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Drittes Blatt

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Atudt und verlegt in der Buchdruckern des »ereilt. kv. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Derantwortl. Redakteur: 6. Schrecker in Han«,

R. 19

genftntMW Nr. 605

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Samstaa den 23. Januar in.....llllmll^lMMM^^^^^MlBW!

Fernsprechauschluß Nr. 605

1904

Amtliches. Leihbank Hanau.

Einlagen auf Sparkassenbücher und Schuldverschreibungen werben mit

3H Prozent verzinst. Einlagen, die in den ersten drei Tagen des Monats gemacht sind, werden vom ersten beweiben Monats verzinst. Ausleihung von Darleben gegen hypothekarische Sicherheit.

Zinsfnf; 4° o ohne Verzugszinsen.119

politischer MocKenbericKt.

In gewohnter, feierlicher Weise ist der preußische Landtag eröffnet worden. Eine große Freude wurde allen Patrioten dadurch bereitet, daß der König die Thronrede selbst verlas. Denn das ist der beste Beweis, daß die Krankheit, die ihn an der Eröffnung des Reichstages hinderte, spurlos verschwunden ist. Erfreulich ist auch der Inhalt der Thron­rede. Aus allen Parteilägkrn klingt die Befriedigung heraus, daß sich die Finavz°n des Staates in au'steigender Linie be­finden und dau das Rückgrat des Eiais, die Staaiseiien- bahnen, erhebliche Ueberschüsse abwerfen. Die meisten gesetz­geberischen Aufgaben sind von vornherein der Zustimmung des Landtags sicher.

Das hat schon die Ausnahme gezeigt, die die E t a t s r e d e des F in a n z m i n i st e r s, Frhrn. v. Rhe>nbaben, im Abgeordnetenhaus? fand. Die Rede war vollendet nach Form und Jnhali. Der Minister beleuchtete auch die kleinsten Einzelheiten des Etats in lichtvoller Weise und wußte die unendlichen Zahlenreihen zu beleben und zu packenden Bildern zu gestalten. Ueber all kam es zum Ausdruck, daß er da, wo es noth ist, eine offene Hand bat: vor allem für die Kultur­aufgaben und für die nationale Politik in den Ostmarken. Einen tiefen Eindruck machte auch das, was der Minister über das Verhältnis der Industrie zur Landwirtschaft sagte: der inländische Markt sei für die Industrie der sicherste; es müßten da^er alle Kräfte angespannt werden, um die Landwirtschaft existenzfähig zu erhalten und ihr den Schutz durch Zölle zu gewähren, dessen sie bedarf.

Noch mehr als der preußische Landtag na^m der Reichs­tag das Interesse in Anspruch. Die Darlegungen des Grafen v. Bülow über den Herero-Aufstand haben den Ernst der Lage in Südwest-Afrika enthüllt. Es war unter diesen Verhältnissen die Pflicht der Regierung, so schnell wie lich Hilfe zu bringen. Mit Tatkraft u- b Entschlossenheit ist sie dieser Pflicht nackg^kommen. Schon ist ein Marine-Expedi­tionskorps auf dem DampferDarmstadi" unterwegs ein

Feuilleton.

Die gesündeste Weltstadt.

