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Erstes Blatt

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ÄezugSpretS:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., sät t.vA» «artige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Gedruckt und verlegt in derBuchdrucker« des verein, cv. AMches Orgm fit Stadt- and LmdKeis K»»««

Eiurückungsgebuhr

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Psg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

T. 134 Fernsprechanschluß Nr. 605.

Freitag den 10. Juni

Fernsprechanschluß Nr. 605,

BH

1904

Amtliches.

BekanNtmachung.

Mit dem Beginn der Heuernte nimmt das Proviantamt den HsrrarrkaAf Anmittelbar von den Wiesen weg zu den gangbaren Tagespreisen auf.

DaS Heu muß gut gewonnen und trocken sein, eine frische Farbe sowie einen kräftigen Pflanzengeruch haben, darf nicht erheblich mit solchen Gräsern und Kräutern vermischt sein, welche keinen oder nur geringen Nährwert besitzen oder den Pferden widerlich bezw. schädlich sind. Es darf nicht mit Schlamm überzogen, nicht dumpfig, staubig oder schimmlich sein und bei der Einlieferung nicht schwitzen.

Die Einlieferung kann an jedem Wochentage von 8 bis 12 Uhr vormittags und von 2 bis 4 Uhr nachmittags erfolgen.

Hanau den 7. Juni 1904.

Königliches Proviantamt. V 3986 ÄMrWftlW Sreistmir Hm«.

Nächste Versammlung Samstag den 1h d. Mts-, nachmittags 2^2 Nhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen hier.

Tages-Drdnnng r

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Meinungsaustausch über die bei der am 5. d. Mis. staltgehabten Besichtigung der Domänen Kinzigheimerhof und Baiersröderhof, der Molkerei in Roßdorf, sowie kleinbäuerliche Wirtschaften in den Gemeinden Roßdorf Butierstadt, Ober- und Niederijsigheim und Bruchkobel gewonnenen Eindrücke.

3. Bericht der Delegierten über die Versammlung des Vereinsausschusfes der Landwirtschaftskammer zu Cassel.

4. Vortrag des Herrn Kreistierarzt Collmann überImp­fung gegen Rotlauf und Schweineseuche."

5. Betr. Beteiligung an der Bezirkstierschau am 15. k. M. in Fulda.

6. Aufnahme neuer Mitglieder.

7. Sonstige Mitteilungen.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekannt­machung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Ge­meinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.

Hanan den 5. Juni 1904.

Der Königliche Landrat.

v. Beckerath.

Mtte Stadt und £and.

Hanau, den 10. Juni.

Historische Gedenktage.

10. Juni 1331. Begründung der Wallfahrt zum heiligen Leichnam in Gotlesbüren (bis dahin Gundesbüren ge­nannt) und des Baues der dortigen Kirche. Die Wall­fahrt dauerte an die hundert Jahre und half nicht allein die Kirche bauen, sondern auch Lippoldsberg reich machen.

10. Juni 1413 starb der Landgraf Hermann mit dem Bei­namen der Gelehrte, 73 Jahre alt. Er war der Sohn des apanagierten Landgrafen Ludwig zu Grebenstein (den man, weil er apanagiert war, den Junker nannte) und ein Neffe des Landgrafen Heinrichs II. (deS Eisernen), dem er im Jahre 1376 in der Regierung folgte, nach­dem er schon seit 1368 neben seinem Oheim und beinahe ganz selbständig regiert halte. In seine Zeit fällt der Sternerbund und der große Abfall der Ritterschaft von dem Lanbesherrn, die Auflehnung der Stadt Cassel, der Krieg gegen Otto den Quadm von Braunschweig, gegen den Landgrafen Balthasar von Thüringen u. dergl. mehr. Die Energie des Landgrafen siegte jedoch über alle inneren und äußeren Feinde.

