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Nr. 162

Fernsvrechauschlnß Nr. 605.

Donnerstag den 14. Juli

Fernsprechanschluß Nr. 605

1904

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

BelazmtMachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die tlrlifte derjenigen hiesigen Personen, welche zu dem Amt eines Schöffen und Geschworenen berufen werden können, ist vom 15. d. Mts ab eine Woche lang auf dem Rathause Zimmer Nr. 12 ausgelegt. Inner­halb dieser Frist können Einsprachen gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Liste bei uns angebracht werden.

Hanau den 11. Juli 1904.

Der Magistrat.

Dr. Eisen a ch._________12836

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Türdrücker (dreikant), 1 gelbe Erinne­rungsmedaille.

Hanau den 14. Juli 1904.

Hus Danau Stadt und £and,

Harratt, den 14. Juli.

Historische Gedenktage.

1-4. Jrtli 1532 hielt Landgraf Philipp der Großmütige einen Landtag zu Homberg, wo die erste Türkensteuer, vom Gulden zwei Pfennige, zu geben bewilligt wurde.

14» Jttli 1739 starb 88 Jahre alt der Pfarrer zu Breuna Matthias Werte. Reunundvierzig Jahre lang, von 1691 bis 1740, gab dieser Mann den hessischen Kalender, den­selben, der jetzt zu den Privilegien des Casseler Waisen­hauses gehört, als einen Hessischen Schreib-, Märkte- und Chroniken-Kalender heraus. Die hessischen Bauern forder­ten auch vom Buchbinder keinen Kalender, sonder einen W e e t e n. Bier Jahre lang nach des alten Weete Tode ließ man darum seinen Namen noch auf dem Titel des Kalenders stehen, und wohl 20 Jahre später stand noch immer auf dem Titel des Kalendersnach dem Weele- schen eingerichtet."

14. Juli 1753. Grundsteinlegung des Schlosses Wilhelms- tal, als Landgraf Ludwig X., el8 Großherzog von Hessen und bei Rhein Ludwig I., geboren.

Keamtenpersoual-NachrrchLen.

Ernannt: die Spezialkommissare, Regierungsassefsoren Lchiffler in Limburg a/Lahn, Dr. Fechner z. Z. Hilfs­

Feuilleton.

Der Erbe.

Eine Sage aus dem südlichen Vogelsberg.

Von Schleucher-Selbold.

(Nachdruck verboten.)

Ein heißer Erntetag wollte zur Rüste gehen. Die Abend­glocken begannen ringsum ihren melossischen Gruß durch die r-aler und über die waldgekrönten Höhen des Hessengaues zu senden, den Schnittern und Schnitterinnen, Bindern nie Bin­derinnen ein Willkommruf nach langer mühevoller Arbeit. Sie ließen es sich daher auch nicht zweimal sagen, sondern warfen bald Michel und Bindestock zur Erde, um nach einigen Zu- rustungen den Heimweg anzutreten, entsprechend dem Wort: Früh vom Feld, früh aufs Feld!

Aber so müde die Schaffner und Schaffnerinnen auch waren, bald erklangen ihre hellen Lieder durch die weite Abend­landschaft; die Lieder, so alt und doch ewig jung, die Lieder des Volkes von Jugendlust und Lebensleid, den schönen Ju- gendjahren, dem Rosengarten, dem grünen Jägersmann und der Holden Schäferin, dem schwarzbraunen Mägdelein mit dem Sträußelein von Roßmarin und Nägelein, u»d wie sie alle heißen, diese Perlen im Munde der Landleute.

