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Erstes Blatt
Anzeiger
VezngSpreiS r.
Äierielfahrlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Monneuten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gedruckt und verlegt in berBuchbmckerei des verein. ev< Waisenhauses in Hanau.
Gelleml-Anzeiger
, Amtliches Organ fir Stadt- und FaMreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, ^nhwti. Redakteur. G. Sch. cck - r in Hanau.
EinrückungSgebühr
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene PetitzLe oder deren Raum, kür Auswärts 15 Pfg.,
• im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., • für Auswärts 35 Pfg.
Nr. 159
Fernsprechanschluß Nr. 605»
Montag den 11. Juli
Fernsprechanschluß Nr. 605»
1904
Hierzu
- „Amtliche Beilage" Nr. 12.
Amtliches.
Stadtkreis Banau,
Die Rosemtraße zwischen Salz- und Müblüraße wird zwecks Neupflasterung auf die Dauer von 8 Wochen für den öffentlichen Fuhrverkehr gesperrt.
Hanau den 9. Juli 1904.
Königliche Polizeidirektion.
P 5407 J. V.: Dr. Hoffmann.
HandslsreMsr.
Firma I. G. Kalb in Hanau:
1. Dem Kaufmann Leonhard Gerhard,
2. Dem Kaufmann Emil Kalb, beide in Hanau wohnhaft, ist Prokura dergestalt erteilt, daß jeder für sich zur Vertretung befugt ist.
Hanau den 8. Juli 1904.
Königliches Amtsgericht 5. 12609
Hus Ban au Stadt und Cand,
Hanau, den 11. Juli.
Historische Gedenktage.
st Juli 1509 starb Landgraf Wilhelm II., Vater Philipps des Großmütig»«, 41 Jahre alt.
11. Juli 1570 starb der fuldaische Kanzler Jodocus Stube (Studacus, Jost Staudt) früherhin, von 1536—1545 Professor der Rechte zu Marbnrg.
Kreis-Kriczewerbandssest.
R. Gronau, 10. Juli.
Feste zu feiern, glänzend und erhebend zu gestalten verstehen in unseren Tagen nicht allein die Städte und größeren Drte, die ersteren gleichzutun immermehr bemüht sind, auch auf dem platten Lande, und sei es in dem bescheidensten Dorfe, weiß man solche in einer Weise zu veranstalten, daß es an äußerem Glänze nicht fehlt. Freilich des modernen Anstrichs jener entbehren sie, allein dieser wird Weichlich ersetzt durch die freudige und begeisterte Teilnahme aller ohne Ausnahme, durch den Wetteifer von alt und jung, seltenen Gästen, die zu dem entlegenen Orte sonst nicht kommen, würdig zu empfangen und ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. So ist es in diesen Tagen auch in unserem stillen Dörfchen, wo, verbunden mit der Fahnenweihe unseres Kriegervereins, das fünfte Kreiskriegerverbandsfest diesmal gefeiert wird. Ruhte doch während der ganzen, dem Feste vor- ausgehenden Woche fast gänzlich alle Feldarbeit, um HauS und Hof herzurichten, an und in denen heute reichster Fahnen- und Girlandenschmuck, Kaiserbilder und sinnige Sprüche aller Art prangen, um zu beiden Seiten der Dorfstraßen in geringem Abstandr Tanne an Tanne zu reihen und an den Eingängen die beiden Ehrenpforteu zu errichten, die außer dem „Willkommen" dem Charakter des Festes entsprechend hier das Bild der Germania und des Reichsadlers, dort das eiserne Kreuz zeigen. Bereits am Samstag abend begann das Fest, eröffnet durch einen Zapfenstreich, dem mit dem Eintritt der Abenddämmerung ein Fackelzug linier Beteiligung der Bürgerschaft und Schuljugend