Berlin hat vor allen Großstädten der Erde, denen es in Schönheit und Anziehungskraft mit Erfolg nachzueifern be­mühtest, den Ru'm voraus, die gesündeste Weltstadt zu sein. Die Sierblichkeuszabl beträgt etwa 16,1 auf 1000 Einwohner, und nur eine G oßstadt, Brüssel, steht in dieser Beziehung mit Berlin auf annähernd gleicher Stufe. In London sterben jährlich i8,ß, in Paris und New-Dork 18 4 bezw. 18,7 von WOO Vertonen. Noch ungünstiger sind die Gesundheitsver- häl'msse in W en und Rom. die eine Sterblickkeitsziffer von 19,4 und 21 9 aufwei en, aber die schlechtesten Aussichten auf eine lange Lebensdauer bestehen für die Einwohner von St. Petersburg, wo 23 To^es'alle auf 1000 Bewohner kommen. Die niedrige Zoll der Sterbefälle, die Berlin te ls seiner ge­sunden Lage, teils seinen musterhaften sanitären und sozialen Einrichtungen verdankt, kommt erst dann zur rechten Geltung, wenn man berücksichtigt, daß in der Hauptstadt des deutschen Re ch s, in der doch die industrielle Tätigkeit außeroidentlich stark eniwick.lt ist, die Sterblichkeitszahl erheblich niedrigw ist als in andern Ind istriestädlen. Beispielsweise zeigen die großen englischen Industriezentren durchweg eine zum Teil bedeutend höhere Sterblichkeit, die mit der wachsenden Bevöl­kerung Schritt zu hatten scheint. So sterben in Nottingham und Bristol, die 243 200 bezw 334 600 Einwohner zählen, 17,6 bezw. 17,9 von 1000 Personen, in Sbefield mit 418 000 Einwohnern bereits 18,4, in Leeds mit 437 000 Einwohnern 19 2, in Birmingham mit 528 000 Einwohnern 20,1, in Manchester mit 550 000 Einwohnern 22,3 und in L'verpool mit 692 000 Einwohnern sogar 24,1 von 1000 Per'onen.

Auch in der Zunahme der Geburten steht Berlin unter

Beweis für die Umsicht und die Schlagfertiakeit unseres Heeres. Weitere Truppen werden bald folgen. Hoffentlich kommt die Hilfe recktz-itig, um viele Hunderte von Weißen und die müh­sam erkämpften Früchte der Arbeit zweier Jahrzehnte vor dem Untergänge zu bewahren. Mit seltener Einmütigkeit bat der Reichstag die Mittel bewilligt. Eine Ausnahme machten nur die Sozialdemokraten. Wie vor 34 Jahren sie allein im Reichstage den frevelhaften Mut hatten, ihre Zustmmung zu verweigern, als im Kampfe gegen Frankreich die Krieae kosten oeforbert wurden, so empfahl jetzt der Abg. Nebel Enmm- Enthaltung, wo es sich darum handelt, unseren Angehörigen im schwarzen Erdteil Schutz und Hilfe gegen raub- und mordlustige Wilde zu gewähren.

Noch in anderer Weist hat die Sozialdemokratie im Reichs­tage gezeigt, daß sie aller patriotischen Gedanken und Emp­findungen bar ist. Die russischen Anarchisten stellte Bebel alssehr barmlost Leute" hin, und daß sie trotzdem von der Regierung in Deutschland nicht geduldet werden, nannte er eine Barbarei, eine Schmach und Schande vor der ganzen Kulturwelt. Den Ausländern, die hier friedlich ihr Brot suchen, legen die Behörden nichts in den Weg, wohl aber suchen sie solche Elemente von uns abzusckütteln. die das Gastrecht mißbrauchen, indem sie revolutionäre Pläne und Mordan'chläge vorbereiten. Jeder vernünftige Mensch muß es billigen, daß lo'cbe verdächtige Indiv'due« sorgsam über­wacht und in dem Augenblick, wo sie sich als lästig erweisen, über die Kreuze geschoben werden. Mit vollem Recht er­innerte der Slü-nss kreiär des Auswärtigen daran, daß alle zivilisierten Staaien ein gemeinsames Interesse daran hätten, die anarchistische Gefahr zu unterdrücken.

. In Ostaiien scheint durch die Worte, die der Zar beim NeuiahrS-Empfang an die Vertreter des Kaistrs von Japan gerichtet hat, eine entscheidende Wendung herbeige'ührt zu sein. D>e aus russischen Quellen stamm-nden Berichte atmen Friedens- zuveisibt, die durch englische Meldungen über den angeblich zweifelhaft n Wert der russischen Zugeständnisse an Jrpan nicht erschüttert werden kann.

