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Erstes Blatt

an auer M Anzeiger

BezugSPreiS:

-Vierteljährlich 1,80 Mk., monEich 60 Pfg., für auZ- isärtige Abonneutm mit dem betreffenden Poffaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

AHnM und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev, Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ sät Mt- und KandKreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Für f;

Emrückungsgebühr:

d Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf«

gespaltene Petüzciie oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Ncktarneutheil die Zeile 25 Pfg^

für Auswärts 35 Pfg.

V-rantwortt. Redakteur; G. Schreck er in Hanau,

W. 15

Fernsprechanschluß Nr. 605.

Tienstaa den 19. Januar

Fernsprechanschluß Nr. 605

1904

Amtliches.

Candhms hanau.

Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises mache ich daraus aufmerksam, daß meine Kreisblattverfüaung vom 3. Mai 1893 V 4763 betreffend die Auffindung von Finnen bei geschlachteten Rindern und Kälbern, außer Kraft getreten ist.

Hanau den 14. Januar 1904.

Der Königliche Landrat.

V 330 v. Beckerath.

Nach Mitteilung des Großherzogl. Kreisamts Friedberg ist in der Gemarkung D o r h e i m die Schweinepest er­loschen.

Hanau den 15. Januar 1904.

Der Königliche Landrat.

V 345 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadtkreis hanau.

BekalmtMKchmmen des OberdiirqermeisieramLeS.

Bekanntmachung.

Aus der Keonhnrd Mager'schen Stiftung soll den Statuten gemäß an einen Dienstboten, der wenigstens 10 Jahre bei einer und derselben Familie in der Stadt Hanau ged'ent und sich durch Treue, Fleiß und sittliches Betragen ausge­zeichnet bat. eine Prämie verabfolgt werden, welche für dieses Jahr 40 Mark betragen wird.

Bewerber um dieselbe haben ihre Dienstzeugnisse nebst Ge- findebuch bis zum 2. Februar d. Js. auf dem Rathauje abzugeben.

Hanau den 13. Januar 1904.

Der Oberbürgermeister.

. Dr. @ e b e f d) u 6. 1282

Konkursverfahren.

Das Konkursverfahren über das Vermögen des Gärtners Heinrich Wilhelm Emmerich in Kesselstadt wird nach ersologer Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben.

Hanau den 13. Januar 1904.

Königliches Amtsgericht 5. 1243

Feuilleton*

Das Kirchdorfs mit Frauenkirche und Kirchhof im Mittelalter.

Die kürzlich abgehaltene Monatsversammlung des hiesigen Geschicht?v:rcins bot ein ganz besonderes lokaigeschichtltches Interesse durch einen ebenso lehrreichen wie anregenden Vor- trag des um die hiesige Lokalforschung so hochverdienten Herrn Stadtban-ates I. P. Tbyriot überDas Kmsdorff mit Frauenkirche und. Kirchhof im Mittclalter." Wie bifinden uns in der angenehmen Lage, den Hauptinhalt dieses interes­santen Vortrages unseren Lesern im folgenden mitteilen zu können.

Nur wenige Karten und urkundlich feststehende Ereignisse geben Auskunft über das am Ende des 16. oder besser am anfang des 17. Jahrhunderts vollständig verschwundene Kintzdorff", die auf demselben gestandene Frauen­kirche und den im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts außer Benutzung genommenen Kirchhof; trotzdem doch die Kirche und der Kirchhof von besonderer religiöser und wirt­schaftlicher Bedeutung für die alte Stadt Hanau gewesen waren und es ist eine um so verdienstlichere Leistung, das Wenige in übersichtlicher Weise zusamm-n;ustellen und den sich dafür Jnterelsterenden zur Kenntnis zu bringen. In grünü- licher Weise wurde von dem Vortragenden zunächst die Um­gebung der Burg, der W si-delunz und der alten Stadt Hanau beschrieben und durch Höhenzahlen über Pegelnull, die umgebenden Gewässer, deren A u s n ü tz u n g, aber auch deren nachteilige Beeinflussung in übersichtlicher und faßlicher Weise dargestellt. Dann wurde die Lage des Kirchhofes . kartenmäßig nachgewiesen und festgestellt, daß die Kinzigausmündung im 13. und 14. Jahrhundert nicht an der heutigen Stelle in den Dlam erfolgte,

Handelskammer zu Hanan.

Plenarfitzuna

am 20. Januar 1904, nachmittags 4^ Uhr, im Sitzungssaal der Handelskammer (Lladtschloß).

Tagesordnung:

1. Konstituierung der Handelskammer.

2. Festsetzung des Etats für das Rechnungsjahr 1903/04.

3. Erstattung des Jahresberichts für 1903.

4. Mitteilungen.

5. Gesetzentwurf betreffend den Verstcheruugs-Verirag.

6. Amtsgerichtsgeböu>e in Fulda.

7. Verkehrsangeleaenheiten.

8. Wahl eines Mitgliedes und deffen Stellvertreters für den Bezirkseisenbahnrat Frankfurt.

9. Vertrauliche Sitzung. 1278

Der Vorsitzende. Der Sekretär.