.Der Gesang belebte die Schritte und bald waren Sänger und Sängerinnen hinter den nächsten Hügeln verschwunden. Hier und da sah man denn auch nur noch vereinzelte Arbeiter, die entweder die letzte Hand an ein Korn­feld oder einen Garbenkegel legten, oder eine emsige Gräserin, die ihren Ziegen eine angenehme Abendmahlzeit bereiten wollte, weshalb sie die schmackhaften Kräuter aus den Hecken uud Gesträuchen &r das Feld durchziehenden Bergraine ge­wandt mit der Sichel hervorlangte, um sie dann in dem vier- .ipfeligen GraStuche zu bergen. Die Hirten hatten bereits ,

arbeiter im Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Berlin, Dr. Pommer in Marburg a/Lahn, Oppermann in Wiesbaden, v. Schutzbar genannt Milch- ling in Marburg a/Lahn, Dr. Joel in Eschwege und Tuercke in Rinteln zu Regierungsräten, die Amtsrichter Hildebrand in Volkmarsen, Steinhauß in Eschwege, Rhiel in Fulda, Knochenhauer in Jesberg und von B o l t o g in Weyhers zu Amtsgerichtsräten, die Pfarrer Ra ith zu Rambach zum Pfarrer in Oberhülsa, Klasse Homberg, und Eisenberg zu Wernswig, unter Zurückziehung seiner Er­nennung zum Pfarrer in Oberhülsa, zum Pfarrer in Ram­bach, Klasse Eschwege, der Rechlskandidat Schocke zum Refe­rendar.

Berufen: die Hilfsarbeiter Krebsbach aus Münster und Schenkel aus Erfurt zu Hilfszeichnern des Katasterbureaus der Königlichen Regierung zu Cassel.

Ueberwiesen: der Katasterlandmesser Emmerich der Kö­niglichen Regierung zu Cassel.

Versetzt: der Spezialkommissar, Regierungsrat Wagner von Rotenburg a/F. zur Generalkommission in Königsberg i/Pr., der Spezialkommissar, Regierungsrat Tuercke von Rinteln nach Rotenburg unter Ueberlragung der weiteren Ver­waltung der Speztalkommission Rotenburg, der Oekonomie- kommissionsgehilfe Dr. Heiser von Cassel nach Rin^n zu­nächst zur Hilfeleistung bei der Spezialkommission daselbst und vom 1. Oktober 1904 ab mit der einstweiligen Verwaltung derselben beauftragt, der Oberlandmesser E ck a r d t von Witzen- hausen nach Düsseldorf, der Landmesser Kullmann von Rotenburg a/F. nach Witzenhau>en unter Beauftragung mit Wahrnehmung der OberlaNdmesfergeschäfte, der Meliorations- bauwart Kölsch II von der Spezialkommission I Cassel in das kulturtechnische Bureau der Generalkommission daselbst, der Ober-Pgstasststent Herzog von Eschwege nach Hanau, der Revierförster Stei n zu Kreuzgrund in der Oberförsterei Marjoß vom 1. Oktober 1904 ab auf die R-sierförsterstelle Eichen, Oberförsterei Hanau, der Schntzmanns-Wachtmeister Heyde zu Fulda an das Königliche Polizeipräsidium in Stettin.

Verliehen: den Landmessern Roth in Witzenhausen, M^l t t h a e s in Schmalkalden, Bensch in Limburg a/Lahn, Katzwinkel in Marburg a/Lahn, Schuck in Melsungen, Stern in Fulda, Bernhardt II in Rotenburg a/F., LohmanninCarlshafen, SpormanninNiederwildungen und Siekierski inArolsen je eine etatsmäßigeVermessungs­beamtenstelle, den Hilfszeichnern S ch m i d t II in Fieber« wildungen, Lohmann in Caffel, B e y e r in Hanau und Schmidt I in Trepla je eine etatsmäßige Zeichnerstelle, dem Postassistent G u n d l a ch in Hanau der Xitel Ober - Post- assistent.

Pensioniert: der Landmesser John I in Witzenhausen.

ihre Schutzbefohlenen den heimatlichen Ställen zugetrieben und der Schäfer dort mit seiner Herde zog langsam dem Wald­saume entlang der nächtlichen Lagerstätte im nahen Wiesen- grunde zu. Die Sonne hatte sich allmählich dem westlichen Horizonte genähert und ihr Glutball verkündete dem Land­mann für den morgenden Tag wieder schönes Erntewetter, denn: Abendrot, morgen wird das Wetter gut!" lautet ja das in dieser Zeit so oft und gern gebrauchte Sprichwort.