folgte. Der hieran nun sich anschließende Kommers auf dem Festplatz nahm in der angenehmen Kühle des Abends unter den Klängen der konzertierenden Kapelle einen recht schönen Verlauf. Am heutigen Hauptfesttage galt es zunächst der Pflicht der Pietät zu genügen, und so begab sich in der Frühe der Vorstand des Kriegervereins nach dem Friedhof und schmückte hier die Gräber der verstorbenen Mitglieder, mit besonderen Gefühlen des Dankes die der beiden Veteranen. Bis zur Mittagsstunde waren nun die auswärtigen Berbandsvereine, außerdem die Kriegervereine aus den benachbarten hessischen Gemeinden Vil- bel, Dortelweil, Masfenheim und Rendel eingetroffen, und so konnte sich zur festgesetzten Stunde der stattliche Festzug ordnen, der durch die Ortsstraßen nach dem schön gelegenen Festplatz seinen Weg nahm, zwischen hohen Pappeln hindurch, von deren letzten herab Standarten die Kommenden begrüßten. Nach dem gemeinschaftlichen Gesang des Chorals „Nun danket alle Gott" hielt Herr Pfarrer Wagner die Ansprache, welcher er die Worte auS Sprüche Sal. 20, 28 „Huld und Treue beschützen den König, und er stützt durch Liebe den Thron" und Psalm 60,6 „Du aber, o Gott, hast ein Panier
gegeben denen, die dich fürchten" zu Grunde legte. Der ergreifende undgedankenreichen, auf die Festfeier soMnig bezugnehmenden Ansprache folgte dann der gemeinsame Gesang des Liedes, „Harre meine Seele". Nun ergriff der Verbandsvorsitzende, Herr Landtagsabqeordneter Junghenn das Wort, um zunächst auf den Aw'ck der Verbandsfeste im allgemeinen hinzuweisen, Kameradschaft nämlich zu pflegen und neue Freundschaften zu schließen, und dann auf des heutigen Festes lokale Bedeutung, da dem hiesigen Vereine eine Fahne gegeben und geweiht werde, ein Kleinod durch des Kaisers Gnade ihm gewährt. Dem begeisterten Hoch auf den obersten Kriegsherrn folgte der gemeinschaftliche Gesang der Nationalhymne. Nach der hierauf vorgenommenen Weihe der Fahne überreichte Frl. Wenzel im Namen der dieselbe stiftenden Frauen und Jungfrauen der Gemeinde diese mit dem Wunsche, baß sie allzeit ein Symbol der Treue, Tapferkeit, Eintracht und Brüderlichkeit sein möge, dem Vereine. Zugleich wurde derselben eine Auszeichnung zu teil, indem zunächst Herr Junghenn im Namen des Kreisverbands, dann die Vorsitzenden des Kriegervereins Hanau und des dortigen Gardevereins Fahnennägel in dem Schaft der Fahne befestigten. Hierfür, sowie für die zahlreiche Beteiligung an dem heutigen Feste sprach sodann im Namen des festgebenden Vereins Herr Fr. Wenzel seinen Dank aus, welchen Herr Junghenn zum Schlüsse mit einem Hoch auf den hiesigen Kriegerverein, sowie die ganze Gemeinde für die freudige und freundliche Aufnahme und die schöne und bewundernswerte Ausstattung des Festes erwiderte. Der nun übrige Teil der Festesfeier, wo im zwanglosen Zusammensein die Kameraden manch frohes Wiedersehen feierten und alt und jung auf dem herrlich gelegenen Festplatz in Gottes freier Natur sich zu vergnügen reichlich Gelegenheit fand, nahm gleichfalls einen schönen und höchst befriedigenden Verlauf bis späthin noch in der angenehmen und wohltuenden Kühle des Abends.
OicrsreiMrichtcr SLngttdMldcsscst.
Jg. Bernbach, 11. Juli.
