren Gebrmann und Krug wiederum aufs Beste vertreten sein." Die „Jsotta" spielt Frl. Jirsak. Die Prachtrolle der „Mirra" wird Frl. Heidenfels geben und die „Coletia" Frl. di Ranucci. — Jedenfalls ist eine künstlerisch abgerundete, prädjnge Vorstellung zu erwarten, bie einen zahlreichen Besuch des Ehrevabends unserer beliebten Munteren, die gleichzeitig zum levten Male auftrilL voraussagen läßt.