Um diese Stunde hatte ein Weib das aus einem lieblichen Obsthaine hervorlugende nahe Dörflein verlassen. Die Dahin- eilende trug ein kleines Kind, das vertraulich sein Aermchen um den Nacken der Trägerin geschlungen hatte, während sie in der anderen Hand einige Seile, mit kleinen eisernen Ringen versehen, schwang, ein Zeichen, daß sie nochins Holz" wollte. Bald war der nicht ferngelegene Wald erreicht. Ohne Zaudern trat die Frau in diesen ein und nachdem sie eine kurze Strecke darin zurückgelegt, machte sie Halt, setzte ihr Kind unter einen mächtigen Baum, warf ihm einige Zweige und Blumen zum Spielen in den Schoß und begann hierauf emsig Dürrholz zu sammeln. Die Stelle/ welche das Weib ausgesucht, war ein weiter, fast buschloser Walddom, mit ge­waltigen Eichen und Buchen bestanden, die gleich gigantischen Säulen unb Pilastcrn zur schwindelnden Höhe strebten und mit ihren weit ausladenden Kronen sich scheinbar im Himmels­gewölbe verlören.

Im Kreise umwandelte die Holzsucherin den Ort, da ihr Kindlein saß, von Zeit zu Zeit einen sorgenden Blick nach diesem werfend. Doch schien es sich hier ganz heimisch zu fühlen, denn munter spielte es mit den Blumen und Zweigen, die es bald hier, bald dorthin warf, um sie sich dann ebenso- schnell wieder zu haschen und das alte Spiel unter herzlichem Lachen aufs neue zu beginnen. Dadurch beruhigt,' beschrieb die Mutter einen immer größeren Bogen um den Baum und endlich ganz ihren Gedanken nachhängend, entfernte sie sich mehr und mehr von der Stelle in den Wald. Schnell schichtele

* Fernsprechverkehr. Vom 18. ab ist Hanau zum Sprichverkehr mit den Reichs-Fernsprechbureaus in Wateringen und Naaldwyk zugelassen.

* Gewerbe-Ausstellung Fulda. Aus Fulda wird uns geschrieben: Der überaus starke Besuch gibt am besten davon Zeugnis, wie vortrefflich unsere Ausstellung gelungen ist. Allerdings ist auch das anhaltend herrliche Wetter vom günstigen Einfluß, wie überhaupt der Monat Juli als Haupt­reisemonat zum Besuche der Ausstellung vortrefflich geeignet ist. Ist doch selbst die höchst gespannteste Erwartung auf 500 Aussteller ebenfalls übertroffen, da der Nachtrag bis jetzt 505 Nummern zählt. Was Vortreffliches alles geboten wird, kann hier selbstredend nicht gesagt werden, davon muß ein jeder an der Hand des Kataloges sich selbst überzeugen. Kein Handwerker, der nur irgend abkommen kann, sollte ver­säumen, die Ausstellung Fulda zu besuchen. Daß die Ausstellung auch durch das Kunstgewerbe überaus stark ver­treten ist, beweist Abteilung VII des Kataloges, in welcher Abteilung auch die Damenarbeiten untergebracht sind. Die fortgesetzten Anfragen über die Eintrittspreise veranlassen uns nachstehend, wiederholt dieselben bekannt zu geben: Vereins­karten, die zum einmaligen Besuch der Ausstellung berech­tigen: an auswärtige Vereine, wenn sie mindestens 12 Karten auf einmal lösen, Preis ä 30 Pfg. Eintrittskarten ä 50 Pfg., welche für das einmalige Besuchen der Ausstellung be- rechlige». Kinder unter 6 Jabren sind frei, Kinder von 6 bis 14 Jahren zahlen 20 Pfg. Ausstellerkarten werden kostenlos verabfolgt. Für Vertreterkarten sind 2 Mark _ zu entrichten. Arbeiterkarten für Personen, die in der Ausstel­lung im Auftrag von Ausstellern beschäftigt sind, werden zu 1 Mark verausgabt. Schüler nebst Lehr- und Aussichts­personal (Schulinspektor, Schul- und Gemeindevorstand rc.) zahlen pro Kopf 20 Pfg., sowohl Volks- wie auch höhere Schulen.