C a n t h a l. ________ Dr. Schulte.

Gefunden:

1 goldenes Kreuzchen mit dem gekreuzigten Christus auf dem Wege von Hünengesäß nach dem Bahnhöfe. Eigentümer kann dasselbe gegen Erstattung der entstehenden Unkosten bei dem Bürgermeister in Hüttengesäß in Empfana nehmen. 1284 Gefundene und verlorene Gegenstiinde re.

Gefunden: Auf der Ortskrankenkaffe 1 Portemonnaie mit Inhalt liegen geblieben; Empfangnahme daselbst, 1 Müll­eimer, 1 Korallen-Kollier.

Verloren: 1 Trauring (gez. A K 1897), 1 Jrva- lidenkarte Nr. 11 für Johann Alter aus Düsseldorf, 1 große schwarzbraune Pelzmanscheite.

Zugelaufen: 1 junger schwarzer Rehpinscher. Hanau den 19. Januar 1904.

Hus Stadt und Land.

Hanau, 19. Januar.

* Verliehen. Bei dem vorgestrigen Ordensfest erhielt weiter Hauptmann C u n i tz im Infanterie-Regiment Hessen- Hombura Nr. 166 den Roten Adlerorden 4. Klasse.

* Ländliches Fortbilvnnflsschulwesen. Dem Abgeordnetenhaule ist ein Gesetzentwurf zugegangen, der den Gemeinden der Provinz Hessen-Nassau das Recht gibt, durch statutarische Bestimmung für die aus der Volksschule ent­lassenen männlichen Personen unter 18 Jabren für daS Winterhalbjahr die Verpflichtung zum Besuche einer ländlichen Fortbildungsschule zu begründen. Der Entwurf ist auf Heflen- sondern indirekt in den I-tzteren etwa an derjenigen Stelle in d e n M a i n k a n al , wo sich zur Zeit das Zollamt befindet. Zwischen dieser Stelle und dem Dammweg lag das Kintzdorff (Dorf an der Kinz) und aus diesen und andern ge­nannten Gründen war es deshalb, wie aus verschiedenen Urkunden hervoroing, auch möglich. daßBauholz von Maintz ausgeladen am Kintzdorff" zutreffend erscheint, entgegen schon erfolgtet Delöffent!.chn»gen, welche die Loge des Kinzdorfes zwischen die jetz-ge Ausmündung des Mainkanals und die Hallerbrücke angeben.

Südlich des kleinen Fischerdorfes lag die Marienkirche, des­halb Frauenkirche genannt und um die letztere der Kirchhof. Die Bewohner des Dorfes waren mit ihren Einnahmen auf die Grafenburg und die bei derselben niedergelassenen adeligen Familien angewiesen und das mag mit Fischverkauf und Schifferoienste nicht viel gewesen sein. Außerdem litten ihr be­scheidener Bodenbesitz und sie selbst alljährlich durch Ueber« schwemmung des Maines, lag doch das Dorf unter dessen Mitt-lwasserhöhe, so daß s-lbst bei gutem Willen ein wiri- -cho'tlicher Aufschwung ausgeschlossen war. Sie zogen deshalb hinauf nach Anbanau und der zurückgebliebene Rest ihrer Be­sitzungen wurde4504durchpfalzburgi'cheReiter vollständig zerstört. j der Kintzdorffkirchbof behielt ab rauch nachher seine Bedeutung für die Alte Stadt Hanau, denn die letztere hatte ja keinen Tatenlos und der erstere lag so nahe, auf ihm stand die Mutterkirche, die mit tausend Erinnerungen die Bewohner an sich fesselte. Er war von der Dietr chspsorie oderKintz- dorffcrihor", dem Ausgang der Heutiaen Marktgafse, durch einen 4 Ruten breiten Weg der mit Pwüen und Holmen einge- friedigt, deren Zwischenräume mit Flecktwerk von Reisig und Dornen ausgefüllt waren, leicht erreichbar. Dieser Hauptweg führte nach Steinbeim und in der Mitte zweigte ein mit Schlag­baum versehener Seitenweg ab nach Westen nach der Frauen­kirche und dem Kirchhof.

Die Leichen wurden in einem parallelepipedischen Kasten von rauen Brettern,Lichkar" genannt, eingebettet und auf

Rassau beschränkt, weil in dieser Provinz das ländliche Fort­bildungsschulwesen besonders entwickelt ist. Die Hessen» nassauischen Kommunalbebörden und der Provinziallandlag haben wiederholt die Einführung des Schulzwanges für diese Schulen empfohlen, da die Schulen sonst ihren Zweck nicht erreichen können. In anderen Provinzen sind die Verhältnisse für die Einführung deS Schulzwanges, wie die Begründung der Vorlage aussührt, noch nicht geeignet und reif.

