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Erstes Blatt

Verantwort!. Redakteur: S. entertet in H«m«,

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vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auS- zoärtige Monnenten mit dem betreffenden Popausschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg..

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespalten« Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Erdrückt und verlegt in der Luchdruckerei des verein, ev.

Wag'mhaujcZ in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 13

Fernsprechanschluß Nr. 605

Samstag den 16. Januar

Ferns-recharrschluß Nr. 605.

1904

Hue Stadt und Cand.

Hanau, 16. Januar.

Historische Gedenktage.

16» Januar 1646* Kapitulation der Besatzung des Schlosses zu Marburg unter dem Hessen - darmstädtischen Obersten Wittich vor dem belagernden hessen-cassel'schen General Geise. Wegen dieser Kapitulation wurde der alte brave Oberst Wittich vor ein Kriegsgericht gestellt und zu Gießen enthauptet wie man damals behauptete und nicht un­wahrscheinlich ist mehr aus Rache, als aus Gerechtigkeit. 17. Januar 1458 starb zu Spangenberg Landgraf Ludwig der Friedfertige, einer der bedeutendsten Regenten, welche Reffen gehabt hat, fast 56 Jahre alt. Denkwürdig ist besonders der glänzende Sieg des jungen Landgrafen bei Großenenglis über das Heer deS Erzbischofs von Mainz, Konrad, geborenen Wildgrafen bei Rhein, unter dem Befehl des Neffen des Erzbischofs, Gottfrieds, Grafen von Leiningen.Da war so erzählt ein hessischer Chronist, welcher die Begebenheiten von einem, der die Schlacht mitgemacht, vernommen hatte Bischof Konrad zu Fritzlar und hatte ein groß Hofwerk bei einan­der, und unterstund sich den jungen Landgrafen zu be­schädigen, und meinte, er wäre noch ein Kind. Aber der junge Fürst (von 25 Jahren) gedachte dargegen, und be­warb sich mit seinen Hessen, edel und unedel, Bürger und Bauern, daß er ein ziemlich Volk zusammen brächte, und ließ da die Feinde beschauen und ihre Macht Über­schlagen; da erfand stch's in Wahrheit, daß die Mainzi- schen den Hessen viel zu stark waren. - Aber der Landgraf sprach aus männlichem freien Mut:sie haben meinem Vater nicht Frieden gelassen, der war ihnen zu fromm; gewohneten sie das an mir, so müßte ich ihnen allezeit zu Dienste sitzen als ein Zinsmeier und meine armen Untertanen müßten sich nähren und keinen Frieden dazu haben. Heute Landgraf oder keiner mehr! und wer ein getreuer Hesse sein will, der folge mir und hieb damit auf den Feind als ein Un­verzagter. Da folgten ihm die Seinen mit Treuen und brachten die Feinde in die Flucht, und schlugen sie von Fritzlar gegenüber neben Englis bis gen Je sberg, und die Hessen gewannen von dem Bischof von Mainz 400 gesattelter Pferde und fiengen ihm ab 200 reisiger Mann."

* Der Kommunallandtag für den Reg.-Bezirk Cassel Yr lautNeichsanz." zum 22. Fcbr. b. I. nach der Stadt Cassel einberufen worden. Hiernach bestätigt sich unsere vor einigen Wochen gebrachte diesbezügliche Meldung.

Feuilleton

2. Abonnementskonzert des Oratorien- oereins.

Hanau, 16. Januar.

EinSchubert-Abend" war es, der letzten Donnerstag rin zahlreiches Publikum im Saale der Turngemeinde ver- sammelte und mit Recht größtes Interesse erregte. Als Solisten waren gewonnen Frau Elisabeth Wohlfarth von hier und Herr Konzertmeister Ferdinand Schleicher aus Bremen. Erstere verfügt über eine glockenhelle, wohlausgc- glichene Sopranstimme, die eine gute Höhe aufweisi. Zwar erschienen uns im Anfang vonMirjams Siegesgesang" manche Töne etwas dünn und spitz, doch mag dies nur auf eine leichte ^Befangenheit zurückzuführen sein. Im übrigen fand diese Solopartie eine recht gute Wiedergabe. Außerdem sang Frau WohlfathIm Abendrot",Gretchen am Spinn­rad" undDas Heidenröschen", von denen uns namentlich letzteres durch seine sinnige, schlichte Vortragsweise sympathisch berührte. Auf den wohlverdienten Applaus dankte die Solistin mit einer Zugabe.