10. Juni 1449, Gründung der Peterskirche in Hofgeis- mar, die seit 1535 leer stand und Ruine wurde.

10. Juni 1760. Die Alliierten unter dem Erbprinz von Braunschweig wurden bei Corbach von den Franzosen geschlagen, die hessischen Regimenter wurden in dieser Schlacht von dem Generalmajor von der Malsburg ve-

* VikeubHhndirnsilrÄrs. Der Schnellzug 103 Frank­furtKöln ab Frankfurt 8,25 vorm., an Köln 12,43 nachm. und der Schnellzug 108 KölnFrankfurt, ab Köln 9,50 vorm., an Frankfurt 1,50 nachm. führt ab heute außer der 1. und 2. auch die 3. Wagenklasse.

* Keichshaukrreheufi elle. Am 20. Juni d. J. wird in Oldenburg eine von der Neichsbankhauplstelle in Bremen abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichtung und be­schränktem Giroverkehr eröffnet werden.

* Ernannt. Herr Kaplan Böschen in Hanau wurde zum Kuralus in Bettenhausen bei Cassel und Herr Kaplan Freise in Somborn zum Kaplan in Hanau. ernannt.

* Katholische Gemeinde. Gestern abend 7 Uhr traf der Hochwürdigste Herr Bischof von Fulda in Be­gleitung des Herrn Domkapitulars H e r b e n e r hier ein. Hochderselbe besichtigte den Bauplatz für die neue katholische Kirche, statlele dem St. Vinzenz-Kraukenhaus einen Besuch ab

und nahm bei Herrn Dechant S ch l i t t Absteigequartier. Heute mittag wird der Herr Bischof nach Langenfelbold Weiterreisen.

* Sommerfest. Mit Eintritt der warmen Jahreszeit rüsten die verschiedenen Vereine und sind eifrig damit beschäf­tigt, ihre Sommer-, Garten- oder dergleichen Feste vorzuberei- ten. Wie wir nun in Erfahrung gebracht haben, ist es dieses Jahr auch einmal eine andere Korporation, welche sonst nicht in der Liste der festgebenden Vereine figuriert, die ein solches Fest abhalten will, nämlich unsere freiwillige Feuerwehr und zwar deren Steigerkorps. Dasselbe Veranstalter Sonn­tag den 17. Juli d. J. in dem EtablissementBürgerbräu" ein Sommerfest größeren Stils, dessen event. Reinertrag der Unterstützungskasse überwiesen werden soll. Die Vorbereitungen sind eifrig im Gang und konnten wir noch erfahren, daß für den Abend ein größeres Brillant-Feuerwerk vorgesehen ist, dessen Arrangeur ein Kunstfeuerwerker welcher schon größere Leistungen auf diesem Gebiete nachzuweisen hat, unter den Steigern der hiesigen Feuerwehr zu suchen ist. Als erste und Hauptaufgabe bei dem Feste sind die Sicherheits­maßregeln für die Stadt ins Auge gefaßt und sollen die denk­bar größten Vorsichtsmaßregeln getroffen werden, sodaß auch für das ängstliche Gemüt keine Veranlassung zur Besorgnis zu bestehen braucht. Dem Wunsche, gutes Wetter für diesen Tag zu bestellen, Pflichten wir gerne bei und hoffen das Beste!

* GordSkr-VenneLi-Renne». In einem heute bei der Automobilfirma C. Dörner hier eingelaufenen Schreiben teilt der Schlesische Automobil-Club, Präsident Graf Arthur von Ksspoth, mit, daß der Club mit 12 Wagen am 15. d. M. in Hanau eintrifft. Der Schlensche Automobil-Club fährt ge- meinschastlich zum Homburger-Rennen und verbindet mit dieser Tour ejup.lßreiäjuyedä^ dem Endziel Hanau. Erste Etappe: 13. Juni Brests»Dresden 258,1 Kilometer. Zweite Etappe: 14. Juni DresdenGotha 255,8 Kilometer. Dritte Etappe: 15. Juni GothaHanau 192,8 Kilometer. Späteste Ankunft in Hanau Hotel Adler nachmittags 4 Uhr. Schluß der Wertung.