FG. Kriegsgericht der 21. Division. Der Jakob Sch. von der 12. Kompagnie 81. Rgts., gebürtig aus Kessel­stadt, ist seit seinem 14. Lebensjahre an ein unstätes Wander­leben gewöhnt. Im Oktober 1903 eingetreten, ist er schon zwei Mal wegen unerlaubter Entfernung bestraft. Am 21. Juni blieb er zum dritten Male fort, nachdem er 5.20 Mk. Löhnung (3 Mk. für die Absperrung beim Gordon - Bennet- Rennen) empfangen hatte. Erst am 8. Tage, nachdem das Geld alle war, stellte er sich wieder. Er wandert auf 4 Monate ins Festungsgefängnis. Der Karl Hofmann von der 2. Komp. 166. Rgts., der am 2. Tage nach seiner un­erlaubten Entfernung in Frankfurt festgenommen wurde, wurde mit 36 Tagen Mittelarrest bestraft.

* Schlägereien« An der Kohlenausladestelle gegenüber der Zeichenakademie gerieten gestern nachmittag zwei Kohlen-

sich hier Häuflem zu Häuflein und schon begann die Frau daraus die Last oder Bürde herzustellen.

In diesem Augenblick vernahm sie freudiges Hände­klatschen.- Unwillkürlich richtetb die Holzleserin den Blick nach dem Baum, aber wie erstaunte sie, als sie eine weiß­gekleidete Frauengestalt bei ihrem Kinde stehen sah, die sich nieder­beugend mit diesem beschäftigte. Inder Meinung, dik Erschienene sei eines der Edelfräulein von der am Waldrand gelegenen Burg Fußek", die ihr schon oftmals zu später Abendstunde in Be­gleitung ihrer treuen Spürhunde hier im Walde begegnet waren, blieb sie ruhig bei ihrer Arbeit, und als die Bürde vollendet, lehnte sie diese an einen Baum und schritt dann zu der kleinen Gruppe.

Aber wie erschrak das Weib, als es in der Frauenge- stalt nicht eines der Fußekschen Edelfräulein erkannte, sondern ein in seinem Wesen und Benehmen vollständig fremdartiges Menschenbild, das es mit erloschenem Blick anstarrte, aber von einer Schönheit war, wie es solche noch nie im Leben gesehen.

O, gute Frau,* begann die Fremde mit einer sanften und melodischen Stimme,erschrick nicht, wenn ich heimlich zu deinem lieben Kinde getreten bin. Wie lange schon sehnte ich mich, einem jungen Menschenwesen wieder einmal in die un­schuldigen Augen zu blicken und mich an seinem fröhlichen Lachen zu ergötzen. Es war dieses einst meine höchste Freude und Lust, bis zu dem Tage, da daS Schreckliche geschah." Ein tiefer Seufzer entrang sich der Bimst der Sprecherin und sichtlich durchbebte es ihre ganze Gestalt.

Und was war das Schreckliche, edle Jungftau, das Euch noch heute erzittern läßt?" fragte die Holzleserin voll Teil­nahme und auch etwas Neugierde.

Das ist eine lange und traurige Geschichte und nicht für jedes Ohr," erwiderte die Erscheinung mit leiser, kaum v«r- nehmbarer Stimme,aber ich lese in Deinen Äugelt daß Du ein gutes Herz hast und ich Dir vertrauen kann, auch wohl Verständnis bei Dir finden werde für die Pein, die einem Ahasver durch dieses Scheinleben tragen mutz.