Canchvirtichaftlicbeg»

Wochenbericht der Berliner Prodnktenbörie. Die nordamerikanljcken Märkte haben auch in der am 20. Januar beendeten Berichtswoche ihre feste Haltung bewahren können, die Weizenpreise haben dort sogar eine weitere inS G wicht fallende Steigerung erfahren. In Europa ist man aber nur in geringem Maße der Bewegung gefolgt. Nord­amerika ist nicht mehr, wst in frühern Jahren, allein aus­schlaggebend für die Gestaltung des Weltgetreidehandels. Der in raschem Zunehmen begriffene Eigenbedarf dieses Landes

den Großstädten, ebenso wie Deutschland unter den Gioß- machlstaaten an erster Stelle. In dieser Beziehung befindet sich neben Paris auch London in recht ungünstiger Entwick­lung. Die aufsteigende Bewegung der Geburtsziffer, die in den Jabren 18511880 zu beobachten war, hat seitdem einer flirt, rückläufigen Entwicklung Platz gemacht. Statt 35,4, wie in dem Dezenium 18711880, betrug bi- durchschnitt­liche Zahl der Geburten nur noch 33 2 auf 1000 Pe-sonen; 1891 bis 1900 erfolgte eine neue Abn hme auf 30,3 Ge­burten aber der Rückschritt hielt an imb erreichte im Jahre 1902 den bisher leisten Stand der Geburtsziffer von 28 5 Geburten auf 1000 Lebende. Man kann deshalb die Be rechnungen nach denen Berlin mit seiner Bevölkerungszabl London und Paris dereinst überholen wird, unter der Bm aussetzung, daß das gegenwärtiae Verbältuis der Giburlen- Ueberschüsse andauert, als zu Reckt bestehend anschen.

Zur unblutigen Revolution.

Die Umwälzung im Transportwesen im Ersatz lebendiger Pferdekräfle durch motorische Kräfte schreitet langsam und stetig weiter, aber unaufhaltsam wie ein Naturgesetz. Langsam, und doch, wenn man's richtig betrachtet, ra'cker und sprunghafter, als es den konstrvativ veranlagten Elementen, z, B. den Stadtgemeinden machmal lieb sein maa.

So hat der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. in den nächstjährigen Ausgabeetat eine Position von 55000 Mk. für Einrichtung eines Reservelö chzuges der städtischen Feuerwehr mit automobilem Betrieb eingestellt. Und damit ist der An­fang zu einer allmählichen Ganzumgestaltnng des Feuerlö ch- wesenS, was die Be'pannung b trifft, gemacht. Was die aus­schlaggebenden Personen zu diesem Schritte veranlaßte, ist leickt ersichtlich: eS ist die rapide Zunahme des Stadtgebietes. Durch die Streckung der Verk-Hrsabern, die Durchlichlunq der Altstadt und umfassende Vergrößerung der Stadt durch Einge­meindung der Vororte wird die Sorge um die Feuersicherheit s

schwächt seine Aussubrfählgkeit, und in gleichem Maße wächst die Bedeutung der übrigen für die Versorgung Europas mit Brotfrucht in Betracht kommenden Gebiete. Argentinien scheint vermöge seiner von Jahr zu Jahr b-trächtlich steigenden Weizen- produktion als bestimmender Faktor für die Preisgestaltung am Weltm"^kie Nordamerika den Rang streitig zu machen. Jeden­falls t die Rücksicht auf die große Ernte dieses gewaltigen südamerikanischen Gebietes die Preissteigerung in New-Dork und Chi'aqo an den europäischen Märkten nicht recht zur Geltung kommen. Allerdings bietet sich für eine spekulative Tätigkeit im Getreidehandel zur Zeit keine geeignete Grund­lage. Nirgends zeigt sich ein dringender Bedarf, da das letzte Jahr im allgemeinen eine außergewöhnliche Frucktbarkeit ge­zeigt hat. Australien ist in der Lage, sehr beträchtliche Mengen Weizen dem Weltmärkte zur Verfügung zu stellen, während dieser Erdteil im Jabre vorher einer Zufuhr bedurfte. Auch Ostindien zeigt sich als Verkäufer von Weizen am Weltmärkte. Und dabei ist der Bedarf der europäischen Konsumländer dies­mal wesentlich geringer. Namentlich Italien braucht wegen eigener vorzüglicher Ernte im Verhältnis zum Vorjahr nur eine geringe Zufuhr. Das einzige Land, dessen Bedarf «esent- .lich höher ist, dürfte England fein. Hier hat sich für den be­deutenden Weizenüberschuß Südrußlands ein willkommenes Absatzfeld gefunden. Bei die'er Lage des Weltmarktes zeigte auch der Getreidebandel am Berliner Platze eine ruhige Haltung. WHzen gewann im Anschluß an die amerikanische Preis­bewegung */* Mark, aber Roggen konnte wegen reichlichen Jnlandsangebots seinen Preisstand knapp behaupten. Hafer ist infolge der großen letztsährwen Ernte überreichlich zur Ver­fügung und gab daher namentlich im Brotgesckäst nach. Mais hat sich infolge des kältern Wetters im Preist befestigen können, auch für Lieferung stellten sich unter dem Einfluß der amerika­nischen Märkte dst Notierungen etwas höher. Die Preise für Mai-Lieferung stellten sich schließlich wie folgt: Weizen 168,50 Mk., Roggen 136,25 Mk., Hafer 128,00 Mk., Mais 111,00 Mark.