* Kranken- und Begräbniskaffe des Kaufm. Vereins zu Frankfurt a. M., e. H. Nr. 157. Von dem Vorstände dieser Kasse geht uns folgende Berichtigung zu:Die in der Nr. 14 gebrachte Notiz: Die Kranken- und Begräbniskasse des Kaufm. Vereins zu Frankfurt a. M. ge­nüge nicht m hr, um von dem Beitritte von einer Ortskranken« tafle zu befreien, weil sie versäumt habe, unter Einreichung eines geänderten Statuts erneut die Genehmigung laut § 75a des K.-V.-G. nachzusuchen, und sämtliche versicherungspflichtigen Mitglieder würden zwangsweise der Orlskrankenkofle zugeführt, ist vollständig unwahr und wir behalten uns vor, gegen den Urheber und Verbreiter dieser Mitteilung, den Verband deut« scher Handlungsgehülfen in Leipzig, vorzugehen. Unsere Satzungen mit den erforderlichen Aenderungen sind schon am 15. August 1903 zur Genehmigung eingereicht und sind auch genehmigt. Untere Kasse genügt nach wie vor, um von dem Beitrille au einer Ortskrankenkaffe zu befreien.

* Stadttheater. Gastspiel Baprhammer. Morgen findet, wie schon berichtet, daS Gast'piel des Herrn Baprhammer alsBerent" in Björnson's:Fallisse­ment" statt. Das hochinteressante Werk des berühmten nordischen Dichters zeichnet sich durch eine spannende, ergreifende Handlung, besonders aber durch eine wunderbare Charakter­zeichnung aus. Neben dem bewährten Gaste, der in der Rolle desBereut" eine glänzende Aufgabe zu lösen hat, werden hervorragend b schäftigt sein die Damen: Jirsak, Heiden­fels, Urba n, And die Herren: Fink, Merker, Becker und Gehrmann. Ein sehr interessanter Theater-Abend ist bestimmt zu erwarten.

* Fußballsport. Für den vergangenen Sonntag hatte die I. Mannschaft deS I. Hauauer Fußballklubs1893" die gleiche Mannschaft des Frankfurter FußballklubsHermania" zu einem Welt piel auf dem Sport-platz erstgenannten Vereins vor der schönen Aussicht engagiert. Vom schönsten und für Ausübung dieses Sportzweiges günstigem Wetter begleitet, nahm das Spiel, welches ziemlich spannende Momente aufzu- weisen hatte, einen glänzenden und vor allen Dingen ruhigen Verlauf. Dasselbe legte wiederum Zeugnis ab von der Taktik und Präzision, mit deren die Hanauer Mannschaft ausge- stattet ist, und ist es lediglich nur diesem Umstände zuzu- schreiben, daß die93er" der FrankfurterHermania" mit

einem Karrengeyn Kintzdorff gefahren". Der Totengräber erhielt für Grab zu machen, für Bretter zum Lichkar sowie Transport nach dem Kirchhof in heutigem Geld 5 Mark. Da­gegen wurden auch vornehme Bestattungen auszeführt und die sehr genau beschriebenedes Geistlichen Herrn Clasen" er­forderte nach heutiger Währung:

Für Grab, Lichkar und Geläute . ... St 3.66

Prozession, Vigilien, Wachskerzen, Geistlicher 58.34

Jmß im Wirtshause ...... 22. zusammen M. 84.

Die Beerdigung Erwachsener fand 1504 einen Tag nach dem Hin scheiden, von Kindern nach dem Todestage statt. Die Ausfindung von Grabsteinen bestätigen aber auch einen hohen Grad von Kunstsinn und geben durch sinnige Worte dem Schmerz und der Trauer über den Dahingegangenen Ausdruck, wie vorgelegte photographi^che Aufnahmen dartun. Sie wurden in der StraßeVor dem Sleinbeiwertor" bei Ausführung der städtischen Entwässerung aufgefunden, wo sie bei der 1809 erfolgten Anlage der Straße, die bedeutend höher als das Nebengklände lag, vom Kintzdorikirchhof hin uettarti wurde«.

(Schluß folgt.)

Albumblätter.

Entpfonge hier, was ich Dir lang bestimmt;

Dem Glücklichen kann eS an nichts gebrechen,

Der dieS Geschenk mit stiller Seele nimmt: Aus Msrgenduft gewebt und Sonnenklarheit, , Der Dichtung Schleier auS der Hand der Wachen.

Die Heimat ist der Erde schönster Raum i Heinr. Kruse.

Nur Liebe darf der Liebe Blumen brechen/ Der schönste Schatz gehört dem Herzen an, Das ihn erwidern und emosinken kann. Schiller.