Als zweiter Solist war Herr Konzertmeister Schleicher lütig, und lernten wir in ihm einen ausgezeichneten Geiger und wohlgeschulten Sänger kennen. Als erster unstreitig be­deutender spielte er den 2. unb 3. Satz aus dem A-dur. Konzert von Mozart, eine Nocturne von Chopin und Perpctuum mobile von Ries mit großer Reinheit und Süße des Tones. Inniger Vortrag bei der Nocturne, virtuose Technik im Perpetuum inobile kennzeichneten den geschmackvollen und gediegenen Künstler. Den reichen Beifall lohnte er mit einer Zugabe. Als Sänger mutete uns der Solist sehr durch seine wohlausgeglichene, weiche, wenn auch nicht große Stimme

* Wallonische Kirche. Der auf morgen angekündigte Gottesdienst in französischer Sprache muß verschoben werden und findet wahrscheinlich nächsten Sonntag statt.^

Hanau und das Servisgesetz. In dem dem Reichstage zugegangenen neuen Servisgesetz hat Hanau bei der Klasseneinteilung nach Mitteilung unseres Reichstags- Abgeordneten Herrn Dr. Lucas die ersehnte Versetzung in eine höhere Klasse nicht erfahren. Wie wir hören, beabsichtigt die Beamtenschaft erneut eine dahingehende Petition abzusenden, die auch tatkräftige Unterstützung des Vertreters unseres Wahl­kreises, des Herrn Dr. Lucas, finden wird. Sicherlich kann man nur wünschen, daß dahingehende Bestrebungen zum Ziele führen, wenn man bedenkt, daß Hanau in jeder Beziehung mit zu den teuersten Orten g-rechnet werden muß.

( Große Erbschaften pflegen wie große Gewinne öfters dort wiederzukehren, wo sie freundliche Aufnahme ge« funden. Nachdem vor kurzem aus Cassel berichtet werden konnte, daß eine echte MiDonenerbschaft aus Amerika nach dort gefallen sei, ist auch die beinahe schon in Vergessenheit geratene Bonnel'sche Millionenerbschaft dem Archiv entrissen worden, wo sie friedlich entschlummern sollte. In der 80 Millionen-Erbschaft Bonnet'scher Nachkommen sind zur Zeit nämlich die Geburtssch-ine der meist in Kurhessen lebenden Familienmitglieder eingefordert worden. In der Bonnel'schen Mill-onenerbschäft handelt es sich um die angeblich 80 Millionen betragende Hinterlassenschaft eines gegen Ende des 18. oder im Anfang deS 19. Jahrhunderts in Vorder­indien (Kalkutta) verstorbenen Eduard Christoph Bonnet, der ein aus Kurhessen (Marburg) stammender Abkömmling der aus Frankreich in den Reinhardlswald (Niederhessen) ein- gewanderte» Hugenottensamilie Bonnet gewesen sein und der seinen ungeheuren Reichtum in Madagaskar erworben haben soll, wo er tatsächlich riesige Ländereien und Pflanzungen be­saß und infolge dieses Reichtums die Rolle eines kleinen Kö­nigs spielte. Der Nachlaß dieses Bannet wird vom englischen Staate verwaltet. Der deutsche Zweig der Familie Bonnet hat schon früher, ebenso wie der französische, Schritte zur Er­langung der Erbschaft getan, und um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zwei Angehörige der Familie nach Madagaskar und Indien gesandt, die aber beide verschollen blieben, worauf dann von weiteren Schritten Abstand genommen wurde. Auf Zeimngsnachrichten hin wurden vor 2 Jahren neue Ermitte­lungen unternommen, die ein Ergebnis bis jetzt allerdings noch nicht ge-eitigt haben.

* Für den Regierungsbezirk Casiel ist am 31. Dezember 1896 eine Polizeiverordnung erlassen worden, die in § 6 das Austragen und Verteilen von Flugschriften usw. an öffentlichen Orten an Sonn- und Festtagen verbietet. Ein Arbeiter hatte nun zu Wahlzwecken an einem Sonntag psli-

an. Am besten gefielen uns die Kopftöne, während die Tiefe manchmal etwas matt und farblos erschien. Besonders schön gelang ihm inDer Nöck" von Löwe die Stelle: Du wirst mit deinem Singen zum Paradiese bringen/ Leider litten manche Nummern etwas unter Verschleppung oder llebcr- eilung des Tempos; so war ersteres beiDer Neugierige" der Fall, während sich letzteres imHochzeitslied" bemerkbar machte. Freundlicher Beifall veranlaßte den Sänger zu der Zugabe vonDie beiden Grenadiere" von Schumann.

Was nun den Chor anbetrifft, so hat der Oratoricnver- ein sehr schöne Erfolge zu verzeichnen. Gleich der Eingangs­chorMirjams Siegesgesang" riß die Zuhörer durch seine kraftvolle und feinsinnige Wiedergabe hin. Während den Laien die prachtvolle Tonmalerei fesselte, interessierte den Musiker außerdem die originelle Stimmführung und vornehme Kontrapunktik. Wir verweisen hier auf den kanonischen TeilUnd das Meer hat nun vollzogen, lautlos rollen seine Wogen", und den fixierten Schluß mit dem wuchtigen Baß-EinsatzGroß der Herr zu allen Zeiten." Daß ge­nannter Verein aber auch auf dem schwierigen Felde des a aupeUa-GesangS sehr Erfreuliches ja Ausgezeichnetes leistet, ersahen wir aus der Wiedergabe der beiden stimmungsvollen Brahms'schen ChöreWaldesnacht" undDein Herzlein mild." Beide Chöre gelangten nacheinander ohne jegliche Jntonaiiousschwankuug zu seelenvollem Dortrag. Mir freu­digem Beifall wurden auch die noch von vorigem Jahre her bekanntenDeutschen Tänze" ausgenommen, die eine Zierde für das Programm und einen glücklichen Schluß für das Konzert bildeten. ^ Zu erwähnen übersehen haben wir noch den 23. Psalm für Franenchor, der durch seine tiefempfundene, klangschöne Wiedergabe stimmungsvoll und erhebend wirkte.