Im großartig herrlichsten Festgewande prangte gestern das gastfreundliche Bernbach, um allen Sängern von Nah und Fern, welche zu dem 4. Bundesfest des Oberfreigerichter Sängerbundes verbunden mit dem 25jährigen Jubiläum des Gesangvereins „Harmonie" von Berbach hierher gekommen waren, einen würdigen festlichen Empfang zu bereiten. Nachmittags halb 3 Uhr bewegte sich ein viele Hunderte zählender Festzug durch die mit vielen Triumphbogen versehenen Straßen des Orts nach dem Festplatzc. Nach dem Begrüßungslied hielt der Bundespräsident Herr Lehrer Jörg ein^ gutdurchdachte kernige Festrede, welche mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät unsern Kaiser Wilhelm II., als • den edelsten Freund des deutschen Liedes, endete, in welches die Festver- sammlung begeistert einstimmte. In Reihenfolge wurden dann von den 22 auswäriigen Gesangvereinen je ein Chorlied vorgetragen und manche der Vereine leisteten ganz vorzügliches. Hierauf wurde bann noch von den Mitgliedern des Obersteigerichter Sängerbundes das Bundeslied „Brüder reicht die Hand zum Bunde" mit Musikbegleitung fein craki gesungen, was einen sichtlichen Eindruck auf alle Zuhörer machte. Herrliche Musikstücke von der Somborner Kapelle unter der Leitung ihres Dirigenten Herrn Lehrer Dechert von Altenmittlau füllten die weiteren Pausen aus. Ein ungezwungenes, ungetrübtes, feuchtfröhliches Festtreiben hatte auch von allem Anfang Platz gegriffen, zumal der Festaus- schuß einen herrlichen, staubfreien Festplatz wählte. Auch ein ausgezeichneter Stoff aus der Bierbrauerei Gutmann von Somborn trug wesentlich zur Festesstiunnung viel bei. Und so kann denn auch der Oberfreigerichter Sängerbund als auch der Gesangverein „Harmonie" von Bernbach mit Genugtuung und Stolz auf das herrliche ungetrübte Fest zurückblicken. Der Gemeinde Bernbach gehört aber nochmals extra Dank für die großen Bemühungen bei der Herstellung der Triumph- bogen und Dekorationen als auch für ihre Gastfreundschaft. Allen Besuchern werden diese schön verlebten Stunden in Bernbach lange in Erinnerung bleiben.
* Fernsprechverkehr. Hanau ist zum Sprechverkehr mit Bremeu, Schwelm und Gemünden (Unterstanken) zugelassen worden, ferner ist der hiesige Sprechverkehr auf Klingenberg (Unlerfranken) und Obernburg ausgedehnt.
* Bad Orber Kleinbahn. Am Donnerstag nachmittag wurde die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Bad Orber Kleinbahn-Gesellschaft abgehalten. Aus dem Geschäftsbericht über das 3. Betriebsjahr ist hervorzuheben, daß sich der Personenverkehr recht rege entwickelt hat, auch der Güterverkehr sich allmählich hebt. Seither wurden Bouma-cria-
lien, Kohlen, Futter und Düngemittel sowie landwirtschaftlich? Erzeugnisse, außerdem aber noch ganz bedeutende Holzguanti- täten namentlich Grubenholz befördert. Vorteilhaft für die Bahn ist es, daß die meisten Baumaterialien für Orb von auswärts über die Bahn bezogen werden müssen. Die Industrie hat an den Frachten vorläufig noch keinen besonders belangreichen Anteil. In der Betriebsperiode deS abgelaufenen Geschäftsjahres (1. April 1903 bis 31. März 1904) wurden befördert:
a) auf
einfache Fahrkarten
in der II.
Wagenkl.
613 Pers.
b) H
♦/ 1/
„ „ III.
9941 „
c) „
Rückfahrkarten
„ „ n.
4714 „
d) „
„ „ III.
52 540 „
ej „ Militärfahrkarten ...... _ 698 „
f) „ Arbeiterwochenkarten ...... 15 638 „
g) „ Monatskarten ........ 7688 „
h) „ Schülerkarten . ... . . . 645 „
Zusammen 92 477 Pers.
