Erstes Blatt
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General-Anzeiger.
AmUiihts OlM fit ÄM- «nb LmRms K»M
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene PÄtzelle oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: H. SchreLer in Hanau,
Nr- 45
FerustzrechmsKIuß Nr. 605
Dienstag den 23. Februar
Fernsprechanschluß Nr. 605
1904
Amtliches.
Candhms hanau.
Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.
An die PolizeibehSrden des Landkreises.
Es sind Zweifel darüber geäußert worden, ob es gestattet ist, in Ställe, Gehöfte oder Ortschaften, welche wegen des Auftretens von Viehseuchen gesperrt worden sind (§ 22 216s. 1 des Reichsmehseuchengesetzes) Tiere, die für die Seuche empfänglich sind, einzuführen. Die Frage ist durch ein Urteil des Reichsgerichts vom 4. Oktober 1898 im verneinenden Sinne entschieden worden.
Die Polizeibehörden werden daher angewiesen, bei der Anordnung von Sperrmaßregeln wegen des Auftretens übertragbarer Seuchen auf das Verbot des Einbringens von seuchen- empfanglichen Tieren in den gesperrten Bezirk ausdrücklich hinzuweisen.
Hanau den 16. Dezember 1903.
Der Königliche Landrat.
V 9740 v. Beckerath.
Nach Mitteilung des Großherzogl. Hess. Kreisamts Büdingen ist in der Gemarkung Altwiedermus die Schwekneseitche erloschen und die Gehöftsperre aufgehoben worden.
Hanau den 20. Februar 1904.
Der Königliche Landrat.
V 1243 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Stadtkreis hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Der Keller unter der Turnhalle der Eberhardschule ist als Lagerkeller zu vermieten. Der Raum ist 21,48 m lang, 11,74 m breit und 2,20 m hoch und besitzt 2 Nebenräume von 13 nnd 16 qm sowie 2 m breiten Zugang von der Röderstraße aus.
Besichtigung durch Vermittelung von Schuldiener oder Heizer der Eberhardschule. Angebote mit Angabe des Mietpreises bis zum 27. d. Mts an den Magistrat.
Hanau den 19. Februar 1904.
Der Magistrat.
J. A.: Wagner. 3501
Feuilleton«
III Kammmnusikavend der Frankfurter Quartettvereinignng.
#T Hauau, 23. Februar.
Der III. Kammermusikabend der Frankfurter Quartett- oereinigung (Herren Hock, Dippel, Allekotte und A p p u n n) reihte sich würdig den vorhergegangenen an. Die Frankfurter Quartettvereinigung hat wieder eine glänzende Probe ihres Könnens abgelegt, sowohl in technischer Schulung, als auch im gereiften Erfassen und in der Darbietung tief empfundener und lebensvoll gespendeter klassischer Tonkunst. Es ist ein prächtiges Zusammenspiel, das die Vereinigung zeigt. Jedes Instrument scheint in selbstloser Hingabe sich an das andere gleichsam anzuschmiegen; eins will das andere ergänzen, unterstützen, heben und so bildet sich ein Ensemble von wunderbarer, Herz und Gemüt erquickender Harmonie, von edlem Schmelz.
Den Rahmen des Abends bildete Beethooen'sche und Haydn'sche Musik, erstere mehr ernsteren, letztere mehr heiteren Charakters. — Betrachten wir zunächst das Streichquartett „l's-ckur" des Titanen der Tonkunst, L. van Beethoven, etwas näher. Wie erklang das „Maestoso" so rund und schön, bald in breiten Orgeltönen, bald in Engelsstimmen, bald in klagenden, dem tiefen deutschen Gemüt entquollenen Tönen! — Es reihte sich das von Dust getragene, mehr einem volltönenden Gelänge gleichende „Adagio" an. Im „Scherzando vivace" (Presto) fanden die Herren der Quartettvereinigung reichlich Gelegenheit, ihre treffliche Technik zur Geltung zu bringen. Das „Finale", auf den Motiven der vorhergehenden Teile in etwas fußend und dieselben gleichsam nochmals zusammenfassend, verlieh dem 1- Teil des Konzertes einen wür-
Edietalladnng.
Heinrich Rupp und Wilhelm Karl Kupp, beide zu Erbstadt, haben beantragt, das in der Gemarkung Höchst a. d. N. liegende, auf den Rainen Daniel Rupp zu Erbstadt stehende Grundstück:
Flur III Nr. 47, Wiele, die Margarethenwiese, 1663 qm, auf ihre Namen zu überschreiben.