Preist des städtischen Schlachtvieh-Marktes. I. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts, höchstens 7 I. alt 6973 Mk., b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausq-m stete 6468 Mk., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 6062 Mk., d) gering genährte jeden Alters 5558 Mk. II. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 6569 Mk., b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 6264 Mk., c) ge­ring genährte 5862 Mk. III. Kühe: a) vollfleischige aus- gemäslete Kühe höchsten Schlacktwenes, höchstens 7 Jahre alt 5862 Mk., b) ältere ausgemästete Kühe und weniger gut ent­wickelte jüngere Kühe 55 57 Mk., c) mäßig genährte Kühe 5053 Mk., d) gering genährte Kühe 4548 Mk. IV. j^ESMMMBBMMMDMMBMBaMMBMMWMBCgararriiHIIIII «MI

der Millionen werten auf-eftapelten Güler, der Gebäude und Kunstschätze immer größer und um so eindringlicher die Mahnung zur Sicherung der Tausende von Menschenleben.

Trotzdem Frankfurt mit seiner vortrefflich organisierten Feuerwehr bisher allen Anforderungen gerecht werben konnte, zeigte es sich, eben durch die immense räumliche Vergrößerung, daß die vorhandenen Stationen nicht zahlreich genug sind. Das viel kleinere Bremen hat si ben Feuerwehren, während Frankfurt deren nur drei bat. Diesem Uebelstand entgegenzu« treten durch größere Mobilisation der Wehr erscheint darum als leitender Gedanke; was aber die Stadt sonst noch tun will zur Erhöhung der Feuersicherheit, gehört nicht in den Kreis unserer Betrachtung. Jedenfalls darf der Entschluß, einenmobsien" Lösckzug in Dienst zu stellen und so den Außenseiten" die Nachrruhe zu stärken, freudigst begrüßt werben.

Gerade die in den Tagen vom 19. bis 27. März d. J. in der Landwirlsckafllichen Halle in Frankfurt a. M. vorge­sehene Jniernalianale Aniomobil-Ausstellung wird in dieser Schiebung auikiärend wirken. Denn neben den taufenden von dem modernen Verkehr angepaßlen D hikeln, den Luxusfahrzeugen des Millionärs, dem Familienwagen des reichen Bürgers, Omnibussen e tutti quanti werden ja auch automobile Feuerwehr n uertreten bezw. ausgestellt sein. Den zu Siudicn- zwecken herbeigeeilten Stadivätern und ihren fachmanniscken Beratern wird sich zweifellos ein weites Feld instrukliver Bc- l hrung und Vergleichnng bieten.

In ver chiedenen Stählen des In- und Auslandes, «w Paris usw., sind bereits automobile Lösckzüge mit Spritzen, Netlungs. und Mannichafiswagen vn Gebrauch; I« sich alle bestens bewährt. In Köln a. Rh. wird Jett Oktober v. Js. eine von der bekannten Feuerwehrgerate- Fabrik C. D. Magirus in Ulm a. D. gebaute aviomobile Dampffeuerspritze erprobt. WaS diese bisher endgültig in­stallierten und probeweis eing-stellten Mobile für einen nach­weisbar praktischen Nutzwert hatten und welche Folgerungen für die Zukunft im automobilen Wagenbau der Fachtechniker