(im Vorjahre 65 325 Personen). Für diese Personenbeförderung wurden an Einnahmen erzielt 19 285.20 Mk. (im Vorjahre 16 175.79 Mk.) An Gepäck wurden befördert 77 940 kg mit einem Gelderlöse von 416.75 Mk. Die Zahl der beförderten Hunde betrug 260, wofür erlöst wurden 26 Mk. An sonstigen Einnahmen für Sonderzüge ?c. gingen ein 430.35 Mk. Es sind demnach zusammen 20 158.30 Mk. (i. V. 16 625.99 Mk.) aus dem Personen- und Gepäckoerkehr erlöst worden. — Der Gütern erkehr ergab im Berichtsjahre eine Einnahme vbn 10 177.20 Mk.; dazu treten für Beförderung von Postgut 478 Mk., für Lauf- unb Zeitmiete des Postwagens 258.70 Mk. und für sonstige Nebenerträge 2558 10 Mk.; zusammen 13 472 Mk. (im Vorj. 14119.18 Mark). Es wurden befördert an Eilgut, Stückgut und Wageu- ladungsgütern zusammen 9665 Tonnen. — Die Gesamteinnahme hat sich hiernach gestellt auf 33 630.30 Mark
(i. Vorj. 30 745.17 Mk.) — Die reinen Betriebsausgaben erforderten einen Aufwand von 21108.76 Mk. (im Vorj. 20 506.55 Mk.), sodaß sich ein Brutto-Ueber- schuß von 12 521.54 Mk. (i. V. 10 239.62 Mk.) ergibt. — Der Gewinn-Saldo beträgt laut Bilanz 10310.38 Mk. (i. V. 8004.66 M.), der laut Generalversammlungsbeschluß folgendermaßen zur Verteilung gelangt: An den Bilanzreservefonds 515.52 Mk., an den Spezialreseroefonds 51.55 Mk., als Dividende an die Aktien (ca. 1,8 pCt. von 540 000 Mk.) 9600 Mk., Vortrag auf neue Rechnung 143.31 Mark. — Die Dividende steigt langsam, aber regelmäßig: sie betrug im ersten Geschäftsjahre 1,2 pCt., im zweiten 1,4 pCt. und im dritten 1,8 pCt. — Weiterhin wurde beschlossen, die sämtlichen Beamten der Kleinbahn bei der Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenkasse des Bezirksverbandes anzumelden und die Beiträge auf die Bahn zu übernehmen.
D. Die Hanauer Ruvergesellschast 1879 auf der Würzburger Regatta. Nachdem sich die Junior- Mannschaft der Gesellschaft in Frankfurt so hervorragend ausgezeichnet hatte, wurde auch für Wörzbudg gemeldet und Erfolge waren so gut wie sicher. Durch notwendig gewordene Umsetzung der Mannschaft und mancherlei unglückliche Zufälle war es der Gesellschaft jedoch nicht vergönnt, diesmal die Hoffnung zu erfüllen, trotzdem sich auch hier die gewohnte Tüchtigkeit zeigte. — Wir lassen den Verlauf der Nennen folgen: Im Rennen gegen Ruderklub Bamberg kam Hanau nicht gut vom Start, holte aber mit 12 Schlägen den Verlust wieder ein und war mit weiterem Spurt V» Länge vor. Die dicht anschließenden Bamberger berührten die Ruder des Hanauer Bootes und benützten dies zu einem Protest, dem der Schiedsrichter nicht zustimmte, aber auf Wunsch der Hanauer Mannschaft wurde fliegender Start ungeordnet. Hanau übernahm sofort die Führung und ging als erster durchs Ziel mit 10 Längen Vorsprung. Bamberg machte jedoch den Hämmern wegen einer abermaligen Kollision den Sieg streitig und der Schiedsrichter, welcher bei den schwierigen Wasserverhältnissen weder der einen noch der anderen Mannschaft das Reckt zu- sprechen konnte, ordnete ein neues Rennen auf abcuss 7 uhr au. — Im Rennen zum Ehrenpreis der Stadt Würzbnrg kämpfte Hanau Bord an Bord gegen Schweinfurt um den ersten Platz und hatte noch bis 100 Meter vor dem Ziele eine halbe Länge voraus. Es war das interessanteste Rennen des Tages und am Regaitaplatz herrschte begreifliche Erregung und Begeisterung für die Hanauer Mannschaft. Kurz vor dem Ziel ereignete es sich nun, daß sie infolge Unwohlseins eines Mannes aussehen und den Gegnern den Sieg überlassen mußte. Das Unwohlsein war bald behoben, aber die Hanauer Mannschaft zog nach den Strapazen des Tages vor, das sofort statt« findende Revancherennen mit Bamberg Ächt mehr zu Die Hanauer Mannschaft aber nahm die Achtung und L-Ym- pathie der sportlichen Kollegen mit nach Hause.
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