* FtttzhM-Sport. Am vergangenen Sonntag den 5. Juni begab sich die II. Mannschaft der Kesselstädter Fußball- vereinigung 1903 nach Offenbach, um der gleichen Mann­schaft des Offenbacher Fußballklubs Cickers 1901 im Weiss spiel gegenüber zu treten. Da Offenbachs Mannschaft schon vorher ein Wettspiel ausgefochten hatte, so konnte-der Schieds- nchier erst um halb 6 Uhr das Zeichen zum Beginn des Spieles geben. Durch das 1. Spiel war die Mannschaft et­was geschwächt und wurde daher von 5 Spielern aus der 1. Mannschaft ersetzt. Offenbach hatte Antritt, aber es gelang ihm nicht, vor das feindliche Tor zu gelangen. Kesfelstadls Mannschaft stellte sich energisch zur Wehr, denn als das

Kleines Feuilleton.

Kunst und Leben.

HKuau, 10, Juni.

H. Erste UttffMrsmr; vor» Jbfen'sGespenster"

Dram.-lit. Verein. Vor einem zahlreichen aus­erlesenen Publikum gingen vorgestern abend im Centralhallen- Saale Jbseu'sGespenster", dargestellt von Mitgliedern des Dram.-lit. Vereins, erstmalig hier über die Bretter. Es war eine große Aufgabe, die sich der Verein gestellt hatte und die

der

er glänzend löste, das mag hier von vornherein festgestellt sein. Ueber das Stück selbst ist ja bereits so viel geschrieben worden, daß eS sich wohl erübrigt, auf den Inhalt hier näher nnzugchcn. Der Grundgedanke ist der, daß die Sünden der Väter heimgesucht werden an den Kindern und das hat der geniale Norweger mit erschütternder Tragik zum Ausdruck ge­bracht, ein echter und rechter Ibsen! Die Wiedergabe des Stückes war in allen Teilen bewunderungswürdig. ' Die im Mittelpunkt der Handlung stehende Darstellerin derWittwe Helene Alving" verstand es, die furchtbaren Seelenkämpfe, die alles andere ertötende Mutterliebe, sowie deren Heroismus in Erscheinung und Sprache meisterlich zur Geltung zu bringen. Dahinter steck! wahrhaft dramatische Begabung, aus solchem Holze werden wahre Künstler geschnitzt. Ein klein wenig mehr .'.'inphnltmtz in den ersten Akten hätte den dramatischen Effekt des Schiliftes vielleicht noch gesteigert. Ihr würdig zur Seite stand der Darsteller desOswald", der die überaus schwierige .bolle mit voller Hingabe und kluger Zurückhaltung wiedergab Gerade hierin liegt bei derartig gezeichneten Charaktern oft die größte Kunst und leider wird hierbei nur allzuoft die Greine vom Erhabenen zum Lächerlichen überschritten. Um so wohl-

We ^°'b hier die Dezenz der Darstellung, uuch die Wiedergabe der weniger dankbaren Rolle desPastor

Manders" war einwandfrei, waS in der Rolle steckt, wurde herausgeholt. Die beiden andern Rollen sind weniger hcrvor- Ireleud, doch schloffen sich die Vertreter derselben dem Gesamt­spiel in Spiel und Maske erfolgreich an. Der warme, von Herzen kommende Ton wollte demTischler Engstrand" im ersten Akte nicht so recht gelingen, dafür, brächte er aber die schöne Szene mit dem Pastor später zur vollsten Geltung. Auch dieRegine Eugsirand" wußte die kühl berechnende selbst­süchtige Person gut zu treffen. Alles in allem eine Leistung, auf die der veranstaltende Verein mit berechtigtem Stolze zu­rückblicken kann. Daß die Darbietung auch von Seiten des Publikums die gebührende Würdigung fand, bewies der reiche wohlverdiente Beifall, für den die Darsteller an jedem Akt­schluß danken konnten. Auch an dieser Stelle sei dem Verein herzlicher Dank undGlück auf" für die Zukunft ausge'prochen. Die gestrige zweite Aufführung des Werkes, die wiederum vor dichlbesetztem Saale vor sich ging, war womöglich noch ab­gerundeter wie die erste, insbesondere verdient auch das szenische Arrangement alles Lob. Reicher Beifall lohnte die die Künstler für ihre wahrhaft vortreffliche Leistung.