Herr Ferdinand Küchler, iveldjcr die Chöre mit großer Sorgfalt cinftubiert hatte, leitete die einzelnen Nummern mit viel Umsicht und künstlerischem Geschick. ' Seiner zielbewußten Leitung verdankt der Oratorienverein seinen schönen Erfolg. Ein ganz besonderer Beweis für die feinfühlige Begabung

Die heutige Nummer umfaßt unsrer dem MrLerhaLmrgsblatt

tilche Druckschriften in einer ländlichen Gemeinde innerhalb der Wohnhäuser verteilt. Er wurde in Strafe genommen, bean­tragte aber gerichtliche Entscheidung, da die Verordnung nicht zu Recht bestehe, und im vorliegenden Fall nicht anwendbar sei. Schöffengericht und Landgericht erkannten aber auf eine Geldstrafe, da die Verordnung rechtsgültig sei. Gegen diese Entscheidung legte, wie dieHersf. Z." meldet, der Angeklagte Revision beim Kammergericht ein, das die Vorentscheidung auf- 6ob und die Sache aus Landgericht zurückoerwieS. Das Kammergericht erachtete zwar die Verordnung für rechtsgültig, nahm indessen an, daß eine Verurteilung nur erfolgen sönne, wenn die Verteilung der Druckschriften derart stattgefunden habe, daß die Tätigkeit des Angeklagten öffentlich wahrnehmbar und geeignet gewesen sei, die SonntagSfeier zu stören.

* Für Musikfreunde und Familien bietet sich morgen nachmittag von 4 Uhr an im RestaurantBürgerbräu" ein hoher Kunstgenuß. Herr Klaoiervirtuose Markus aus Leip­zig wird sich daselbst als ein gewandter Klavierspieler zeigen und u. a. eine noch nie gehörte NummerKlavierkomposition von 187971" mit Trommler- und Trompeten-Jmitation auf dem Piano »um Vortrag bringen. Wir glauben deshalb einen B-such empfehlen zu können, zumal auch der heiteren Musik Spielraum gelassen ist.

* Wettspiele. Am kommenden Sonntag spielen die 1. und 2. Mannschaft des1. Hanauer Fußballklub 1893" gegen die gleichen des Frankfurter FußballklubHermania", und zwar die ersten Mannschaften hier und die zweiten in Frankfurt a. M. Da die genannten Vereine sich noch nicht gegenüberstanden undHermania" einer der ersten Vereine Frankfurts ist, dürfte dieses Spiel von großem Interesse sein.

* Das Hahueukammhaus ist nur Sonntags geöffnet.

* Der Mansardeudieb. Der Schlosser Vogel au^ Gießen, der sich als Verüb'r einer Arzahl hier vorgekommenen Mansardendiebstähle entpuppt hat, wurde vorgestern von Frank­furt aus hier eingeliefert. Bei seiner gestrigen Vorführung trug er einen Ueberzieher, der im Dezember v. I. einem städtischen Beamten in der Jahnstraße bei Plünderung des in der Mansarde stehenden Kleiderschrank, s mit gestohlen worden war. Somit hat sich ergeben, daß Vogel die sämtlichen im Dezember hier vorgekommenen Mansardendiebstähle auf dem Gewissen hat. Uebrigens hat man es mit einem schon vielfach vorbestraften Menschen zu tun.

* 80 Jahre alt. Frau Berg, franz. Allee 1, feiert morsten ihren 80. Geburtstag.

* Gutes Gewicht. Herr Heinrich Viehmann H. in N i e d e r i s s i q h e i m schlachtete ein Schwein, das 524 Pfund wog und 40 Pfund Schmalz ergab. Wir sehen schon des geschätzten Dirigenten erbrachte uns Brahm's obener­wähnter a euxellu-ChorWaldesnacht", der ein unsagbar liebliches Bild von süßestem Waldeszauber vor uns entrollte. Aber nicht nur die schönsten Stellen wirkungsvoll hervorzu- heben verstand Herr Küchler meisterhaft, sondern auch manche gefährliche Partie glücklich zu passieren, wie die Wiedergabe vonMirjams Siegesgesang" zeigte. Die Klavierbegleitungen lagen in den Händen von Frl. Benda aus Frankfurt und Herrn Professor Henkel hier und fanden eine durchweg gute und künstlerische Ausführung.

Die städtische Bibliothek

Bangertstraße 2, erster Stock, ist Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur festen freien Benutzung für das Pttblikum geöffnet. Gesamtkataloze sind zu 1.20 Mk., die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.

Barometerstand

mittags 12 Uhr am 15./I

16./1.

770-==

760

760-^

Viel Regen

Sturm

Sehr trocken Beständig

Schön Veränderlich Regen (Wind)

.750

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