Demgemäß werden alle, die auf das Eigentum des angeblich durch Ersitzung und Vererbung erworbenen Grundstücks Ansprüche erheben zu können glauben, aufgefordert, solche
bis 20. März l. Js. hier anzumelden und zu begründen, widrigenfalls die zum Eintrag nötige Urkunde ausgestellt wird.
A l t e n st a d t den 20. Februar 1904.
Grotzherzogliches Amtsgericht. 3476
Mus Stadt und £and.
Hanatt, 23. Februar.
Historische Gedenktage.
24. Februar 1786 wurde Wilhelm Grimm zu Hanau geboren.
[:] Der Anssielltmasführer durch die Gewerbe- ausstellung Fulda 1904 ist bereits in Vorbereitung. Der geschäftsführende Ausschuß hat die für den Katalog gegebenen Dispositionen des Prefseausschusfes gutgeheitzen und denselben ersucht, das nötige Material zu beschaffen. Der Ausstellungsführer wird eine hübsche AuSsratmug erhalten und inhaltlich so gediegen gestaltet werden, daß er als Andenken an Fulda bleibenden Wert haben wird. Der Führer soll enthalten kurze Abhandlungen über die kulturhistorische Entwickelung des Handwerks im Bezirk Cassel bezrs. dem ehemaligen Kurfürstentum Hessen und im besonderen eine Abhandlung über die Entwickelung des Handwerks in der Stadt Fulda. Für die Bearbeitung dieser interessanten Themas sind bereits Autoren gewonnen worden, die sich speziell mit diesen Studien befaßt haben. Weiter wird der Führer eine Topographie von Fulda mit dem Stadtplan bringen; der Text soll mit Bildern und Ansichten von Fulda reichhaltig ausgeschmückt werden. Für das Verzeichnis der Aussteller in den verschiedenen Gruppen der Ausstellung ist ein besonderer Teil vorgesehen. Da dieser Ausstellungsführer ein ganz hervorragendes Reklame- mittel für die Geschäftswelt zu werden verspricht, hat der Pr-sseausschuß nicht außer acht gelassen, demselben auch einen Anzeigeuanhano anzufügen. Anzeigen können jetzt schon auf-
digen Abschluß. — Die 3. Abteilung zeigte Haydn'sche Musik.
Das Streichquartett „6-äur" (Kaiserquartett) war auf viel- seilige« Wunsch wieder auf das Programm gesetzt worden. Es begann mit dem leicht geschürzten, man möchte sagen jugendkrischen „Moderato." Dann folgte die bekannte Melodie der österreichischen Nationalhymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser!" als Thema mit mehreren Variationen. Die einfache, fast naiv kindliche Empfindungsart Haydns, die sich namentlich im Thema offenbart, übt stets eine ergreifende Wirkung auf die Zuhörer aus. Es liegt ein so wunderbarer Schmelz über diesem Tongebilde, und die Herren der Quartettvereinigung haben Thema sowie Variationen mit soviel treuer Hingebung und Gemütstiefe zum Vortrag gebracht, daß ihnen vollste Anerkennung für ihre treffliche Darbietung gezollt werden soll. — Das nun folgende „Menuett" ist eine allerliebste Musik. Denkt man sich nun noch die zierlichen Rokkokofiguren dazu, so ist das Entzücken voll. In dem den Beschluß machenden „Finale" (Presto) ließ sich ebenso wie in dem des 1. Teiles die treffliche Technik der Quartettvereinigung erkennen.
Eine angemessene Abwechslung erfuhren die Darbietungen durch die Liedervorträge der Konzertsängerin Frl. Alice Aschaffenburg aus Frankfurt a. M. Dieselbe verfügt über eine treffliche, gut geschulte etimme, breit und ergiebig in der Tiefe, edel und ungeschminkt in der Höhe. Diese j guten Eigenschaften werden noch gehoben durchweine brillante ; Aussprache. Die Lieder „Heimlicher Llebe Pein", mit einfacher aber ansprechender Begleitung von C. M. v. Weber ausqc- findet, ferner „Ein Schwan", von dem nordischen Lieder- I komponisten Edward Grüg, eine etwas eigenartige Empfindung ! offenbarend, und das Brahms'sche Ständchen, dessen Begleitung vom Komponisten in breiten Stricken aufgesetzt ist, iodaß sich die Melodie desto drastisilier abbebt, brächte Frl. Alice Aschaffenburg mit warmer Empfindung angemessen zum Vertrag und erwarb sich dadurch reichen Beifall. ' Ganz allerliebst waren auch die beiden iranzöst'chen 9 eher aus der Schäferzeit: „Bergere legere* ur^ „jeunes tillöttes." —
gegeben werden. Nähere Auskunft über Einrichtung des An- zeigenanhanges und der Preise erteilt bereitwilligst der geschäfts- führende Ausschuß der Gewerbe-Ausstellung Fulda.