"Von der Akademie JvNtrks.'trL a. M. Herr Dr. Gräser, bisher Kaiserlicher Generalkonsul in Heljingfors, der als Dozent f ü r K o n s u l a r w e s e n an Stelle des verstorbenen Herrn Dr. von Möllendorff an der Aka­demie wirken wird, hat seine Lehrtätigkeit begonnen. Die Vorlesungen finden einstweilen täglich statt, um den Zeit­verlust einzubringen, der bei der Lösung seiner bisherigen amt­lichen Beziehungen' für Herrn Dr. Gräser unvermeidlich war.

Eine!» Lttitrarr $««$ KapitelMerftlartbe" lieferte so wird derOstpreuß. Ztg." aus Königsberg i. Pr. geschrieben eine Szene an der Leiche des nni Freitag voriger Woche auf dem alten Neuroßgärter Kirchhofe erhängt gefundenen unbekannten Mannes. Als der hinzugerufene 21e* amte zur Leiche trat, um die AblMeidung des am oberen Ende des Grabkreuzes befestigten Strickes zu veranlassen, be­merkte er eine Menge von Frauenspersonen in unmittelbarer

Nähe, die scheinbar etwas mehr als bloße Neugierde dort zu- fammeuhielt. Bald sollte sich dies ausklären, denn in dem­selben ?!ugenblick, als der Strick gelöst war, fiel die Menge über diesen mit wilder Hast her und zerriß bezw. zerschnitt ihn in unzählige kleine Stücke und jede bemühte sich, sich ein solches anzueignen. Bevor der Beamte recht dem Treiben wehren konnte, hatten die Frauen mit ihrem Raube das Weite gesucht. Daß den Enden von Stricken Erhängter irgend eine glück­bringende oder heilende Eigenschaft nom Volke beigemessen wird, dürfte hiernach außer Frage stehen.

r Der Stimme Maurr der Welt will sich verheiraten und hat diesen Wunsch durch die Zeitung bekannt gemacht. Er bietet her Darne, die er mit seiner Hand beglücken will, ein schönes, glückliches Heim, einen musterhaften Gatten, viel Geld und im übrigen jegliche Freiheit. Der kleinste Mann der Welt ist ein Amerikaner. Er ist bekannt unter dem Namen Major Charles Gantz und wohnt in Fairfield (Iowa). Er wiegt 30 Pfund, ist 18 Zoll hoch, 39 Jahre alt und dürfte daher schwerlich noch weiter wachsen. Sein Vater ist ein wohl­habender Grundbesitzer, und der Sohn hatte den Ehrgeiz, sich ausstellen zu lassen, aber die Eltern widersetzten sich mit Ent­schiedenheit diesem Wunsche ihres Sprößlings. Der Vater ist ein stattlicher Mann von 6 Fuß Höhe und die Mutter wiegt über 150 Pfund. Der Herr Major hat Geld genug, um Weib und Kind unterhalten zu können, und ersucht alle Damen, die auf ihn reflektieren, ihm ihre Photographien mit Namens- nnlerschrift und Adresse einzufenden. Der Herr Major teilt ferner mit, daß er ein Damen freund ist gleich jedem großge­wachsenen Manne, daß er das Herz eines Riesen besitzt und daß er bereits zweimal in Liebe, entbrannt war, daher dieses Gefühl ihm wohlbekannt sei.

Albumblätter.

Jegliche Stunde predigt aufs neue die alte Erfahrung, Daß des Lebens Genuß nicht im Genusse besteht.

' Reichet.