* Frau Helene Leisler f. Gestern verstarb im begnadeten Alter von 84 Jahren Frau Helene Leisler, die Gattin des früheren Teppichfabrikanten Leisler. Der Heimgang der Genannten erinnert an eine in Hanau einst blühende Industrie, die Teppichweberei, die in den ausgedehnten Räumen der in der Nordstraße belegenen ehemals Leisler'schen Fabrik, in der sich jetzt eine Zigarrenfabrik befindet, ihr Heim hatte. Frau Leisler war auch durch ihren Wobliätigkeitssinn bekannt und hatte für die Armen und Notleidenden stets eine offene Hand. Ehre ihrem Andenken!
k. Kuustiudustrke-Vsrein. In der Aula der Zeichen- akademie sprach gestern abend Herr Dr. Alfred Koppen über: „Eine Wanderung durch Pompeji." Ausgehend von dem Untergang dieser ehemals blühenden Stadt, entnommen auä den Briefen des jüngeren Plinius an Tacitus, und der mit großer Begeisterung auf genommenen Entdeckung der Trümmer entwarf Redner ein Bild von diesem italienischen Gemeinwesen der alten Zeit. An der Hand von trefflichen Grundriffen und Lichtbildern wanderten wir durch das mächtige Seetor durch die Straßen der Stadt, besichtigten das Forum und die zahlreichen öffentlich ausgestellten Kunstwerke. Besonderes Interesse boten die schon zur damaligen Zeit höchst angesehenen großen Bäder. Auch blickten wir in das Innere der menschlichen Wohnstätten, insbesondere der Großen der Stadt. Die Wandmalereien, die Skulpturen und die aufgestellten kunstgewerblichen Gegenstände boten Anziehendes und Belehrendes. All dieses blühende Leben war in kurzer Zeit dem Untergänge geweiht, die gut erhaltenen Trümmer nur noch zeigen kümmerliche Spuren von dem ehemals so reichen Leben. Der Vortrag bot große Anschaulichkeit und hohes Interesse. Reicher Beifall lohnte wohlverdient den Redner.
* Oratorisnveretn. Wir kommen gerne dem Wunsche nach, mitzuteilen, daß die Probe dieser Woche erst Donnerstag (nicht heute) den 25. d. Mts. in der Oberrealschule statisindet.
* Dramatisch-literarischer Verein. Die großen Vorbereitungen, welche der „Bunte Abend" erfordert, machen eine kleine Verschiebung notwendig und findet die Veranstaltung nunmehr definitiv am Montag den 29. Februar statt.
8. Der elremaliqe DSerpositpraktikant Wagner vor dem Kaiserlichen Disziplinarhof. Vor dem Kaiserl. Disziplinarhof in Leipzig, diesem höchsten Gerichtshof für Beamte, wurde gestern unter dem Vorsitz des Präsidenten des Reichsgerichts, Exzellenz Dr. Gutbrod, im Gebäude des Reichsgerichts, der Fall verhandelt, welcher den Oberpost- praktikanten Richard Wagner aus Hanau betraf und IMIB«IMmHKMm»l^^
Hier konnte die Künstlerin ihre Ge'angstechnik und sprachliches Talent in vollstem Maße entfalten. Das als Zugabe gespendete altdeutsche „RäNellied" wußte sie ferner dramatisch anszugestalten. Die BegteiiAnq der Lieder hatte Herr Gustav Aschaffenburg aus Frankfurt a. M. übernommen, welcher sich seiner Aufgabe aufs beste entledigte.
Die Frankfurter Quartettvereinigung kann mit Stolz auf den gestrigen Abend zurückblicken und des Dankes der Konzert- besucher für den dargebotenen Genuß gewiß sein.
Baromsterstand
23-/2.
Schön
Veränderlich
Regen (Wind)
mittags 12 Uhr am 22./2.
Sehr trocken
Beständig
760
740
Sturm
730
720
710
710
Alvumblätter.
Jeder Irrtum hat drei Stufen:
Auf der ersten wird er ins Leben gerufen, i Auf der zweiten will man ihn nicht eingestehen, Auf der dritten macht nichts ihn ungeschehen.
GrillMrzsr.